Detlev von Duhn empfiehlt:

 

 

Neil Young & International Harvesters – A Treasure

2

CD + LP

2011er aus der Archive-Serie, live 1984/85 featuring Ben Keith, Spooner Oldham, T.Drummond, R.Thibodeaux, Hargus Robbins, Anthony Crawford, die alle auch auf dem Album „Old Ways“ spielten. Nur 2 Songs sind von der CD „Old Ways“, ansonsten unbekannteres Material – und das ist gut so! 2 Tracks von Reactor („Southern Pacific“, 8 Min. lang, kraftvoller Country Rock, wunderbar melodisch, etwas wehmütig, superb! Und“ Motor City“; beide erheblich besser als die Originalversionen!), eins von Buffalo Springfield „Flying On The Ground“, wunderschöner countryfizierter Pop), eins von Harvest („Are You Ready For The Country“, packender Country Rock, sehr traditionell), sowie gleich 5 (mit 1 bluesigen Ausnahme durchweg ausgezeichnete!) ganz unveröffentlichte Stücke! Z.B. „Grey Riders“, ein Country-Song mächtig rockig gespielt, energiereich, aufregende tolle „klassische“ scharfe Breaks mit fantastischer Gitarre! Oder Amber Jean sowie „Let Your Fingers…“, stark traditionell gefärbter Country (wie auch die beiden exzellenten Old Ways-Stücke, z.B. das äußerst schnelle „Get Back To The Country“, oder das nur auf der „Archives“-Box enthaltene sehr schöne „It Might Have Been“). E-Gitarre steht neben Gefiedel, akustisch Saitenspiel neben Orgel/Piano und Steel- und Slide-Guitar, alles fein kombiniert von großartigen Musikern. Seine beste Veröffentlichung seit langem, ein Muss!
 

 

 

Madeleine Peyroux – Standing On The Rooftop

2

CD

2011er der außergewöhnlichen Sängerin, die früher öfter an Billie Holiday erinnerte (ihre biegsame variable charaktervolle Stimme tut’s manchmal heute noch), nun zwischen allen Stühlen agiert. Eigentlich ist kein Song stilistisch richtig festzulegen, sie vermengt (z.T. nur in Spurenelementen resp. in sehr dezenter Dosierung) in freigeistiger wie feinziselierter Form und immer wieder anders Folk, Jazz, Blues, Pop, Brasil, sogar mal einen Hauch old-fashioned Broadway-Pop bei geringem Rockanteil, mit sporadischen losen/entfernten konzeptionellen Annäherungen an z.B. Joni Mitchell, Terry Callier, kd Lang. Basis ist ein überwiegend leiser differenzierter bzw. relaxter atmosphärischer, filigraner, sanfter oder entspannt fließender Songwriter-Sound, recht edel klingend und instrumentiert (akust./elektr.). 2x Bill Wyman als Co-Autor, auch einige Cover (Beatles, Dylan, Marc Ribot, der zudem ausgezeichnete Gitarren beisteuert!) in sehr eigener Lesart, selbst Robert Johnsons „Love In Vain“ wird völlig verwandelt.
 

 

 

Curved Air – Second Album

2

CD (remastered) + gebrauchte LP

2011er (notwendig!) remastered Reissue im Digipack des 1971er Albums auf Repertoire. Nicht so spektakulär wie Teile des Debuts, aber etwas ausgefeilter bei gleicher Vielfalt. Und ebenso mit ein paar Top-Songs bestückt: V.a. das einzigartige „Back Street Luv“, Single-Hit, erstaunlich eigen, einfach toll. Melodisch klasse ist zudem „Everdance“, quirliger intelligenter Rock mit Pop-Appeal, und auch „Puppets“ (reizvoller origineller kreiselnder Art Pop) sowie „You Know“ (rhythmisch interessanter treibender kluger Rock, ein bisschen wie „Family“) klingen heute noch gut. „Piece Of Mind“ vereint in 13 Minuten variablen Prog-Rock mit Klassikeinflüssen und Dramatik. Doch das kurze „Bright Summer’s Day“ ist ein Ausfall, eine getragene Ballade mit Streichern fällt bei mir gleichfalls durch. Instrumentale Abwechslung, so kompetent wie variabel (herausragend Darryl Ways Geige, Francis Monkmans Keyboards aller Art).
 

 

 

Curved Air – Airconditioning

2

CD (remastered) + gebrauchte LP

1970er Debut, Reissue remastered im Digipak auf Repertoire. Eine der ungewöhnlichsten originellsten wie untypischsten Prog-Bands (in keineswegs reiner Form), schon wegen der klasse erotisch angehauchten sehr individuellen Stimme von Sonja Kristina. Mit dem großen Klassiker Vivaldi (auf den 4 Jahreszeiten basierend), melodisch schon durch die Vorlage toll, die perfekte Verschmelzung von Rock, Klassik und Avantgarde, z.T. sehr rauh gestaltet (gar noisig), dynamisch, kraftvoll, mit grandiosem langem Geigensolo voller Effekte. Wunderbar auch „It Happened Today“ (Rock mit superber Melodie), sehr schön der relativ sanfte Prog-Sound von Screw (mit symphonischer Tendenz) und der fantasievolle schillernde diffizile Prog-Psyche-Rock-Mix von Situations. Desweiteren eine Art Prog-Folk, Rock mit bluesiger Grundierung samt kurzem halluzinatorischem Einschlag, 2x ziemlich aggressiver Gitarren-(Prog/Hard-)Rock
 

 

 

Tudor Lodge – Tudor Lodge

2

CD (expanded + remastered)

2011er Reissue, remastered, 1 Bonustrack. Exquisites Trio mit ausgezeichneter Sängerin (süße wie kraftvolle Stimme) und gefühlvollem Sänger im Wechsel, samt klasse Satzgesängen und Harmonies. Plus reichlich Gäste, die Rhythm Section ist die von Pentangle (Danny Thompson, T.Cox), zu den akkustischen Gitarren gesellen sich viel Flöte, Piano sowie Holzbläser und Streicher, ganz punktuell und wohlarrangiert/strukturiert, 2x auch eine E-(Wah-Wah-)Gitarre. Ihr klassisch englischer Folk (Pop) mit gern traditionsbewusster Grundierung kommt vorwiegend relaxt fließend, manchmal anspruchsvoll komplexer, sanft und bezaubernd, ausgesprochen poetisch, zwischendurch mal samt bedrohlich-dramatischer Note oder eher als Folk Rock (insgesamt geringer Rockanteil). Ungemein melodisch, zudem auf recht eigenständige originelle Art, näher an z.B. Amazing Blondel, der englischen Folk-Seite von Ian Matthews oder Ralph McTell als an Fairport Convention. Empfehlung, auch heute noch!
 

 

 

The Bo-Keys – Got To Get Back!

2

CD + LP

2011er. Aus Memphis. Und wie man das hört!! Memphis Soul, Stax- und Hi-Rec.-Sounds, groovend, z.T. mehr oder weniger funky. Total authentisch kommt das (wie, auf anderer Ebene, Sharon Jones/Dap Kings), völlig klassisch, ohne jede Modernisierung/Verwässerung. Kein Wunder: Hier spielen neben jungen Musikern diverse Veteranen, damalige Musiker obiger Labels, u.a. Members der Bar-Kays (Otis Redding-Tour-Band), Booker T (nach denen auch ein Track klingt), der Willie Mitchell-Hi-Hausband der 70er, Alex Chilton. Zudem singen (die Hälfte sind Instrumentals) der große Willie Mitchell-Schützling Otis Clay (2x), William Bell (Langzeit-Stax-Sänger/Artist), Charlie Musselwhite, Percy Wiggins, C.Pitts. Backing-Gäste u.a. Spencer Wiggins (Duane Allman spielte für ihn in den 60ern), Floyd Newman (Mar-Keys). Mit 6-köpfiger Horn-Section (ein paar Sax-Soli), Gitarre (z.T. Wah-Wah) und Orgel erinnern sie an Otis Redding, Sam & Dave, Ann Peebles, 1x auch Isaac Hayes, daneben gibt es mehr bluesige bzw. Southern-R’n’B-gefärbte Tracks. Klasse Musik, klasse Gesang.
 

 

 

Ray Manzarek & Roy Rogers – Translucent Blues

2

CD

Neue CD des ex-Doors-Organist mit dem ausgezeichneten Blues-Gitarristen (und Slide-Koryphäe!) Roy Rogers. Diesmal elektrisch, beide singen, Orgel/Piano/E-Piano im Wechsel (oder gemeinsam), einen guten Teil des Reizes macht aber die Slide aus (fast immer präsent, doch nie exzessiv, keine ausgedehnten Soli). Bodenständiger oft kräftiger Rock in 70s-Tradition auf Roots-, v.a. Blues/R’n’B-Basis (die unterschiedlich stark, manchmal auch sehr, ausgeprägt ist, ab und zu groovend oder als Boogie). 4x kommt etwas jazziges Flavour (dort inkl. erdigem oder eher elegantem Sax) hinzu. Einzelne Songs erinnern deutlichst an bluesige Doors-Stücke (einer an „Love Her Madly“), 2 Tracks an Früh-60er Brit-Blues (Graham Bond, mit Jazz-Einschlag, bzw. z.B. Animals), 1x lugt Mose Allison um die Ecke. Besser als erwartet!
 

 

 

Over The Rhine – The Long Surrender

2

CD + LP
MONATSFAVORIT JULI 2011

20 Jahre sind sie schon da und immer noch eher eine „Insider-Kult-Band“, ein bisschen „Unsung Heroes“ trotz relative guter Verkäufe in den USA. Producer diesmal: Joe Henry (2x zudem Co-Komponist), absolute Top-Musiker begleiten (Koryphäen wie Greg Leisz, Patrick Warren, Jay Bellerose), Lucinda Williams singt ein Duett. Mit der wird Sängerin K. Bergquist ja gerne verglichen, klingt für meinen Geschmack inzwischen aber deutlich beeindruckender, „besser“ (eigentlich als ALLE im ganzen Roots-Sektor!). so ungeheuer einfühlsam und ausdrucksstark, emotional bestechend, facetten- und phrasierungsreich, oder erschütternd schmerzvoll-nackt, sporadisch scheint da gar Billie Holiday durch! Nothing but Weltklasse!! Dazu kommen sehr schöne und abwechslungsreiche intelligente Arrangements (akustisch-elektrisch, verschiedenste Saiten inkl. Slide und Pedal Steel, reichlich Piano, etwas Streicher, Pump-Orgel, feines Sax, mal ein Chor), ein ungemein reifes wie durchgehend exquisites (teilweise grandioses!) Songwriting mit z.T. ausladenden Bögen. Das Ergebnis: Alles andere als typische Americana-Songs, hier gehen die Strukturen viel weiter, sind zugleich offener und ausgefeilter, die Stücke atmen, entwickeln sich mehrfach zu kleinen Dramen, ergreifend, tief bewegend! Die Einflüsse sind vielfältig: Eine Menge Folk, ein wenig Country (eher dezent), ein paar mal Jazz (auch eher unterschwellig), „Edel-Pop“, Spuren von Gospel und Blues, sporadisch eine kleine Prise Soul, ein mediterraner/südamerikanischer Hauch – oder einfach Multi-Roots. Das alles in weit überwiegend balladesker Form (in jedoch wechselnden Tempi). Ausgesprochen individuell wirkt das, wenn schon Vergleiche/Namedropping, dann z.B.: KD Lang, Emmylou, Tom Waits, Laura Nyro, Billie Holiday. So seelenvoll. So brillant.
 

 

 

John Cale & Band – LIVE 83/84

2

2CD + 2LP + 2DVD

2010er Release, 2 grandiose Rockpalast-Konzerte (DVD 79/78 Min.)! Vollgestopft mit Klassikern fast aller Alben. Nr. 1: 1984 vom Trio begleitet, er selbst an 2. Gitarre oder Piano. Der Gesang manchmal richtig zerstörerisch, besessen, unglaublich intensiv. Stoischer, knochentrockener Rock, teils etwas beeinflusst von Spät-70er New Yorker Post/Art Punk, scharf abgezirkelt, manisch bis fast maschinenhaft, kompromisslos, böse, zutiefst beeindruckend; auf die Spitze getrieben im 9-minütigen Mercenaries, Waiting For The Man, 10-Min.-Medley Pablo Picasso (Jonathan Richman)/Love Me 2 Times (Doors). Dr. Mudd, Leaving It Up To You mit einer Prise Pop-Flair. Unterbrochen vom melodischeren bzw. kraftvoll-lyrischen Mittelteil mit Piano (u.a. Carribean Sunset, Fear…, Paris 1919, als Zugabe auch das wunderschöne Close Watch); und dem geradezu erschütternden unbegleiteten Heartbreak Hotel. Nr. 2: 1983, noch besser! Solo, mit Piano oder Ak. Gitarre, in berauschender Superform, gut gelaunt (er erzählt sogar kleine Anekdoten – nur DVD). Zeigt, welch’ einfach großartiger (Singer-) Songwriter er ist – als solcher agiert er hier quasi. Etwa zu gleichen Teilen wunderbar poetisch, ja sanft (gleichzeitig z.T. trotzdem kraftvoll) und extrovertiert, verzweifelt, im Extrem auch brutal – oder alles auf einmal! Teils rhythmisch sehr stark. Und: bestechend gesungen, absolut klasse! Mit einigen der Klassikern von CD 1 (z.B. Heartbreak Hotel, diesmal düster, spooky – eine phänomenale Version!), sonst meist andere Songs (auch weitere Klassiker, wie Dead Or Alive, Guts, Buffalo Ballet). Die Essenz der Stücke, melodisch fast durchweg allererste Sahne. Ein Fest. Monatsfavorit Nr. 1. 39 Tracks, Vinyl nur 1984 und 4 Songs von ‘83
 

 

 

Cressida – Cressida

2

CD (remastered)

2010er Digisleeve-Repertoire-Remaster, 70er Debut, ein kleiner Klassiker mit Legendenstatus! Typisch britischer Progressive/Art Rock der ausgesprochen songorientierten/melodischen Art, intelligente, abwechslungsreiche Stücke, einige mit diversen Rhythmuswechseln, teils fast feingeistig, filigran. Auffallend federnde/beschwingte, gern schnelle Rhythmen (sehr positiver Faktor und ungewöhnlich für das Genre). Manchmal mehr Pop als Rock. Hier und da Folk-, Jazz-, Klassik-Einflüsse eingearbeitet (oder gar nach Singer-Songwriter klingend, auch ganz akustisch). Die ausgezeichnete Orgel hat einen hohen Stellenwert, äußerst apart, agiert mit Vorliebe flüssig bis beinahe rasant, quecksilbrig, oder legt samtene Teppiche aus. Gitarre begleitet oft unauffällig aber effektiv, setzt kurze Solo-Akzente (dann auch mal handfester), von Fuzz bis stechend. Instrumental hervorragend, aber keine langen Songs/Solotrips! Inkl. kurzer Rare Bird-Anklänge. Und das melancholische Down Down ist einfach traumhaft schön! Sehr zu empfehlen!
 

 

 

High Tide – High Tide

2

CD (remastered mit Bonus-Tracks)

Die 2. LP von High Tide, von 1970, neu auf CD remastered. Nur 3 (sehr) lange Stücke. Im Zentrum stehen wie beim Debut die Interaktionen (resp. ellenlangen Improvisationen/Soli/Duelle) von gerne effektgeladenen Gitarren (T.Hill, ex-Misunderstood) und zupackender (E-)Geige (Simon House, später Hawkwind, Bowie), öfters Orgel-unterlegt. Jedoch nicht so grell, überbordend, exzessiv wie „Sea Shanties“. Progressive Rock mit ein paar Acid/Psyche-Untertönen, recht geradlinig und fast heavy bzw. kantig-kraftvoll mit Jam-Charakter, aber auch songhaft-melodische bzw. etwas komplexere Parts, für 1-2 kurze, ruhige Momente, gar ein Hauch Klassik. Bonus: 2 Alternativversionen plus die damals unveröffentlichte Great Universal. (15 Min.!) und Ice Age (Outtakes).
 

 

 

Buffalo – Dead Forever

2

CD (remastered)

2010 rematered Reissue auf Repertoire. '72er Debut der Australier, P. Wells gründete später Rose Tattoo. Großteils längere Stücke. Zeittypischer Hard Rock in früher Black Sabbath- Tradition, Boogie-ähnlich, quasi als Stoner Rock-Vorläufer (kein Doom), kraftvoller, weniger harter, straighter Rock, ähnlich ihren Landsleuten Masters Apprentices; kurz gar leichte Acid/Prog-Anklänge; mehrfach scheint Blues-Grundierung durch, bis hin zu hartem Blues Rock (nicht nur im 11-minütigen Free-Cover „I’m A Mover“, die 2. Hälfte als Heavy Boogie, ein eigenes Stück klingt noch stärker nach bluesigen Free). Plus eine Rock-Ballade (ganz frühe Scorpions?). Guitar rules, riffend, heulend, kurze Effekt-Freak-Outs, aber auch melodische Parts.
 

 

 

Colosseum – LIVE 2005

2

Doppel-CD

Live 2005 in Stuttgart und Innsbruck, die Paradestücke ihrer Karriere, plus 3 neuere. In der klassischen Besetzung, nur Barbara Thompson ersetzt Dick Heckstall-Smith, die auch ein paar frische Elemente, Klangfarben einbringt (mehr Sopransax), zu dem über bessere Spieletchnik verfügt, z.T. etwas jazziger als ihr Vorgänger spielt. Insgesamt aber sind sie eher rockiger (das furiose Those Are About To Die, 16 Min. handfesteres Lost Angeles), bzw. der Blues/R’n’B-Anteil liegt höher (Theme For An Imaginary Western, erdiger, schwerer; 23 Min. Valentyne Suite, direkter, rhythmisch stringenter, mehr solistischer Freiraum; 2 der neueren Stücke, kraftvoll, bodenständig, treibend bzw. fetzig; das 3. ist leichtfüßig, verspielt, elegant). Ausnahme: Stormy Monday besitzt ein jazzigeres Flair als früher. Rope Ladder: Verlangsamt, leicht funky – anders. Farlowe singt immer noch überzeugend, die Gitarre agiert aggressiver, schärfer, klasse Drums wie immer.
 

 

 

I Am Kloot – Sky At Night

2

CD + LP

I am Kloot bzw. Songwriter Bramwell werden tatsächlich immer besser! Hochattraktive feinst ausgearbeitete Arrangements, ob im Vordergrund akust./elektr. Gitarre, Orgel und/oder Piano (teils alle zusammen) stehen oder Streicher, Harfe, Sax, Trompete, Pedal Steel dominieren/ergänzen; ob leise, reduziert, feinfühlig oder volltönend, kurze dramatische Akzente oder rhythmisch wunderbar elastisch. Songwriter-Folk-Rock mit Pop-Flair, poetisch zart folkig, Edel-Pop in zeitlos-einfühlsam-balladesk oder vollmundig, Mischungen daraus, auch mal eine kleine Prise Blues oder klassisch-werthaltig-old-fashioned (ein Hauch Sinatra). Zwischendurch schimmern ein wenig Beatles, Waterboy Mike Scott oder Richard Hawley durch. Und, mehrfach, in ihrer intelligenten melodisch so reizvollen Art, Pop individuell und hochwertig zu gestalten, ohne Rücksicht auf Zeitgeist, werden Assoziationen zu Prefab Sprout wach – der balladeske Anteil ist hier allerdings weit höher, die Musik oft zarter. Große Empfehlung!
 

 

 

Dr. John And The Lower 911 – Tribal

2

CD + LP

2010er Release, klasse! Knüpft an die glorreichen frühen 70er an. Sein klassischer, archetypischer New Orleans-(R’n’B-)Sound, großteils bestechend swampy, funky, groovend (ab und zu etwas härter, offensiver als sonst), hier und da, nur ein Hauch, jazzy (Piano, Bläser). 4 Stücke (von 16) fallen aus dem Rahmen: Das teils perkussive, schnelle, 7-minütige Titelstück mit Indian Mardi Gras-Chants – außergewöhnlich! 2 besonders leichtfüßige, flotte Tracks mit Latin-Anstrich bzw. als fast spiritueller Soul-Jazz (mit Top-Jazzer D. Harrison als Gast). Plus das rockige Manoovas mit der Slide von Derek Trucks. Unnachahmlich und in Hochform sein beständig melodisch verschleifender/mäandernder Gesang, begleitet von strikt reduzierter Gitarre, Piano und warmer Orgel (gemeinsam), zusätzlicher Percussion, zur Hälfte Backing Vocals und Bläser (meist mit Extra-Melodien, aber auch scharfe Spitzen, elegant oder fast James Brown-mäßig). Transparente schöne Produktion! Mit 2 neuen Songs von A. Toussaint und 3 zusammen mit Bobby Charles geschriebenen. Ein Monatsfavorit, große Empfehlung!
 

 

 

Los Lobos – Tin Can Trust

2

CD + LP

Auch 2010 immer noch in alter Besetzung. Viele Blues-beeinflusste Stücke, als bluesiger (Roots) Rock, saftiger, rockender Blues (kleine Prise frühe ZZ Top) oder bluesige, mal atmosphärische, mal kraftvolle Ballade, daneben ein Folk/Roots-Rocker, R’n’B-lastige Stücke (z.B. das 7-minütige, handfeste, mit Rock-Groove versetzte, Grateful Dead-Cover West L.A. Fadeaway) und 2 exzellente traditionelle Songs in spanisch: 1 purer akust. Conjunto a la Flaco Jimenez mit Akkordeon, 1x Cumbia Mexico-style meets Rock. Einige der Songs sind ausgesprochen melodisch (reizvoll). Allüberall klasse Gitarrensounds, wunderbar scharf und/oder fett schneidend, distorted, Wah-Wah, Feedback, sogar Acid-haltig! Dazu akust. Gitarren, Orgel- oder E-Piano-Backing. Zur Hälfte sehr aparte leichtfüßige/elastische Rhythmen. Mit 1 neuen von Robert Hunter co-geschriebenem Stück.
 

 

 

Brainticket – Psychonaut

2

LP
(mit beigelegter CD)

1972er Album der legendären Underground-Band, 2010 neu remastered. Eklektisch: hippie-esker Psychedelic Pop, extrem atmosphärisch mit viel Hall/Echoeffekten zwischen friedlichem Folk, tiefer mystischer Psychedelia und östlichen Elementen, teilakustische Folk-Psychedelia sowie mehrere Psychedelic/Prog-Rock-Hybriden, mal sehr dunkel, mal versetzt mit einem Schuss Eastern oder Tribal Beats. Neben Gitarren und – immer wieder im Vordergrund – der röhrenden/schillernden Orgel des Leaders, werden ein paar Mal Flöte oder auch Sitar, Piano eingesetzt. Zwischendurch erinnert’s ein bisschen an Arthur Brown’s Kingdom Come. Für Nostalgiker.
 

 

 

Brainticket – Cottonwoodhill

2

LP
(mit beigelegter CD)

2010er Vinylreissue auf Lilith mit beiliegender CD. Das ‘71er Debut. Eine Platte als LSD-Trip. Zentral: Das 3-teilige „Brainticket“ über anderthalb LP-Seiten: Ein non-stop-aggressives, repetitives Orgel-Riff, ebensolche Gitarre im Background, teils überlagert von (auch sehr grellen) Noises/Samples/Electronics/Orgel-Drones/Vocals. Hypnotische Note. Acid Trip Rock? Anders als Andere. Teile klingen ein bisschen wie ein Blueprint für Fausts „So Far“. Die beiden anderen Stücke: Rhythmisch genauso geradlinig, auf eigene Art groovend; Psyche-(Acid-)Prog mit aggressiver/röhrender/fauchender Hammond, Säure-Gitarren, Wah-Wah. Sowie hippie-eske Groove-Psychedelia mit einem Hauch Arthur Brown, Orgel, Riff-Gitarre, Flöte.
 

 

 

Gurumaniax – Psy Valley Hill

2

CD + LP

Gurumaniax 2010 sind 2/3 Guru Guru zu ihrer Glanzzeit, Trio mit Neumeier und Genrich (plus G.Segers, Univers Zero). 3 Titel, das 14-minütige Spaceship Memory, For Uli T. (wie Trepte), Electrosaurus (wie Electo-Lurch) nehmen gar direkt Bezug. Zunächst ein Jam-Powerpaket voller schroffer/greller/distorted/Wah-Wah-Gitarren als federnder, treibender, rasanter Acid Rock in modernisierter Form sowie gedämpfter/effektgeladener/verwehter Psychedelic Space Rock mit leisen Passagen (UFO-Flying-Anleihen): Der Rest: zwischen diesen Polen, Mischungen daraus (v.a. Psyche-, Space-Rock) – meist Jam-Charakter, reichlichst Effekte (Wah-Wah und Echo als Konstante), intelligente flexible Rhythmen, ein paar Vokal- und Synth-Fetzen. Tendenziell etwas ruhiger, resp. atmosphärisch. Bezugspunkte sind klar Gurus 2./3. LP. Aber keine Kopie!
 

 

 

Alan Bown – Listen

2

CD

Das 70er Album, 24-Bit-remastered von Originaltapes, Mel Collins (King Crimson etc) produzierte. Gekonnte differenzierte Hybriden aus R’n’B, Rock, Jazz, unterschiedlich gewichtet, manchmal mit Progressive-Einfluss, aber auch ziemlich pure R’n’B/Rock-Mixe bzw. bluesiger Rock (1x mit Groove-Faktor); inkl. leiser Passagen. Mehrfach erinnert das an Colosseum, kurz auch an Atomic Rooster, Free (sogar gesanglich), Family. Sehr musikalisch, keine Egotrips, fein instrumentiert: Exzellente, z.T. filigrane, einfühlsame Gitarren, schön unterlegte Orgel, die Bläser ganz gezielt eingesetzt (die Trompete auch mal effektvoll mit reichlich Echo). Der Gesang (Gordon Neville) vereint bestens raue Power und Gefühl.
 

 

 

Chesterfield Kings – Live On Stage…If You Want It

2

CD+DVD /
CD+LP

Ihr 1. Live-Album von 2009, 16 Tracks (die DVD ist das gleiche Konzert). Auf Little Stevens Wicked Cool-Label, gemixt von Semi-Legende Ed Stasium. Mehr ROLLING STONES geht kaum noch, sogar der Gesang ist klassisch MICK JAGGER (inkl. der gleichen Show-Manierismen, siehe DVD). Gerne im typischen Spät-60er-Stones-R’n’R-Stil, Assoziationen zu Honky Tonk Women, Live With Me beschleunigt; auch Anklänge an die frühen (rauher Brit-R’n’B) oder Sticky Fingers, plus ein schamloses Jumpin’ Jack-Flash-Ripoff. Das alles dreckig, teilweise roh und gekoppelt mit etwas, oder auch sehr viel Garage Rock („Nuggets“-Style). Zum Schluss immer wilder, überschäumend, inkl. Sax/Piano. Aus der Reihe fallen das einzige Cover (Merle Haggard!), die 2 Songs, die Little Steven co-komponierte und 1 weiteres: (Teil-) Akustischer Country- bzw. Roots-Rock mit Ak. Gitarren und Pedal Steel, je 1x auch eine kleine Prise Psychedelia bzw. à la spätere Green On Red.
 

 

 

Little Axe – Bought For A Dollar, Sold For A Dime

2

CD

2010er Veröffentlichung der Skip McDonald-Truppe, immer noch der originale On-U-Sound-Kern mit Wimbish, Le Blanc. Bernard Fowler singt überragend, ausdrucksstark phrasierend, soulig eingefärbt, diverse Sänger/innen (auch welche vom Debut '92) steuern reichlich exquisite, vielstimmige Backings bei (und weitere Leadstimmen). Blues ist (meist) die Basis. Innovativer, natürlich! Nur 1x ziemlich traditionell verhaftet (auch das mit eigenem Charakter), sonst v.a. im Kontext von massivem Groove, auch sehr modernem, verschmolzen mit Funk, Soul und Gospel, und/oder kraftvollem Rock (1x fast heavy). Hinzu kommen ein paar ruhige entspannte bzw. balladeske Stücke mit spiritueller Reggae-Note, in Kombination mit Soul oder in einem wunderbaren (West-) Afrika-inspirierten Song. Die Gitarre (effekt- und einfallsreich, variabel, ökonomisch, auch kunstvoll akustisch) und zur Hälfte eine feinst mäandernde Harmonica sorgen in noch so modernen Settings für die bluesige Erdung. Das Sahnehäubchen: sparsame kurze wie ausgiebige Dubeffekte von Co-Producer Adrian Sherwood. Und ein paar Mal Bläser. Hervorragendes Album, gute Songs! Sehr empfehlenswert!
 

 

 

Dave Holland Octet – Pathways

2

CD

Live 2010. Das neue hochkarätige Octet des großen Bassisten/Komponisten. Typischer moderner (oder eigentlich schon wieder zeitloser) vielschichtiger „Post Bop“ – besonders guter, offen für vieles! So klingen sie mal rhythmisch ausgesprochen (scharf) akzentuiert, voller Power, fast funky, ziehen richtig (rasant) ab; sind ruhiger, atmosphärisch, relaxt; steigern sich begeisternd, quirlig, frenetisch bis ekstatisch; agieren raffiniert polyrhythmisch. Viel Melodie! Die durchweg erstklassigen Soli werden von erfreulich vielen, auch längeren sorgfältig ausgearbeiteten, teils fabelhaften, kunstvoll verschlungenen Arrangements der 5 Bläser (u.a. Potter, Eubanks) eingerahmt, bzw., noch besser, direkt begleitet/ummantelt – immer wieder, klasse! Statt Piano ein einfühlsames Vibraphon (Marimba). Glänzende Drums auch, Bass sowieso. Sehr lange CD, große Empfehlung!
 

 

 

Oysterband – The Oxford Girl And Other Stories

2

CD

2010er Album zum 30-Jahre-Jubiläum der englischen Folk-Rocker. 14 alte Tracks. Viele ihrer besten, neu, teils ganz anders eingespielt, und zwar akustisch, mit großem, klangfarbenreich-buntem Instrumentarium. Das klingt oft tatsächlich noch besser als im Original! Süffig-vollmundige Stücke wie schlichte und sparsame (sogar a-capella), ein paar v.a. rhythmisch dezent zeitgemäße mit sehr flüssigen Grooves, traditionell bzw. ganz auf den Gesang orientierte; richtig abziehend/ansteckend wie ruhig, bedächtig, poetisch oder relaxt fließend. Ob old-fashioned Folk, Folk Rock, Songwriter-Folk – fast immer ist melodische Exzellenz die große Stärke! Dank der tollen Songauswahl, in dieser geballten Form sonst selten bei ihnen. Schön auch die vielen mehrstimmigen Vokalbeiträge. Multi-Klapp-Digipak.
 

 

 

PFM – Chocolate Kings (exp. + rem.)

2

2CD

2010er remastered Reissue des '75er Albums der italienischen Vorzeige-Progger. Progressive/Art Rock in Reinkultur, von ganz zart oder lyrisch bis rockig, filigran bis virtuos-quirlig, relaxt bis rasend, abwechslungsreich auch innerhalb der (mittel-langen) Stücke. Oft rhythmisch und strukturell komplex, aber auch ein durchgängig relativ geradliniger treibender Rocker. Klangfarbenreich gestaltet, extrovertierte Vocals, alle Arten Tasteninstrumente, Gitarre schon mal akustisch, Flöte, Geige. Früherer Klassik- und ELP-Einfluss ist fast eliminiert, dafür Anklänge an Yes (v.a. die rockigen), Camel, frühe Genesis (leise wie kräftige), sogar (ruhige) Family oder Gentle Giant. Sporadisch eine kleine Prise Jazz Rock, Folk. CD 2 beinhaltet ein unveröffentlichtes Konzert aus dem Jahre 1976.
 

 

 

MAlan Bown – Stretching Out (rem.)

2

CD

2010er remastered Reissue des Albums von 1971. Alan Bown ist ein weit unterschätztes Septet, Mel Collins (ex King Crimson) hat’s produziert. Ein Hybrid aus Rock, R’n’B, Jazz- und Prog-Elementen mit Kanten, Überraschungsmomenten und v.a. melodischem Reiz! Expressiv, einfallsreich, intelligent, dynamisch abgestuft. Dabei gerne handfest und bodenständig, keine abgehobene Kopfmusik. Wozu auch der rauhe gute Gesang beiträgt. Oft sorgfältig arrangiert und aufgebaut, aber auch straighte Stücke bzw. geradlinig rockende Parts. Zwischendurch blitzen Graham Bond-, If-, Colosseum-Anklänge auf. Gitarre, Orgel/(E-)Piano und 2 Bläser (u.a. J.Helliwell, später Supertramp) agieren gleichberechtigt. Mittendrin 1 lyrische sehr melodische Piano-betonte Ballade. Teils ziemlich lange Stücke.
 

 

 

John McLaughlin And The 4th Dimension – To The One

2

CD

Großteils live im Studio im Quartet 2010 eingespielt. Inspiriert von Coltranes All-time-Klassiker „A Love Supreme“, nach eigenen Worten (zu hören in der teils modalen Spielweise). Ausgesprochen melodiös. Das erinnert an rasante Electric Jazz-Zeiten der 70er, die Keyboards punktieren oder solieren (jedoch eher 60s-inspiriert, das gilt z.T. auch für die Gitarre). Mal Swing als Basis, doch weit darüber hinaus, komplex-wirbelnd, transparent, flüssig, teils mit Bedacht. Oder treibend-virtuos, abziehend im Highspeed-Modus, fließend-quirlig, unterschwellig intelligente Funk/Rock-Elemente. 2x etwas lyrischer (bzw. balladesk) mit gedämpft-weichen Guitar-Synthies, ebensolchem Bass und untermalenden Keyboards.
 

 

 

Medicine Head – Radio Sessions 1971-1977

2

CD

Großteils '71-73 aufgenommen, dort minimalistisch, reduziert, so simpel wie enorm schlagkräftig, gerne stampfend, meist nur Bassdrum/HiHat, scharfe riffende (teils slidende) Gitarre und (z.T. furiose) permanente Harmonica (sporadisch Bass). Ab ‘74 wurde der Sound „normaler“, mit Bass, Drums, partiell 2. Gitarre oder Orgel. Reihenweise erstaunlich starke Songs! Gute Stimme! John Peel wusste, warum er Medicine Head so mag. Rock/Blues-Hybriden und rockender R’n’B v.a., manchmal stürmisch, mit Steigerungen ins Rasende, aber auch Pop-Appeal (nicht nur beim berühmten One And One Is One) und ein paar Balladen (folkig/bluesig akust., 1x fast futuristisch und absolut originell durch massive Dub-ähnliche Effekte). Mehrere ganz unbekannte (gute!) und non-LP-Songs. Sehr informatives Booklet.
 

 

 

Gun – Gun (rem. + exp.)

2

CD (oder
gebrauchte LP)

Das ’68er Debut der Gurvitz-Brüder mit dem unsterblichen Race With The Devil, Proto-Hard Rock-Boogie voller Rasanz und Power, klasse Gitarrenmotiv. Ansonsten: härterer wie atmosphärischer Rock, eine Ballade, früher Prog/Psychedelic-Einfluss im (etwas ziellosen) 12-Minüter Take Off. Viele Besonderheiten, unkonventionelle Ideen (auch Rhythmen); z.B. kleine Prisen Klassik oder Flamenco, Tribal-Ansätze, Symphonic-Elemente. Und dramatische Opulenz durch Streicher- und/oder Bläser-Arrangements (auch mal größere Chöre) in den meisten Stücken, die sich über dem gitarrengetriebenen Soundtürmen. Sowie fuzzgetränkte/effektgeladene Gitarrensoli. 4 Bonustracks (Single/Mono-Mixe, As/Bs, ein non-LP-Track).
 

 

 

Gun – Gunsight (rem. + exp.)

2

CD

Das Album von ’69er. Neben eher orthodoxem, treibendem harten/Hard Rock typisch End-60er (schöne ausgiebige gleitend-gleißende Gitarren), dabei 1x mit Pop-Appeal und Who-Anleihen, auch hier zur Hälfte mit attraktiven/ungewöhnlichen Ideen: Ein akust. Blues mit abziehendem, rockigen Mittelteil/Schluss, jeweils inkl. Slide; eine reizvoll/originell folkig/jazzig/bluesig begleitete/arrangierte Pop-Ballade; 2 kurze Flamenco-Rock-Intermezzi; sanfter Folk Pop nur mit 2 akustischen und apart klangmalender E-Gitarre; überraschender teilakust. Roots Rock mit elektr. Slide, gewagt abgemischt. Qualitativ homogener als das Debut (aber ohne herausragenden Hit). 2 non-LP-Single-Bonustracks.
 

 

 

Flash – In The Can (rem. + exp.)

2

CD

Das 2. Album der Band von ex-Yes-Gitarrist P. Banks aus dem Jahr 1972. Mal geradliniger, mal kraftvoll-komplexer, oft ziemlich rockiger Progressive Rock mit ganz starken Anklängen an frühe Yes; selbst in manchen Harmoniefolgen oder beim Bass, v.a. im absolut hochklassigen fantasievollen Gitarrenspiel (das zwischendurch in kurzen leisen Passagen auch extrem feinfühlig sein kann). Auch mehrfach auftauchende, strahlende, mehrstimmige Vokalsätze erinnern ein wenig an Yes. Keyboards (Synthie) tauchen jedoch nur sehr punktuell in 2 Stücken sparsam auf. 1 kurze Passage läßt an King Crimson denken. 2 Bonustracks (diff. Single-Version, 1 non-LP-Stück).
 

 

 

Sam Gopal – Escalator (rem.)

2

CD oder alte
LP-Version

2010 remastered von den Originaltapes aus 1969. Sänger und einer der 2 Gitarristen: Motörheads Lemmy, bevor er zu Hawkwind ging. Markenzeichen: Percussion/Tabla statt Drums. Einerseits Heavy Freak Rock mit ziemlich frenetischen verzerrten (auch Fuzz-) Gitarren, bis hin zu Proto-Hard Rock-Anklängen, manchmal sind unterschwellig Blues/R’n’B-Einflüsse integriert. Zum anderen relativ ruhige, leicht psychedelische Songs, dabei auch teilakust. Folk-Pop-Tendenzen und/oder mal ein ganz kleiner Eastern-Touch (sehr schön: Yesterlove, einer von mehreren Lemmy-Kompositionen). Sporadisch erstaunlicherweise Anklänge an lose Jams früher T.Rex. Eins von 2 Covern: Donovans Season Of The Witch, etwas bluesig.
 

 

 

Clark Hutchinson – Born To Be Stoned

2

2CD (original
Einzel-LPs)

Neu remastered von den Original-Masters aller 3 regulären LPs (1970-71). Das Debut A=MH2 ist außergewöhnlich: Repetitive/hypnotische Songs als Psychedelia ganz eigener Art, Raga Rock über indischen Skalen bzw. Mixturen aus R’n’B/Eastern/Rock, Schamanen-Raga-Jazz/Ethno/Bolero plus eine folkige Gitarren-Solo-Meditation mit spanischer Note. Immer getragen von ausgiebigsten flüssigen, melodischen wie virtuosen Gitarrenimprovisationen, unterstützt von Percussion, Sax-Riffs, Piano, Orgel oder Flöte. Ganz anders LP 2, Retribution: Nun mit (rauhen, mal exaltierten, krächzenden, mal farblosen) Vocals, weiterhin langen, z.T. glänzenden Gitarrenexkursionen. Zwischen rohem Power-Blues-Rock und bluesigem Rock in gemäßigtem Fahrwasser, ab und an leichte Taste-Anklänge, 1x ein Hauch Beefheart. Plus eine Blues/Jazz-Fusion. Auf beiden LPs fast nur sehr lange Stücke. Nr. 3, Gestalt, ist viel eklektischer (kürzere Tracks): Blues- und Acid-Rock, Folk, Ethno, (Free) Jazz/Avantgarde, Spanish Guitar…
 

 

 

Graham Parker – Imaginary Television

2

CD oder LP

Kaum jemand registriert, wie beständig gut seine Alben immer noch sind. Auch dieses. Die unverkennbare Charakterstimme transportiert viel Gefühl, rund organisch instrumentiert (akkustic und E-Gitarre kombiniert, Orgel bzw. Piano/Akkordeon), ohne große Aufregung oder Härte. V.a. leicht rootsiger zeitloser Rock, bzw. relaxt/balladesk und etwas folkig oder bluesig, 2x aber auch Reggae-Anleihen, ab und an rhythmisch markant geschnitten. Zwischendurch Anklänge an Dylan (späte 90er/00er) oder balladesken Costello; oder ähnlich „Nick Lowe“-Kumpel Geraint Watkins, wenn er (mehrmals) sehr schön „altmodisches“ Flair einfließen lässt (gänzlich nostalgisch: Ein Roots-Mix der 50er). Durchweg gute Songs, manche ragen noch einmal heraus (besonders 1st Responder!).
 

 

 

Samsara Blues Experiment – Long Distance Trip

2

CD

Mit Blues hat nur eins der 6 Stücke (4 davon über 10 Min. lang) zu tun. 2x Blues- und Raga- bzw. Space-beeinflusster Psychedelic Trip Rock (mit Hendrix-, Hawkwind- und frühen Monster Magnet-Einflüssen); 1x von frühen Floyd zu schnellen Kyuss, von Psyche zu Post-Doom. Jeweils voller mehrschichtiger wabernder/blubbernder/Wah-Wah/Fuzz etc.-Gitarren-Exkursionen, manchmal heavy, teils Orgel-unterlegt. 2 kürzere Tracks (ohne Gesang): Heavy Heavy Rock (Sabbath-Einfluss) sowie akustisch-folkig-zart, nur Gitarre. Und ein 23-Minüter: Heavy Stoner Rock, psychedelische Untertöne, ein verdichtetes Gitarrenmeer. Ausgedehnte Instrumental-Parts, natürlich.
 

 

 

Obskuria – Burning Sea Of Green

2

CD

Mit ex-Mitglied des 70s-US-Psyche-Geheimtips Dragonwyck. Klingt extrem wie in den frühen 70ern (auch mal späten 60ern): Ob (mehrfach) Psychedelic Space Rock (mal hypnotisch, mal ein Hauch frühe Floyd, mal eine Prise Prog, mal ohne den Space), Heavy-Doom-Psychedelia in Zeitlupe, zwischen Doom Hard Rock (Sabbath-Einfluss) und Psychedelic Rock (grelle Space-Gitarren), zwischen Monster Heavy Rock und fetteren ganz frühen UFO, oder ein Slayer-Cover (sonst nur Eigenes) im Früh-70er-Hard-Rock-Stil. Tolle Gitarrensounds überall (teils feinst schillernd), Hammond-unterlegt. Keine Endlos-Jams, sondern relativ komprimiert, oft mit viel Druck/Drive. Ausnahme: der 13-minütige Titeltrack, ein purer an- und abschwellender erstaunlich vokalreicher Trip zwischen Ultra Space, Space-Kraut, Deep Psychedelia und Space Boogie.
 

 

 

Home – The Alchemist (remastered)

2

CD

Reissue, remastered. Ein suitenartiges vielschichtiges ‘73er Konzeptwerk. Eine Menge Prog-Elemente, komplexe Arrangements/Songgestaltung, doch kaum Ähnlichkeit mit den üblichen Verdächtigen, außer sporadisch Yes; ab und zu auch nicht weit weg von Wishbone Ash (den frühen vertrackten – Vas Dis – und den ruhigen; Gitarrist Wisefield wechselte danach zu WISHBONE ASH!). Versetzt mit Satzgesängen, Pop- und ein paar Folkeinflüssen. Neben Gesang im Zentrum: das hochwertige, streckenweise verblüffende, brillante, gerne filigrane Gitarrenspiel, akust. und elektr., inkl. reihenweise rasantester Läufe. Tasteninstrumente, selten Bläser/Streicher unterstützen effektiv/punktuell. Poesie, enorme Dichte, Dramatik, zupackende wie leise Parts.
 

 

 

Paul Brady – Hooba Dooba

2

CD

Neue CD aus 2010! Der irische Dauerbrenner mit eingespielter Band. In mehrfacher Sicht variationsreich: Roots Rock, kräftig oder rhythmisch klasse vorwärtsziehend (ähnlich Gallows Pole), oder delikat mit etwas New Orleans/Southern-Note; zeitlose Songwriter-Balladen, melancholisch-sanft oder old-fashioned als großes Gefühlskino (leichter Randy Newman-Touch); Folk Rock, ausdrucksstark und auch mal ziemlich irisch klingend (sonst eher amerikanisch/universell); rootsiger Balladen-Rock, vollmundig, gefühlsbetont; Songwriter-Folk-Pop, nachdenklich; Modern-Groove-Soul-Pop (einziger kleiner Ausfall). Echt und ehrlich! Durchweg gehaltvolle Songs, auch exzeptionelle (das packende auch textlich fordernde Over The Border; Living The Mystery, All-Roots, ähnlich Van Morrison; Rainbow, mit Southern-Anstrich, feiner cremiger Lap Steel von Jerry Douglas).
 

 

 

Chuck Berry – Live At The Toronto Peace Festival 1969

6

DVD

45-Min.-Konzertfilm von Koryphäe D.A. Pennebaker vom berühmten Festival (Plastic Ono-Debut…). Reihenweise Klassiker, auch ausgedehntere Versionen mit improvisierten Parts (Johnny B.Goode, Reelin’ & Rockin’ und 2 pure Blues-Nummern – „Hoochie Coochie Man“ und „In The Wee Wee Hours“), inkl. etwas längeren Gitarrensoli, ökonomisch gespielt. Ein paar ungewohnt abgehackte Vocals (manchmal fast Pre-Rap), auch Call und Response mit dem Publikum. Ansonsten sein typischer R’n’R. U.a. Rock & Roll Music, School Days, Maybellene, Carol, Sweet Little 16. Die Kamera konzentriert sich ganz auf den gutgelaunten Maestro, viel Show, massig Nahaufnahmen – und das Publikum.
 

 

 

Miles Davis – Warsaw Concert 1983

6

Doppel-CD oder DVD

2010er Release. Gab’s damals nur (zur knappen Hälfte) auf supermegararer LP für Mitglieder des polnischen Jazzvereins (dort allerdings in Stereo). Septet, v.a. Stücke der 83er Star People, 84er Decoy. Da steckt noch einiges aus seiner glorreichen 70er-Zeit drin! Viel besser, frischer, aufregender als später! Ganz anders als „We Want Miles“ 2 Jahre zuvor. Den Studio-LPs der 80er überlegen. V.a. die mächtig kochend/treibenden Stücke (ca. die Hälfte), rockig-funky (oder heavy, schleppend-funky), prächtig schillernde punktuelle Synth-Orgel-Flächen, kurze attackierende Höhenflüge sowie attraktive Melodiekürzel der Trompete, verzerrte Gitarrensoli (John Scofield), Unisono-Passagen. Dazu kommen atmosphärische/ruhige/differenzierte Stücke, oft bluesig, ausgedehnte Soli von Sax (Bill Evans), Gitarre oder leiser, ja zarter Trompete. Mono, Sound gut.
 

 

 

Portico Quartet – Isla

2

CD + LP
Empfehlung!

Neue Band aus London auf Realworld. Von Mojo u.v.a. abgefeiert, mit Radiohead verglichen (??) oder mit Nordic ECM assoziiert (ja, partiell). Einzigartigkeit wird ihnen zu Recht attestiert, sehr eigenständig und originell! 2, 3 mal erinnert’s an Soft Machine (LPs Nr. 6/7). Sie spielen eine geschmeidig-samtige, (hoch)melodische Art Jazz, mit mal modernen Pop-Untertönen, viel öfter aber massivem Minimal-Einfluss, voller elastisch-fließenden, federnden Rhythmen und repetitiven Motiven (v.a. vom „Hang Drum“, klingt wie ein weicher Mix aus Piano, Glocken und Steel Drums; aber auch von Piano, Marimba, Bass). (Meist Sopran-) Saxophon steuert wunderbare langgeschwungene Melodien bei. Äußerst suggestive Musik! Mit z.T. kontemplativ-hypnotischer Note. Empfehlung!
 

 

 

Fehlfarben – Glücksmaschinen

2

CD + LP

2010er-Veröffentlichung. Ihre Beste seit langer Zeit! Irgendwo zwischen Post Punk, Electro/Disco-Wave (1x mit New Order-Anleihen), rohem Rock, manchmal auch groovend, Dub/Funk-Rock, ein rauher Pop-Appeal. Viele 80er-Anleihen natürlich, sporadisch Annäherungen an moderat modernen Rock. Alles wunderbar von Moses Schneider (Tocotronic) produziert, ungeheuer kraftvoll, fordernd, sehr lebendig und direkt, lustvoll scheppernd, komplett unverschnörkelt, meist treibend und enorm intensiv, dicht, ja peitschend. Teils rhythmisch packend, gar hypnotisch. Themen wie Wirtschaftskrise, Internet-Kommunikation, zum Schluss eine wütende, höhnische Abrechnung mit heutiger vergifteter Auffassung von „Respekt“, „Ehre“ (Immigranten etc.). Diverse klasse plakative Slogans.
 

 

 

Chumbawamba – ABCDEFG

2

CD

Immer noch aktiv – auch in 2010. Und ihr Satz/Harmony/Chor-Gesang ist wieder mal hinreißend! Gäste von Oyster Band, den famosen Bellowhead, Unthanks. Ein Konzeptalbum über Musik! Feine Texte wie gewohnt, natürlich trotz des Themas auch politische Inhalte, einiger trockener Witz sowie Bosheiten unschuldig verpackt. Hoher Folkanteil; alt-englischer, oder in Form eher zeitgenössischem, freundlichem Folk Pop bzw. sanft Singer-Songwriter-like, mal gekoppelt mit einer Prise Country oder gar Klassik, oder eine Art Folk-Pop-Reggae. Daneben etwas Vaudeville/Musichall meets 20s-Jazz. Akustisches, aber reichhaltiges, sehr buntes Instrumentarium, manchmal a capella/nur Ak.Gitarre. Melodisch so simpel wie hochwertig!
 

 

 

Kevin Coyne – Majory Razorblade

2

Doppel-CD (remastered)

2010er remastered Reissue der fabelhaften 73er Doppel-LP, das Meisterwerk seiner langen Karriere! Nie zuvor und danach glänzte er mit einer derartigen Fülle toller Songs/Melodien. „Marlene“ ist ein Insel-Song für mich, der Titeltrack, „Eastbourne Ladies“ und „Talking To No One“ sind fast genauso gut! So schlichte wie großartige Musik, oft mit einem unwiderstehlichen Flow. Blues eigener Art, bluesig-folkig, bluesiger Rock/rockiger Blues (keinerlei konventioneller Blues Rock), Folk (-Rock und –Pop) sowie Singer-Songwriter-Rock, manchmal traditionell geerdet (1 Traditional, 2 Cover der Carter Family) – aber alles mit einer sehr individuellen Note – nicht nur durch seine äußerst markante und eigenartige Stimme. Fast immer mit Akustikgitarren (häufig feine Slide!), teilweise scharfe elektrische (auch schon mal slidend), (E-)Piano (resp. Orgel), und mehrfach ganz reduziert. Echt, kraftvoll, begeisternd! 16 Bonustracks aus der Zeit (lohnend!), unveröffentlichte Studioversionen, ganz unbekannte Songs, BBC-Sessions, rare non-LP-Single (A/B), Live-Aufnahmen. Toll!
 

 

 

The Box Tops – The Essential Hits And More

2

"Best Of"-CD

Bei aller Begeisterung über Alex Chiltons Big Star wird oft vergessen, welch’ tolle Songs schon die Box Tops aus Memphis hatten. Und erst seine schwarze Schmirgel-Stimme: Absolut unglaublich! Das soll ein 17-jähriger Weißer sein?! Nur waren das hier noch alles Covers, öfters von Dan Penn (der auch produzierte) und Spooner Oldham. Z.T. umwerfend interpretiert! Nicht nur ihre großen Hits (sie hatten auch eine Reihe kleinerer) „The Letter“ und „Cry Like A Baby“, man höre z.B. das infektiöse „Choo Choo Train“, das Gospel-angehauchte „I Met Her In Church“, „Soul Deep“ oder „Whiter Shade Of Pale“ (besser, lebendiger als das Original!). Auf den Alben gab’s auch viel Mittelmaß, hier nicht! Bester Blue Eyed Soul bzw. Southern Soul/ R’n’B, teils mit Pop-Einfluss (oder auch von Dylan, inkl. 1 Cover). Klassisch und sehr zu empfehlen!
 

 

 

Ali Farka Touré & Toumani Diabaté – Ali & Toumani

2

CD

Letzten Monat die fabelhafte Tamikrest-CD, nun ein weiteres Afrika-Werk in gleicher Qualität, sichere Jahres-Top-10! 2006er Aufnahmen, die letzten vor dem Tod von Toure, das 2. gemeinsame Album mit dem ebenso legendären weltbesten Spieler, der so herrlich klingenden 21-saitigen Kora. Ich kann nur noch mal Mojo zitieren (zum 1. Album der beiden): „The most beautiful music on earth“. Die oft eher schlichte akustische Gitarre und die perlende, höchst virtuose wie musikalische Kora harmonieren noch besser als zuvor, erzeugen einen suggestiven völlig relaxten bis kontemplativen Fluss voll tiefer innerer Ruhe und Poesie, einen sanft hypnotischen Sog von unbeschreiblicher Schönheit – berauschende, verzaubernde, unvergleichliche Klänge in Musik gegossen. Vollkommen friedlich und spirituell. Teilweise unterstützt von akustischem Bass, manchmal auch sachter Percussion, 2x singt Toure. Ab und zu nimmt Toures Gitarre eine leicht bluesige Färbung an. 1, 2 mal ist eine Hauch Afro-Kuba zu spüren. Auch melodisch ein Genuss. Für meine Begriffe: Unverzichtbar!
 

 

 

Jackson Heights – Bump'n'Grind

2

CD (remastered)

2010er Reissue, remastered von den Original-Masters von '73, die Band von Ex-Nice-Sänger und Bassist Lee Jackson. Featured mit Ian Wallace und M.Giles – gleich 2 Ex-King Crimson-Drummern. Intelligenter/etwas anspruchsvollerer, fein ausbalancierter, ein paar Mal auch orchestrierter, typischer 70s-Sound zwischen Pop und (Melodic) Rock mit viel Abwechslung, auch rhythmisch. V.A. die Gesangsarrangements mit ihren auf einfallsreiche und vielfältige Art außergewöhnlich sorgfältig ausgearbeiteten, sehr schönen Harmoniestimmen, entzücken (erinnert sporadisch sogar an die späteren Beatles). Unterschwellig schleichen sich auch mal Einflüsse aus Country, Rock’n’Roll, Prog, The Nice ein. Das Piano spielt oft eine zentrale Rolle.
 

 

 

Eric Bibb – Booker's Guitar

2

CD

2010er Veröffentlichung. Nur seine akustische Gitarre (z.T. die originale National Steel von Bukka White!) und (meist) eine Harmonica. Zwischen Delta Blues und Folk Blues, selten auch eher folkig, oder ein Fats Domino-inspirierter New Orleans-Blues. Seine warme, runde, sehr einfühlsame und schöne (tendenziell ziemlich sanfte) Stimme gibt der Musik wie gewohnt eine eigene Note, die abseits alter Bluesaufnahmen liegt, nichtsdestotrotz bleibt Bibb immer echt, natürlich – es kommt von Herzen! Im Wechsel klingt das sanft, sachte-reduziert, sehr rhythmisch betont und offensiv, simpel und schlicht, oder spartanisch und kunstvoll in einem. Die Harmonica (G. Dermody) pendelt zwischen akzentuierend und eigener schöner Melodie. Nur 1 Traditional, 1 Willie Johnson-Cover. Feine CD!
 

 

 

V.A. – Brand Neu! (Neu!-Tribute)

2

CD

2009er teils hochkarätig besetzte und einige Male großartige Neu!-Huldigung. Keine Covers, neue, ältere (bekannte) und rare Stücke mehr oder auch weniger im Geiste von Neu!, eine echte Tribute-CD. Das klingt z.B. wie Neu meets frühen New Wave, Heavy Noise Punk, Neu in moderner/spaciger/rockiger, repetitiver Electro-Post Wave, Indie Pop mit Neu/Can-Beat oder gleich Can meets Neu. Highlights und richtig klasse: Primal Scream (Neu meets Indie Underground), Foals (hypnotisch-psychedelisch-repetitiv mit Kraftwerk/Indie-Pop-Anleihen), Oasis (!, Hypnotischer Malstrom-Guitar-Power-Underground), Cornelius (Neu-Kraftwerk-Can-Hybrid, rhythmisch klasse). Es fallen ab: Ciccone/Sonic Youth, Kasabian. Auch sehr gut: Fujiya & Myagi. + u.a. LCD Soundsystem, Klaus Dinger (als La Düsseldorf, unveröff., trashiger als damals) und Michael Rother (etwas softere Neu mit Can/Tangerine Dream-Einfluss) selbst. Digipak.
 

 

 

Tortoise – Beacons Of Ancestorship

2

CD / LP

2009er – nach 5 Jahren Pause! Ein aberwitziges stilistisches Spektrum. Neben "Post Rock" verschiedener Prägung je mehrfach eine spannende Art Neo-Modern-Progressive-Rock sowie Can- und Electro-Kraut-Einflüsse, Electronica, Dance, Techno (-Groove), Minimal, sogar mal Noise Punk. Abenteuerlich und vielfältig, immer anders kombiniert. Zu gleichen Teilen dominierend oder gleichberechtigt agierend: Glitzernde schillernde röhrende gleißende flächige sägende Keyboards sowie variationsreiche z.B. gleißend-gleitende (à la Can) Gitarren. Ein Sound- und Abenteuer-Album, kein melodiebetontes. Highclass-CD-Verpackung, LP limitiert, 180g, gatefold.
 

 

 

Eric Bibb – Live A Fip

2

Doppel-CD

2009er, von 2 Konzerten 2008 mit Band, aus der eine 2. kunstvoll-einfühlsame Gitarre (elektr. oder akust.) herausragt. Wie gewohnt bewegt er sich zwischen Folk und Blues/R'n'B (bzw. kombiniert beides), agiert oft relaxt resp. ruhig, manchmal ausgesprochen sanft, poetisch, aber hier und da auch (dezent oder kraftvoll) rockig. Sporadisch kommt ein Hauch Soul hinzu (Afrika diesmal nicht). Seine feine ausdrucksvolle leicht angerauht-heisere Stimme ist immer wieder ein Genuß, das Songwriting (viele seiner besten Stücke, wenige Traditionals) ausgezeichnet, gehaltvoll, die Atmosphäre sehr warm, grundsympathisch, "natürlich-edel". Inkl. 20 Min. PC-Video (Auftritt, etwas Interview). Empfehlung
 

 

 

Nouvelle Vague – 3

8

CD / LP

2009er. Das Konzept bleibt, der Sound ändert sich. Völlig veränderte Covers von New Wave-Klassikern mit verschiedenen Sängerinnen (oft sanft bis besinnlich; diesmal auch 4x im Duett mit den Originalsängern Martin Gore, Ian McCulloch, Barry Adamson, Terry Hall). Nun jedoch als Folk-Pop/Roots-Pop, auch mal Country-esk, alles relaxed/laidback/leicht melancholisch klingend, und völlig zeitlos, quasi doppelt losgelöst aus dem alten wie neuen stilistischen Kontext. Ausnahme: Plastic Bertrands Ca Plane Pour Moi als Groove-Reggae-Dub-Rock. U.a. Songs von Depeche Mode, Violent Femmes, Talking Heads, Magazine, Echo & Bunnymen, Sex Pistols (God Save The Queen, ganz besonders sanft), Soft Cell (besonders schön, wie auch Polices So Lonely). CD mit 3 Bonustracks.
 

 

 

Dinosaur Jr. – Farm

2

CD / LP+7" Single

2009er in Originalbesetzung. Keine Experimente, im alten Stil: Z.T. an klassischen 70s-Rock angelehnter Guitar Rock, nur dreckiger, mit gewissem Post Punk/Prä-Grunge-Flair bzw. 80er-Underground-Energielevel, schleppend, geradlinig und sehr melodisch, richtig hart, fast heavy, fett-balladesk/relativ ruhig, oder elegisch-episch (3 Tracks um 7/8 Min.), mehrfach natürlich mit gewohntem Neil Young-Feeling. 2,3 Stücke erinnern in ihrer brennend-intensiven Art incl. ausgesprochen beweglicher Drumfiguren und hin-und-her-schießendem Gitarrenfeuerwerk/Wall-of-Sound etwas an Hüsker Dü/Bob Mould. Schöne Gitarren-Motive und diverse ausgiebige Soli! LP inkl. 7" mit 2 Livetracks, Download-Code.
 

 

 

Stone The Crows – Radio Sessions 1969-72

2

Doppel-CD

2009er, BBC-Sessions live, bis auf 3 Tracks alle noch mit Leslie Harvey, 65% in Erstbesetzung (teils mit sehr überzeugendem Duett- oder Harmony-Gesang von J.Dewar, später Robin Trower). 4 Tracks non-LP: Die neben Penicillin Blues einzigen Covers überhaupt, Dylans Hollis Brown (13 Min., fast afrokubanischer Rhythmus, treibend, super gesungen) und Goin' Down, sowie Let It Down und 10 Min. Freedom Road, eins von mehreren Stücken, die anfangs noch ihrem R'n'B-Rock/Blues/Soul eine Prise Prog Rock hinzufügten. 1969/70 (=CD1) auffällig: Der ganz besonders herausragende Gesang, z.T. noch besser als auf LPs; die brillante Gitarre; und einige sehr bewegliche einfallsreiche Rhythmen! Später kantiger, schärfer, rockiger. Fast alle ihre besten Songs sind dabei! Der Zeit entsprechender Sound, nicht ganz Studio-Level.
 

 

 

Terry Callier – Hidden Conversations

2

CD

Überraschende 2009er in Zusammenarbeit mit Massive Attacks R.Del Naja. Dementsprechend hier im Kontext von Club-Beats, Electronics, Keyboard-Schleiern/Flächen/Schlieren und –Punktierungen (plus einige Ak./E-Gitarren, Saxes, (E-)Piano). Alles jedoch in zurückhaltender/atmosphärischer/ruhiger Form, ein par "Ambient Jazz"-, kurz angedeutet Folk-Elemente stecken auch drin. Und der Gesang steht stes im Zentrum, mal wunderbar sanft, mal fordernd a la Gil Scott Heron (Poetry/Rap), mal einfühlsam soulig, mal irgendwo dazwischen, sporadisch leicht jazzig oder bluesig. Klasse und anders: Das sich langsam, fast hypnotisch steigernde "John Lee Hooker", der delikate höchst melodische feinst federnde Modern-Soul(-Jazz) von "Live With Me".
 

 

 

Acidmothersguruguru – Underdogg Express

2

CD / Doppel-LP

2009er. Die Köpfe von Guru Guru und Acid Mothers Temple, Neumeier und Makoto, + dessen Bandkollege Tsuyama! Live, lange Improvisationen. Neumeier ist das Kraftzentrum, Makotos Gitarre hat von schroff bis gleißend und brennend, von nackt bis extrem effektreich alles drauf. Herausragend: Hypnotisch-psychedelische 13- und 10-Minüter mit Trance/Tribal-Elementen, Drone-Sounds bzw. Anleihen bei Can, Popol Vuh und Nektar (beide incl. kurzer Anklänge an frühe Gurus und Hendrix). Ansonsten kraftvoller Power-Acid-(Kraut-)Psyche-Rock, ein wilder roher Free-Rocker. Oft treibend, furios/stürmisch. Straight durchgezogen, außer im mit 29 Min. längsten Stück, das im Mittelteil leise, fast filigran ausfasert, kurz jazzig wird, meist aber an klassische frühe Gurus erinnert. Vinyl mit Bonustrack (Gurus "Bo Diddley").
 

 

 

Baaba Maal – Television

2

CD

2009er des großen Sängers aus dem Senegal, der auch hier wieder stimmlich brilliert, unterstützt von reichlich weiblichen Chören/Backings/Duetten. Mehrere leicht hypnotische Stücke in wunderbarem Flow/Groove, elegant und weich (speziell die E-Gitarren) – elektrischer Afro-POP im besten Sinne. Sowie: Kontemplativ fließend-hypnotisch; perkussiv-fordernd, noch mehr Pop-Anteil; ruhig/relaxt fließend akustisch mit Latin/Spanien-Einschlag; leise, einfühlsam, sanft, etwas folkig + eine halb-akustische Ballade. Generell gilt: Freundlich, licht, ausgesprochen leichtfüßig und sehr melodiös, ein gleichzeitig verhallter und fein verzahnter Sound (incl. Pedal-Steel-ähnlicher Klänge).
 

 

 

Groundation – Here I Am

2

CD

2009er. Mit die beste Roots-Reggae-Band dieses Jahrzehnts, das bleibt sie auch hier! Aber wie schon zuvor z.T. weit darüber hinaus, generell sehr vielfältig. Ein herrlich flexibles biegsames federndes je nach Notwendigkeit loses wie toughes (und hochwertiges!) Spiel, feinster Groove/Flow, ungewohnt nuanciert, einfühlsam, selten wird Reggae so reichhaltig, variabel instrumentiert/arrangiert (stets incl. Bläser, Orgel UND (E-)Piano). Stimmlich große Bandbreite und Ausdruckskraft (verschiedene Sänger/innen), auch feine Chor-Arrangements. Phasenweise eine spirituelle fließende weiche Note, die an Ijahman erinnert, auch Marley-Anklänge, öfters ein sehr schöner jazziger Unterton (der Gestus, Improvisationen, das Piano, Bläser-Soli, die omnipräsente Orgel, mehrfach fast so toll schillernd wie beim großen Larry Young!). Gutes/exzellentes Songmaterial auch, klasse Sound (voll analog). Empfehlung!
 

 

 

Portugal. The Man – The Satanic Satanist

2

CD / LP (+CD) / 2CD
(Special Edition) mit Bonus-CD, Akustikversionen der Songs.

2009er. Und wieder verändert, weiterentwickelt. "Das bislang eingängigste Album" meist das Firmeninfo. Stimmt. Und mit Abstand homogenste, ihr melodischstes, modernstes; aber auch weniger eigenständige Charakteristik, 70s-, Rock-Anteil und Kanten. Stark ist der Souleinfluss, jedoch in Pop gebadet, nie pur (so klingt's 1x wie Curtis Mayfield in Pop transformiert) – in Form von ansteckend-melodiösem zeitgenössischem Groove-Pop (/Rock), gerne süffig, vollmundig, bunt instrumentiert, incl. dezent schwelgender Streichersounds, Electronics, Loops, Harmonies. Manchmal fast fiebrig, 2,3x (halb-)balladesk. Markanter attraktiver hoher Gesang. Immer noch originell und gut! Exzeptionell aufwändige Verpackung! LP erste 1000 mit CD in Papptasche.
 

 

 

Tinariwen – Imidiwan: Companions

8

CD+DVD / LP
MONATSFAVORIT JULI 2009

2009er der einzigartigen Tuaregs. Grandios! Klingt ähnlich wie zuvor, rauhe angerockte und unaufhaltsam rollende Sahara, aber in Details anders: Mehr melodisch herausstechende, ausgefeilte bzw. variablere Stücke. Kraftvollerer Sound, noch einmal (z.T. wesentlich) verdichtet. Neben dem Gesang und den permanenten Chorstimmen dominieren immer (mindestens!) 2 E-Gitarren, manchmal eine ganze Gitarrenphalanx ("Riffs that sound like a dream come true", D.Fricke, Rolling Stone), perfekt verzahnt ineinandergreifend, aus der sich mehrfach auch kurze rockig-bluesige Licks außerhalb der nordafrik. Harmonik erheben (richtige längere Soli gibt es nicht, und das ist gut so – konzentrierter, fokussierter denn je). Der Bass ist z.T. schwer, andeutungsweise wirkt das fast heavy. Im Background mehrfach klasse Triller-Vocals. Ausgerechnet der (diesmal nur eine) akustische Song erinnert mich entfernt an Led Zeppelin. Anders ist auch Assuf Ag Assuf, dunkel-atmosphärisch, ausnahmsweise verwehte (z.T. bluesnahe) Gitarren: Einer von mehreren faszinierenden "Slow Trance"-Songs (die sie früher selten spielten). Schnelle Tracks fehlen diesmal ganz, ansonsten prägt jetzt ein noch wirkungsvollerer, teils einfach unwiderstehlicher partiell hypnotischer Mid-tempo-Groove eigener Art. Besser denn je, großartig!
 

 

 

Cara Dillon – Hill Of Thieves

8

CD
MONATSFAVORIT MÄRZ 2009

2009er, zurück zu ihren irischen (oft balladesken) Roots, kaum Pop-Anteile diesmal, bis auf einen (exquisiten!) eigenen Song nur Traditionals (ausgezeichnete Songauswahl!), die in ihrer Interpretation oft einen Singer-Songwriter-Folk-Anstrich bekommen. Ihre Stimme ist pure Magie: Gehaltvoll, lupenrein, sinnlich, in den vielen ruhigen/sachten Stücken einfach nur verzaubernd, zum Verlieben – zudem verschleift sie gerade dann sehr schön phrasierend die Noten, gleitet über die Melodien. Vieles ist reine Poesie, teils ganz leise und zart, andere Tracks klingen etwas lebhafter oder zwar relativ ruhig aber bestimmt, bodenständig. Die Arrangements sind geschmackvoll wie dezent gehalten (manchmal auch ganz schlicht, nur Piano oder gar unbegleiteter Gesang), stellen im Wechsel Ak. Gitarre, Flöte, Piano, Uilleann Pipes, Fiddle (letztere beiden z.T. im glänzenden Zusammenspiel) in den Vordergrund. Ein durchweg wunderschönes und betörendes Album, ein Monatsfavorit!

 

 

 

Tom Waits – Romeo Bleeding – Live From Austin

6

DVD / Doppel-CD

2009er Release, unveröffentlicht. Frühes Konzert (gibt's überhaupt eine andere Konzert-DVD von ihm?!!) 1978. Gleich der Opener: Heiser-versoffen-verrauchte Stimme, 'ne Zigarette im Mund (insgesamt steckt er sich in den 52 Min. fünf Stück an!)…; extrem stilisiert, selbstironisch-übersteigert auch in der Gestik, Körpersprache - einfach faszinierend. Klasse, was er mit der Stimme alles anstellt, knurrt, bellt, ächzt, haucht, stöhnt, hustet, kurz heiser in die Höhen steigt, grummelt; und ungebunden phrasiert. Stücke der vorherigen und der zwei folgenden Alben, oft in Medley-Form, in denen er Summertime, Silent Night, Hey Big Spender und das Traditional Ain't Gonna Rain einbaut, wie Annie's Back In Town auf keiner seiner Alben. Fast alles im jazzig-bluesigem Idiom, meist balladesk, traurig-melancholisch-herb-romantisch-lakonisch. Piano, Gitarre, Sax, Trompete kommen zum Einsatz. Eine Show mit Witz und Klasse, sehr zu empfehlen, guter Sound!

 

 

 

Beirut – March Of The Zapotec/Realpeople: Holland

8

CD / Doppel-LP

Nr. 1: 19-köpfiges Begräbnisorchester (v.a. Bläser) aus Mexiko! Getragene melancholische Stücke, teils im (aufgebrochenen) Walzerrhythmus und ein wenig schnellere; z.T. wunderschön, melodisch reizvoll und ähnlich farbenprächtig (freilich ganz anders) wie New Orleans Funeral Bands. Zudem passt Condons (spärlicher) Gesang erstaunlicherweise dazu. Nur selten als mexikanisch erkennbar (und 1, 2 mal kurz Balkan-Anstrich). Eigene Songs, keine Traditionals! Nr. 2: Electro Pop! 80s-Einflüsse, Disco House oder undefinierbar, mal sehr sparsam, mal vollmundig (mit Bläser/Orgel/Akkordeon-Zugaben oder übereinander gelegten Harmony-Vocals). Partiell erstaunlich warm. Der getragene Gesang konterkariert bzw. verlangsamt z.T. die Tempi und kreiert eine ganz eigene faszinierende Note. Wiederum sowohl melodisch attraktiv und großteils melancholisch.

 

 

 

Red Hot Chili Peppers – Live From London

6

DVD / CD

2009er Release, unveröffentlicht, 51 Min. Reading '94. Oft sehr scharf, sehr kantig, hart und schroff/roh, Metal-Derivate, rausgebellte (Rap-)Vocals, schneidend akzentuierende Gitarren-Riffs und kurze, intensive, verzerrte Soli, Wah-Wah. Pumpende/knallende exakte Rhythmusmaschinerie. Eine Menge Hard Funk/Power Groove Rock, z.T. auch ruhig(er), sogar mal kurz jazzbeeinflusst. Und natürlich die balladeske melodiöse Schönheit von Under The Bridge. Zuletzt der rasende Post-Iggy-Punk'n'Roll von Nobody Weird Like Me. Zur Hälfte von Blood Sugar Sex Magic. Viel Show, entsprechend der Musik rasante Bildschnittfolgen.

 

 

 

Frank London's – A Night in the old Marketplace

8

CD
TIPP !

2009er, etwas ganz Besonderes. Basierend auf einem uralten jüdischen Theaterstück, Musik vom brillanten London. Filigranes flirrendes wie erdiges bodenständiges Spiel, extrem einfühlsam oft, aber auch verspielt, von Tradition bis Moderne: Melodisch old-fashioned, sehr reif und tief, ja bestechend, musikalisch teils (E-)Avantgarde im Sinne von Brecht/Weill, an die eh manches erinnert. Dazu Klezmer-Einflüsse, Walzer, Folk, Polka, Chanson… Viel balladeskes. Nicht akademisch, aber anspruchsvoll, zudem sehr emotional, aufwühlend/theatralisch/traurig/lustvoll. Zur bunten instrumentalen Klangfarbenfülle gesellen sich glänzend gesungene virtuose Gesangsarrangements (u.a. Susan McKeown, They Might Be Giants). Ziemlich faszinierend.

 

 

 

John Zorn – The Crucible

8

CD

2009er, Top-Besetzung (ex-Faith No More Mike Patton, J. Baron, Trevor Dunn). Ein gewaltiges Powerpaket, brennende schmerzhafte Intensität, Feuerstürme, wahnwitzige Energie. Rabiater, schroffer, doch elastischer, rhythmisch komplexer Power Rock bzw. Free-Avantgarde-Rock, einmal kommen noch Ornette Coleman- und freie aggressive King-Crimson-Einflüsse hinzu. Sowie kriechende düstere schamanische Tribal-Sounds, wilder brachialer Free-Jazz-Avant-Rock und ein klasse Track mit Gastgitarrist Marc Ribot: feuriger (Blues-)Rock mit Hendrix-Touch. Das alles voller freier, grellster Sax- und Vokalausbrüche. Ausnahme: Eine expressive Jazz-Ballade mit Tour-De-Force-Sax über dunklem Fuzz-Bass (super!).

 

 

 

Alela Diane – To Be Still

8

CD

2009er, 2. Album. Kommt wie Freundin Joanna Newsom aus Nevada City, teilt deren Vorliebe für frei mäandernde Melodien (nur z.T., und mit weniger "Strange Folk"-Approach freilich), klingt aber bodenständiger, direkter, obwohl hier und da ausgesprochen leise, zart. Ihr Gesang, bestimmt, kräftig, manchmal kurz engelsgleich, strahlt auf Dauer großen Reiz aus! Das Album zieht, anfangs unvermutet, immer mehr in seinen Bann, vielleicht auch durch die Homogenität, das stetige, ruhige Dahinfließen - obschon mehrfach etwas offensiver, gar dezent rockig. (Singer-Songwriter-)Folk überwiegt, ab und zu von Old-Time-Country/Appalachian-Spritzern veredelt, fast durchweg akustisch instrumentiert (diverse Saiteninstrumente, teils Geige und Cello bzw. gestrichener Bass, aber auch Drums). Michael Hurley gastiert als Duettpartner. Hervorragend, sehr zu empfehlen!

Alela Diane – To Be Still (Deluxe Edition), CD+ DVD limitierte Version in Buchform, mit DVD live Nov. 2008, Songs beider Alben plus 2 Traditionals.

 

 

 

The Answer – Everyday Demons

8

CD / CD+DVD / Doppel-LP

2009er und Zweites der Nordiren. Der Gesang erinnert stark an Led Zeppelin, knapp zur Hälfte auch die Musik (nur an deren treibende ungezügelte (Rock'n')-rollende Hard-Rock- Tracks). Inkl. gut beweglichen Drums, teils leicht bluesigen Untertönen. Mehr von letzteren gibt's bei Songs, die wie eine Mischung aus Free und den Black Crowes klingen. Hinzu kommen melodischer/gemäßigter oder halb-balladesker Hard Rock und ein Laut-Leise-Wechselspiel, gleichfalls mit Free-Anleihen. Ein knallendes kompaktes Powerpaket, sehr intensiv und dicht, klassischer riffbetonter 70s-Sound. In dieser Richtung z.Zt. herausragend! DVD: 49 Min, (Live-)Musik und Interviews. 2LP: S. 4 etched vinyl.

 

 

 

V.A. – Dancing In The Street

6

DVD

Soul, viel Motown. TV-Auftritte (Shindig, Hullabaloo) 1962-1965 (v.a. '65), Musik Playback, aber viel Show, Tanz. Ganz große Hits, Klassiker am Fließband, plus kleinere Hits. 27 Tracks in 62 Min. (nicht immer ganz ausgespielt). Z.B. Marvin Gaye (3x), Tina Turner (2x, dynamisch und rauh), beide im Duett (Money That's What I Want, I'll Be Doggone), Smokey Robinson, Aretha Franklin, Supremes (2x), Mary Wells, Booker T, Junior Walker, James Brown (2x, klasse!!), Four Tops, Temptations, Marthy & Vandellas, Blossoms, Joe Tex, Fontella Bass, Petula Clark. S/w, Sound - naja, wie er damals halt war im TV, dumpf.

 

 

 

Oumou Sangare – Seya

8

CD

2009er (nach sechs Jahren Pause) der Sängerin aus Mali, in Afrika seit langem ein großer Star. Ein grandioses Werk, wohl ihr bislang Bestes! Allein, wie die Instrumente (Saiten: akust. und z.T. E-Gitarre, Kamele Ngoni; Perc. und Drums; mehrfach Flöte, Balafon; manchmal Streicher, Bläser, Orgel) miteinander verzahnt sind, sich durchdringen, ist das reine Vergnügen! Klasse Arrangements. Was die E-Gitarre anstellt, ist purer Genuss - ob weich singend oder sägend, perlend, Wah-Wah oder schroff. Auch die Flöte (Magic Malik!) begeistert, z.B. in scharfen, angestochenen, kurzen Impros. Über allem aber ihr so ungeheuer ausdrucksstarker, kraftvoller, fordernder, bestechender Gesang, genauso eindringlich oder weich, intensiv-melodisch bzw. repetitiv von exquisiten Chören unterstützt (inkl. Call/Response). Mehrere richtige Tanznummern sind dabei, lebensfroh, farbenreich, packend, teils rasant, quirlig oder hypnotisch, Afro-Groove in allerbestem Sinne, elektr. oder großteils akust., Tradition und Moderne verbindend. Total ansteckend. Genausogut: Kontemplativ-trancehaft-fließende Stücke, flüssig-vernetzt-relaxt-leichtfüßig ganz natürlich groovende, feinfühlig/feinziselierte. Bei allen Unterschieden zeichnet das Werk ein stetiger homogener Fluss aus. Co-Producer und Mitmusiker ist übrigens Cheick Tidiane Seck. Unwiderstehliche herrliche Musik.

 

 

 

Joni Mitchell – An Intimate Performance

6

DVD

Live BBC Television Theatre 1970. Nur 30 Min., aber sehr willkommen, so ein früher Auftritt. Solo, sie begleitet sich auf der Gitarre (2x auch Piano, 1x gar rhythmisch-akzentuierend gespielte Dulcimer). Stimmlich in ganz feiner Form, kristallklar, ausgiebig phrasierend, auffällig großer Tonumfang, oft in höchsten Bereichen, sie springt hin und her, signifikant mehr als auf den LPs, die Melodien reich ausgeschmückt. Folkiges Ambiente, klar. Ruhige/sanfte wie lebhaftere Stücke. Songs von den ersten 3 Alben (u.a. Chelsea Morning, Big Yellow Taxi, Both Sides Now), aber auch schon 2 von der 73er "Blue". Guter Sound! Sehr schön und lohnend.

 

 

 

Buena Vista Social Club – At Carnegie Hall

5

Do-CD / Deluxe-Do-LP
MONATSFAVORIT

2008er, das berühmte '98er Galakonzert, unveröffentlicht (Teile gab's im Wenders-Film). Un-ver-zicht-bar. Über weite Strecken noch besser als das originale Studioalbum!! Von dem fehlen hier ein paar Stücke, dafür kommen gleich 6 "neue" hinzu! Alle sind sie dabei: Ferrer, Gonzalez, Portuondo, Segundo, Ochoa, sogar Ry Cooder (auch hier zudem Producer). Es tönt teilweise deutlich vollmundiger als im Studio (besonders ihr Hit Chan Chan), lebhafter, expressiver (auch manche Vocals, z.B. von Omara Portuondo, die hier im Gegensatz zur Studio-CD mehrmals singt). Weit mehr Trompete(n) (+ etwas Posaune), einige längere (natürlich bestechende) Soli, das Piano (brillant!!) wird differierend eingesetzt, kommt bei einigen Songs hinzu, fehlt bei anderen; und steht bei fast allen 6 neuen Stücken (davon einige sehr romantisch; u.a. ist der Klassiker und Ohrwurm Quizas Quizas dabei) im instrumentalen Zentrum. Einfach fabelhafte Musik, zum Weinen schön. Kuba exzeptionell. Mein Monatsfavorit Nr. 1. Chris Farlowe – Hotel Eingang CD '08er, eine "konservative" CD, keine Überraschungen. Blues/R'n'B/Soul Blues/Blues Rock oder mal ein rockender Boogie, mit Einflüssen von 50's bis 70's in zeitloser Form, plus einige gefühlsbetonte Balladen (da überzeugt er stimmlich am meisten, verwendet Pedal Steel, sogar mal Country- Elemente). Tasten- (viel Orgel) und teils Bläser-Backing, sporadisch Harmonica, der Gitarrist ist Miller Anderson (Keef Hartley, Savoy Brown…). Erfreulicherweise keine zig mal durchgenudelten Stücke, Covers von u.a. Dan Penn, Boz Scaggs, Rufus Thomas.

 

 

 

Mogwai – The Hawk Is Howling

CD+DVD / Do-LP

2008er. Die Stücke lassen sich Zeit, atmen Atmosphäre, Gefühle, Soundmacht, Konsequenz. Z.B.: Melancholische Ruhe wird zu dunkler Bedrohung, die sich in Pianoakkorden harmonisch und elegisch wieder auflöst, gleichzeitig immer dichter werdend. Monumentale verzerrte vorwärts marschierende, harte King Crimson in brachialem Alt-Rock. Ein dahinfließender, von immer wieder kehrendem schönen Motiv getragener in Wellen an- und abschwellender ruhiger Fluss. Leicht verträumt, klangmalerisch, getupft. Stoisch mit verspielten, melodischen Untertönen, gar Anklängen an Neu!, La Düsseldorf. Ein mahlender, heftiger Rock-Strom, wieder Crimson-Anleihen. Immer noch vorne.

 

 

 

Sparks – Exotic Creatures Of The Deep

CD

2008er. Kaum zu glauben, immer noch gut! Quirliger lebendiger 70's-Pop, ab und zu uralte Pop-Referenzen, sporadisch Electro-Pop-Einschlag, moderate Modernismen fügen sich zum zeitlosen, melodiereichen Potpourri. Mit ausgesprochen starker rhythmischer Basis (wozu auch der Gesang auf typische unnachahmliche Weise beiträgt, teils als Falsett). Diverse bestechende Harmony-Stimmen. Oft zentral: Von Keyboards aller Art und/oder Streichern umspülte, markante Pianomotive, nur ab und zu von simpler, riffender Rockgitarre ersetzt. Sie machen nach wie vor Spaß, schon diese (Selbst-)Ironie in Text und Musik, v.a. aber wegen ihrer Fähigkeit, verschrobene Ideen in Pop umzusetzen.

 

 

 

Jackson Browne – Time The Conqueror

CD

2008er, neues (erst 13.) Studioalbum nach 6 Jahren. Seine Langzeit-Band agiert ausgesprochen rund, organisch, flüssig, unauffällig wie apart; doch immer wieder sticht eine feine Gitarrenpassage heraus, subtil, filigran, slidend, mal sägend, unterstützt von schimmernder leichtfüßiger Orgel bzw. Piano. In warmer, relaxter, partiell intimer Atmosphäre. Sporadisch mehr Druck als gewohnt, leicht groovend/soulig oder unterschwelliger Kuba-Einfluss. Vor allem, (fast) durchweg, reifes, gutes Songmaterial mit ebensolchen Texten, ausgearbeiteten Melodien, deren Qualität sich erst nach und nach offenbart, dafür mit anhaltender Wirkung. Incl. 2,3 Top-Stücke. Und die Stimme ist immer noch unnachahmlich! Gut.

 

 

 

Bohren & Der Club Of Gore – Dolores CD

CD / Do-LP

2008er. Stilistische Zuordnung ist nach wie vor unmöglich. Zehn 4-8-minütige im Extrem luftige und ultralangsame/zeitlupenhafte Stücke, friedlich, großteils dunkel, manchmal aber auch regelrecht erleichternd, beruhigend. Tropfende Klänge von Fender Rhodes, z.T. Vibraphon, tupfen, hängen/schweben im Raum über einem lichten Orgelteppich und/oder sanften bis leicht-sakralen, ansatzweise choralartigen Keyboardschleiern im Background. Minimalistische Drums setzen alle paar Sekunden Eckpfeiler oder werden zart vom Besen gestreichelt. Neben Fender/Vibraphon übernimmt 4x phasenweise ein behutsames/ruhiges/weiches/erhabenes Sax die melodische Seite. 2,3 mal ganz dezent jazziges Flair.

 

 

 

Dissidenten – Tanger Sessions

CD

2008er mit ex-Embryo-Kollege Roman Bunka, den marokkanischen Superstars Jil Jilala, weiteren Landsleuten. Ethno Rock. Nordafrikanische Melodien/Gesänge, oft eingängig, eigentümlich-reizvoll, treffen auf riffenden, ungewohnt aggressiven härteren Rock, Gitarren-zentriert (1,2 x richtig heavy), ergänzt von Hurdy Gurdy (Drehorgel), die reichlich schöne Motive/Melodien beisteuert. Plus feine Verzierungen von Bouzouki, Oud und schöne Exkursionen der Flöte. Ein gewisser rollender Groove durchzieht viele Stücke. Meist längere Stücke. Herausragend das hypnotische z.T. trancehafte The World Is A Mirror mit fast psychedelisch wirkenden letzten Minuten, mitreißend das 9-minütige Remake ihres Hits Fata Morgana.

 

 

 

The Boots – Here Are The Boots/Beat With The Boots

Do-CD

2008er, remastered, die 66er/67er Alben. Die damals beste deutsche Band! "Here Are", mit Covers wie She's About A Mover, Dimples, Baby Please Don't Go, orientiert sich an frühem Brit-R'n'B, v.a. Them, daneben Animals, Stones, Yardbirds. Verblüffend gut, mit Charakter, auf UK-Niveau! Schärfe und Atmosphäre, mächtig wild oder kontrolliert. Ein klasse "Gloria" mit spektakulärer Slide und effektvoller Orgel! "Beat…" knapp zur Hälfte mit Bläsern (z.T. erstaunlich wirkungsvoll, gar originell), manchmal neben Orgel ein Piano, die Gitarren auch mal cremig oder filigran. Stark verändert, abwechslungsreich: dunkle oder Beat-Psychedelia, zeittypischer (Pop-/funky) Soul, feinziseliert bluesig-jazzig, schwarz eingefärbter Brit-R'n'B. Auch eigene Songs. Acht rare Bonustracks, reich bebildertes Booklet, Digipak.

 

 

 

Quireboys – Homewreckers & Heartbreakers

CD

2008er. Klassisch. Schön dreckig, ob rockend oder mit Gefühl, bodenstündig, echt. Vieles erinnert stark an die Faces (oder auch mal an eine frühe "Rod Stewart"-Ballade), darunter auch ein paar der ziemlich vielen halb-balladesken und/oder rootsigen Songs (Folk, Country, R'n'B, Rock unterschiedlich gewichtet). Die härteren Stücke kommen mit hämmerndem (R'n'R-)Piano, andere (leicht elegische) mit singender, malender Gitarre, mehrfach gesellt sich eine Slide hinzu, manchmal eine Geige. Der Sound ist, v.a. bei den Rockern, dichtgepackt, intensiv, volltönend, ein homogener, fast etwas "verschwimmender" Klangkörper. Feine heisere Stimme!

 

 

 

Stomu Yamashta – Go Live From Paris

CD
(AUCH ALS GEBRAUCHTE DOPPEL-LP ERHÄLTLICH)

Reissue der 76er DLP, wohl sein bestes Werk, remasterted von den Originalbändern. Allstars: U.a. Steve Winwood, Santanas M. Shrieve, Al Di Meola, Klaus Schulze. Variabel: Fließend fast wie die groovigen Weather Report, repetitive Phrasen; jazzige Santana; flüssig groovender Rock, z.T. mit souligen (und/oder poppigen) Untertönen, schon durch die unverkennbare (voll überzeugende!) Stimme von Winwood; Vollmundig-Balladeskes, Romantizismen (wunderschöne Melodie in "Nature"!); leicht spacige, ruhige Klangmalereien; differenzierter Jazz-Funk-Groove-Rock. Ausgedehnte Instrumentalparts und kompakte Songs. Meist rockige Höhenflüge und klasse Sounds der Gitarre.

 

 

 

The Sea And Cake – Car Alarm

CD

2008er der Chicago-Band um Prekop, Prewitt und Tortoise McEntire. Irgendwo zwischen Post Rock, Indie Pop/Rock, manchmal eine Art moderner "Prog-Faktor" eingewoben. Große Teile bandtypisch licht und transparent, trocken, klar und frisch im Sound, locker oder nervös federnd im Rhythmus/im Fluss, mit rockigen, dichteren, kompakten Ausnahmen; natürlich gitarrenbetont (inkl. ein paar kurzer, origineller, glänzender Soli). Alles ist intelligent verzahnt/vernetzt, Feinheiten erschließen sich nach und nach (inkl. der feinen Bass/Drum-Arbeit!). Einen gewissen Kontrast bildet der sanfte Gesang. Trotz einiger Schnörkel, komplexerer Zutaten klingen sie immer leichtfüßig. Ach ja: Und wenn hier Jazz vorkommt, dann im Kopf, nicht im Sound.

 

 

 

Elliott Sharp's Terraplane – Do The Don't

CD

Ein Hammer! Reissue, 2003 nur in den USA auf Kleinlabel erschienen, + 5 unveröff. Bonustracks. Die Basis ist (meist) klassischer traditioneller Blues der 50's/60's, der echte, gerne recht rohe, urwüchsige. Aber was er mit der Gitarre (bzw. Lap Steel) anstellt, geht weit weit darüber hinaus: Sie explodiert, implodiert, reißt, zerrt, slided wie verrückt, schreit, jault irre, schießt in die Stratosphäre, flippt wild (und virtuos) aus, dass einem der Mund offen steht – schierer Wahnsinn! In einigen Stücken spielt er auch einfach nur fantasievoller, einfallsreicher als andere, filigran und/oder elegant singend, relativ konventionell (was auch auf die 3x gastierende Legende Hubert Sumlin, Howlin Wolfs Gitarrist, zutrifft). In fast jedem Stück, doch nur ganz punktuell, schneidet ein schön rauhes, erdiges, ebenfalls schlicht großartiges Sax hinein, bringt z.T. jazziges Flair. Ein paar Stücke sind musikalisch unorthodoxer angelegt, v.a. rhythmisch locker fluktuierend (überhaupt: Klasse Rhythm Section feat. Sim Cain von der Rollins Band!), weg von gewohnten Blues-Schemata, z.T. etwas anarchisch, doch traditionsbewusst; oder eine Art Avantgarde-(Rock-)Blues mit Captain Beefheart-Note. Sehr schön auch ein tanzender Gospel-Blues. Vieles ist instrumental, ohne dass man irgendetwas vermisst, bei der ganzen Ideenvielfalt, teilweise veredelt die hervorragende, rauhe, emotionsgeladene, mächtige, tiefschwarze Bluesstimme von Eric Mingus (und Dean Bowman). Bei den (gleichfalls exquisiten) Bonustracks fehlt das Sax. Diese Musik brennt. Total erfrischend, Tradition in zeitgemäß, fast "futuristisch". Der wahre Stoff. Ein Erlebnis, für mich ein Muss! Sehr lang.

 

 

 

Taj Mahal – Maestro

CD
MONATSFAVORIT

2008er, in großer Form. Warmherzige deepe Musik von durchgängiger Klasse, hervorragend und klangfarbenreich instrumentiert (von je mehrfach den kompletten Los Lobos, seiner Phantom-Blues-Band und New Orleans Social Club mit den Meters Porter/Nocentelli; dazu u.a. die Kora des großen Toumani Diabate, Mick Weaver; ausgezeichnet, je zur Hälfte eingesetzt, auch Bläser und Harmonica). Gesanglich erste Sahne (wozu auch Duettpartner gehören: Ben Harper, Jack Johnson, Ziggy Marley (samt Band), Angelique Kidjo). Entsprechend abwechslungsreich, wie seine ganze Karriere – mehr als nur Blues! Klassischer saftiger Southern R'n'B, knackig, swampy-funky; Reggae klassisch oder hochmelodisch soulinfiziert (Los Lobos!); scharfer, tief pumpender, angefunkter R'n'B; scharfer, traditioneller Southern Swamp Blues; Blues mit 50s-(Chicago-)Wurzeln, vollfett; berückender Afro Pop vom Feinsten; modernisierter groovender ansteckender 50's New Orleans R'n'B; 40's/50's-Louisiana-Swamp-Jazz-Blues und mehr. Monatsfavorit mit einigen grandiosen Highlights!

 

 

 

Eva Cassidy – Somewhere

CD

2008er, weitere unveröffentlichte Stücke. Genauso gut wie die Vorgänger, und die waren klasse. Jedes einzelne Stück ist eine stimmliche Offenbarung, sie singt tief berührend, voller Emotion, dabei wandlungsfähiger als sonst: Engelsgleich und schier schwerelos (im wunderbaren Coat Of Many Colours von Dolly Parton, Emmylou-Anklänge), ganz sachte, zart, intim, sanft und immens ausdrucksstark, gefühlvoll-kraftvoll (u.a. im fast neu erfundenen klischeefreien rootsigen Summertime) und – das ist ungewohnt – extrovertiert, stimmgewaltig, mit ganz viel Soul (u.a. in Chain Of Fools). Dementsprechend gibt es viele, sehr ruhige Songs nur mit akustischer Gitarre plus je 1x E-Slide, Bass oder Geige, aber auch vollmundige saftige incl. Bläser, Piano. Stilistisch breit gefächert, Blues, (Singer-Songwriter)-Folk, Country, R'n'B, Soul. Sehr gutes Songmaterial. Zudem oft eher unbekannte Covers, die sie wie keine andere zu eigenen Stücken macht. Fabelhaftes Album, große Empfehlung, ein Monatsfavorit!

 

 

 

The Levellers – Letters From The Underground

CD

2008er, einige Stücke bringen ihre ursprüngliche Power und Leidenschaft zurück, alte Fans werden sehr zufrieden sein, im alten Stil. Ähnlichkeiten zu z.B. Oyster Band, mehrfach den Waterboys (wie schon früher), gerne auch incl. hymnischer Note. Geige dominiert neben dem Gesang melodisch, Gitarren grundieren. Sehr melodie-reich/betont, auch in den vielen schnellen Stücken. Von rasantem Folk-Punk, über leicht euphorischen Folk-Pop-Rock, druckvollem Folk-Power-Pop bis zum melodischen Rocker mit Pop-Appeal und klassischem geradlinigem Folk Rock.

 

 

 

Portugal. The Man – Censored Colors

CD/LP

2008er, Drittes Album der Alaska-Band. Hälfte 2 ist eine Art Suite. Trägt der Opener Züge von Ben Folds, Supertramp, 10CC und Space, Track 2 von den Beatles in zeitlos-modern, zeugt der Rest von starker Eigenständigkeit. Folk-, Soul/ Motown- Einflüsse (ohne so zu klingen), scharfe Rock-Kanten treffen jazzige Untertöne, "Heavy Pop", diverses Balladeske, Rock ganz eigener z. T. wuchtiger Art (wieder unterschwellige Led-Zeppelin-Anklänge) incl. bissiger Gitarren und Pop- Vocals (die doch "anders" sind)… WIE sie das verarbeiten, untermauert ihren Status einer wirklich außergewöhnlichen und risikofreudigen intensiven Band (mit Anspruch). Auffällig: Ungewšhnlich eingesetzte, höchst effektive Streicher, hochgepitchte Gesangs-, Chor- und Harmony- (sowie Rhythmus-) Extravaganzen.

 

 

 

Tony Joe White – Live At The Basement

CD/DVD
SPEZIELLER TIPP

2008er, 56 Min., live Ende 2006. Im Duo mit Drums, ohne dass man was vermisst. Blues (R'n'B) in weit gefächerter Form. Gestochen-trockener Sound trifft auf Swamp-Feeling, very Southern. Schnörkellos, zielgerichtet, ungemein effektiv, öknonomisch – wie die klasse Gitarre, gerne rhythmisch betont/funky, kurze (sporadisch längere) herausstechende fast aufwühlende Wah-Wah-Einlagen bei fast jedem Stück (Hendrix-Anleihen, beeindruckend!), auch mächtig verzerrte Klänge. Partiell gut, deep rockend, ab und zu in Verwandtschaft zu CCR, oder auch komplett zu Hendrix (1x J.L.Hooker). Alles eigene Songs, darunter (z.T. von anderen berühmt gemachte) Klassiker wie Rainy Night In Georgia, Steamy Windows, High Sheriff Of Calhoun, natürlich Polk Salad Annie. Kurze Interview-Schnipsel teilweise zwischen den Stücken. Hervorragend! Dicke Empfehlung!

 

 

 

Q 65 – Nothing But Trouble, Best Of 1966-1968

CD

2008er, 72 Min. das beste der holländischen Kultband incl. alle Singles, große Teile von "Revolution", "Revival". Aus dem frühen Brit-R'n'B von Stones, Pretty Things (nach deren rauher Seite manches klingt) & Co sowie etwas rohem Beat gespeist. Z.T. sehr wild, 60s-Garage-Punk, ein par Acid Rock- (1x gar Westcoast/Airplane-) Anleihen, in den wenigen ruhigen/atmosphärischen Songs eine Prise Psychedelia – oder wie eine frühe Stones-Ballade. Manchmal rauher Pop-Appeal. Auch massivere Blues-Anklänge (in den 4 einzigen Covers, Howlin Wolf, W.Dixon, Spoonful, ein wüstes, geiles I'm A Man). Das längste Stück: Pop- Psyche- Pre- Prog-Moody Blues! Feine Band!

 

 

 

Loudon Wainwright III – Recovery

CD

2008er auf Yep Roc. Es ist immer wieder verblüffend, welche Meisterwerke Joe Henry als Producer aus seinen Proteges herauskitzelt. Dieses ist eins! Mit das Beste, was Loudon je aufnahm! Die Stimme unverkennbar, von ganz enormer Ausdrucksstärke, sanft, gefühlvoll bis leidenschaftlich, im Zenit! Die Songs sind Remakes der Highlights der ersten 3 Alben, und zwar signifikant verbessert! Singer-Songwriter in zeitlos, klassisch, mal stark, mal weniger rootsig, Folk, (Talking) Blues, Country. Überwiegend ruhig, nachdenklich, bedächtig, balladesk und/oder poetisch, teils einfach wunderschön, dabei aber gerne sehr lebendig arrangiert; manchmal extrovertiert, kraftvoll, ja mitreißend in differenzierter Weise, resp. rhythmisch aufreizend, intensiviert, dezent rockig. Mit Band, im Kern dieselbe Besetzung wie der Vorgänger (u.a. G. Leisz, Patrick Warren), kunstvoll bis wunderbar feinfühlig agierend, neben Piano, Pedal Steel, akust. Saiteninstrumenten, ab und zu Geige(n) super vibrierend-cremige/schneidende E-Gitarren-Highlights (aber auch filigranere). Die eine Hälfte exzeptionell, großartig, die andere immer noch sehr gut.

 

 

 

Stone The Crows – Live Crows 1972/73

CD+DVD

2008er auf Angel Air. CD: Montreux '72 noch mit L.Harvey. 5 Tracks, 3 von Ode To John Law, 6-11 Min. + 21. Min. (!) Dylan-Cover Hollis Brown (non-LP). Ungewohnt lange Improvisationen, z.T. viel wilder/ausgeflippter als sonst bzw. fast trippig, ausgedehnte Gitarrenausflüge (fett-gleitender Ton), 2 lautmalerische Gesangseinlagen/Impros. Orgel/E-Piano z. T. recht aggressiv. Zwischen (slow) bluesig, sattem treibendem Rock, leisen Parts, gar Led Zep-Einfluss. Rauhe Spielweise und erst recht Sound (aber passend). DVD: 41 Min. Beat Club '73. Gut! Sound/Bild ok. Viel energiegeladene/aggressive Power (Rock/ Blues/ R'n'B) im gewohnten Stil, 1 Ballade (Sunset Cowboy, klasse, auch die Stimme!). 2 non-LP-StŸcke (u.a. Going Down), 5 von Ontinous Performance (alle guten). + 36 Min. Interviews Maggie Bell, C.Allen.

 

 

 

Walter Becker – Circus Money

CD

2008er, erst das 2. Soloalbum des Steely-Dan-Co-Leaders! Reif. Je zur HŠlfte stehen Reggae (Rhythmen!) oder R'n'B (oder beides) im Vordergrund, jeweils Pop-affin, ein wenig Jazz (v.a. durch einige kurze sehr feine bewegliche/erfinderische Sax-Soli, resp. Gitarre) oder auch Latin/Karibik runden ab. Reichlich Steely Dan-Ähnlichkeiten, klar, doch sparsamer, weniger glatt/smooth als zuletzt, ein punktgenaues trockenes Gerüst, Gitarre höchst ökonomisch und effektiv, fein punktierender Bass, darüber bewegen sich/schweben/akzentuieren gezielt sparsame Einwürfe von E-Piano (Keyb./Orgel), partiell Sax/Bassklarinette. Und weibliche Harmonies, z.T. auch co-lead. Unaufdringlicher Groove, manchmal unterkühlt funky.

 

 

 

Man – Back Into The Future (rem. & exp.)

3-CD-Box

2008er Reissue, remastered von den Originaltapes. Die 73er Doppel-LP (CD 1) gilt für viele als ihre Beste, auch für mich! Das Problem aller Man-Alben: Das "FŸllmaterial" beschränkt sich auf 2 Stücke auf (Studio-)LP 1. Die enthält aber auch das schlicht großartige, total eingängige Titelstück, dessen massiver Pop-Appeal auch anderswo aufblitzt, viel ganz starken Gesang, feinste Harmony-Stimmen, auffällig gut kombinierte/harmonierende Gitarren/Keyboards (incl. einiger Slide-Parts), neben 4 kürzeren 2 knapp 8-minütige typische kraftvolle gute Man-Rocker. Und dann Seite 3 (live wie die 4.), das Beste, was es von Man auf Tonträger gibt: Zunächst singt (höchst beeindruckend!) ein großer walisischer Männerchor ein Traditional, dann 19 Min. Gänsehaut, auch beim 20. Hören: DIE Version ihres besten Songs, C'Mon. Der hinreißende Spannungsaufbau… die berauschenden Gitarren über die volle Distanz… der wunderwunderschöne lange Mittelteil, dream-like, in höheren Sphären schwebend (klasse Keyboards! Wieder der Männerchor!)… die tollen Vocals… Purer Genuss, ohne Längen!! Seite 4: Klassischer 21-Min.-Jam, z.T. "Spunk Rock"-basiert, straight/durchgehend treibend, voller punktierter Orgel, jagender Gitarrenduelle, viel besser als vorherige Versuche. Unveröff. Bonus (noch nicht gehört): 2 Studio-Outtakes sowie das komplette o. g. Konzert, u. a. mit Bananas. Pflicht!

 

 

 

Hans Theessink – Slow Train

CD

2008er. Starker Bluesanteil wie gewohnt, aber selten pur, plus Folk-, Gospel-, Country-Elemente. Klasse und total natürlich klingender Sound, dazu passt die absolut unaufgeregte bzw. relaxte Stimmung (selbst in agilen schnellen oder dezent groovenden Stücken), die manchmal in der Art, 1, 2 mal direkt an J.J.Cale erinnert. Oft ruhig fließend, wunderbar atmosphärisch, aber nicht so oft balladesk. Weitaus mehr akustic. (incl. Slide) als E-Gitarre, viel ganz leichte/sanfte/leise Orgel, ab und zu ersetzt von Piano/Pump Organ, sachte Percussion. Neben Theessinks eigener überaus sympathischer Stimme ist die 3-köpfige Gesangsgruppe aus Simbabwe eine echte z.T. wunderschöne Bereicherung (ohne zu stark hervorzustechen), fügt eine südafrikanische Note hinzu. Gute Songs zudem! Empfehlung!

 

 

 

Joe Jackson – Rain

CD+DVD

LP

Eine sehr positive Überraschung: Joe Jackson. "Rain" ist sein bestes Album seit langer Zeit, finde ich. Ausgezeichnetes Songwriting. Nicht ohne Anspruch, intelligent in Aufbau und Struktur. Feine Melodienbögen, reichlich Substanz. Die Stücke wachsen noch mit der Zeit, überzeugen aber schon auf Anhieb. Sie rocken druck- und kraftvoll (mehrfach), sind fast romantisch, melancholisch, bedächtig, mächtig treibend und aggressiv, balladesk, entspannt oder ziemlich quirlig. Und ergeben bei aller Abwechslung ein rundes Ganzes. Hervorragend und vielschichtig seine Stimme, auf der Höhe seiner Ausdruckskraft, auch Ausflüge in höhere Lagen, manchmal etwas soulgefärbt oder ausgesprochen gefühlvoll im besten Sinne. Es spielt das Original-Lineup des Debuts minus Gitarre, ein perfekt harmonierendes Trio (exquisiter Bass!) mit vollem, sattem Klang ohne Ballast oder Mätzchen. Variable, z.T. federnde, ausgesprochen flexible Rhythmen sorgen für Songs in organischer Bewegung. Das Piano setzt z.B. Blockakkorde, Fixpunkte, vielerlei organisch eingeflochtene Motive, perlt leichtfüßig, hämmert dezent, begleitet elegant oder ökonomisch-reduziert. Erwachsene Musik auf beständig hohem Level, die keine stilistischen Einordnungen nötig hat (nur 1x wird's "explizit": Swingend-jazzig im Stile der 60er). Ein Album ohne jedes Füllmaterial (was auch sein Anspruch war).

 

 

 

Quatermass – Quatermass

CD



2007er Digi-sleeve-Reissue auf Repertoire. '70er, aus Ian Gillans Episode Six hervorgegangen, aber viel besser. Trio, no Guitars. War und ist ziemlich einzigartig, für mich ein richtiger Klassiker, ein kleines Meisterwerk. In fast jedem Stück auf andere Weise vermischen sich Einflüsse aus zeittypischem Progressive Rock (viele), etwas Hard Rock, (in 3 bzw. 2 Tracks) Klassik und Jazz, selbst längere, originelle, experimentelle Ideen oder unterschwellig R'n'B; auch sind hier und da Parallelen zu z.B. ELP (deutlich), Deep Purple der Zeit, oder Rare Bird (à la As Your Mind Flies By) zu hören (neben ganz Eigenem). Soundmäßig muskulär, ideenreich, variabel, vielfältig in Tempo, Dynamik, Stimmung, fantasievolle Arrangements. Alles von ruhigen, getragenen, leisen oder rockig balladesken, über subtil spannungsgeladenen, bis zu abziehend-heftigen und aggressiven Rock-Power-Parts. Gute meist längere Kompositionen. Expressiver Rockgesang mit guten 2x sogar ziemlich catchy Melodien (z.B. die Single Black Sheep Of The Family). Erstklassige Tastenarbeit (Orgel, oft ergänzt von Piano und/oder Synthie), 2x intelligente effektvolle Streicher. Bonus: Die superrare Nachfolge-Single, das ganz großartige One Blind Mice samt 7-minütiger B-Seite.

 

 

 

Blind Boys Of Alabama – Down In New Orleans

CD



2008er der legendären Veteranen-Gospel-Gesangsgruppe mit den rauhen, schmirgelnden Stimmen voller Seele, Feeling, Ausdrucksstärke, teilweise Emphase samt feiner warmer Harmonies/Chöre. Mit Neuerungen: Sie integrieren in ihren Gospel nicht nur wie früher schon Soul- und v.a. Blues-Elemente, sondern auch 2x New Orleans-2nd-Line-Grooves und mehrfach massiv uralte New Orleans/Street Parade/Trad-Jazz-Anleihen. Kein Wunder: Rhythmusgruppe + Piano wie die Gäste Allen Toussaint, die ziemlich berühmte Preservation Hall Jazz Band und die Hot 8 Brass Band (in typischer Genre-Manier mit klasse durcheinander wirbelnden Bläsern + Banjo) kommen alle aus New Orleans. Sehr schön auch einige Gospel-(Soul-)Balladen. Empfehlenswert!

 

 

 

Dr. Dog – We All Belong

CD



2008er. Sie klingen stark nach den späten 60ern, mehr noch frühen 70ern, erinnern dabei mehrfach an Beatles, Mott The Hoople, auch 10 CC, Move, sind außerordentlich beweglich in Songstruktur, Spiel und Melodieführung, mehrdimensional, arrangieren vielfültig, immer bereit für Überraschungen, variieren oft Dichte, Dynamik, Tempo, Rhythmik. Das alles angerauht, authentisch, die Instrumentierung (Gitarren, Piano, teils Orgel gleichberechtigt, ab und zu Bläser) strikt songdienlich wie reizvoll (Gitarren-Klangfärbungen!). Und sie setzen ständig Chöre ein, gezielt und feinstens in die Songabläufe integriert. Psychedelische Untertöne/Momente gibt's auch. Das ist erfrischend, fantasievoll und macht viel Spaß, es gibt immer Neues zu entdecken. Wenn jetzt noch ein par richtige Ohrwürmer dabei wären (nicht missverstehen: Das Songmaterial ist gut! 2-3 mal herausragend!), wäre es ein Klassiker (All Music Guide gab auch so viereinhalb von 5 Punkten). Sehr zu empfehlen!

 

 

 

Faust – Od Serca Do Duszy

2CD



2007er, live Ende 2006 in Polen. Mit Klassikern wie It's A Bit Of A Pain, Sad Skin Head oder Rainy Day von ihrer besten LP, So Far; aber auch neues/unbekanntes Material. Scharfkantige, rauhe, gitarrenbetonte Sounds mit viel Getrommel, schleifender/schneidender Gitarre, Feedbacks, Wah-Wah, Spacestürmen. Schamanen-, Underground-, Tribal Rock, manischer repetitiver Rock, psychedelische Anleihen, Acid (Space) Rock-Einflüsse, sogar mehrfach Anklänge an frühe Guru Guru! Unerwarteterweise nur selten experimenteller Avantgarde-Rock (mit Effektgitarren, Orgel, 1x Posaune/Trompete); und ein leiser, faseriger, leicht psychedelischer Ausreißer. Viele lange Stücke.

 

 

 

Boban Markovic Orkestar – Boban I Marko

CD



2007er. Der serbische "King Of (Gypsy) Balkan Brass", immer weniger puristisch, immer "zeitgemäßer". Zum traditionellen Balkan Sound gesellen sich hier und da Grooves, gar regelrechte Dance-Grooves im modernen Sinne, aber auch lustvoll-vertrackte Rhythmen. Sporadisch fast funky, fast Disco, hier blitzen Pop-Eigenheiten/Strukturen, dort kurze Jazz- oder Latin-Spritzer auf. Zudem gibt es melodisch reizvolle arabische/Orient-Verweise in einigen der (eher seltenen aber ausgezeichneten) Vokalbeiträge. Gutgelaunt, Partytauglich, vorwärtsstürmend, quirlig, wild, aber auch strikt durcharrangiert; scharf akzentuierend, fetzig, z.T. rasend, aber auch zwischendurch gemäßigt im mid-tempo oder recht ruhig, etwas sentimental, klassisch schön. Im Zentrum natürlich die (Percussion/Drum-gestützte) 10-köpfige Bläserphalanx, Riffs, Motive, charakteristische Stakkati, Backgroundflächen, Soli. Ab und zu von Akkordeon, Klarinette ergänzt. Empfehlung!

 

 

 

Lewis Taylor – Lewis Taylor

CD



Die CD ist von 1996. Seit Ewigkeiten hier gestrichen (nur als Import erhältlich, obwohl deutsche Pressung), aber viele werden sie (wie ich) damals verpasst haben, trotz reichlichst sehr positiver bis völlig enthusiastischer Presse (und dringender Empfehlung von z.B. Bowie, Paul Weller, Jools Holland). Die Rede ist von Soul-Sänger, Songwriter, Multi-Instrumentalist Lewis Taylor Gitarren mit weichem Wah-Wah, filigran-verhallt, etwas funky, mehrfach abgedämpft-verzerrt oder offensiv rockig (verzerrt). Ein feiner bis wunderbarer Bass. Unterstreichende unauffällig geschmackvolle Keyboards bzw.E-Piano, Orgel (nur selten mehr im Vordergrund), hier und da sparsame Pianoakkorde als Fixpunkt. Hervorragender ausdrucksstarker reich phrasierender Soulgesang in z.T. etwas höheren Lagen.Er schlängelt sich manchmal regelrecht durch die Songs – und: Mehrere Lead-Stimmen/Backings/kleine Chöre überlagern sich in fast jedem Stück. Sehr effektvoll, klasse arrangiert! Früh-70er Soultraditionen behutsam und edel modernisiert, Marvin Gaye in den frühen 70ern kommt des öfteren in den Sinn, auch mal D'Angelo, oder sogar Curtis Mayfield. Aber er verfügt über eine eigene Note. Sporadisch kurze/geringe Blues-, Jazz-, Psychedelic-Spritzer, natürlich auch Pop- und Rock-Elemente. Ungewöhnlich variations- und einfallsreiche Arrangements (durchaus z.T. ganz sparsame). Ein starker Groove durchzieht die Stücke, teils eine recht dunkle Stimmung. Viele Tracks um die 5 Min., das 6 1/2-minütige Lucky ist absolute Weltklasse: Tolles Bass/Gitarren-Motiv, schon spacige Gitarreneffekte, feiner Streicherteppich zwischen licht und voluminös. Großartig auch ein höchst atmosphärisches A-capella-Stück. Vielschichtige, ungemein warme und elegante Musik! Und günstig.

 

 

 

Weather Report – Live At Montreux 1976

DVD



2007er, 84 Min., Legendäres Konzert, oft gebootlegt, erstmals legal. Die klassische (erfolgreichste) Heavy-Weather-Besetzung feat. Jaco Pastorius (welch' Bass!). (Poly)Rhythmisch enorm stark und vielfältig (dr und Perc), ein zentrales Element hier. Mächtig pumpend, des öfteren groovend, flexibel rockend, quirlig oder relaxt fließend. Oft äußerst kraftvoll, dicht und intensiv, aber auch diverse zarte leise feinsinnige/lyrische Passagen. Zawinuls Keyboards erzeugen ungeheuer klangfarbenreiche, schillernde, faszinierende – teils richtig feinfühlige Sounds (und ebensolche Kommunikation mit Shorter)! Manch' ausgedehnte Soli, Duette. Themen-, Riff-, Groove-, Sound(malerisch)- und Solo-orientiertes Spiel wechseln sich ab. Viel von Black Market, ein Medley von I Sing The Body Electric aus der Frühphase, klasse Scarlet Woman (Myst. Traveller) und Badia (Tale Spinnin) mit ihren einfach wundervollen Melodien. Sehr transparentes Klangbild übrigens, super Sound, exzellente Bildführung!

 

 

 

Santana – Hymns For Peace-Live At Montreux 2004

2 DVDs



2007er, ein tolles Set! Knapp 3 Stunden lang! Cl.Nobs, Direktor des Festivals, nannte den Auftritt "The highlight in the 38 year history of the festival". Besetzung: Die New Santana Band als Kern (u.a. Chester Thompson, Bass z.T. akust., 2x Perc + Drums, mehr Orgel als Keyboards). dabei: Wayne Shorter, Herbie Hancock (akust. Piano! Klasse), John McLaughlin, Afro-Größe Idrissa Diop; zur Hälfte: Ravi Coltrane (Johns Sohn, viele ganz exquisite Soli, teils Sopransax); mehrfach: Chick Corea (E-Piano), Nile Rodgers; 1x: St.Winwood. Oft: Wechselnde bzw. gemeinsame Sängerinnen: Die gefeierte Westafrikanerin Angélique Kidjo, Barbara Morrison, Patti Austin. Das Konzertmotto (Hymns For Peace) bestimmte (großteils) die Songauswahl. U.a. 4 Bob Marley-Stücke (Redemption Song als angesoulte Ballade, One Love als Reggae, 13-Min.-Medley Exodus/Get up stand up als unaufhaltsam rollend-groovende Afro-Kuba-Jazz-Reggae-Rock-Melange), 2x Dylan, What's Going On (Soul-Pop), Banana Boat Song (akust.-afrikanisch, erstaunlich gut), 2x Lennon (Give Peace A Chance heavy rockend mit Raps!), Why Can't We Live Together; die Highlights: 3x John Coltrane (!, Afro Blue geradlinig relaxt rollender, melodiöser, federnder Afro Jazz, A Love Supreme stilistisch allumfassend, hymnisch, spirituell-inbrünstig, mit 4 Bläsern!); das lange McLaughlin/Santana-Feature Let Us Go Into The House… (von deren "Love Devotion…"-LP, Jazz/Rock der anderen Art), der sanft-poetische, wunderschöne, melodische Jazz von Light At The Edge und v.a., nahtlos ineinanderübergehend: Miles Davis' In A Silent Way, sehr lang, improvisiert, mächtig scharf, voller Power, treibender, schwerer Rock-Groove – geil, stellenweise grandios (Shorter!), und ein großartiges Jingo. Und mehr: Afro-Rock, ein Power-Boogie, leise spirituelle Passagen, dichte Percussion-Netze, viele glänzende (oft jazzige) Soli aller Hochkaräter… Sound und Bild: Sehr gut. Große Empfehlung!

 

 

 

Nick Lowe – At My Age

CD



2007er, erstes Album nach 6 Jahren. 12 allesamt kurze kompakte Songs. Wirkt wie aus einer anderen Zeit! Ungemein melodisch, substanzreich, weitgehend laidback/relaxt bzw. recht ruhig/balladesk, selten (moderat) rockend. In ausgesprochen warmem organischem Sound, Bläser, Orgel, Piano, akkust. und leise/filigrane E-Gitarre (manchmal Streicher) fließen zusammen, nichts drängt sich auf, alles dezent/ausgewogen. Stilistisch ganz und gar in den 50ern, teils 60ern, sporadisch gar 40ern verwurzelt, Pop ganz altmodischer (US-)Art trifft Soul (R'n'B), Rockabilly/R'n'R-Feeling, Country oder ein wenig Jazz (-Pop). Auch 'ne Art Americana… Dementsprechend klingt sein Songwriting (die 3 Cover, u.a. Charlie Feathers, Faron Young, passen gut rein), gehaltvoll, traditionsverhaftet, in von ihm jahrzehntelang gewohnter Qualität. Voll retro, ja, und wie, aber gut. Chrissie Hynde (ex Pretenders) gastiert.

 

 

 

Abwärts – Rom

CD oder LP
je



2007er. Ja, die gibt's immer noch (wieder?). Kompakter treibender mittel- bis sehr schneller (Pop) Punk Rock, gnadenlos geradeaus geprügelt, ab und zu metallische Brachial-Akkorde eingearbeitet. Selten mal anders: In Richtung heftigem 80s-Post-Punk-Wave oder gar wie "Heart Of Glass" in härter/bombastischer/rauher. Nur hier und da frischen kurze noisige Einlagen, Samples, harmonische Brüche oder ein Keyboardwall im Hintergrund den vollmundig satt und fett produzierten kompromisslos sägend-bratzend-riffenden Gitarrensound auf (keine Soli, selbst ausgeprägtere melodische Motive sind selten, aber wirkungsvoll). Teils ziemlich sarkastische oder wütende (natürlich deutsche) Texte.

 

 

 

Home – Pause For A Hoarse Horse/Home

CD



2007er remastered Reissue, Alben von 1971/72. Briten. Gitarrenrock mit melodiösem, teils ausgesprochen schönem (Harmony-) Gesang (v.a. auf "Home"!), vielen Einflüssen von Westcoast/Country-Rock (auch etwas Folk-Rock), mal rockig, mal rasant, mal (häufig auf der weit ruhigeren "Home"-LP) relaxt fließend/sanfter, hier und da leicht vertrackter im Aufbau bzw. Arrangement. Ihr Markenzeichen jedoch, oft im Zentrum: Feine flüssige, wie rhythmisch scharf akzentuierende, räumlich sauber getrennte, vernetzte auch unisono gespielte, teils sehr schön filigrane, teils schroffere Twin- (z.T. Triple-) Guitars. Klasse! (Leadgitarrist Wisefield ging dann bezeichnenderweise zu Wishbone Ash, agiert stilistisch vielfältig, erinnert ab und zu gar an Albert Lee!). Tatsächlich gibt's Heads Hands & Feet-Anklänge, sowie Ähnlichkeiten zu Brinsley Schwarz, Buffalo Springfield, Poco, sogar CSN. Hier und da mit Mellotron/Keyb. (Clive John, danach Man), Piano (auf "Home"), 2x Geige (John Weider, ex Family).

 

 

 

Pacific Gas & Electric – Are You Ready/Pacific Gas & Electric

2 CDs



2007er remastered Reissue, weit unterschätzt, zu wenig bekannt. Gemischtrassig, damals selten. Von 1969 und '70, mit Ur-Canned Heat F. Cook und Ur-James Gang-Chef G. Schwartz. Are You Ready, hier 6 Min., war ein Hit damals, klingt heute noch absolut toll, ansteckend, groovend, direkt, aggressive Gitarren, klasse Refrain, ebensolcher Gesang und Chor (u.a. Merry Clayton). Aber auch sonst gut: Blues bzw. R'n'B mit viel Seele (hervorragender schwarzer, rauher, emotionaler, ausdrucksstarker Soul-Blues-Gesang!), inkl. reichlich Rockelementen, sporadisch Hendrix-Anklänge (mit dem sie befreundet waren). Erstaunlich gelungen auch ein souliger Country mit Rusty Youngs Steel-Guitar. Ebenfalls rauh: Der Sound, mit ganz feiner ausgezeichneter Gitarre, gerne sehr scharf, schneidend, oder heulend, effektangereichert. Auf der 69er kommen ab und zu Bläser, Orgel, Streicher hinzu, bei einer experimentelleren 17-Min.-Suite Jazziges und Folk Blues. Viel Eigenes, Covers von Hooker, Isley Bros., Otis Redding, Joe South. Multi-Klapp-Digipak.

 

 

 

Epitaph – Remember The Daze

CD



2007er Comeback mit den Originalmitgliedern Cliff Jackson, Kolbe und McGillivary. Melodic Guitar Rock in ganz geradlinig, kompakt, bodenständig. Manche Songs mit ein wenig mehr Härte, Tempo, andere eher atmosphärisch, auch gemischt; der einzige balladeske ruhige ist teilakustisch, aber auch nicht sehr leise. Natürlich oft mit ihren singenden Trademark-Gitarren (keine längeren Soli, jedoch viele markante Motive), oft dezent (oder etwas stärker) Keyboard/Orgel-unterlegt, dominierender Gesang. Die Verwurzelung in den 70s ist mehr als deutlich, Modernismen halten sich in engen Grenzen, hier und da klingt's ähnlich wie früher.

 

 

 

Sussan Deyhim/Richard Horowitz – Desert Equations: Azaz Attra

CD



Reissue des 87er Albums, wieder erhältlich. Die großartige iranischstämmige Vokalistin (arbeitete u.a. mit Jerry Garcia, Peter Gabriel, Laswell, Wobble, Eno) zieht hier alle Register, virtuoser meist lautmalerischer verstörender wie faszinierender Gesang, in (nicht nur) dunkel-rauchiger Stimmlage, weit überwiegend in mehrstimmiger/vielfältig überlagerter oft auch verfremdeter Form, nicht ohne (aber weit weniger als später) orientalisch gefärbte Melodien. Der Gesang korrespondiert/kommuniziert mit den fantasiereichen/unorthodoxen Keyboards/Electronics von Horowitz, auf verblüffend kohärenter Ebene, perfekt abgestimmt! Und wird großteils ergänzt von raffinierten Elektro/Akustik-Rhythmen, bis hin zu einer Art Prä-Techno-Form; aber ab und zu auch im Raum schwebend. Experimenteller als spätere CDs, manchmal hatte ich als Assoziation "Laurie Anderson in radikaler", es gibt aber auch intelligenten wunderbaren fließend-atmosphärischen oder friedlich-kontemplativen "Electronic Ethno Pop" (incl. Flöte).

 

 

 

Cinematic Orchestra – Ma Fleur

Do-LP
(ltd. Deluxe Edition)


CD-Deluxe


je

2007er, langerwartet. Ihr 99er Debut war die beste Verbindung von Jazz und moderner Clubmusik, die ich kenne; Nr. 2 von 2002 war noch besser, aber langsamer, führte auch Soul und Trip Hop ein. Und jetzt… Es beginnt mit 2 einfach wunderschönen langen betörenden Balladen, toll gesungen (Patrick Watson bzw. die große Fontella Bass, die wie Lou Rhodes von Lamb weitere Songs interpretieren). Balladesk in vielfältigster Form (bis hin zu schwerelosen ultrazarten Klängen), in dunkler außergewöhnlicher Atmosphäre ist auch das Gros der CD. Es fließen Soul und Pop, mit modernen Grooves/Beats versehener intelligenter Jazz (die 2 einzigen etwas schnelleren Stücke hier), aber auch eher artifizieller oder soulgetränkter (insgesamt weniger Jazzanteil als früher), sowie ein par Folk-, Gospel und Klassikspuren ineinander. Und soundmäßig ist's ein wahres Fest: Aparteste Streicher (recht häufig), sowohl leise sanfte, ja filigrane, wie etwas großwformatigere bestechende/becircende Synthies, einige herrliche warme Bässe, klasse verfremdete E-Gitarren (selten) sowie mehrfach akustische, dazu immer wieder ein erdendes/strukturierendes (E-)Piano, ab und zu Bläser im Schönklang. Emotion+Intelligenz+Sound Deluxe. Großer Tipp. (DVD)

Auch als limitiertes Vinyl sowie auf 500 Expl. in Deutschland beschränkte CD-Sonderausgabe, jeweils in massiver Cardbox mit 12 hochwertigen Postkarten (bei der LP im 12"-Format!). Solange Vorrat reicht…

 

 

 

Vanilla Fudge – Out Through The In Door

CD



2007er Reunion in 100%-Originalbesetzung! Ausschließlich Led Zeppelin-Covers, Songs von fast allen Alben (4 vom Debut). Der Sound pendelt zwischen charakteristischem etwas härterem 70s Rock/Hard Rock, einer vollmundigeren/abgeschliffenen Version von Zep (bis hin zu leicht bombastischen Elementen bei Dazed And Confused) und Reminiszenzen an die alten Vanilla Fudge (aber auch mehr 70s-like und ohne Psychedelic) mit typischen gedehnten (Ramble On z.B.) bzw. auch angesoulten Merkmalen (der Gesang). Ein paar Blueseinflüsse (weniger plakativ als bei Zep) kommen hinzu. Insgesamt gitarren- und gesangsbetont, plus schwellende/quirlige/röhrende Orgel (selten auch Keyboardflächen). Nur sporadisch etwas moderner, schleifender. Auch dabei: Immigrant Song (incl. Choral-Keyboards), Trampled Under Foot, Rock And Roll, Moby Dick.
 

 

 

Amon Düül II – Wolf City

CD



2007er Reissue, jetzt wieder erhältlich, mit 3 Min. völlig unbekannten Bonustracks (Kindermörderlied, Mystic Blutsturz (10 Min.), Düülirium)! Die 5. LP, von 1972, nach Yeti und Tanz d.L. ihre 3. Beste. Meist songorientiert, aber auf sehr originelle Art. Instrumental vielfältig, klangfarbenreich (Git./Keyb./Geige/Sax, immer wieder feine choralartige Sounds), stark verbesserter Gesang von Renate Knaup-Krötenschwanz. Stringente fließende und/oder relaxte Stücke sowie bissige, komplexere, mächtig break-, abwechslungs- und ereignisreiche. Acid Rock, eine Art Progressive Folk, originärer Edel-Pop, Avant Rock, intelligenter unkonventioneller (Psyche-/Prog-)Rock, atmosphärischer Ethno-Rock. 2 hervorragende Stücke, 1 brillantes (Jail House Frog, das nach einem leisen effektreichen spannungsgeladenen Mittelteil in einem berauschenden Sopransax-Motiv in fremdartig-faszinierender Schönheit erstrahlt), 2 gute, 2 etwas blasse ("mittelprächtiger Rock").
 

 

 

Xhol Caravan – Motherfuckers Live

3-LP-Box



2006er Vinylrelease. 2 unveröffentlichte Konzerte einer der originärsten frühen deutschen (Kult-) Bands! LP 1: 1968, die 54-minütige Suite "Freedom Opera" (incl. langer Bearbeitung von Season Of The Witch). LP 2: 1969 WDR, 33- und 17-minütige Stücke. Erstaunlicherweise ist er Sound okay! 2 Bläser (Tenor/Alt-Sax, Flöte), Orgel und Gitarre (die auf allen regulären LPs fehlte! Ebenso wie Sänger David Rhodes) fließen ineinander/verzahnen sich, brechen auseinander, kommunizieren, verschwinden zeitweise (Bläser)… Genau wie die Stile: Psychedelic, Jazz, Ethno, Progressive, Free Rock, auch eine lange Soul/R'n'B-Passage – für sich, variabel kombiniert, alles zusammen… Ganz weit vorne für die Zeit. Weich oder schnell fließend, federnd oder komplex verzahnt, leise und sanft, flächig, spacig ausfransend, auf LP 1 auch grell ausflippend bzw. eruptiv, intensiv, schroff. Dort steht z.T. auch Gesang im Vordergrund, es gibt Einflüsse von frühen Floyd bis Sun Ra; LP 2 ist fast rein instrumental, erinnert massiv an Soft Machine 3/4 bzw. frühen Canterbury-Sound, klasse Orgel. LP 3 ist eine 17-minütige Bonus-12": 3 Xhol-Covers/Tributes von Current 93 (feine sanfte leise Psychedelia), Nurse With Wound, C.Heemann (HNAS). Dickes Hartpapp-Klappcover, gute Pressung.
 

 

 

Tom WaitsOrphans

3er CD-Box




Tom Waits neues Opus ("Orphans", 3er CD-Box) ist ein Fabel-Set! Auch musikalisch aufgeteilt in 3 Parts/CDs bietet es 56 Stücke, über die Hälfte neu/unveröffentlicht, den hervorragenden Rest (großteils aus den späten 90ern/frühen 00ern) gab es auf diversen z.T. raren Tribute-CDs, Soundtracks, Benefiz-Alben und Themen-Samplern (nix auf seinen regulären CDs!). CD 1 und 2 beinhalten Roots-Musik (natürlich partiell unkonventionell, aber häufig doch relativ "straight"), wobei CD 1 erheblich schärfer ausfällt, großteils elektrisch, reichlich (nicht nur) Blues-lastiges/-beeinflusstes in vielfältiger (auch rockiger) Form, oftmals verzerrt (nicht nur die teils superben Gitarren), häufiger auf individuelle Weise fein groovend. "Lie To Me" ist ein Monster-Track, ein atemloser vibrierender Psychedelic-Swamp-Cave-Southern Roots-Rockabilly der Super-Extra-Klasse! CD 2 ist oft recht leise bis ganz sanft bzw. akustisch, keine oder sparsamste Drums, Balladen, viele (tradit.) Folk- und Country-Einflüsse resp. Hillbilly, auch Pedal Steel-Einsatz, reichhaltig-variabel instrumentiert. Wunderschöne Stücke darunter. CD 3 zeigt seine unberechenbare experimentellere Seite, soundtechnisch z.T. massiv bearbeitet, die berühmten "Hühnerknochen"-Klänge, Rap- wie Captain Beefheart-Anleihen, Spoken Word etc. Insgesamt melodisch sehr stark/attraktiv! Und eine Gästeliste vom Allerfeinsten. 94-Seiten-Booklet. Ein absolutes teilweise berauschendes Muss!
 

 

 

The FallReformation Post TLC

LP


CD

2007er. Die ersten Stücke (und ein par spätere) kommen sehr dicht und intensiv, voller Power, schnell und stoisch vorwärtsmarschierend/rollend, z.T. fast peitschend, die typischen simplen markanten Riffs und Licks sorgen manchmal für einen hypnotischen Fluss der Musik. Dann wird es jedoch teilweise relaxter (z.B. das einzige Cover, von Merle Haggard mit Chor), auch transparenter, sogar mal ungewohnt federnd und elastisch, sporadisch eine Spur komplexer; die Tempi etwas zurückgenommen; ein 10-minütiger Track klingt gar elektronisch-avantgardistisch. Ein par Electronics bereichern auch einige andere Stücke, sowie Orgel; und diverse klasse Gitarrensounds.

 

 

 

Joan BaezRing Them Bells (Collectors Edition)

2 CDs




2007er Reissue, 1995er live, jetzt mit 6 unveröffentl. (sehr guten!) Bonustracks; 3 davon präsentieren je ein zweites Duett mit Tish Hinojosa (wundervoll!), Indigo Girls (ebenfalls klasse), Mary Chapin Carpenter. Weitere Duettpartner, das Salz in der Suppe: Mary Black, Mimi Farina, Kate & Anna McGarrigle, Janis Ian. Ihre Stimme hat nichts an Glanz verloren, kristallklar, einfach beeindruckend; aber im Vortrag lockerer, weniger pastoral als in alten Zeiten. Im folkigen fließenden aparten akustischen Sound, bestimmt von mehreren, teils schlichten unauffälligen, teils sehr schön kunstvollen Gitarren (auch Slide), teils Bass; sporadisch Piano, Akkordeon u.a. Das Ergebnis ist ein ziemlich klassisches stellenweise tief berührendes Singer-Songwriter-Folk-Album, (unprätentiöse) Balladen (wenn auch nicht weit) in der Überzahl. Mit u.a. Waltzing Matilda, Ring Them Bells (von Dylans Oh Mercy), You Ain't Going Nowhere, Don't Think Twice…, Diamonds And Rust, erstklassigen Versionen von Cohens Suzanne, The Night They Drove Old Dixie Down (a capella).

 

 

 

Guru GuruDon't Call Us We Call You

2 CDs




2006er Reissue. 1973er noch mit Ax Genrich. Remastered von Eroc. Ein kunterbuntes, vielfältiges, freakiges Album voller Stilwechsel bzw. aberwitziger Kombinationen innerhalb der (teils sehr langen) oft stark gitarrenbetonten Stücke. Bestandteile: Leiser diffiziler psychedelischer wie straighter Rock, Blueseinflüsse, komplexer Acid/Freak Rock, leichtfüßig-verspielte Jazz Rock-Anleihen mit Melodie, aber auch akust. Parts inkl. einer Art Folk-Rock, Flamenco- und Hillbilly-Spritzer, sogar Indianisches und Walzer. Bonus-CD: Unveröff. 73er Konzert, 68 Min. Audience-Aufnahme im rauhen Bootleg-Sound. Zentral das 34-minütige Ooga Booga, eine Improvisationsorgie zwischen Free-Rock, Acid-Rock und Cream-Anleihen (inkl. akust. Rootseinlage mit Banjo) mit furioser wie filigraner Gitarre. Plus 200 Cliches, 16 Min. Elektrolurch zwischen Psychedelic, Fun und abziehendem groovendem Rock (straighte feine Version!) und ein langes kraftvolles Eddie Cochran-Medley, dreckig und fast heavy. Mult-Klapp-Digipak.

 

 

 

Bill Evans – Waltz For Debby

CD



Live 1961, remastered Reissue mit 4 Bonustracks. Der Pianist von Miles Davis legendärem †ber-Klassiker "Kind Of Blue". Eine Sternstunde des Jazz, für viele, und vielleicht wirklich, zusammen mit dem am gleichen Abend aufgenommenen "Sunday At The Village Vanguard" das beste Piano-Trio-Album aller Zeiten. Ungeheure Musikalität, traumhaftes Zusammenspiel, ausdrucksstarke höchste Spielkunst im "understatement-Modus". Die absolute Perfektion, mehr geht nicht. Unendlich der melodische Reichtum und die Tiefe der Musik. Ganz leise, zarte, langsame Stücke wie entspannt swingende in gemäßigtem up-tempo, oder ruhig im mid-tempo bzw. balladesk. Nicht immer, aber des öfteren romantisch, fast durchweg intim wirkend, auch in den schnelleren Tracks. Fast alle Stücke um die 6/7 Min., aber kein Ton zuviel. Brillanter Bass (der geniale Scott LaFaro), oft sparsam, getupft, nicht einfach Begleitung, auch ein melodischer Bestandteil. Drums (P.Motian) mit viel Gefühl, Besen, teils gestreichelt, geraschelt. Ein Muss.
 

 

 

Van Der Graaf Generator – Real Time (Royal Festival Hall)

2 CDs




2007er. Die triumphale Rückkehr einer Legende. Das komplette Reunionkonzert von Hammill/Banton/Evans/Jackson (weit über 2 Stunden) am 6.5.2005. Die Arrangements sind teils nahe an den Originalen, teils verändert, inkl. Überraschungen, v.a. die Art des Gitarreneinsatzes (3x, ansonsten spielt Hammill (E-)Piano oder singt nur). Der Band-typische Sound blieb voll erhalten, nix Modernisierung; charakteristisches Orgelspiel und Sax (oft auch Sopran bzw. Flöte). In höchster Intensität (inkl. kurzer freier/wilder Ausschweifungen), lyrisch bzw. ganz leise, diffizil, begeisternd komplex/flexibel/federnd. Ganz besondere Highlights: Lemmings (signifikant anders, ungeheuer agil, beweglich, z.T. verblüffend schroff, wild-orgiastisch); Killer sowieso (mit mächtig abziehendem Mittelteil und Power-Vocals); Darkness (kraftvoll-organisch, optimal interpretiert); Childlike Faith… (Poesie, Finesse in Rhythmik und Arrangement, sowie beste Theatralik vereint); Sleepwalkers (monumental, rhythmisch mitreißend). Überhaupt, was für eine Tracklist! Die meisten meiner Lieblingssongs sind dabei. Stücke von allen Alben 1969-76, u.a. Man Erg, Refugees, Undercover Man, Masks, das großartige In The Black Room von Hammills "Chameleon…", die 2 besten Stücke vom Studio-Comeback-Album. Was soll ich sagen? Toll!!
 

 

 

V.A. – Glastonbury Fayre Festival

3 LPs in Luxus-Cover mit ALLEN (!) Beilagen (Poster, Books Pyramide)


Ein limitierter toller Reissue! Das wahrhaft legendäre 1972er 3er LP-Set von den Machern des Hippie-Free-Festivals 1971. Schon bei Erscheinen kaum zu bekommen (ich hab damals Jahre gebraucht), sehr schnell sauteuer. Originalgetreu mit allen Beilagen: Pyramidenschnitt, 2 Poster, Beiblatt, DIN-A-4-32-Seiten-Booklet, Cover riesengroß ausklappbar, speziell bedruckte Außenhülle. Musik: Fast alles unveröffentlicht, 1 Seite Studio, 5 Seiten live (nicht alles vom Festival), teils von sympathisierenden Bands kostenlos zur Verfügung gestellt; Sound sehr gut bis besserer Bootleg. Live 1971: 16-Min.-Track von Mighty Baby (!), feine Psychedelic/Acid-Trip-Musik mit Grateful Dead-Anleihen; 23 Min. Daevid Allen's Gong (wechselweise ultra-spacig-psychedelisch, fantasievoll progig, total abgefahren/verrückt, stark beeinflusst von Ummagumma-Floyd sowie Soft Machine); 23 Min. Pink Fairies, Do It und Uncle Harry's, die besten Stücke ihres besten Albums (wie Mountain in Freak-Out-Rock'n'Roll plus Acid); 20 Min. Edgar Boughton, Out Demons Out (perkussive schamanische Rockbeschwörung plus Freak-Rock). Live 1972 (guter Sound): Hawkwind, Silver Machine/Welcome (klassisch! Great!); 24 Min. Grateful Dead, Dark Star (8.4.72 Wembley, ungewöhnlich frei, abgefahren). Studio: Marc Bolan, Sunken Rags (akust. folkig, Homerecording, fein); Pete Townshend, Classified (Home-Demo, sehr schön); D.Bowie, Supermen (live im Studio von den Ziggy-Sessions, obwohl schon auf "Man Who Sold…"; ausgezeichnet); Brinsley Schwarz und Skin Alley (bekannte Versionen). Nur auf Vinyl, 180g.
 


Canned Heat – Live At Montreux 1973

DVD




2006er. Live 1973, 73 Minuten, Sound okay (schon Stereo!). Nicht irgendein Heat-Konzert. Auf 4 ausgedehnten spontanen Stücken Ÿber 31 Min. führt Gast Clarence Gatemouth Brown die Band, soliert originell und reichlich an Harmonica, Gitarre, Geige, übernimmt Lead Vocals und extrovertiertes ausgiebiges Entertainment, verstärkt natürlich noch die sowieso klar dominierenden Blues- (und Boogie-) Wurzeln der Gruppe. On The Road Again jedoch (wie Let's Work Together über 5 Min. lang; beide neben dem ultralangen abschließenden Boogie die einzigen Stücke mit Orgel statt Piano) kommt weit rockiger, härter, saftiger als die Studioversion. Die 2 Gitarren (u.a. H.Vestine) bekommen einigen Raum für Soli. Zwischendurch klingt auch mal New Orleans an. Nur 4 der 10 Stücke gab's auf ihren LPs!
 

 

 

Carlos Santana Presents: Buddy Guy, Clarence Gatemouth Brown,
Bobby Parke – Blues At Montreux 2004

3er DVD-Box




2006er, 4 Stunden live, 3 Konzerte! Im schönen Multi-Klapp-Digipak. Bobby Parker: 70 Min.; Die Semilegende und Veteran macht aus dem Opener Straight No Chaser (T. Monk-Jazz-Klassiker!) ein kraftvoll groovendes funky R'n'B-Stück. Erdig, ungemein vollmundig, satt und saftig, ebenso kraftvoll, teils groovend kommt auch der Rest. Traditionsbewusst, voller Seele, irgendwo zwischen Blues und R'n'B. Superfett (singend) und voluminös die Gitarre, leicht angerauht wie der Gesang, Harmonica/Sax/Orgel sind bestens im Sound eingebettet. Die letzten 21 Min. kommt Carlos Santana hinzu, teils stark prägend, muskulös, es wird rockiger. C.G.Brown: Gehaltvoll, melodisch ausgesprochen reich, differenziert. Swingender Jazz meets 40s-R'n'B mit gewisser Eleganz wie Bodenständigkeit, hochmelodisch; energiereicher bzw. etwas modernerer R'n'B; Rocking Cajun Blues; angejazzter Boogie; tradit. bzw. klassisch schleppender Blues. Egal was, er ist hier (meist) sehr traditionell orientiert, viele 40s-, auch 50s-Wurzeln; aber höchst lebendig, oft schnell! Ökonomisches feinfühliges einfallsreiches Gitarrenspiel, wie flüssig-schnelles jazziges. 2x Geige. Orgel/Piano und Sax agiert sehr musikdienlich. Santana steht hier satte 40 Min. auf der Bühne (B.Guy und Chics Nile Rodgers je 1x), spielt pur bluesig, soliert mehrfach glänzend! Buddy Guy: 96 Min., zunächst akustisch solo mit 3 beweglichen puren alten Folk Blues-Nummern – exquisit! Dann mit erstklassig kommunizierender Band (inkl. hervorragendem extrovertiertem Sax und 2. Gitarristen), variationsreich im Stil (von Chicago Blues bis R'n'B) und Vortrag (von, immer wieder, ganz leise, zärtlich, bis explodierend, brennend, filigran wie frenetisch und intensiv, sparsamst wie saftig volltönend, soulful, spielfreudigst, außerordentlich spontan). Sein Gesang: Z.T. fast klangmalerisch, schier platzend vor Emotionalität, super! Sehr lange Tracks, bis 22 Min.; für 34 Min. ist Santana dabei, in Hochform. Auch Parker und Rodgers gastieren. Ein klasse Set!
 

 

 

Audience – Audience

180-Gramm-LP



2006/7er Reissue des legendären sauteuer gehandelten 1969er Debuts der Engländer um Howard Werth, mit 3 Bonustracks, darunter eine frühe Version ihres großen Klassikers House On The Hill (ein klasse Song, eindeutig ihr bester!), der die Platte aufwertet. Musikalisch selbst für damalige Verhältnisse eigenständig/eigenwillig, sie verarbeiten in ihrem fantasievollen progressiven Rock/Art Rock Elemente aus Folk, frühem Hard Rock, Jazz, sogar Klassik. Interessant und reizvoll sowohl der ungewöhnliche Gesang als auch die Instrumentierung mit Sax und akustischen Gitarren. Die Band wurde gelegentlich mit Jethro Tull verglichen, wohl wegen der Flöte…hmm. LP: 180g-Vinyl.