Detlev von Duhn empfiehlt:




 

 




       Gary Bartz, Adrian Younge & Ali Shaheed Muhammad – JID 006

                                                Jazz Is Dead

Jazz Is Dead 006 [Limited Red Colored Vinyl] [Vinyl LP]

LP oder CD

Gary Bartz, die Alt-Sax-Institution seit ewigen Zeiten (er spielte z.B. mit/für den elektrischen Miles Davis in den frühen 70ern, Art Blakey, Charles Mingus und Eric Dolphy noch früher, neben den eigenen LPs – und wurde immer wieder gesamplet, nicht nur von Hip Hop-Acts), auf dem schon fast kultigen „Jazz Is Dead“-Label – das paßt! Ein intelligenter satter „aktueller“ Groove trifft in kongenialer Weise auf seine wunderbaren Sax-Linien (irgendwo zwischen Eleganz, Poesie und melodischer Schönheit). Mal bewegt sich die Rhythmik auch, treibend, etwas handfester und kantiger, zwischen Groove und fast schon Rock, oder wirkt deutlich quirliger (in adäquat schnellerem, ereignisreicherem Setting), Hip Hop-affin, oder ein wenig Jazz-näher (wobei das Sax stärker 60s-inspiriert agiert). Mehrfach erzeugen E-Piano/Orgel und/oder Keyboards/Synths (bzw. das Sax selbst) einen gewissen Electric Jazz/Fusion-Vibe der früheren 70er (z.B. Miles/Herbie Hancock), manchmal stehen sie, leicht schwebend, flirrend, im attraktiven Kontrast zu den bodenständigeren Grooves (das Sax hier z.B. lyrischer als sonst). Seltene/punktuelle Vocals erinnern u.a. an leichtgewichtigen 70er Fusion Jazz mit Latin-Input und führen ein Eigenleben. Eingestreut werden Acid-Jazz-, Soul Jazz- und Funk-Elemente hier und da. Feiner Bass übrigens! 8 fürs Genre ungewöhnlich kurze Stücke (keine Solo-Exzesse, gehaltvoll, viel Melodie, gewissermaßen „Song-orientiert“), eine knappe halbe Stunde reicht.

 

 

 




Neil Young – Young Shakespeare
Young Shakespeare

LP oder CD oder Deluxe LP+CD+DVD

Schon wieder ein „neues“ Album, unveröffentlicht, akustisch live solo 22.1.1971, auch als Deluxe-Box mit LP, CD + DVD. Um die obligatorische Frage, „braucht man das?“, gleich zu beantworten: Anders als beim großartigen langen „Way Down…“-90er-Live-Set kürzlich habe ich nach ein paar Stücken und auf Grund der Infos erst mal gedacht, nicht unbedingt. Zumal es ja das 3 Tage vorher aufgenommene Massey Hall-Konzert gibt, auf dem alle hier vertretenen Songs (bis auf Sugar Mountain) auch drauf sind (+ ein paar zusätzliche, 13 sind´s hier). Die Einschätzung änderte sich beim Hören zusehends. Weil er ausnehmend makellos, mit feinem Vibrato teilweise, extrem viel Gefühl, einfach wunderbar singt. Weil er hier einfach total „in der Musik drin“ ist, völlig in ihr aufgeht, in sich ruhend, schnörkellos, absolut konzentriert, manchmal regelrecht ergreifend. Intimer denn je, außerordentlich inspiriert, in diesem (Solo-Akustik-) Setting habe ich einige Stücke nach meiner Erinnerung nie besser gehört. Findet er selbst übrigens auch („meinen Fans sage ich, es ist das beste aller Zeiten“, eine erstaunliche Aussage). Eine gewisse Melancholie hängt über diversen Tracks (/der Stimme), er macht ziemlich viele kurze und längere Ansagen, begleitet sich mit 2 (Piano-) Ausnahmen auf der Akustischen, präsentiert gleich 4 Songs von Harvest (1 Jahr vor Veröffentlichung), neben je 2 von …Gold Rush, Everybody Knows und CSNY-Alben, je einen von der Crazy Horse-Debut-LP und einer Single-B-Side, Journey Through The Past erschien erst 2 Jahre danach auf Time Fades Away. Und er liefert einige überragende Highlights: Eben jenes Journey Through… (wow!), Down By The River, Ohio, Tell Me Why, Helpless, v.a. aber das Medley A Man Needs A Maid/Heart Of Gold (ungeheuer eindringlich und intensiv Ersteres, ganz zart, ganz reduziert, gänzlich unprätentiös und kurz Letzteres). Cowgirl In The Sand ist auf knapp 4 Min. eingedampft. Berührende einfach wunderschöne Musik.

 


 

 

 



Electric Prunes – Stockholm 67
Stockholm 67 [Vinyl LP]

nur LP

21er Release, erschein erstmals 1997, jetzt wieder auf Vinyl. Für die Zeit (1967) ist der Live-Sound erstaunlicherweise okay, kräftig und rund. Sie spielen je 3 Songs der ersten beiden (besten) LPs und 2 alte Blues-Klassiker, anders als auf den Studio-Alben teilweise ungewohnt lang (bis zu 9 Min.) – und gern roher, kraftvoller, wilder als von ihnen bekannt, der R´n´B-Einfluß ist insgesamt höher. Rauher Garage Rock mit Fuzz-Soli (bzw. -Freak-Outs), partiell scharfe wüste Gitarrentrips (inkl. kontrolliertem Feedback), eine Art Acid Rock-Ballade mit Pop-Appeal, natürlich I Had Too Much To Dream last night, das dem Original nichts Wesentliches hinzufügt (aber ´ne feine Version!), ein intensiver dichter High-Energy-Garage-Acid-Punk-Rocker, die damalige Single „Get Me To The World…“ (ein bischen Jefferson Airplane, ein bischen frühe Stones/Who, ein dreckiges geiles abgedrehtes Guitar-Feature, schöner Rock-Groove und ein gewisser Pop-Appeal). Letztere beiden überzeugen zudem als Songs! Schließlich die Standards I Got My Mojo Workin und Smokestack Lightning als mächtig rockender R´n´B, treibend und fast heavy der eine (tolle distorted Acid-Gitarren), mit Schärfe und außerordentlicher Power der andere (klasse Blizzard-Solo), aus denen sie ein eigenes Ding machen.

 

 

 



Steve Earle & The Dukes - J.T.
J.t.

LP Box oder CD

2021er. Sein Tribut an seinen verstorbenen Sohn Justin Townes. 10 Covers aus der Karriere von J.T. (und er schrieb so einige tolle Songs, viele von denen sind hier vertreten), zum Schluß ein neues Original von Steve. Ich war von seinen Alben der letzten Jahre mehr als nur angetan, das Level war beständig sehr sehr hoch, und das ist hier nicht anders. Auch musikalisch blieb er sich treu, trotz der teilweise etwas anderen stilistischen Ausrichtung seines Sohnes: Classic 70s-Songwriter-Country, ein paar in ganz alten Traditionen verwurzelte (aber zugleich angerockte) ziemlich flotte Stücke, ein wenig (nachdenklich gefärbte) Americana-Schule der letzten 25 Jahre, bester melodischer (wie das ganze Werk teil-elektrischer oder akustischer) Country- (Roots-) Rock, rockender satter swampy oder atmosphärisch starker/packender deeper balladesker Southern Roots-Stoff (Ersteres mit einer kleinen Prise Talking Blues, Letzteres absolut super!). Eine weitere Ballade klingt moderat anders, dezent pastoral (mit Orgel) auf der einen Seite, kräftiger und akust./elektr. Saiten-geerdet auf der anderen. Und sein eigener Song ist nochmal etwas Anderes, ungewohnt: Ruhiger, intimer, reduzierter, signifikant dunkler, nein, düster, leicht dräuend, und kaum traditionsverhaftet, sondern eher „zeitgemäß“; intensiv und mit Sogwirkung, großartig! Die reiche Saiten-Begleitung (inkl. Dobro und Pedal Steel), kongenial verknüpft, ist top, oft kommt Geige hinzu, ab und zu schöne effektive Harmony Vocals. Unabhängig vom (Cover-) Charakter bzw. der Geschichte, die dahintersteht: Ein vollwertiges ganz hervorragendes Steve Earle-Album, klare Empfehlung!

 

 

 



John Lennon – Plastic Ono Band (ltd./Deluxe/Ultimate Collection…)
John Lennon/Plastic Ono Band Ultimate Collection [6SHM-CD + 2Blu-ray Audio / Limited Edition]

2LP oder CD oder 2CD oder 6CD+2AudioBray+Buch-Box

Unter Yoko Onos Aufsicht 2021 entstandene Reissue/“Neufassungen“. Als CD („Ultimate Mixes“ der Songs, inkl. ebensolche der 3 non-Album-Singles Give Peace A Chance, Cold Turkey, Instant Karma; die Stimme kommt zentraler, insgesamt kommt´s mir sehr gelungen vor, ohne direkt verglichen zu haben). Als 2CD-Set, die 2. enthält Outtakes/Alternativ-Versionen aller Songs, auch der Singles, oft 1. oder 2. Takes (mit 20-S.Booklet und Poster, im Schuber). Als 2LP, wie das 2CD-Set, nur ohne die Singles, 180g. Und als 6CD/2 Audio-BluRay-Box (plus 132-S.Hardcover-Buch + Poster), mit zusätzlich (je 1 CD) „Raw Studio-Mixes“ (ohne Sound-Effekte), Demos (Home und Studio), Jam-Ausschnitte während der Sessions (meist ältere v.a. R´n´R-Songs, aber auch mal Beatles, just for fun, meist kurz), lange „Evolution Documentaries“ aller Songs (die Entwicklung der Songs wird nachvollziehbar gemacht, Probeläufe, Diskussionen im Studio, allmähliche Veränderungen…). „Elements Mix“ aller Stücke (Hervorhebung bestimmter Instrumente/Vocals, letztere auch mal pur oder fehlend, klingt ab und zu völlig anders). (Auf Audio-BluRay) das parallele „Yoko Ono-Plastic Ono Band“-Album, erstmals komplett/3x so lang, „Freeform-Jamsessions“. Okay, das Werk werden die meisten haben, ist schließlich unbestritten sein bestes, die Frage lautet also wieder mal (wie zuletzt mehrfach bei Neil Young): Braucht man das? Wie gesagt, der Sound/die Abmischung gefallen mir sehr. Ansonsten konzentriere ich mich zur Beantwortung auf das (wie die Box limitierte) 2CD-Set (für viele sicher die interessanteste Alternative), die Unterschiede der Outtakes zu den Original-Fassungen. Mother: Deutlich kürzer, härter abgemischt, ohne Glocke, Drums stärker im Vordergrund, die Stimme am Schluß nicht soo extrem. Hold On: Dumpfer, ein bischen mehr Gitarre. I Found Out: Anfangs durchgespielt/ohne die Pausen, danach sind lange die Gitarren kaum hörbar, es wirkt dadurch „nackter“, am Ende different Vocals. Working Class Hero: Gitarrenbegleitung z.T. reicher, Melodie partiell variiert, weniger Dramatik am Ende. Isolation: Orgel fehlt, der Gesang (noch) emotionaler, keine Stimmendopplung. Remember: Klar kürzer/weniger Text, nicht so „hämmernd“. Love: Völlig anders, Ak.Gitarre statt Piano, viel langsamer, differierende Atmosphäre, Gesang einfühlsamer. Well Well Well: Laufzeit fast halbiert, wirkt nackter, Vocals weniger aggressiv. Look At Me: Akzentuiertere Gitarren, heller, Stimme emotionaler/“angegriffener“. Bei God und Mummy höre ich kaum Unterschiede. Umso mehr bei den Singles: Give Peace A Chance: Chor minimiert, auch Begleitung weit dünner, 1 Minute länger. Cold Turkey: Total andere Gitarren, zudem weit variabler/ganz andere Sounds (teils funky gespielt, längst nicht so schmerzhaft/schneidend, 2 kurze psychedelische Instrumentalphasen), rhythmisch z.T. agiler/flexibler. Auch ein bischen länger, weniger grelle Schreie am Ende. Instant Karma: Dezent anderer Charakter, bodenständiger irgendwie. Es gibt natürlich weitere Sound/Mix-Unterschiede. Am Rande: Wer nur diese LP und vielleicht Imagine hat, nicht aber die Singles: Die lohnen schon alleine. Nach flüchtigem Durchhören scheint es mir übrigens auch auf der Box eine Menge hochinteressantes Material zu geben...

 

 

 



Dinosaur Jr – Sweep It Into Space
And Me

LP oder CD

Neues von 2021, satte 5 Jahre Pause seit der letzten LP. Dass sich trotzdem keine großen Veränderungen eingestellt haben (mit Ausnahmen!), verwundert wenig. Natürlich entzücken immer noch die charakteristischen kurzen melodiegetränkten Guitar-Soli (manchmal mit einer Extraportion Distortion oder schneidender Säure). Überhaupt betonen einige Songs so massiv wie schon seit Ewigkeiten nicht die melodische Seite, ohne besondere Härte oder Schärfe, geradlinig, eine kleine Prise (Power) Pop-Appeal, mal beinahe geschmeidig… Anderswo wird´s härter, schneidender, doch ohne richtige Widerhaken, in einem Fall fließt die Musik wie Lava. Sehr schön in einzelnen Stücken die Beweglichkeit, Kantigkeit und stärkere rhythmische Akzentuierung, ein in Sehnsucht gebadeter leicht gebrochener Gesang samt punktueller Crazy Horse-Gitarre, bzw. (2x) ein luftigerer lockerer Touch, auch dank einer dezent eingearbeiteten akustischen 12-string (bis hin zu einem fast rootsigen Flair, relaxt und ein wenig elegisch). Diese Luftigkeit gilt auch für eine ziemlich vollmundige Ballade. Sporadisch verwenden sie, ganz weit hinten, Keyboards/Mellotron, beim ungewöhnlich variablen Take It Back jedoch deutlich prominenter im Klangbild, der Sound ist loser, die Rhythmik ebenfalls (gar eine kleine Prise Karibik) – schon eine Überraschung. Mascis redet übrigens davon, zur Zeit der Aufnahme viel Thin Lizzy gehört zu haben, und dass das wohl abfärbte…

 

 

 



Ja, Panik – Die Gruppe
Die Gruppe [Vinyl LP]

LP oder CD

Neues Werk aus 2021. Ich kann nicht gerade sagen, ein Fan von ihnen gewesen zu sein, auf Grund begeisterter Besprechungen hab ich hin und wieder früher in ihre Alben reingehört, aber irgendwie kam ich nie richtig an sie ran. Das ist bei ihrer 6. LP (nach 7 Jahren Pause) anders. Keine Ahnung, warum, mangels Erinnerung kann ich auch keine Vergleiche mit den alten LPs anstellen. Es klingt hier einfach schlüssig, völlig losgelöst von irgendwelchen aktuellen Strömungen, die Atmosphäre ist fast durchgängig ziemlich packend, vieles steht unter einer gewissen Spannung. Im weitesten Sinne würde ich es Songwriter-Pop nennen, mit losen Indie Pop/Rock-Verweisen, hier eine zeitlose Edel-Ballade, dort ein Hauch von Ambient, ein paar 80er-Einflüsse, kurz dachte ich überrascht an Laurie Anderson… Diverse (auch mal stark) abgedunkelte und/oder reduzierte ruhige Stücke/Phasen (im Extrem ansatzweise bedrohlich, oder beinahe nackt) kriechen langsam unter die Haut, die Rhythmik führt ab und zu ein attraktives Eigenleben (spielt überwiegend aber keine wichtigere Rolle), die Vocals agieren gelegentlich sehr emotional, anderswo ganz und gar nicht (und wechseln in den meisten Stücken beständig zwischen englisch und deutsch!). Gitarren spielen eine definitiv größere Roll als Tasten, bei der Hälfte der Tracks trägt punktuell überraschend ein Sax (als Gast: Rabea Erradi) den Sound (1x offensiv im Jazz-Modus). Nur in 2 (zu „gefälligen“) Stücken funktioniert das alles nicht.

 

 

 



International Music – Ententraum
Ententraum

LP oder CD

Ihre neue Doppel-LP nach dem exquisiten Debut vor 3 Jahren fällt keinen Deut schlechter aus. Derzeit einer meiner deutschen Favoriten. (Fast) strikt gitarrenorientiert (fein und variabel gestaltet!). Ein unendlicher Strom von (teils überraschenden/originellen) Ideen, attraktiven Motiven/Melodien, packenden Stilmischungen, assoziationsreichen interessanten bis dadaistischen/surrealen Texten in 17 Stücken. Inkl. ein paar eingängigen kleinen Chören und verhallten Stimmen (ganz sporadisch singen sie übrigens auch in Englisch). Der gern für sie verwendete Begriff „Psychedelic-Band“ greift wirklich viel zu kurz. Es tauchen u.a. auf: Früh-80er-Anleihen von (Post) Punk bis zu deutschem New Wave-Pop (auch mal ganz frühe in Pop gebadete Cure-Verweise). Radikal reduziertes (Rock-) Songwritertum mitsamt End-60er Beach Boys-Assoziationen. Kraut trifft Pop inkl. intelligentem Psyche-Input und Garagen-Spritzern (garniert von attraktiven Rhythmusverschiebungen). Ein teils organisches teils konfrontatives Amalgam aus 60s-Pop, 70s-Glam, Psychedelia und, ähem, Franz Josef Degenhardt. Post Punk, NDW und 60s Pop vereint. Aggressive Gitarren-Grandezza in spartanisch-wirkungsvoll. Dezente Velvet Underground-Annäherung (die ruhigen/poppigen). Eine zeitlose leicht dunkel gefärbte zeitlose/80er Balladen-Elegie. Versonnene bestechend atmosphärische Dream Pop-Verweise treffen Shoegazer-Momente und für Sekunden die Monks. Repetitiver milde psychedelischer Post Punk unter Jesus & Mary Chain-Einfluß. Entfernte Big Star-Erinnerungen, groovend-manipuliert. Sanfte Joy Division. Abgedrehte Noise-Experimente. Ganz kurz blitzen Lou Reed und The Who auf… Ich liebe diese Entdeckungsreisen!

 

 

 


Lucinda Williams – Runnin´ Down A Dream: A Tribute To Tom Petty
Runnin' Down a Dream: A Tribute to Tom Petty

LP oder CD

2021er. 12 Covers von Petty (+ ein eigener ihm gewidmeter Song). Auftakt einer Serie weiterer Tribute-Alben, von den Stones bis Dylan, von Soul bis Country. Live (ohne Publikum) eingespielt. Am besten wirken die Stücke, wenn sie sie mit sehr viel Druck und Drive und z.T. Schärfe versieht, auf der einen Seite, oder, ganz im Gegenteil, wunderbar atmosphärisch klingen läßt (teils balladesk, einmal gar beinahe ein gewisses „Southern Gothic“-Flair und etwas dunkel gefärbt). Zwischendurch entwickelt sich eine ebenfalls reizvolle recht relaxte Gangart, mit Southern Rock-Tendenzen (bis hin zu dezenter CCR-Ähnlichkeit). Nur 2,3 eher zurückhaltend rockende Tracks (einer mit einer Art 90s-Indie-Approach) funktionieren nicht richtig. Generell agiert sie im weiten Bereich des geradlinigen Gitarren-Rocks, ob ganz „klassisch“ mit 70s-Anleihen, einer kleinen Prise Blues oder in kurzzeitiger Crazy Horse-Nähe. Überall kleine feine Gitarren-Soli, hier und da ein E-Piano. Das Material stammt mit je einer späteren und einer früheren Ausnahme aus den 80ern und 90ern (mehrere Wildflowers-Stücke).

 

 

 


Femi Kuti + Made Kuti - Legacy+ / Stop The Hate / For(e)ward
Legacy+(2lp) [Vinyl LP]

2LP oder CD

Die Musik der Kuti-Familie wird nun in der 3. Generation fortgeschrieben. Das neue Werk von Fela-Sohn Femi und das Debut von dessen Sohn Made kommt als gemeinsames Album raus. Femi bleibt wieder einmal dem Afro Beat seines Vaters treu, „updated“ quasi den Sound (und z.T. die Rhythmik) in kraftvoller, offensiver, zupackender Weise, der Groove ist allgegenwärtig. Mal baut er kubanische bzw. Latin-Elemente ein, mal tauchen dezent Rock-Anleihen auf, oder funky 70s-Afro-Pop verschiedener Art, 1 Stück kommt ungewohnt breakreich/mit Rhythmus-Verschiebungen (komplex aufgebaut), der mit 8 Min. längste Track bietet Afro Beat pur/unverändert und ausnahmsweise mehr Raum für (mehrere) Soli der allgegenwärtigen Bläser-Phalanx (mit Bezug der Bläser untereinander und zum Satz-Spiel), ein anderer hält das eh großteils beschleunigte Tempo besonders hoch und gibt der Gitarre mehr Auslauf. Generell jedoch besitzen die Stücke ausgesprochenen „Songcharakter“ (und viel Melodie, auch mittels der Bläser), sind ziemlich kompakt gestaltet, der Gesang ist exzellent (samt effektiver Backing Vocals/kleiner Chöre), E-Piano/Orgel unterstützen, ab und zu gibt´s kurze angejazzte Bläser-Soli. Viele soziale/politische Inhalte. Feines Werk! Noch besser aber finde ich überraschenderweise Mades Debut: Wesentlich vielfältiger, gerade auch die Grooves, Afro Beat bildet die Basis, aber musikalisch/rhythmisch aktualisiert bzw. weiterentwickelt, darüber hinausgehend, die Bläser sind erheblich variabler (und teilweise einfach toll!) arrangiert, aufregend passagenweise, riffen, umranken und umschmeicheln sich, interagieren und kontrastieren spannend (Arrangement-technisch trifft das partiell auch auf reizvoll verwobene Vocals zu!). Dadurch bilden sich auch Jazzeinflüsse etwas stärker heraus (nicht nur in Soli), ohne plakativ jazzig zu wirken. Mal steckt eine Prise Reggae drin (neuerer wie Lovers Rock, v.a. durch den Gesang), mal Afro-Kubanisches, zwischendurch kurz Highlife-Anleihen. Nur in einem Fall klingt´s ruhiger, zurückgenommen, geschmeidig, fast elegant (eine Spur Latin inklusive). Der längste Track ist großartig, noch vielschichtiger resp. jazznäher (hier auch durch ein Piano), ohne auf den Groove zu verzichten. Immer wieder hypnotische Musik von erheblicher Klasse.

 

 

 


James Yorkston & The Second Hand Orchestra - The Wide Wide River
The Wide Wide River

LP oder CD

2021er des beständig außergewöhnlichen Schotten, der mich schon oft ziemlich begeistert hat. Hier alles in allem ein wenig „konventioneller“ als sonst, zugleich improvisations- und enorm spielfreudig (in immer wieder bestechender Form, hohe individuelle wie kollektive Fähigkeiten!), v.a. aber in höchstem Maße inspiriert! Differenziert/variabel instrumentiert, relativ reich und z.T. filigran arrangiert, manchmal laufen einzelne Instrumente scheinbar gegeneinander, um sich perfekt zu vereinen. Große Teile (auch diverse ganze Stücke) sind akustisch gehalten, Gitarre, Streicher, (Geige, wohl Cello, zur Hälfte auch Nyckelharpa, die in der Funktionsweise Drehleier-Parallelen aufweist), ab und zu Piano, Flöten, Flügelhorn, E-Gitarre, Omnichord/Keyboards. Und wirkungsvolle (v.a. weibliche) Backing/Harmony-Vocals resp. als 2. Stimme. Ach ja: Klasse Bass teilweise! Folk-Balladen, die mal ganz zart, dezent dunkel, traurig und introvertiert klingen, mal bewußt einfach (bis fast „naiv“ wirkend) und (mit viel Tiefe) recht traditionsbewußt (in einem Fall melodisch absolut klasse mit einfach hinreißenden Vokal-Arrangements, die Intensität ein ständiges Rauf und Runter), mal in sich versunken und poetisch doch im Verlauf zunehmend offensiver. Sowie edler Folk „Pop“ mit Anspruch, in wahlweise fließend und wunderbar verspielt (bei erstaunlicher Natürlichkeit); geradezu hypnotisch (und leicht rockig) in längerem großartigen Instrumentalpart (tolle teils repetitive Streicher! 1x in entfernter Verwandtschaft zu schnelleren The Gloaming), oder über lange Zeit straight (etwas höheres Tempo) und unerhört lyrisch. Herrlich lockere, spontane, feinst verwobene, außerordentlich substanzreiche Musik von ganz eigenem homogenem Charakter. Irgendwie erinnert es mich manchmal in nicht bestimmbarer Form an Bill Callahan, weiß auch nicht, warum. Sehr zu empfehlen!

 

 

 


Edie Brickell - Hunter And The Dog Star
Hunter And The Dog Star [Vinyl LP]

LP oder CD

In der letzten Zeit hab ich sie ein bischen aus den Augen (Ohren) verloren, weiß deshalb nicht, welche Richtung sie eingeschlagen hat. Hier gibt´s jedenfalls nicht allzu große Veränderungen zu ihren frühen Alben – überwiegend intelligenter zwischen zeitlos und moderat zeitgemäßer klingender Autoren-Rock/Pop, der mal Elemente der 90er (oder 00er), ganz gern der 80er, selten auch noch älterer Zeiten aufgreift, teils recht handfest (rockig) agiert, teils atmosphärisch stark, mehrfach satte Grooves verwendet (schon mal inkl. Funk-Einfluß), feinsinnig/edel/einfühlsam bis rhythmisch betont, mit Zug und/oder Tempo. Oder einfach zwischen allen Stühlen sitzt, wie z.B. das großartige I Found You in toller Atmosphäre samt superber Gitarre, überhaupt fällt Letztere mehrfach sehr positiv auf, inkl. exzellenter kurzer klischeebefreiter Soli. Folk Pop-Tendenzen stehen neben einer Prise Prefab Sprout zu besten Steve McQueen-Zeiten, entfernt dachte ich kurz an Heads Hands And Feet, anderswo an Ani DiFranco, erwachsene Indie-Anleihen tauchen auf, eine gewisse Spannung sorgt hier und da für eine erhöhte Attraktivität… Ein unspektakuläres aber richtig gutes Album.

 

 

 


Tindersticks - Distractions
A Man Needs a Maid

LP oder CD

Ein neues Album voller Überraschungen. Das fängt schon beim 11-minütigen (!) Opener an: Lange Zeit extrem reduziert, nur eine Rhythm Box, ein monotoner Bass und mehrere Gesangs-Spuren (spannend arrangiert, teils rhythmisiert, mächtig reizvoll!); später kommen rhythmische Variationen und moderat noisige Tasten/Saiten (?) hinzu, wovon aber schnell nur ein ganz leiser Keyboard-Teppich übrig bleibt, gegen Schluß noch dezente Dub- und Techno-Elemente. Ich kenne nichts Vergleichbares von ihnen, ansatzweise könnte man gar an Suicide und Can denken! Von den nur 6 weiteren Stücken bringt es eines ebenfalls auf 9 Minuten, eine entschlackte ganz sachte Ballade mit verzückenden Gitarrensounds. In nicht so weiter Entfernung davon bewegen sich eine ultra-traurige pure bewegende Piano-Ballade (in französisch) und ein aparter äußerst spärlich instrumentierter/nackter, leiser und zarter Einsamkeit verströmender fast rhythmusloser Track (nur getupfte Klänge). 3 Coverversionen (in völlig veränderter/zu eigen gemachter Interpretation) schlagen andere Töne an: Dory Previns Lady With The Braid (nochmal lang, 7 Min.) verfügt über Bläser, Streicher, Tasten und E-Gitarre, Spuren von 80er-Wave-Pop, Latin und empfindsamem Songwriter-Pop in wirkungsvoller originärer Kombination. Neil Youngs A Man Needs A Maid strahlt eine gewisse R´n´B-Nähe aus (sparsame Begleitung, weibliche Gast-Vokaleinlagen, ein radikal runtergefahrener Groove/simpelste Beat Box). Und die TV Personalities (!) werden etwas offensiver und angefunkt beliehen, teils nach den späten 70ern klingend. Wie gesagt: Ein ausgesprochen überraschendes Album.

 

 

 


Weather Station - Ignorance

Ignorance [Vinyl LP]

LP oder CD

Hinter  Weather Station steht die kanadische Singer-Songwriterin Tamara Lindman. Deren gehaltvolles Songwriting etwas Außergewöhnliches besitzt, zudem verfügt sie über eine ganz feine Stimme. Ein spezielles Stilmittel von ihr, mal in massiver, mal abgeschwächter Form, ist hier der nur punktuelle/punktierende (und umso wirkungsvollere) Einsatz bestimmter (aber vieler!) Instrumente, besonders bei den oft verwendeten Streichern (3 davon oder eine einsame Geige), daneben gibt es Tasteninstrumente so ziemlich aller Art (gern mehrere zugleich), ein Sax, hier und da Gitarre, sporadisch eine Flöte, mehrfach schwillt phasenweise die Dichte der Arrangements an (auch geradezu wirbelnd), vielfach unterlegen Grooves die Stücke (von wunderbar elastisch/treibend bis rockig-stoisch). Das Folk-Terrain von früher hat sie verlassen (okay, kleine Folk-Pop-Spritzer kommen noch gelegentlich vor, aber anders verpackt, z.B. in der Art einer Joni Mitchell Mitte der 70er – zu der gibt es übrigens manchmal auch stimmliche Parallelen), zugunsten von z.B. intelligentem erwachsenem edlem Songwriter-Pop (Rock) mit Anspruch, 1,2 Mal (sehr moderate) Jazz-Einflüsse. Das Ergebnis ist vielfältig/vielschichtig, in den Balladen teils suggestiv spartanisch wie voluminös, hier und da in den 70ern wurzelnd (ob auch klanglich oder eher in der ganzen Art, z.B. als aktualisierte Fortsetzung der Singer-Songwriterinnen Anfang der 70s, mindestens 2 Mal dachte ich an Fleetwood Mac der 2. Hälfte dieses Jahrzehnts, freilich zurückhaltender), anderswo erinnernd an die vorletzte Talk Talk (aber upgedated und insgesamt üppiger) oder War On Drugs. Teilweise recht weite Melodiebögen, einige klasse Motive, der Gesang bei allen einfühlsamen Qualitäten nie überzogen. Absolut zu empfehlen!

 

 

 


Sun Ra – Egypt 1971
SUN RA - Egypt '71 (5LP Box-Set) (RSD 2020) (5 LP)

LP Box oder 4CD

20er Release. Ein weiteres Sun Ra-Fest, 4 Stunden lang. Das Set enthält die Alben Nidhamu, Dark Myth Equation Visitation und Horizon sowie ganze 2 CDs mit unveröffentlichtem Material von denselben Auftritten (alle vom Dezember 1971 in Ägypten), einige Stücke wurden nur hier gespielt. Im Multi-Klapp-Digipak mit enormer Info-Fülle im 32-S.-Booklet mit sehr langen Linernotes von Hartmut Geerken persönlich (in dessen Haus auch ein Teil der Aufnahmen stattfanden), plus ausführliche Facts zu den einzelnen Tracks. Die ganze große Spannbreite seiner Musik, mit 3 Auffälligkeiten: Selbst für seine Verhältnisse extrem viele teils mächtig lange begleitete und gänzlich pure Orgel- und Synthie-Soli (bis zu 13 Min.!), Space-Sounds natürlich, gurgelnd, frei (und z.T. lyrisch zugleich) und wild, „atmend“ und quasi um sich selbst kreisend/repetitiv, schillernd bis äußerst grell, ruhig wie alarmistisch, berauschend, wühlend, hackend/Stakkati, Cluster, orgiastisch, röhrend, quirlig, dezent meditativ becircend wie experimentell, pulsierend… Einfach unglaubliche Klänge, auch der Orgel, wie nur er sie hinkriegte. Hin und wieder Piano (wenig Soli), Rocksichord. 2. und ebenfalls ungewohnt häufig: Leichtfüßige afrikanisch beeinflußte polyrhythmische teils feinst rollende oder auch swingende Grooves! Gern gekoppelt mit den typischen (oft repetitiven) Chants/Gesängen. Schließlich ist auch der Flöteneinsatz (ab und zu mehrere zugleich) überdurchschnittlich hoch, frei wunderbar umherstreifend, schwirrend wie die pure Schönheit, gar spirituelle Momente. Häufig erstrahlt der klassische/brennende Sun Ra-Free Jazz, kollektive wie solistische Improvisationen mit ekstatischen Ausflügen, daneben stehen (deutlich seltener) poetische bis kontemplativ-hypnotische Phasen, einige herrliche fast feierliche oder majestätische Stücke mit getragener bis flächiger bis spirituell-freier Grundhaltung (teils samt melodischer Delikatessen, die auch anderswo auftauchen), dichte komplexe Percussion-Teppiche/Feste, sogar packende Annäherungen an rockige Grooves kommen 1,2 Mal vor sowie ständig wiederholte Bläser-Riffs, geheimnisvoll-mysteriöse Momente. Die eigentlich typischen Rückgriffe auf süffig-großformatige swingende 50er fehlen nicht ganz, aber weitgehend. Der Sound ist unterschiedlich, semi-professionell, aber durchaus okay, finde ich (wie auf vielen seiner alten LPs), die Bläser werden manchmal weit weg von den Mikros gespielt. Wer die 3 Original-Alben nicht hat: Zugreifen (zumal bei dem Preis)! Aber auch für wirkliche Fans im Besitz der Alben dank des üppigen Bonusmaterials sehr reizvoll!

 

 

 


Grateful Dead - Workingman's Dead (50th Anniversary)
Workingman's Dead (50th Anniversary Deluxe Edition)

LP oder CD oder 3CD Box

20er Release auf Rhino, bestens remastered, von 1970. Einer ihrer größten Studio-LPs, klar. Und eine Kehrtwende ihres Sounds. Proto-Americana oder wie auch immer man´s nennen will, ein enorm Roots-betontes Album, aber das beschränkt sich nicht, wie immer kolportiert wird, auf die starken Country- und Folk-(Rock-)Einflüsse, auch R´n´B/Blues-gefärbte Stücke gehören dazu (inkl. eines Pig Pen-Features: Easy Wind). Zudem erfreuen Harmony Vocals in nie gekannter Stärke (die einen guten Teil des Reizes ausmachen, wie ich finde, auch wenn sie nicht so perfekt wie bei den als Inspiration dienenden CSNY ausfallen), überhaupt spielen die Vocals eine ungewohnt große Rolle, sie agieren absolut songorientiert, 1 einziges etwas längeres Solo gibt es. Und ein paar teil- oder (bis auf den Bass) gar ganz akustische Tracks gehören zum Repertoire, Pedal Steel (Garcia) und Banjo tauchen ab und an auf. Großartige Songs wie Uncle John´s Band, Cumberland Blues, Casey Jones tragen zum Klassiker-Status bei. Als Bonus gibt´s auf 2 CDs ein unveröffentlichtes  komplettes Konzert vom 21.2.71 (Capitol Theatre Port Chester, 152 Min.) in perfektem Top-Sound, ohne Mickey Hart, der sie ein paar Tage zuvor für über 3 Jahre verlassen hatte (also nur 1 Drummer). Die Show wirkt qualitativ sehr ausgeglichen (auf hohem Level), einziges extrem langes Stück ist Good Lovin´ (eine von immerhin 4 Pig Pen/Blues-betonten Nummern, u.a. das gestochene feine I´m A King Bee), herausragend kommen Cold Rain & Snow (relaxed und inspiriert), Me And Bobby McGee (tolles Cover, Vocals wie Gitarre wunderbar feinfühlig), Ripple (anrührend, geradezu zart), Sugar Magnolia (etwas aggressiver als oft, auch die Acid/Wah-Wah-Gitarre), Greatest Story Ever Told (sehr kompakt/scharf/tough, feiner Groove), Johnny B. Goode (in dem Monat scheinbar besonders gut), Wharf Rat (fabelhaft! Phasenweise fast traumverloren) und Uncle John´s Band (delikat und viel Gefühl, gerade auch die 2 Garcia-Soli). Ein mehr als willkommener Bonus!

 

 

 


Grateful Dead - American Beauty (50th Anniversary)
American Beauty (50th Anniversary Deluxe Edition)

LP oder CD oder 3CD Box

20er exzellent remasterter Rhino-Release, 5 Monate nach ihrer stilistischen 180°-Wende Workingman´s Dead ebenfalls 1970 erschienen, quasi eine direkte noch konsequentere Fortsetzung, in noch einmal gesteigerter Güte (meine persönliche Lieblings-Studio-LP von ihnen überhaupt), heißt: Der Folk- und Country-Anteil (gern beides vermischt) ist (wie auch der akustische) noch höher, Westcoast-Folk-Rock steht neben ein paar eher Roots Rock-Tendenzen (wobei auch, gegenüber Workingman´s allerdings vermindert, Blues-Anleihen dabei sind, wiederum übernimmt Pig Pen 1x den Gesang). Sogar ein erstaunlich traditionell ausgerichteter Track ist dabei (das sanfte fast feierliche Attics Of My Life, der wiederum oft massive Harmony Vocals-Einsatz steht hier über allem). Eine über weite Strecken ausgesprochen relaxte LP mit einigen Gästen (u.a. David Grisman/Mandoline, Howard Wales, Ned Lagin, Leute von New Riders Of The Purple Sage), es wimmelt vor famosen Songs, von denen viele zukünftig zu ihrem Standard-Programm gehören sollten: Box Of Rain, Friend Of The Devil, Sugar Magnolia, Brokedown Palace, Truckin und das großartige Ripple… Wie bei Workingman´s Dead verwöhnt ein komplettes Konzert als Bonus (derselbe Ort, nur 3 Tage zuvor am 18.2.71, 142 Min., letztmals vor seiner Auszeit noch mit Hart; aber zur Hälfte andere Songs, die identischen teils deutlich differierend). Nur 3 der Highlights hier sind dieselben wie 3 Tage später, Uncle John´s Band (noch besser!), Johnny B. Goode und Wharf Rat – Letzteres findet sich in der Mitte perfekt eingebettet in einen „nur“ 21-minütigen Dark Star-Jam/Block, und der ist berühmt (explizit sogar in Wikipedia erwähnt), denn er gilt vielen Deadheads als eine oder die beste Dark Star-Version ever! Betörend fürwahr! Phasenweise ganz zart/leise mit ebensolcher Orgel (wohl von Ned Lagin als Gast gespielt)! Noch dazu spielten sie den Song hier zum 1. Mal, wie gleich 5 (!) andere, darunter weitere herausragende Tracks wie Bertha (druckvoll, schnell, feurig), Loser (wunderschön), Playing In The Band. Ebenfalls superb: Hurts Me Too (einfühlsam! Eines von 3 Pig Pen-Features), Me & My Uncle (konzentriert, klasse Flow und Vocals), Candyman (immens gefühlvoll), das lange bekannte Medley Not Fade Away/Going Down The Road (punktgenau, viel Dynamik, perfekt groovender Fluß, nicht zu ausufernd). Vielleicht bilde ich es mir ein, aber mir kommt das Set bzw. der Sound insgesamt schärfer geschnitten, „rockiger“ vor als zumeist (gerade auch Jerrys Gitarre, der übrigens überraschend wenig singt). Erste Sahne, satte Empfehlung.

 

 

 


Notwist - Vertigo Days
Vertigo Days [Vinyl LP]

2LP oder CD

Nach 6 Jahren und so vielen verschiedenen Projekten endlich ein neues Studio-Album. Mit diversen Gästen, u.a. Saya von den Tenniscoats, Juana Molina, sogar Jazzerin Angel Bat Dawid (von ihr kommt auch Neues, bin schon gespannt). Erstaunlich, was sie hier jeweils alles im selben Song zusammenmixen, teils übereinanderschichten, teils nebeneinander stellen. Z.B.: Repetitive Tasten-Motive (durchdringende Orgel) + Kraut-Spuren + Suicide-artiges in anderem zunehmend wärmerem Ambiente + Garage Rock + Pop, mehrere Ebenen parallelgeschaltet. Can + kreiselndes Dauer-Motiv + naiv-betörender Gesang in zeitgenössischer Indie-Pop-Hypnose. Polyrhythmische Perkussivität + unterschwellige wie offen ausgestellte getragene Klangflächen + eine ständig wiederholte auf- und absteigende Gitarren-Punktierung + schwebende lichte traumverlorene becircende bewegliche Schwaden + Ambient- und Jazz-Spuren. Außerweltliches trifft Silver Apples. Schillernde glitzernde wundervolle und verstörende Sounds zugleich + tiefmelancholisch, zart und tröstend in einem + simple Beat-Box meets Klangforschung. Kraut + Indie Pop + Polyrhythmik + eine psychedelisch-verspielte Motorik. 80s Wave aktualisiert + groovender Indie-Electronic-Pop der 00er + Industrial Noir. Dazu kommen eine völlig lose sich beinahe auflösende bis sanfte reduzierte bis zeitlos bodenständige Ballade (melodisch höchst apart), suggestive slow-Groove-Modern-Electronic-Psychedelia, die mich entfernt an irgendwas von Robert Wyatt erinnert, 2x bunter freundlicher schöner luftiger Indie-(Folk-)Pop (zeitlos) und erhebender herrlicher unbestimmter Indie-Folk in purer Schönheit mit gleichzeitig melancholischen wie hymnischen Nuancen. Also extrem variationsreiche vielschichtige enorm freisinnige Musik, die immer wieder fesselnde/faszinierende Phasen beinhaltet.

 

 

 


Sault - Untitled (Black is..)
Untitled (Black Is)

LP oder CD nur Eigenlabel!

20er des „Anonymous“-Kollektivs aus England, die auf jegliche Promotion, Interviews etc. (und die Bekanntgabe ihrer Mitglieder) verzichtet und in so vielen Bestenlisten des Jahres 2020 vertreten ist, und das gleich mit 2 Alben. Dieses basiert auf Grooves aller (schwarzen) Art, tendenziell aktuellere (aber nicht nur, und manche unwiderstehlich!), sowie auf viel Soul, Retro-Rückgriffen (u.a. Marvin Gaye bester Zeiten, Motown-Spritzer, End-70er und frühe 80er Jahre), aber (fast) generell aktualisiert (mindestens rhythmisch) und ein paar Hip Hop-Anleihen (aber nie vokal, keine Raps), zwischendurch auch mal Afro-Beat in modifiziert (mit Gast Michael Kiwanuka), „Future-R´n´B“, House-Einfluß oder dezente Gospel-Spuren. Ab und zu gnadenlos repetitiv, einige Miniaturen, ein dezidiert politischer Ansatz, verschiedene Sänger/innen (großteils weiblich, phasenweise exzellent!), relativ wenige Gitarren, umso mehr Synthie/(E-)Piano/Keyboards/Orgel, oft stark reduziert arrangiert (oder gar skelettiert). Manchmal auch sehr schön feinsinnig bzw. zart, schwebend („Post-Soul“?). Auf jeden Fall etwas ganz Besonderes!

 

 

 


Sault - Untitled (Rise)
Untitled (Rise)

LP oder CD nur Eigenlabel!

Ihr 2. 20er-Album, durchaus verändert (wenn auch nicht radikal): Zu den Tasten-Instrumenten gesellen sich oft Streicher (gern auf musikdienlichen Effekt getrimmt, pur flächig als Klangmeer, gleißend, schimmernd, wirbelnd, beruhigend…), selten Bläser/Flöte, Gitarren sind ein weiteres Mal ziemlich rar gesät. Der hohe Groove-Faktor bleibt bestehen, der aber kommt, wie die ganze Stilistik, vielfältiger, bis hin zu Polyrhythmen. Das Ergebnis bewegt sich zwischen Neo-Soul mit Philly-Spuren oder Latin/Afro-Elementen (Rhythmik!) und/oder Funk-Anleihen, sanfterem Soul mit einem Hauch Jazz, zeitgenössisch-traditionsbewußtem R´n´B mit noch einmal Latin-Afro-Beigaben (teils herrlich mehrschichtig), slickem End-70er Soul-Funk, reduziertem Afro-Hip Hop, einem dezent schwelgendem Down-Beat-Derivat, manipuliertem 60s-Soul und zeitgemäßem funky R´n´B mit 80s-Soul-Einfluß. Geblieben sind repetitive Parts (nicht so massiv wie bei Black Is) und hier und da auch stark zurückgenommene bis radikal entschlackte Phasen, generell jedoch klingt´s hier sehr deutlich üppiger, luxuriöser instrumentiert. Die gleiche Klasse wie Black Is!

 

 

 


War On Drugs - Live Drugs
Live Drugs

LP oder CD

Ihr 1. Live-Album, aufgenommen 2014-2019, dennoch homogen, das quasi wie ein Konzert klingt (über 75 Min.). Anders als zu ihren Anfängen und mehr noch als auf den letzten 2 Alben setzen sie live gerne und erfolgreich auf den Effekt, auf suggestive große Klangräume, ja beeindruckenden Stadion-Sound (bei manchen Stücken der Killers z.B. ist Ähnliches zu beobachten, ohne mit denen direkt vergleichen zu wollen). So ist die eigentliche Basis vieler Songs, Heartland Rock, Einflüsse der Dire Straits/Sniff ´n´ The Tears, Dylan, Tom Petty zwar noch erkennbar, das alles spielt sich aber eher „tief drinnen“ ab und in der Form jeweils emotionaler bzw. erheblich großformatiger; auch Springsteen läßt mal entfernt grüßen. Der rhythmische und phasenweise der Gitarren-Flow sind gegenüber den Studio-Werken teils enorm verdichtet (wobei die Rhythmik aufs Effektivste immer wieder mächtig stoisch wirkt, manchmal geradezu hypnotisch), es bilden sich (z.B. in Guitar-Soli oder einigen der Balladen) ein elegisches Flair (wobei Letztere teilweise mehr auf Tasten setzen), viel Atmosphäre, das Bariton-Sax fügt sich perfekt ein (punktuell agierend meist). Rock mit großer Geste und zugleich viel Substanz, nur selten blitzen mal schlanke oder gar fast zarte Momente auf, mein Lieblingsstück von ihnen, das hier 12-minütige (!) Under The Pressure, besitzt mehr Variabilität als der Rest, entwickelt eine bestechende Sogwirkung.

 

 

 


Neil Young - Return To Greendale
Return to Greendale

2LP oder 2CD oder Deluxe Box

20er Release aus seiner Performance-Serie, das (gute!) Greendale-Konzeptalbum in einem ca. 80-minütigem Crazy Horse-Live-Konzert von 2003, dieselbe Song-Reihenfolge, dieselbe Besetzung (inkl. der Backing-Sängerinnen, plus Frank Sampedro, hier am E-Piano, allerdings keinesfalls permanent). Textreich und völlig schnörkellos, vor allem aber klingen die Versionen gegenüber der Original-LP zwar musikalisch nicht wesentlich anders, doch definitiv besser in meinen Ohren, etwas rauher/erdiger/dreckiger und deutlich lebendiger, auch der Mix gefällt mir besser. Mehr Fuzz hier und da, ein bischen dynamischer insgesamt, bei ruhigeren Tracks (signifikant!) deeper/gefühlvoller/inspirierter (vokal wie Gitarre)! Die Harmonica (4x dabei) wirkt mehrfach ungewohnt durchdringend (und eine Spur offensiver, kommentierend bis repetitiv). Einige leicht bluesige Rocker (1x gar richtiger schwerer rockender Blues) und mehrere stärker melodisch geprägte in typischem Crazy Horse-Sound (mit z.T. verstärkt bluesig verzerrten Einwürfen, ansonsten ganz gern ziemlich stoisch, mal schleppend), eine Orgel-Ballade (nackt und berührend), das feinfühlige bis lakonische sanfte Bandit kommt wie gehabt akustisch, aber hier gänzlich solo. 2 der 3 über 10-minütigen Stücke atmen mehr Ruhe (eine elegische Note, dezent weicher, die Gitarre partiell melodisch sehr schön singend oder mit kurzen wunderschön zarten Momenten; aber selbst hier sind Soli nicht gerade ausschweifend). Ein paar bestechende/catchy Refrains! Die Deluxe-Box enthält 2LPs, 2CDs, 1 DVD (Making Of), 1 BluRay (das Konzert) und ist limitiert, nummeriert. Absolut lohnend, finde ich!

 

 

 


Nick Cave - Idiot Prayer
Idiot Prayer: Nick Cave Alone at Alexandra Palace (2LP) [Vinyl LP]

2LP oder 2CD

Neuer 84-Min.-Live-Set, während Corona live solo (am Piano) im Alexandra Palace/London aufgenommen. 22 Songs von 1986 bis 2019 (u.a. 6 Stücke von Boatman´s Call, auch 2 von Grinderman, 1 neues), doch großteils aus den letzten 25 Jahren (nur 3 aus den 80ern), öfters ist der ursprüngliche Charakter/die Atmosphäre mehr oder weniger stark verändert (v.a. in Richtung ruhigerer Gefilde). Ohne jegliche Ansagen, konzentriert und emotional, balladeske Gangart überwiegt weit, recht gern mit melancholischer Note versehen (in unterschiedlicher Ausprägung). Das Piano agiert teilweise sparsam bis beinahe tropfend, noch lieber (und dann meist gleichzeitig) relativ sanft angeschlagen, aber beständig variiert, mit nur ganz wenigen kurzen Ausbrüchen – deren geringe Anzahl mich generell überrascht (auch des Gesangs); ich meine richtige, zornige/aggressivere oder dramatische, nicht das gelegentliche temporäre Anziehen von Anschlag/Lautstärke. Manchmal klingt er zärtlich, barmend, oder auch ein wenig romantisch, voller Harmonie, sporadisch gar beinahe klassizistisch. 1,2 Tracks lassen mich an Piano-Solo-Sachen von John Cale in den 80ern denken (ich hatte mit mehr gerechnet). Meine persönlichen Favoriten: Mercy Seat (da geht er mehr aus sich heraus), Jubilee Street (gilt Ähnliches), Ship Song (eher schlicht, aber überzeugend!), Higgs Boson Blues (klar längster Song hier, sehr eindringlich), kontrastreicher als sonst; was auch für die exquisite irgendwie hypnotische Deutung von Papa Won´t Leave You Henry gilt. Und schließlich Galleon Ship.

 

 

 


Sun Ra Arkestra – Swirling
Swirling [Vinyl LP]

LP oder CD

2020er des ja seit Sun Ras Tod von Marshall Allen geführten z.Zt. 15-köpfigen Arkestra (inkl. 8 Bläsern, vielen altgedienten Mitgliedern, u.a. neben Allen Knoel Scott, Cecil Brooks, Michael Ray, Danny Ray Thompson; die ausgezeichnete Sängerin Tara Middleton, bei fast jedem Track dabei, häufig aber nur kurz, agiert anders als June Tyson damals, eher „klassisch“ mit gelegentlicher Soul-Infusion, wunderbar gefühlvoll/sanft, fordernd, herber zwischen Blues und Jazz, feinst emotional phrasierend). Sie bearbeiten großteils altes Sun Ra-Material (teils Klassiker) aus den Mitt-50ern bis späten 70s (darunter 1 unbekanntes Stück, 1 rares, 1 erst nachträglich als Bonus/10“ veröffentlichtes, das mit einem langen superben mehrstimmigen A-capella-Part startet), plus 1 neues von Allen, aber einige davon auf völlig neue kaum wiedererkennbare Art. Ich hab in den letzten Jahren 3 Live-Konzerte von ihnen gesehen, für meinen und den Geschmack vieler großartig (besonders das 1. und eins vom letzten Jahr), aber es gab auch (ein wenig!) kritischere Stimmen, die eine gewisse „Glättung“, weniger Spannung bemängelten. Wahr ist, daß sie (auch hier) irgendwie „berechenbarer“ geworden sind als in alten Zeiten – aber nur in Relation zu damals, keineswegs im Vergleich zu anderen Acts. Der afrikanische Input, längere Percussion-Parts, der viel beschworene (aber ja auch früher nur gelegentlich auftauchende) Space-Faktor sind deutlich minimiert, ebenso die gänzlich freien Anteile (obwohl es ein tolles pures typisches zudem Percussion-reicheres Free Jazz-Stück gibt, mit wilden Piano-Features und fast poetischem Synth-Interlude). Aber die Grundlagen sind dieselben. Viele im Grunde auf alten (swingenden, sporadisch bis in die 30er zurückreichenden) Jazz-Traditionen basierende Tracks, die mal punktuell, mal immer wieder so charakteristisch von harmonischen Freiheiten bzw. Verschiebungen und oft kürzeren freien Querschüssen (Bläser, Piano, Synthie, letztere beiden sind übrigens meist beide vertreten) durchzogen werden, was für eine ganze Reihe faszinierender Momente sorgt. Daneben gnadenlos repetitive Phasen (z.B., mehrfach, Bariton-Sax-Motive) bzw. Ostinati mit hypnotischer Ausstrahlung, ein paar Groove-artige “tanzende“ Rhythmen, avancierte weit aufgebrochene, ausfransende, befreite/freisinnige und komplexe u.a. an frühe 60er erinnernde (oder mal zukunftsorientierte) Sachen, diverse stark aktualisierte überraschende Versionen (z.B. Rocket No. 9, das gleichzeitig 70s-inspiriert und hochmodern wirkt), das grandiose „Medley“ Satellites Are Spinning/Lights On A Satellite zwischen purer herrlicher Balladen-Schönheit und fabelhaften Querschüssen… Enorm ideenreich, teils quietschbunt (wozu der Analog-Synthie einiges beiträgt), gefühlvoll wie angestochen, klasse Bläserarrangements allerorten, und beständig auf hohem bis höchstem Niveau (mit Ausnahme eines reinen Vocal/Synth-Duetts). 71 Min., Vinyl mit Bonustrack (der Coleman Hawkins-Klassiker Queer Notions, ungewohnt frei interpretiert). Große Empfehlung!

 

 

 


Elvis Costello – Hey Clockface
Hey Clockface

LP oder CD

Neues von Elvis Costello ,an 3 Orten in wechselnden Besetzungen aufgenommen, v.a. in Paris (9 der 14 Tracks), beteiligt waren u.a. Steve Nieve, Nels Cline, Bill Frisell. Fast die Hälfte der Stücke besitzen einen sehr ähnlichen Charakter, Balladen mit viel Gefühl im besten Sinne, gern ein wenig melancholisch, farbenreich und intelligent (teils etwas sparsamer) arrangiert (Cello, Trompete oder Flügelhorn, Sax, Piano/Orgel, mal Akustikgitarre), gehaltvoll, emotional packend, stilistisch schwer festzumachen (Elemente alter Zeiten inklusive Jazz- und Pop-Einfluß in zeitloser Form). 2 weitere Songs schöpfen aus uralten Quellen, ähnlichen wie oben genannte Balladen, v.a. aus den 30ern, nunmehr jedoch eher beschwingt, nur zeitweise gemächlicher, besitzen aber nicht dieselbe Klasse. Der Rest setzt mehrfach auf rockige Gangarten (teils durchaus zeitgemäßer Art, in gewissem Sinne aber auch quasi Aktualisierungen seiner früheren Tage; partiell mit starkem Zug/Druck und Schärfe oder beträchtlicher Dringlichkeit, in einem Fall rhythmisch reizvoll nicht ohne aktuellere Bezüge/Beats samt repetitiver Motive), eine enorm faszinierende spannende Nummer wirkt fast etwas spooky (atmosphärisch super!), samt exquisiter wohlüberlegter Gitarre, 2 Tracks fallen völlig aus dem Rahmen: Hip Hop-Anleihen frei ausgeführt/ausgeschmückt inkl. Abenteuer-Synthie. Und der wunderschöne Opener, irgendwie asiatisch-mystisch-spirituell und ein bischen jazzy. Vieles kommt übrigens ohne Drums aus. Dank des Songmaterials sehr lohnend.

 

 

 


Pretty Things – Bare As Bone, Bright As Blood
Bare As Bone,Bright As Blood [Vinyl LP]

LP oder CD

Dass es die immer noch gibt (gab)… Aufgenommen kurz vor dem Tod von Sänger Phil May im Mai 2020, im Wesentlichen er (und trotz der Krankheit und des Alters ist seine Stimme absolut intakt!) und Co-Leader Dick Taylor, der großteils akustisch spielt. Eine 2. Gitarre kommt meist hinzu, mehrfach zudem Harmonica, 2x Geige, 1x nur rudimentäre Drums sowie Banjo. Ab und zu wird eine der Gitarren dezent verstärkt. Akustik-Alben hat es in ihrer 55-jährigen Geschichte nie gegeben. Was auch für die Stilistik gilt: Knapp zur Hälfte zelebrieren sie puren und verblüffend authentischen wie guten Country Blues inkl. Slide (1x in nicht ganz so alten Zeiten wildernd)! Daneben klassische Folk-Traditionen resp. typischen Songwriter-Folk, ein paar Mal Mischungen aus Country und Folk oder Blues, Gospel und Folk – auch das absolut gelungen. Gesang wie Gitarren kommen stilgerecht/kongenial, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Alles ohne jeden Rock-Bezug. 1 oder 2 Stücke erinnern mich in der Machart sogar ein bischen an entsprechende Songs des akustischen Robert Plant dieses Jahrhunderts! Und das Material ist ebenfalls top ausgesucht, Covers von u.a. Muddy Waters, Robert Johnson, Gillian Welch, Willie Dixon, Black Rebel Motorcyle Club (?!). Echt, emotional, berührend, eine dicke Empfehlung!

 

 

 


Adamaschek & Shiregreen – Deutschlandreise
Deutschlandreise

nur CD

Neues Werk des schon oft sehr positiv aufgefallenen Singer-Songwriters Klaus Adamaschek, diesmal gänzlich deutsch gesungen. Und signifikant anders als gewohnt: Die Country/Americana-Tendenz hat er weit zurückgefahren, zugunsten Songwriter-Folk-Traditionen (z.T. deutscher, so gibt es manchmal Parallelen z.B. zu einem Hannes Wader, auch inhaltlich) sowie Folk Pop-Verweisen resp. melodischem Folk-Rock (gelegentlich teil-elektrisch, der Rock-Faktor ist jedoch nur schwach ausgeprägt) samt diverser aktuellerer Bezüge (er knüpft insofern an den 2. Teil seines Earthbound/Traumwandler-Albums an). Ohne daß ganz dezente country-eske (Americana-) Tupfer gänzlich entfallen. Poesie, Texte über die (auch menschliche) Natur oder die Liebe und Alltagsgeschichten treffen (sozial-)politische/zeitbezogene, Deutschland im kleinen und großen Ganzen ist Thema. Über weite Strecken ruhig, zurückhaltend, gelassen, gern lyrisch, 1x gar ein wenig verträumt oder ganz weich dahinfließend, ab und zu relaxt, rund und relativ süffig (das Instrumentarium, einfühlsam und apart gespielt, ist bunt und recht groß, umfaßt neben den Gitarren Bratsche, Geige, Akkordeon, Orgel, Dobro, elektr./akust. Bass, Harmonica, (E-)Piano, selten sogar Synthie, Kalimba, Flügelhorn; und feine weibliche Backing/Harmony-Vocals). Ein langes schönes Album, das viel Wärme ausstrahlt.

 

 

 

Bob Dylan – Rough And Rowdy Ways
Rough and Rowdy Ways

LP oder CD

Nach den 3 einzeln veröffentlichten Songs (alle hier drauf, und keinesfalls die besten Stücke) voller Spannung erwartetes 20er Album (70 Min.), häufig begeistert bejubelt. Oft (oder zumindest über weite Strecken) kommt der Gesang (der mir ansonsten ausgezeichnet gefällt, sehr rau bis gefühlvoll) ohne viel Melodie aus (Tendenzen zum Talking Blues), eingängige Refrains zu schreiben, war jedenfalls nicht sein Ziel. Gern ausgesprochen viel Text, überhaupt singt er fast nonstop, instrumentale Phasen: Fehlanzeige, mit einer 1-minütigen Ausnahme. 3 Tracks sind wie schon ein paar Mal in diesem Jahrhundert stark Blues-orientiert, handfest, zurückhaltender und sehr langsam, woanders „Classic Blues“ oder eher Blues Rock mit einer Spur Stones-Flair, zum Teil stark reduziert und ziemlich old-fashioned. Was auch auf weitere Stücke zutrifft, v.a. einige in aller Ruhe präsentierte bzw. leise/balladeske, eines davon ausnehmend einfühlsam, gar ein wenig romantisch. Der für mich beste Song, Key West, klingt wunderbar atmosphärisch, völlig entspannt, zeitlos folkig. Das jetzt schon berühmte 17-minütige Murder Most Foul besteht aus einem einzigen Textfluss, recht leichtfüßig wirkend, instrumental sparsam auch hier, doch mit ein paar mehr Verzierungen, Freiheiten, offener und Feingefühl. Textlich mit reichlich Bezügen zu alten Zeiten (auch musikalisch stecken so einige Parallelen zu Zeiten vor seiner Karriere drin, u.a. aus dem Pop-Sektor). Die (wie die Stimme meist „klare“) E-Gitarre dominiert, manchmal von akustischer ergänzt, sporadisch Geige, Piano, Akkordeon oder Harmonika. Dylan-Exegeten haben jetzt jede Menge zu tun, musikalisch allerdings passiert mir ehrlich gesagt zu wenig.

 

 

 

Laura Marling – Song For Our Daughter
Song For Our Daughter

LP oder CD

2020er. Ihre Musik hat sich hier schon etwas verändert. Zum Guten hin! Für meinen Geschmack eines ihrer besten Werke. Ich meine (wenn auch teils eher unterschwellige, und jeweils nur in einem Song) Annäherungen an Leute wie Laura Nyro, Leonard Cohen, Paul McCartney, Stephen Stills, vielleicht kurz Carole King zu hören, am stärksten jedoch sind (in 2,3 Stücken, und ja nicht zum 1. Mal) Parallelen zu Joni Mitchell auszumachen – sowohl der frühen als auch der ab ca. Mitte der 70er (teils in mehrfacher Hinsicht, sogar die Melodik betreffend). 70s-Songwriter-POP-Einfluß (teils ins zeitlos-zeitgenössische übersetzt), ungewohnt rhythmisch geprägter Folk Rock, relativ sanfter relaxt bis sehr intimer leiser Folk, zarter klassizistischer Spät-60er-Edel-Pop (reduziert mit punktuellem Streicher-Aufbrausen) und Art-Folk-Rock als loses Fließen in offenen Stimmungen mit ausgreifenden Melodiebögen wechseln sich ab (oder werden kombiniert). Große Teile sind akustisch gehalten, und gesanglich liefert sie einige großartige Darbietungen ab (wozu auch diverse sehr schöne eigene Harmony Vocals gehören)! Ein rundum erstklassiges Album, sehr zu empfehlen.

 

 

 

Fiona Apple – Fetch The Bolt Cutters
Fetch the Bolt Cutters [Vinyl LP]

LP oder CD

8 Jahre nach der letzten LP gib es 2020 neues Material (erst 5 Alben in 24 Jahren!)und wieder überrascht sie, zelebriert ungemein originäre, eigenständige Musik, die teilweise klingt wie nichts anderes. Was nicht immer ganz leicht zu konsumieren ist, bei näherer konzentrierter Beschäftigung aber immens lohnt. Gesanglich extrem variabel, melodisch, herb oder gar spoken word bis Rap-artig, flüsternd, fordernd oder schroff, experimentierend in hohen Lagen wie sinnliche Momente, gefühlvoll oder emotional übersteigert, teils rhythmisch stark verankert. Der instrumentale Teil ist längst nicht mehr so massiv auf das Piano zentriert (manchmal aber doch!), es wird teils von E-Piano oder Synthesizern und Keyboards ersetzt (was zu einem völlig anderen Klangbild führt), anderswo fehlen jegliche Tasten. Und der Gesamteindruck ist ziemlich oft ein ausgesprochen rhythmusbetonter z.T. innerhalb der Stücke höchst abwechslungsreich, insgesamt sowieso, partiell toll korrelierend mit der Art der Melodik, inkl. tricky/polyrhythmischer Ideen, packenden etwas komplexeren dabei phasenweise zugleich traditionsbasierten/dezent Ethno-beeinflußten Grooves und zeitgenössischen Beats. Mehrfach stehen Drums und Percussion klar im Vordergrund, ohne dass man irgendetwas vermisst. Der stilistische Hintergrund wirkt genauso variabel, verfremdete Folk-Elemente, schwarze Roots- Anleihen (relativ versteckt, inkl. Gospel), Pop absolut eigener unorthodoxer Art, R´n´B-Tendenzen (ebenso individuell), punktuelle Avantgarde- oder Jazz-Spuren, alte Songwriter-Pop-Anklänge (60s-Ursprung), abenteuerlicher „Modern Progessive“. Durchaus gibt es auch schwebende Klänge, zärtlich-lyrische Passagen, Balladeskes (teils konventioneller wie eher abgefahren), „spooky Pop“, kurz einen außerweltlichen kleinen Chor samt old- time Folk. Und jede Menge unerwartete Kontraste! Gern recht (bis massiv) reduziert, manchmal zeitweise vollmundig. Assoziationen, zwischendurch: Z.B. Tom Waits goes Avantgarde, Björk bezüglich ihrer Unberechenbarkeit. Ein außerordentliches Album!

 

 

 

Neil Young – Homegrown
Homegrown

LP oder CD

Das Mythen-umrankte wohl wegen diverser stark persönlich geprägter Aspekte unveröffentlichte in der 2. Hälfte 1974 aufgenommene Album, das selbst auf Bootleg nie erschien. Jetzt rang sich Neil Young dazu durch es zu veröffentlichen (und redet selbst von „bridge between Harvest and Comes A Time"). 5 der 12 Stücke nahm er später neu auf, sie erschienen auf American Stars´n Bars (2 gleich), Hawks & Doves, Ragged Glory, Decade (das sind der Titeltrack, Star Of Bethlehem, Little Wing, Love Is A Rose, White Line). In Richtung Harvest geht denn auch der ein oder andere Track. Mehrfach schleppend-balladesker schlank instrumentierter resp. lyrisch-feinsinniger Country/Folk Rock, 3 spartanische bzw. ganz leise zarte bis melancholische sehr schöne Folk-Balladen und 1 ganz massiv an Harvest gemahnender feinfühlig-sehnsüchtiger Songwriter-Folk-Song auf der einen Seite, 4 rein elektrische Sachen auf der anderen: Rauh und relativ unbehauen sowie bewußt einfach/Trad-grundiert, fast kinderliedartig; an frühere Neil-Rocker erinnernd (leicht bluesig, melodisch sehr reizvoll); ein ganz schwerer Blues-Rock, ein seltsames Experiment, das Spoken Word-Text und (gemäßigtes) Feedback verbindet. Es wirken u.a. mit: Robbie Robertson und Levon Helm, Tim Drummond, Ben Keith, Emmylou. Okay, ein sicherlich wirklich gutes Album, es bekam auch bereits etliche Top-Besprechungen, trotzdem… angesichts meiner Erwartungen bin ich nicht ganz zufrieden…

 

 

 

Lianne La Havas – Same
Lianne la Havas [Vinyl LP]

LP oder CD

Die Singer-Songwriterin aus London veröffentlicht Ihr neuem Album. 2014/2015 lud ihr Fan Prince persönlich sie zu 2 seiner Alben als Gast-Sängerin ein. Gleich im Opener weiß ihr stimmgewaltiger Soul-Gesang mächtig zu beeindrucken, begleitet von Jazz-Spurenelementen und eher einfachem doch wirkungsvollem Groove in relativ reduziertem Setting (Hauptrolle: Piano, sparsam und gezielt). Entfernt (!) kann man hier (und in 2 anderen Stücken) eine kleine Sade -Verwandtschaft heraushören (nur singt sie deutlich kräftiger). In der Folge agiert sie etwas zurückhaltender (ohne auf Grooves zu verzichten), Keyboards und/oder Gitarre kommen hinzu, Folk-Anleihen tauchen auf, mal setzt sie fast ausschließlich auf federleichtes akust.-elektr. etwas fusion-jazziges Gitarrenspiel (sie selbst) und erinnert ein bischen an Spät-70er/Früh-80er Joni Mitchell in reduziert, oder es untermalen deutlich bodenständigere Beats (während sie sanft aber phrasierungsreich singt), kurz wird´s fast sphärisch, ab und zu kommt ein gewisser Latin/ Brasil-Bezug hinzu (dezent funky, leichtfüßig fließend und feine mehrstimmige Vokal-Arrangements – die auch sonst oft zu begeistern wissen – oder mehr R´n´B-Input), oder Neo-Soul-Flair der späten 90er (Erikah Badu nicht ganz unähnlich), in einem Radiohead-Cover, obwohl instrumental kräftiger/rockend-groovend, klingt die Stimme erst gegen Ende extrovertierter, sie baut gar mal ausnehmend attraktive vorsichtige harmonische Experimente ein. Und gegen Schluß erfreut ein schlicht wunderschöner folky gefärbter Track.

 

 

 

Jarv Is… – Beyond The Pale
Beyond the Pale [Vinyl LP]

LP oder CD

Und noch ein Comeback. 19 Jahre nach der letzten Pulp- LP und 11 nach dem letzten Solo-Album ist Jarvis Cocker (mit seiner neuen Band) wieder da als Jarv-is…. Nur 7 Songs, aber die sind alle etwas länger. Zeitgenössischer Pop in gut. Ideen, Reize, z.T. sogar eine beträchtliche Originalität. Manchmal ziemlich catchy. Gern in markanter Rhythmik, ob stoisch, ein fast hypnotischer Zug und Drive, ein eher 90s-lastiger oder heutiger (Indie-) Groove… Punktuell klasse Synth-Sounds oder generell stärker elektronisch orientiert. Kurzzeitig Erinnerungen an Bowie oder wie eine moderne Fortsetzung (nicht Kopie) von frühem (Electro-) Wave (-Pop) in dunkel bis bedrohlich (super Atmosphäre, super Stück!), hier eine Spur Can, dort gewisse Parallelen zu großformatigem Leonard Cohen der 90er, mal dicke Keyboard-Wälle, kleine Chöre, mal relativ abgespeckt, nur ein ziemlich ruhiger Track mit Balladen-Tendenz will mir nicht recht gefallen. Insgesamt ein erfreuliches Werk mit ein paar echten Highlights. Produziert vom Portishead-Chef Geoff Barrow.

 

 

 

Pretenders – Hate For Sale
Hate for Sale

LP oder CD

Neues Material aus 2020! 10 Songs, alle unter 4 Minuten, kurz und knackig ohne alles überflüssige Beiwerk (was auch für die 2 Balladen gilt, old-fashioned, eine davon exquisit). Manches geht auf frühe (melodiösere) Punk-Zeiten zurück, bzw. scharfen/kantigen Brit-R´n´B der 60s (Annäherungen an z.B. Kinks, Who) oder auch ein bischen Dr. Feelgood-Flair (samt erforderlicher hoher Energiedichte – und Frische!). Härtere 70er-Glam Rock-Zeiten werden gestreift (rockig-groovend), Reggae/Dub-Input verarbeitet wie um 1980 rum im Wave-Umfeld (voll gelungen, super Gitarren, ganz simpel und effektiv), hier ein Bo Diddley-Beat, dort wunderbar melodiöser 1st class-Gitarren-Pop wie in ihrer Mitt-80er Phase. Und ihre Stimme hat nichts eingebüßt! Ihr bestes Album seit langem, hätte ich mir nicht so stark vorgestellt.

 

 

 

Bruce Hornsby – Non-secure Connection
Non-Secure Connection

LP oder CD

Neues aus 2020, musikalisch in mancher Hinsicht ein direkter Nachfolger des erstklassigen Vorgängers, also deutlich anders/avancierter als früher (er scheint sich in einer Top-Phase zu befinden) so gut wie selten. Und von enormer Vielfalt, einige Überraschungen inklusive. Gäste sind u.a. James Mercer (Shins-Chef), Leon Russell, Vernon Reid, Jamila Woods, Rob Moose (Sufjan Stevens, The National, Arcade Fire, Antony & The Johnsons u.v.a.). Z.T. produzierten Justin Vernon, Brad Cook. Das Piano dominiert viele Stücke, manchmal abgelöst resp. in Gemeinschaft mit Streichern, mehrfach kein oder kaum Schlagwerk. Das Spektrum reicht von völlig klassisch-zeitlosen Songwriter-Piano-Balladen (mal ein bischen a la Randy Newman, mal von wiederkehrendem wunderbarem Streicher-Motiv aufgewertet) so edlem wie eigenständigem Songwriter-Pop mit z.B. blendenden Gesangsarrangements samt bestechendem Klangnetz und einer brillanten Piano-Melodie (atmosphärisch packend, suggestiv fließend, ein Hammerstück!) oder (trotz ähnlich toller mehrstimmiger Vokal-Performance) recht reduziert in großer Ruhe und Langsamkeit (dennoch harmonisch reich). Ziemlich faszinierenden Avantgarde-nahen doch melodischen Tracks (1x ruhig und eine Spur jazzig sowie gesanglich mächtig variabel, 1x lebhafter, noch abenteuerlicher inkl. kleiner Neo-Klassik-Prise trifft „normalen“ Edel-Pop); 2 relativ zeitgemäßen Groove-lastigen (massiv mit rockigen Sidesteps oder unaufdringlich) Sachen; einem außergewöhnlichen freigeistig-kontrastreichen Song, etwas unheimlich/bedrohlich und nicht nur harmonisch erfrischend unorthodox (erinnert mich leicht an sehr weit getriebene mehrschichtige Prog/Art Rock-Titel aus den 70ern, in sehr eigen freilich); bis zu einer dezenten Verwandtschaft zu Synchronicity von Police.

 

 

 

Rustin Man - Clockdust
Man With A Remedy

LP oder CD

Neues aus 2020. Nach dem Klassiker 2002 mit Beth Gibbons ( Portishead) vergingen 17 Jahre bis zu einer neuen LP, 1 Jahr später schon gibt´s den Nachfolger (von den gleichen Sessions, kein Abfall, nach eigenen Worten Songs mit strafferen Strukturen). Ich denke, wieder mit ex-Talk Talk-Kollege Lee Harris und James Yorkston. Eine Beschreibung fällt auch dieses Mal schwer, er klingt einfach völlig individuell/originell, ab und zu ein möglicher Vergleich (doch nur in Teilaspekten, mal stimmlich, woanders die Instrumentierung und/oder die Atmosphäre, die Melodik gar…): Robert Wyatt (z.B. Rock Bottom minus Jazz/Ruth Is Stranger). Kurz vielleicht ein bischen Bowie, Carla Bley (wenn sie fast ohne Jazzanteil arbeitet) oder leise späte Talk Talk, sehr sporadisch alles. Sehr sanfter bis entrückter oder zart-zerbrechlicher später vollmundiger Edel-left field-Songwriter-Pop? Zwischen Minimalismus und wunderbar breitgefächertem Arrangement changierender Art Pop? Post Prog meets 70s-Folk? In aller Ruhe federndes fast swingendes Jazz Flair trifft punktuell auf dezente Psychedelia! Fremdartige aber runde „Kammer-Folk-Ethno-Avantgarde“ (völlig singulär doch von seltsamer berückender Schönheit). Ein Amalgam aus old-timey-Pop/Music Hall und undefinierbarem Folk oder: Tiger Lillies plus Kurt Weill plus Tom Waits plus Arto Lindsay?? Ein faszinierendes angedreht-luftiges Abenteuer mit Dub-Elementen und Afro-Spuren in komischem Kontext und massiv kontrastierender Avant-Pop kommen hinzu. Hier ein wenig Melancholie, teils voll Wärme, hohe Arrangeurskunst… (Tasten aller Art, Saiten, Bläser, Streicher, diverse bunte Schlaginstrumente, und manchmal ausgiebige reizvolle Backing Vocals). Ein sehr besonderes Album, es gibt viel zu entdecken!

 

 

 

Tamikrest – Tamotait
Tamotait [Vinyl LP]

LP oder CD

 

2020er. Okay, alle, die das hier lesen und sich nur halbwegs für Tuareg-Musik interessieren, kennen die Band und wissen in etwa, was sie erwartet. Also beschränke ich mich diesmal auf die spezifischen Besonderheiten/ Veränderungen dieses erneut tollen Albums. Neben dem Gesang (der im übrigen nur ab und zu von Call/Response-Vocals oder Chören unterstützt wird, keinerlei „Tirilieren“ mehr inzwischen) dominieren wie gewohnt die E-Gitarren (akustische sind bestenfalls unterstützendes Beiwerk, abgesehen von ein paar kurzen Momenten und dem letzten Stück) – und die sind oft melodiöser denn je gehalten, mehrfach auch weit abseits typischer Tuareg-Harmonik (zudem weicht die Rhythmik ein paar Mal deutlich von traditionellen Strukturen ab!). Entsprechend gibt es zwar nicht so viele einzelne/punktuelle unterschiedliche stilistische Sidesteps wie zuletzt, aber es klingt alles in allem im Sound/dem ganzen Klangbild etwas „westlicher“ (doch keineswegs verwässert), Drums und Percussion agieren großteils gemeinsam, Keyboards werden manchmal, sparsam und rein unterstützend, eingesetzt. Auf der einen Seite stehen 2 rund und fett rockende Tracks (inkl. sehr Rock-nahe gespielter Gitarren), groovend der eine, total und sehr schnell abziehend der andere, packend und voller Power (in der Tat hab ich sie nach meiner Erinnerung so konsequent rockig noch nie gehört). Auf der anderen Seite gibt´s gleich erstaunliche 5 ruhige Songs, vornehmlich balladesk, irgendwo zwischen sowas wie, hmm, „Tuareg Dream Pop“, einer sanften phasenweise regelrecht meditativen zugleich hypnotischen Ausstrahlung (die in einem Fall allerdings ganz langsam aber stetig verdichtet und somit verändert wird, im anderen geschieht dies plötzlich) sowie einem schon ziemlich verträumten Flair; mal ein bischen Folk-Feeling. Gerade in diesen Stücken kommt natürlich die Melodiösität der Gitarren besonders zur Geltung, eines besticht außerdem durch ein wundervolles Duett mit der marokkanischen Sängerin Hindi Zhara. Nur 2 Tracks wirken „klassisch“ wie zu ihren Anfängen, traditionell orientiert, einer kraftvoll inklusive einem kurzen bluesigen Slide-Feature, einer eher zurückhaltend mit fein singender Gitarre (ein bestechendes etwas längeres Solo). Die Texte beziehen sich oft auf das Los der Tuaregs, deren Sehnsucht nach Heimat, Vereinigung, nicht ohne politische Konnotation, einige auf Frieden, Verurteilung von Hass (allgemein wie im selben Kontext, 2 Love-Songs kommen hinzu. All in all: Absolut klasse, eine große Empfehlung, auch und gerade, weil insgesamt wieder etwas „anders“.


 

 

 

Roxy Music – Roxy Music (Deluxe Edition)
Roxy Music (2 CD Deluxe)

nur als Doppel-CD

Ja, klar, ist schon 2018 erschienen, und bei vielen Reissues dieser Art sind die Bonustracks nicht gerade essentiell. Das ist hier jedoch anders, es ergibt sich ein echter, sehr sehr lohnender Mehrwert! CD 1 ist die von Bob Ludwig remasterte ´99er Version (inkl. dem ergänzten Virginia Plain). Die 75-minütige CD 2 enthält 9 Tracks von 3 Peel-Sessions vom 4.1. bis 18.7.1972, hinzu kommen 5 BBC live in Concert-Stücke vom 3.8. (28 Min.). Bis auf das kurze Bitters End sind alle Songs der Original-LP dabei, die Hälfte in gleich 2 Fassungen, nur je 1 der je 2 Sea Breezes-, Remake/Remodel und Virginia Plain-Versionen sowie Ladytron sind signifikant verlängert (sonst ungefähr gleich oder sogar eine Spur kürzer), aber die Unterschiede zu den Studioaufnahmen und auch untereinander (in den wenigen Monaten tat sich eine Menge!) sind beträchtlich. Gerade auch bei den 5 Stücken der 1. Session (3 Monate vor der LP aufgenommen!), hier spielt zudem ex-Nice David O´List die Gitarre (Manzanera kam kurz danach), was sich deutlich auswirkt: Er klingt insgesamt auffälliger und (wie die ganze Musik) wesentlich rockiger, „expliziter“. Bei The Bob und Remake/Remodel (auch bei den späteren Sessions) wirkt Enos Synthie weit abenteuerlicher, exzessiver und verändert z.T. die ganze Atmosphäre, Letzteres verzichtet auf das Sax-Solo – live, 8 Monate später, erhält es jedoch (wie der dort extreme Synthie) weit mehr (Solo-) Spielraum, agiert freier, das ganze Stück atmet einen ausgesprochen „wilden“ Geist. Anderswo veränderten sie moderat oder stark die Arrangements/Instrumentierungen, sogar Rhythmen (z.B. The Bob, massiv verdichtet, Ladytron samt langem abgedrehtem Instrumental-Teil, oder auch deutlich diffiziler/luftiger/zugleich vielfältiger – Chance Meeting), bauten z.B. wunderbare Konversationen von Sax und Gitarre ein (2HB), erhöhten den Anteil der Oboe, beschleunigten leicht (die verlängerte Virginia Plain-Fassung mit fast noisiger/Feedback-Gitarre), die Vocal-Performance wurde effektvoll verändert (z.B. das Vibrato bei Sea Breezes, überhaupt singt Ferry mehrfach weniger „manieriert“)… Die Verpackung (als kleines 28-seitiges Hardcover-Buch mit eingeheftetem informations/textreichem Booklet auf extradickem Papier) kommt wertig. Ausgesprochen gelungen!

 

 

 

Bohren & Der Club Of Gore – Patchouli Blue
Patchouli Blue (2lp) [Vinyl LP]

LP oder CD

Eine weitere hoch willkommene Stunde (Ultra-) Slow Motion-Nachtmusik (immerhin 11 Stücke, nur 3 deutlich über 5 Min.), 5 Jahre nach der letzten LP (Piano Nights). Wobei… Tempo und Dichte der Tonfolgen haben hier des Öfteren angezogen, nur manchmal klingen sie schwebend/schwerelos oder kommen (1x, freilich verbunden mit punktuell dramatischer Schwere) beinahe zum Stillstand. Überhaupt passiert diesmal alles in allem mehr, mehr Klangfarben (neben den gewohnten E-Piano, Vibrafon, Keyboards, teilweise Bass und nach wie vor aufs Äußerste reduzierten Drums kommen ab und zu Synthie, Orgel, 2x gar Gitarre hinzu, und das Sax ist überall dabei, spielt auch mehr, inkl. einer Reihe richtiger Soli), insgesamt vielleicht etwas mehr Melodie resp., sporadisch, „Song-Charakter“, 1 Track setzt sogar auf Veränderung innerhalb des Stückes, v.a. in der Atmosphäre (von dunkel zu irgendwie freundlich/heller, ansatzweise auch woanders zu hören). Jedenfalls wirken sie auf Dauer nicht mehr so karg wie früher. Gleichfalls auffällig, finde ich: Ein deutlich verstärktes Jazz-Feeling, in der Art des Sax-, manchmal zudem des Orgel- oder Piano-Spiels, aber auch allgemein. Das reicht bis hin zu einem richtigen melancholischen Jazz-Track (mit klar schnelleren Tonfolgen als üblich). Einige dräuende bis leicht unheilvolle Phasen fehlen trotzdem nicht. Geblieben ist der hohe Faszinationsfaktor, die Einzigartigkeit. Klasse Werk.

 

 

 

V.A. – Come On Up To The House – Women Sing Waits
Come on Up to the House-Women Sing Waits [Vinyl LP]

LP oder CD

Tom Waits-Tribute, ausschließlich von Frauen interpretiert (oberste Güteklasse), alles neu eingespielte Songs, Warren Zanes produzierte das Gesamtwerk, Brad Jones viele einzelne Stücke. So viele wunderbare Stimmen… Ganz tief berührend über weite Strecken. Zufall oder nicht, ein reines Balladen-Album. Manchmal leicht süffig bis ein wenig Schwelgen, ziemlich oft aber ganz oder teilweise minimalistisch/reduziert/sparsam begleitet (was bestens mit den starken Gefühlen der Sängerinnen korreliert), zur Hälfte unter Verzicht auf Drums, das Piano und z.T. Streicher in tragender Rolle oder (v.a. elektrische, aber nur sehr sachte ohne alle Effekte verstärkte resp. verwehte/klangmalende) Gitarren, inkl. Pedal Steel ab und an. Hier eine kleine Portion Wehmut, dort punktuelles behutsames Drama, mal sehr nachdenklich oder in aller Ruhe und Gelassenheit, mehrfach ganz zart und geradezu verzaubernd. Recht häufig irgendwo im weiten Feld des reifen Edel-Pop angesiedelt, mit dezentem Rootseinfluß, ein paar Mal deutlicher in Americana-Gefilden beheimatet, 2 Tracks wirken ausgesprochen old-fashioned, nur ein klein wenig jazzig eingefärbt, die meisten jedoch einfach klassisch zeitlos. Erstaunlich finde ich die Songauswahl, 2 stammen aus den 70ern, ein neuerer ist dabei, je 2 von Heartattack & Vine und Rain Dogs, gleich 5 von Mule Variation! Persönliche Favoriten unter ausschließlich exzellenten Interpretationen: Phoebe Bridgers, Iris Dement, Rosanne Cash, Patty Griffin, Joseph (ein Trio aus Portland), Angie McMahaon, Corinne Bailey Rae, Shelby Lynne & Alison Moorer. Also drei Viertel! Hinzu kommen Aimee Mann, Kat Edmonson, Wild Reeds. Ausnehmend empfehlenswert!

 

 

 

Tim Buckley – Live At The Electric Theatre Co. Chicago 1968
Live At The Electric Theater Co. Chicago, 1968

LP oder CD

Unveröffentlichtes 87-minütiges Konzert im Mai ´68 während der Entstehungsphase der 3. LP (Happy Sad). Die Aufnahmen (Sound okay, wenn auch nicht absolut 100%ig) zeigen wieder, welch freier Geist er war, der die Setlists ständig variierte (auch massiv), einzelne Songs wie die ganze Musik permanenter Veränderung aussetzte, mit Songstruktur und Stilen experimentierte, auf keinerlei Konventionen achtete (auch wenn hier, anders als bei vielen seiner Live-Alben der Zeit, 8 der 14 Tracks kürzer ausfielen, ohne auf 7/8-Minüter zu verzichten, Wayfaring Stranger bringt es gar auf 16! Improvisationen, ob Stimme oder Begleitung, gibt´s freilich auch in den knapperen Songs). Auch die Instrumentierung war ja unvorhersehbar, hier, abgesehen von ein paar Solostücken, genügen Bass und Congas bzw. Tambourine neben seiner Akustischen. Nur wenige der Songs erschienen auf seinen regulären Studio-LPs (2 auf Happy Sad, 2 viel später auf Sefronia, darunter sein Live-Klassiker Dolphins), einige andere auf Works In Progress und (meist dieselben) dem Live-Set Dream Letter (nur ganz punktuell auch auf anderen Live-LPs), mehrere waren für Happy Sad im Gespräch, wurden aber verworfen. Gleich 5 tauchen tatsächlich nirgendwo sonst auf (Roll On Rosie, Looks Like Rain, beide von Fred Neil; das eigene Look Out Blues, Johnny Cashs Big River, das Trad-Medley Green Rocky Road/Hush Little Baby)! Diverse Stücke sind stark rhythmisch betont ausgerichtet, offensiv, extrovertiert, teils mit Druck und Zug, mal zwischendurch sich beruhigend, mal in gleichmäßigem Fluß, andere klingen ziemlich relaxt bis gar fast hypnotisch, aber es gibt auch komplett in sich ruhende bis beinahe meditative einfach wunderschöne Tracks, licht und losgelöst ohne Vokalakrobatik, sowie ausgesprochen expressive Balladen (gerade dort wirkt der sowieso grandiose Gesang besonders virtuos, unglaublich ausdrucksstark, 2x herrlich gedehnt). Für mich unverzichtbar, wieder einmal.

 

 

 

John Coltrane - Blue World
Blue World

LP oder CD

Tatsächlich in 2019 noch ein Album mit unveröffentlichten Studioaufnahmen! Im Juni 1964 (1/2 Jahr vor A Love Supreme) mit seinem klassischen Quartet eingespielt (für einen eher überflüssigen Film), von Rudy Van Gelder aufgenommen/gemixt, remastered von den Originaltapes. Ungewöhnlich für Coltrane: Er nahm dafür alte Stücke aus seinem Repertoire neu auf, die erstmals auf Alben von 1957 bis 1962 erschienen (auf Giant Steps, Traneing In, Coltrane Jazz und Coltrane), freilich bis auf das Titelstück (das eigentlich Out Of This World heißt) in anderen Besetzungen. Großteils in (teils wesentlich) kürzeren Fassungen, es klingt konzentriert, (zumal im Vergleich mit den Originalen) ungeheuer souverän, und meist auch und v.a. irgendwie spiritueller, quasi im Vorgriff auf das, was danach kommen sollte… Und tatsächlich deutlich bis ganz klar (noch) besser! Mit Ausnahme von Blue World, das ich auf ähnlichem Level sehe (aber erheblich anders gespielt!). In diversen Stücken soliert Trane wenig, variiert v.a. das Thema (das aber oft wunderbar), einige erweitern das harmonische Grundgerüst, andere erscheinen in mehrfacher Hinsicht weiterentwickelt. Dabei sind: Das herrliche Naima (2 Versionen; sachte feinfühlige diffizile verzaubernde Schönheit!). Besagtes Titelstück (Classic Trane der Zeit inkl. sehr schneller auch ausbrechender Tonkaskaden, ein aufbrausender Schluß mit leicht freier Tendenz). Like Sonny (agiler, kraftvoller als bekannt, die Latin-Essenz verstärkt). Village Blues (3 Versionen, Blues-basiert, lebendiger, das Original wirkt statischer). Traneing In (wohl das „konventionellste“ Stück hier, trotz avanciertem Spiel gegen Schluß). Fazit: Nicht so essentiell wie Both Directions At Once letztes Jahr, aber erstklassig, und lohnend auf alle Fälle!

 

 

 

Habib Koite – Kharifa
Kharifa

LP oder CD

Eines der seltenen Alben von einem der westafrikanischen Top-Musiker. Nicht weit weg vom ´14er Vorgänger. Schon das Konzept: Traditionen fortführende behutsam modernisierte Musik, typischer weitgehend akustischer Mali-Sound dieses Jahrhunderts mit melodisch ausgesprochen reizvollem Inhalt, seinem exquisiten ausdrucksvollen Gesang (und ebenfalls so charakteristischen wie attraktiven v.a. weiblichen Backing/Harmony Vocals, dazu, wohl 2x, die Sängerin Amy Sacko von Bassekou Kouyates Ngoni Ba als Gast, ziemlich großartig) und gewohnt toller Instrumentierung, auch bei (überwiegend) höheren bis höchsten) Tempi (selbst die Balladen kommen nicht ganz langsam) zumeist ziemlich feinziseliert/filigran, v.a. das wunderbare teils unaufdringlich virtuose Saitengeflecht aus Gitarre(n) (er selbst, sehr delikat!), plus hier und da/im Wechsel Ngoni, Kora (der Meister himself, Toumani Diabate als weiterer Gast), Banjo. Wirkungsvoll zudem die ergänzenden schönen Klangfarben von Flöte (2x, z.T. beinahe betörend), Akkordeon/ganz dezenten Keyboards, Pedal Steel (?!, ähnlich wie damals bei King Sunny Ade), Bläsern, Balafon. Vieles, nicht nur die Balladen, verfügt über eine herrliche verzückende poetische Note, anderes ist ausnehmend agil/lebhaft/ereignisreich gehalten oder bodenständig-kraftvoll. 3,4 Mal klingt es etwas „zeitgenössischer“ mit (begrenzt) stärkerem westlichem Einfluß, inkl. einer Prise Reggae resp. Groovebetonung (statt sonst oft bestechend leichtfüßigem Fluß), gar kurzzeitig Autotune-Einsatz, 2x ergänzen Drums die vorherrschende vielfältige Percussion. Eine dicke Empfehlung!

 

 

 

Dead South – Sugar & Joy
Sugar & Joy [Explicit]

LP oder CD

2019er, 3. LP der Kanadier (die ja auch schon mal beim OBS begeisterten). Wie gehabt: Bluegrass steht im Zentrum, aber alles andere als puristischer. Was schon bei der Besetzung beginnt: Neben der gewohnten Saiten-Phalanx aus Gitarre, Banjo und Mandoline wirkt ein Cello statt Fiddle, zwar oft nur punktuell, anderswo als Bass gespielt, dennoch hat das einen außerordentlichen Reiz. Die Musik besitzt teilweise einen extremen Zug und Drive, was ihr sporadisch gar ein irgendwie ein kleines bischen rockiges Flair verleiht (das Tempo ist eh zu zwei Dritteln hoch angesiedelt), manchmal zudem einen gewissen Southern Gothic-Touch (toll!), es gibt old-timey-Folk- bzw. Mountain Folk/Appalachen-Einfluß, für diese Musik völlig unorthodoxe Breaks samt weit differenzierterem Spiel als üblich (1x fast in Richtung Songwriter-Country, 1x ein Hauch Johnny Cash), diverse repetitive Motive, mal eine total faszinierende dunkle bis dramatische sinistre Atmosphäre (ganz großartig!). Das Ergebnis: „Alt. Bluegrass“? Die Indie-Version von Bluegrass? Die Pogues des Bluegrass? Egal, ich liebe dieses Zeug. Zumal v.a. dank enorm ansteckender catchy Melodien einige hinreißende Highlights aus dem eh beständig hohen Niveau noch einmal herausragen. Richtige Hits! Klasse Harmony Vocals außerdem, durchweg (mal massiv, mal dezent). Dicke Empfehlung!

 

 

 

Neil Young & Crazy Horse – Colorado
Colorado

2LP+7'' oder CD

2019er.Nach 7 Jahren Neues mit Crazy Horse (mit Nils Lofgren statt Sampedro). Erstaunlich vielfältig insgesamt. Alle singen mit, entsprechend viele Backing- und Harmony Vocals, kleine Chöre. Relaxter akustischer Folk Rock, der auch ein Outtake von After The Gold Rush sein könnte. Eine klassische Neil-Rock-Ballade, überraschend weich gesungen in (wie des Öfteren phasenweise) z.T. hohen Lagen. Beträchtliche Härte mit abmildernden Refrains (ein Effekt, der auch anderswo zu hören ist) in wahlweise sehr langsam und heavy sowie dezent schroff oder als wütender teils ziemlich roher Rocker. Eine ganz zurückhaltende verzögerte Ballade, weich und zärtlich, mit wunderschönen gedämpften Gitarren-Features. Eine melodische slow motion-Hymne mit politischer Aussage. Ein ganz intimes leises Stück, umso intensiver und suggestiv, trotzdem unter gewisser Spannung (erste Sahne, toll!). Eine becircende Ballade, sanft und zart wie in alten Zeiten, mit anheimelnden Backing Vocals, ein von aparten Vibrafon-Tupfern ergänztes Piano führt – wie auch in einem weiteren ruhigen Stück, das wie aus den 70ern klingt, diesmal in einem dezenten freundlichen Groove verpackt. Und schließlich der archetypische Crazy Horse-Kracher, 13 epische Minuten lang, schwer und leicht verschleppt, etwas elegisch, herrliche cremig-verzerrte Gitarren-Trips (doch immer wieder von Vokalparts/v.a. Refrains durchsetzt), zur Hälfte hin vorübergehend härter/schärfer werdend (auch die Gitarren), um dann die Dichte zu reduzieren. Vinyl kommt 3-seitig plus eine Bonus-7“ (die erwähnte Hymne in live solo + ein non-LP-Band-Track). All in all: Eins seiner besten Alben dieses Jahrhunderts! Auch wenn nicht jeder Song zündet. Dicke Empfehlung!

 

 

 

Matana Roberts – Coin Coin Chapter Four: Memphis
COIN COIN Chapter Four: Memphis

LP oder CD

Sie bleibt sich in ihrer großangelegten Serie (Chapter 1 gehört für mich immer noch zu den Top 3 dieses Jahrhunderts) treu: Jedes Mal klingt´s anders. Hier mit 1-3 Bläsern (neben Alt Sax + Klarinette auch Posaune), E-Gitarre, teils Geige, manchmal Vibrafon, ihr ausgezeichneter Gesang wird ergänzt von auffällig reizvoll intonierten spoken- words, mal auch etwas lautmalerisch oder mehrstimmige (toll!). Neben Originalen verwendet sie uralte Folk-, Country- und Blues-Songs - freilich oft radikal aufgebrochen bzw. auf die melodische Essenz reduziert, fast alle Stücke gegen ineinander über. Das Spektrum ist enorm: Recht viel atmosphärisch wie „klassisch“ freier Jazz resp. Avantgarde, eine Art sturer „Stakkato-Jazz“, freigeistige getragene fast feierlich-spirituelle (und wundervolle!) Phasen/Tracks, luftige wie hoch intensive/dichte/brennende, darin inbegriffen punktuelle Folk-Versatzstücke (die mich mehrfach kurz an Albert Ayler erinnern), mal ein freihändiger Groove oder ein superber rollender Rhythmus mit repetitiven Melodien (in innovativer Weise!), kurzzeitig erhabener hochmelodischer Jazz oder etwas meditativ, eine Art außerweltlicher Folk Jazz in getragen und verzaubernd schön (und melodisch klasse, stärkerer Songcharakter), gar ein (wahrhaft beglückendes) rein vokales Stück (mit 4 weiteren Stimmen, feinst arrangiert/verwoben, inkl. Lead-, Kanon- und Chor- sowie Folk/Shanty- und Gospel-Elemente, recht traditionell und lang). Ergibt ein Werk, daß zwar insgesamt nicht ganz die Klasse von Vol. 1 erreicht (aber für mich klar Vol. 2 und 3 schlägt), in mindestens 5 oder 6 der 13 Songs aber schon! Die Musiker kommen nicht nur aus der reinen Jazz-Szene, spielten u.a. auch für Thurston Moore, Godspeed You Black Emperor, Cass McCombs (z.B. Sam Shalabi, Hannah Marcus, Steve Swell sind dabei). Unbedingte Empfehlung!

 

 

 

Aziza Brahim – Sahari
Sahari

LP oder CD

2019er. Die Exil-Sahraui (eine mauretanische Ethnie, in der Musik seit jeher eine große Bedeutung genießt) verbindet Nord- und (mehr) West-Afrika in ihrer ganz eigenen Singer-Songwriter-Sprache, ihre wunderbar phrasierende Stimme, z.T. dezent arabisch getönt, klar und höchst souverän, begeistert ein weiteres Mal! Dabei besitzt sie musikalisch für diese Musik eine ungewöhnlich große Spannbreite: Mal verwendet sie sehr deutlich westlich beeinflußte/aktualisierte Traditionen (wobei sie sporadisch selbst vor freilich dezenten und ganz „natürlich“ wirkenden unaufdringlichen Electro-Beats, kombiniert mit der gewohnten Percussion, nicht zurückschreckt), besonders weit geht sie in 2 Stücken, die Roots-Reggae-Elemente entweder nahtlos einfließen lassen (in elegant-geschwindem Fluß/Groove) oder gar pur zelebrieren (relaxt, im weiblichen Duett). Anderswo klingt es ziemlich kraftvoll, ja schon etwas rockig, samt kleiner Tuareg-Anleihen (nicht vordergründig). Letztere tauchen (in geringem Umfang) ein weiteres Mal auf, im Verein mit einer eingängigen/melodisch packenden besonderen Sorte Afro (Groove) Pop. Auf der anderen Seite: Ein urtraditionell wirkendes Stück, weich, einnehmend, poetisch, der Gesang nur von Percussion begleitet. Hinzu kommen diverse Balladen, eine schöner als die andere: Als so etwas wie nordafrikanischer Songwriter-Folk (poetisch, ein Hauch Blues), ganz sachte, lyrisch und folkig, federleicht in schnellerem Tempo (bestechend!), oder sanft und einfach herrlich, atmosphärisch verzaubernd. Neben dem Schlagwerk bevorzugte Begleitung: Akustische und (noch mehr!) elektrische Gitarren, die weich-gleißend, ungeheuer zart, Wah-Wah-verziert, filigran, hinreißend feinfühlig oder quecksilbrig ausfallen. Backing (Harmony) Vocals begleiten effektvoll. Ein ganz exzellentes Werk! Vinyl im Klappcover.

 

 

 

Swans – Leaving Meaning
Leaving Meaning.

LP oder CD

Nach der Auflösung der alten Besetzung nun das neue Album mit diversen ex-Swans, Leuten, die u.a. mit Alex Chilton, Silver Apples Iggy/Stooges, Nick Cave, Beirut spielten, und Gästen wie Anna und Maria von Hausswolff, The Necks, Ben Frost, Baby Dee. Michael Gira kann offensichtlich nicht anders – es ist das 4. Meisterwerk in Folge. Stilistische Zuordnungen sind schwer/versagen. Okay, da gibt´s Elemente/vermutliche/wesentliche und marginale Einflüsse aus/von z.B. „Düster-Fake-Folk“ bzw. „Gothic Underground-Post-Folk“, Post Punk aus einer anderen Welt, Can (mehrfach, auch mal massiv), Nick Cave, Future Pop und Post Rock in sehr eigen/originär, einer Art Dream Pop, selbst Doors-Anklänge, ganz kurz irgendwie sogar Magma, dazu (Indie/Gothic)einfach ruhige hochatmosphärisch bis schwebende Balladen, aber es klingt trotz dieser gelegentlich auch deutlichen Assoziationen wie nichts anderes. Was zählt, ist das WIE. Die komplett eigenständige Musik- und Klangsprache. Die unglaublich fesselnden Stimmungen, total faszinierenden Atmosphären, immer wieder anders und dennoch absolut in sich schlüssig, die in den weitaus meisten Stücken (viele davon um die 11, 12 Minuten, Gesamtlänge 93 Minuten) eine grandiose Sogwirkung erzeugen, geradezu hypnotisieren, auch mit Hilfe einer Menge repetitiver Muster. Gerade das macht diese Musik so einzigartig und überwältigend. Dabei arbeitet Gira hier und da mit mehreren überlagernden Vokalspuren (teils von den Gastmusikern) bzw. kleinen Chören, einzelne Instrumente sind kaum greifbar, verschwimmen, fließen zusammen (Saiten inkl. Lap Steel und akustischer, Tasten inkl. Mellotron und viel Piano, Streicher, manchmal Bläser, ergänzend Vibrafon, Santur, Akkordeon, Dulcimer), agieren musikdienlich im Extrem, teils auf „unscheinbare“ Weise fantastisch arrangiert. Manches klingt erhaben, dramatisch, radikal stoisch, verwunschen bis dunkel-mysteriös, Weniges eher dräuend, orchestral, beinahe meditativ, alarmistisch, relaxt, verquer-sakral, einige Tracks steigern langsam aber stetig über lange Strecken die Dichte und Intensität (schon mal beinahe schmerzhaft), es gibt schwere marschierende Parts, untergründige Spannung, ausgedehnte ziemlich leise und/oder teilakustische Phasen, und wesentlich weniger Wucht als früher. Das Ergebnis ist immer phänomenal. CD/Vinyl in Spanplatten-Hüllen/Digipack, Vinyl minus 1 Track.

 

 

 

Angelique Kidjo – Celia
Celia

LP oder CD

Nach der grandiosen „Remain In Light“-Bearbeitung nun eine ganz vorzügliche Neu-Interpretation von Songs der legendären Salsa/Latin-Sängerin Celia Cruz. Melodisch z.T. verändert, rhythmisch sowieso. Gesanglich klasse, natürlich, Hochkaräter wie Gangbe Brass Band, Tony Allen, Meshell Ndegeocello, Sons Of Kemet begleiten superb. Zunächst dominiert noch Latin feinster Sorte, wenn auch weit vielfältiger als im Original, mit Infusionen von Jazz (bzw. gleich Latin Jazz), mal etwas Brasilien, Äthiopien, Highlife , später wird der Afro- bzw. afrokubanische Einfluß immer stärkerund bestimmender (bis hin zu Afrobeat-Elementen). Wunderbare Arrangements (ob gesanglich inkl. Call/Response-Vocals/Chören oder instrumental mit reichlich Gebläse, ab und zu Marimba oder Streichern, Piano/Orgel und E-Gitarre sind nicht omnipräsent)! Dicht, süffig oder hoch energetisch, lustvoll und/oder rhythmisch absolut zwingend, aber auch feinfühlig, edel und gehaltvoll, poetisch und hypnotisch zugleich, massiv reduziert – und ein meditativ-hymnischer spiritueller grandioser geradezu ergreifender Afro-Jazz-Hybrid! Durch und durch packende Musik höchster Qualität, eine fette Empfehlung!

 

 

 

The Heavy – Sons
Sons

LP oder CD

Irgendwie besser denn je. Sly & The Family Stone in kompakter und etwas (funk-) rockiger. Funkadelic revisited inkl. kurzer Psychedelisierung. Toll knallender und gewaltig klingender Modern Heavy R´n´B-Rock (sogar Algiers-Parallelen!). Überschnappender entusiastischer roh schneidender Soul-Rock. Bläser-angetreibener Funk Rock mit James Brown-Einfluß. Chic goes George Clinton der 80er und Red Hot Chili Peppers. Modifizierte/aktualisierte/stilistisch verbreiterte Chambers Brothers. Spaghetti-Morricone in zeitgenössisch/R´n´B-infiziert. Schwarzer Groove´n´Rock´n´Glam´n´Roll. Sporadisch/punktuell Hip Hop-Spuren/Beats. Ganz wenige schön atmosphärische bis leicht psychedelische leise bzw. ruhige Phasen. Fordernde oft ziemlich aggressive Vocals. Scharfkantige Bläserattacken. Fies verzerrte/riffende/funky Gitarren (ca. 1970, an die Zeit erinnert eh vieles). Alles in allem: Ein extrem kompakter kraftstrotzender Sound. Ansteckend! Gute Laune kriegen und staunen!

 

 

 

Hazmat Modine – Box Of Breath
Hazmat Modine - Box Of Breath

LP oder CD

2019er Veröffentlichung , 5. LP der New Yorker, zum 5. Mal bin ich begeistert. Instrumental einfach klasse, zudem höchst musikalisch (auch in den selten ausgiebigen Soli). Die Basis ist oft eine „offen“ gespielte R´n´B/Blues-Variante, tief im Süden verankert (teilweise unter immanentem New Orleans-Einfluß), angereichert mit massiven bis dezenten Roots-Elementen vielfältiger Art: Gern Jazz (v.a. durch die Bläser, meist 4 davon, oder gar mehr, darunter beständig die Tuba von Koryphäe Joe Daley, der u.a. für Charlie Haden, Gil Evans, Taj Mahal, Santana, Carla Bley tätig war), daneben Afrika, sporadisch Folk und Country, 2x Balkan (1x kurzzeitig mit dem Ergebnis einer Art „Balkan-Brass-Punk“), Funk, Talking Blues. Grooves in verschiedenen Formen durchziehen viele Stücke (überhaupt ist dies rhythmisch höchst aparte Musik!), ob lässig/locker, immens beweglich, extrem lustvoll, unter Spannung und Zug, angestochen funky oder mit 2nd line-Anleihen, der Sound ist häufig bunt/lebhaft-variabel bis wunderbar vielschichtig (bzw. super-vollmundig), besitzt gern eine hohe Intensität (bzw. wird enorm verdichtet) und zugleich Wärme, aber auch viele starke Kontraste (inkl. diffiziler/filigraner resp. transparenter Phasen). Herausstechend (neben den Bläsern): Natürlich wieder diese glänzende Harmonica von Leader Wade Schuman, ob Klangfarbe/Sound, die Musikalität oder die Virtuosität, seine Features sind präzise und konzentriert! Exzellent auch der Gesang von ihm (und die 2. Stimme, teils lead, von Erik Della Penna, samt ein paar mehrstimmigen Vokalarrangements). E-Gitarre (und Banjo Guitar) agieren nicht so auffällig, wohl aber z.T. das höchst willkommene vielfach eingesetzte Balafon von Balla Kouyate (Angelique Kidjo, Yo Yo Mas Silk Road Ensemble). Das I-Tüpfelchen: Der große melodische Reichtum! Eine große Empfehlung.

 

 

 

Rickie Lee Jones – Kicks
Kicks

LP oder CD

Eine Sammlung von Coverversionen von Songs v.a. der 50er bis 70er, die sie damals im Radio hörte (und sie wohl beeinflußten). Stücke von u.a. Steve Miller Band, America, Bad Company, Elton John, Benny Goodman, Dean Martin, und der Brecht/Weill-Klassiker Mack The Knife. Elester atmosphärisch ganz starker Rock mit super E-Gitarre, eine gefühlvolle 70s-Songwriter-Ballade, lässiger/bedächtiger Country, mächtig emotionalisierter jazziger Alt/Trad-Pop, weitere Jazzeinflüsse der 30er-50er (swingend-groovend, teils richtig lustvoll, lebhaft und angenehm altmodisch), eine Art tasty Dream Pop Songwriter-style (bestechend schön), rootsiger Rock, multipel rootsige erhabene/erhebende Balladen. Ausdrucksstark, klar, variabel-einfühlsam, phasenweise wunderbar gesungen, vielfältig dabei oft ökonomisch bis kongenial (und stets geschmackvoll und edel!) begleitet von akust./elektr. Saiten, diversen Tasten, mehrfach Bläsern, immer wieder/gern zudem Schlegeln.

 

 

 

Savoy Brown – City Night
City Night

LP oder CD

Neues Material aus 2019. Klar, Kim Simmonds & Co. erfinden nach über 50-jähriger Bandgeschichte nichts neu, wozu auch. Solange sie derart guten und mächtig toughen Blues Rock zelebrieren, classic und zeitlos. Im Trio, die Gitarre besitzt oft eine gehörige höchst willkommene Schärfe (und Kompetenz sowieso), die Soli sind ökonomisch, konzentriert, bestens aufgebaut. Klasse gerade auch die diversen Stücke mit Slide, wunderbar fleischig, schneidend bis hochgepitcht, herrlich klirrend im Breitwand-Format, feinst punktierend… Kraftvoll rollende Stücke, stoisch marschierende in riffbetont oder langsam groovend mit optimalen stechenden Fills, heftig pumpende, satt-saftige extra-schwere (und harte!), dezent feurige, auf kleiner Flamme mit unterdrückter Spannung, top geradezu hypnotischer Southern Groove samt Fuzz, ein Slow Blues darf nicht fehlen (angenehm reduziert, sehr bedächtig und gefühlvoll ohne Crescendi), hinzu kommen ein ausgezeichneter Shuffle in gebremstem Tempo, ein Boogie in schnellem, und ein atmosphärisch faszinierender Song in relaxtem deepem Fahrwasser. 180g audiophiles Vinyl.

 

 

 

Neil Young - Tuscaloosa
Tuscaloosa

LP oder CD

Neues aus seiner Archiv-Serie, live 5.2.1973 in Tuscaloosa, unveröffentlichtes Konzert mit den Stray Gators (Ben Keith/Pedal Steel, Jack Nitzsche/Piano, Tim Drummond, Kenny Buttrey), die auf Harvest und Time Fades Away spielten. Klasse besonders die Pedal Steel, die z.T. relativ sparsam bis punktierend und umso wirkungsvoller eingesetzt wird. Anfangs 2 Solo-Tracks, dann ein paar akustische mit Band (alles Balladen-geprägt), schließlich 5 elektrische (kernig bluesig unterlegt mit gewisser Schärfe, offensiver Country Rock plus, kraftvoll balladeske elektr. Proto-Americana, klassisch schleppender Roots Rock). 11 Songs, 5 von Harvest (ausgerechnet Heart Of Gold gefällt mir besonders, eine einfach perfekte Version! Sehr fein zudem Old Man und das punktgenaue Alabama), je einer von After The Goldrush (Titeltrack) und dem Debut (Here We Are.., ein weiteres Highlight, nachdenklich bis bestimmt, stark verändert, gewinnt durch radikale Reduzierung auf nur die Ak.Gitarre und reizvolles stetiges rhythmisches Auf und Ab/Hin und Her), je 2 (zu der Zeit unveröffentl.) von Time fades Away (Titeltrack und ein um 3 Min. erweitertes Don´t Be Denied) sowie Tonight´s The Night (Lookout Joe und New Mama in viel erdiger/härter, total anders). Keine Experimente, keine Sensationen, einfach nur wunderbare Musik im Nostalgie-Modus. Von den Original-Analog-Bändern, Sound exzellent!

 

 

 

Santana – Africa Speaks
Africa Speaks

LP oder CD

2019er von Rick Rubin produziert, ja mit viel Lob überschüttet, aber auch irgendwie kontrovers. Ich hab 3 Durchgänge gebraucht, um mich von den (Back tot he roots-) Erwartungen zu lösen (es gibt freilich einiges, was an die Anfänge oder z.B. Caravanserai erinnert!) und mich an das zu gewöhnen, womit das Urteil fällt und steht: Den Gesang von Concha Buika (+ Gast Laura Mvula), der wenig mit Santana-Traditionen zu tun hat; sie agiert offensiv, expressiv, ziemlich stimmgewaltig, modulations- und phrasierungsreich, Soul-, punktuell auch Nordafrika-, Vorderasien- und Flamenco-beeinflußt – außergewöhnlich! Der Sound ist oft definitiv rockig, gern Funky- Latin -Rock, mal dezent souliger, Afro-Rock-Elemente (stark wie nie, doch nur bei einigen Stücken evident, teils mächtig kraftvoll bis quirlig; ab und zu leichte Jazz- oder besser Fusion-Anleihen v.a. im (E-)Piano-Spiel, dabei relaxt bzw. zurückhaltend (köchelnd) mit viel Gefühl, sporadisch eher Latin-Groove-Pop. Manchmal schön eingängig! Das Ergebnis jedenfalls ist häufig etwas Neues, Frisches, Eigenes (keineswegs so zahnlos wie vieles in den letzten mit Gästen/Pop-Anteil vollgestopften Jahrzehnten), und wächst! Klasse die Gitarren: Volle Power, viel Schärfe, inspiriert bis inbrünstig, Distortion und Wah-Wah resp. fein zerrend (oder singend). Tasten bleiben oft unauffällig. Fazit: Exzellent! Superb der Titeltrack, ziemlich spirituell, World Music-Parallelen, ein bischen Kuba, ein bischen Classic, melodisch sehr reizvoll…

 

 

 

Bill Callahan – Shepherd In A Sheepskin Vest
Shepherd in a Sheepskin Vest

LP oder CD

Ganz ausgezeichnet, nach 6 Jahren ohne reguläre LP. Oft Folkiges aus unorthodoxeren Blickwinkeln z.T., teils mit einer gewissen „Strange Folk“-Tendenz, häufiger in Richtung Americana bzw. Songwriter-Country, gar sowas wie Folk Rock oder (kurz) „Noise-Folk“ bis irgendwie seltsam/abgedreht/psychedelisch… Und unerwartet viele (20!) Stücke, kürzer als gewohnt. Ein akustisches Werk, neben Gitarre etwas Mandoline/Banjo, Lap Steel, Piano, (Pump) Orgel, sporadisch Mellotron, Synth, Marimba/Kalimba, und ein wenig Drone-mäßige Klänge. Assoziationen, punktuell/hier und da: Oldham und Lambchop (von Ferne), Kozelek, Ryley Walker, auf eine gewisse Art auch mal Howe Gelb oder eine Spur leisester Tim Buckley, relaxteste akust. Grateful Dead, manche fühlten sich im Klangbild (Bass z.B., eh sehr apart) an Astral Weeks erinnert. Die Atmosphäre wirkt sehr warm, manchmal klingt´s völlig „nackt“, zart und leise und geht unter die Haut, oder schön filigran vernetzt, gelassen-melancholisch, subtil bis suggestiv, in sich versunken, anderswo wird´s etwas bodenständiger, fülliger bis bunter, entwickelt sogar gewissen beschwingten Zug (resp. dezent höheres Tempo). Ab und zu führen Gesang und Gitarre ein Eigenleben, heißt, haben erstaunlich wenig Bezug zueinander, wirken „losgelöst“. Klare Empfehlung!

 

 

 

Esperanza Spalding – 12 Little Spells
12 Little Spells

LP oder CD

Ich hatte sie etwas aus den Augen (Ohren) verloren, das hier überrascht mich, ist wohl auch eine ziemliche Veränderung. Und ein pures Abenteuer mit gehörigem Anspruch! Mehr oder weniger vertrackte und definitiv fantasievolle Songwriter-Musik, die sich speist aus einer Art Avantgarde-Pop, einigen Jazz- und (New) Prog-Elementen, Einflüssen der 70er aber auch dezent der Moderne. Sowohl sehr subtile bzw. filigrane/leise bis ruhige beinahe kontemplative Momente als auch rockigere, zwischendurch mal ein funky mal bedächtig-relaxter eher zeitgenössischer mal explizit „intelligenter“ (in sowas wie „Post Wave“ gebetteter) Groove, viele ungerade reizvolle Metren. Die (v.a. elektr., ab und zu und/oder akustische) Gitarre, die diverse Songs neben dem (phrasierungs- und wendungsreichen TOP-) Gesang dominiert, besitzt u.a. Parallelen zu Leuten wie Marc Ribot, Nels Cline, kurz gar Fred Frith. Ganz stark! Und mehrere Stücke erinnern an Joni Mitchell, sehr entfernt wie deutlich, die angejazzte der späten 70er, oder auch der mittleren 70s. Zwischendurch dachte ich zudem kurz an 70er Robert Wyatt, David Sylvian, abgespeckte Steely Dan. Immer wieder (doch nicht immer): Lange/komplexe Melodiebögen, mit und ohne Refrains, samt höchst avancierter Harmonik, teils in gewisser (bzw. auch starker) Schräglage. Fürwahr außergewöhnlich!

 

 

 

Prince – Originals
Originals

LP oder CD

2019, Archiv-Schatzhebung Teil 2. Wieder konzept-orientiert, diesmal 15 (unveröffentl.) Quasi-Demos (z.T. aber voll ausgearbeitet) von Songs, die er anderen gab, z.B. Sheila E (gleich 3), Vanity 6, Bangles, Jill Jones, Martika und Kenny Rogers (einziger Flop, überflüssiger Smooth/Soul Pop), aus den 80s bis frühen 90s. Das klingt z.B. ähnlich wie 1999 (Electro-Funk Pop) bzw. sein poppiger Groove-Stoff der mittleren 80er, ist nicht weit weg vom berühmten „Original“ (Manic Monday), wirkt ziemlich mitreißend (strikt rhythmusbetonter Funk Rap mit freilich farbenfrohem Beiwerk) oder fast radikal und ein wenig futuristisch (massiv reduzierte Electro-Grooves), verbindet psychedelische Untertöne mit simplem Rock-Riff oder 1999 mit Prince-Pop späterer Jahre (samt aggressiver Gitarre und kurzem Jazz-Sax-Feature), beinhaltet ein fast freies Sax plus Cello, erinnert etwas an Around The World In A Day (wunderbar bunt und mehrschichtig, ein Highlight!). Die weiteren Höhepunkte finden sich unter den Balladen: Fast spartanisch aber perfekt; unter gewisser Spannung; relativ konventionell (und lang), gesanglich emotional hochgepitcht; und eine eher bodenständige unspektakuläre doch exzellente Fassung von Nothing Compares 2 U.

 

 

 

Keb Mo – Oklahoma
Oklahoma

LP oder CD

Ich mag nicht alles von ihm, das hier schon. Sehr sogar! Eine gehörige Bandbreite fährt er auf, mit einigen massiven Kontrasten in Stimmung und Stilistik. Das reicht von komplett offenem Roots-Stoff über bluesigen Folk, zeitunabhängigem deepem groovendem Blues, souligem R´n´B wie ausgesprochen ungebunden vorgetragenem regelrecht tanzendem, „Roots Blues“, mehrfach verbindet er nahtlos traditionelle mit zeitgenössischen (Modern) Blues-Spielarten. Unaufdringliche doch feine Grooves (1x gar beinahe Disco-affin, modernisiert), relaxt fließend wie stampfend (absolut packend! Mit bis auf die Rhythmik uralten Trad-Blues-Elementen unterfüttert), kraftvoll aber reduziert, sanft und gefühlvoll resp. poetisch, 1x dachte ich an die aktuelle Mavis Staples (angenehm trockener Sound ohne ein Gramm Fett, der kommt eh mehrfach vor, u.a. auch bei einer Art Mix aus J.J. Cale und Otis Taylor), 1 Stück könnte von Taj Mahal stammen (der dort tatsächlich mitsingt!). Eine Roots-Pop-Ballade finde ich überflüssig, sorry. Weitere Gäste u.a.: Robert Randolph (superbe Lap Steel!), Rosanne Cash (Duett), Colin Linden produzierte. Und über seine Stimme brauchen wir nicht mehr zu reden…

 

 

 

Beth Gibbons & Polish National Radio Symphony Orchestra – Henryk Gorecki: Symphony No. 3 (Symphony Of Sorrowful Songs)
Henryk Górecki: Sinfonie 3

LP oder CD

2019er Werk unter Leitung von Krzysztof Penderecki, als Sinfonie der Klagelieder bekannt, das erfolgreichste Werk des polnischen Neo-Klassik-Avantgardisten (war in England sogar in den Pop-Charts!), hier 2014 live in Warschau eingespielt. Was die Avantgarde betrifft: Doch in sehr gemäßigter Weise, es klingt oberflächlich gehört ähnlich gewohnter Klassik, ein wahres Meer an (v.a. Streicher-) Sound, ein Meer an Gefühlen, getragen und oft dunkel gehalten (manchmal extrem düster, tieftraurig) - doch in der Form/Struktur (für meine ungeübten Ohren) linearer als tradierte Klassik, die zentralen Motive z.T. ein wenig „repetitiv-rotierend“ (Minimal Music-Einfluss gar?), auch melodisch deutlich anders (ganz eigen und wunderschön phasenweise!). In langen Bögen an- und abschwellend/dramatisierend bzw. eine Steigerung (und Beruhigung) in Wellenbewegung, gewisse sakrale/religiöse Elemente, teils unter Spannung, sehr viel Tiefe! Und Gibbons dringt verblüffend in Opern-artige Bereiche vor, in höchste Lagen (gerade dort partiell mit einem klasse Vibrato!), irgendwie lebendiger als in dem Genre üblich, finde ich – hätte ich ihr nie zugetraut! Für mich übt das eine enorme suggestive, ja hypnotisierende Kraft aus – ich wundere mich selbst. Besonders der 1. Satz (der längste, 24 Min.. nur 3 Min. Vocals). Beinahe trancehaft zuweilen, kurzzeitig wie in Zeitlupe. Der 3. Satz (wie der 2.: Weit mehr Gesang, Piano und Harfe kommen hinzu) erscheint mir irgendwie „songhafter“. Eine ehrliche klare Empfehlung! Lim. Deluxe-LP im verstärkten Klappcover, 16-S.-Booklet, 180g, normale LP auch 180g.

 

 

 

Madison Violet – Everything´s Shifting
Everything's Shifting

LP oder CD

Nach Ausflügen in Dance-Bereiche, Pup-Pop, sogar Electro zurück zu ihren Ursprüngen, wenigstens weitgehend. Ja, es gibt auch Stücke, die zum (Edel-) Pop tendieren (aber in gut, mit nuanciertem/differenziertem Arrangement), eins erinnert gar entfernt an die Bangles, Country-Einfluss ist nur noch rudimentär/sporadisch vorhanden – das Gros geht in Richtung Folk Pop, ob etwas schneller (ungefähr zur Hälfte, rhythmisch apart, oft sehr leichtfüßig, z.T. schön lose, federnd, leicht tanzend, auch ansteckend groovend) oder balladesk (meist zurückgenommen, punktuelle Verdichtungen, manchmal mit mächtig viel Schmelz, man möchte förmlich im Klang baden!). Ab und zu würde ich´s eher Americana nennen mit zarten wie ganz dezent rockigen Tönen, teils butterweicher Pedal Steel. Akust. wie elektr. Gitarren, gern beides, Keyboards wenn überhaupt als leichter Schleier, hier und da Streicher + Piano. Alles klingt edel und rund, der Hit aber sind natürlich die Vokalharmonien – betörend, ja himmelwärts strebend… - ein Gedicht!

 

 

 

Stephen Malkmus – Groove Denied
Groove Denied

LP oder CD

Ohne jeden Bezug zu Pavement & Co redet er selbst  von Human League, Cabaret Voltaire und Pete Shelleys „Homosapien“ (klasse Song, immer noch) und Cure, allgemein von

New Wave/Synth-Musik ca. 1982. Das trifft´s, wobei sowohl Dance-orientiertes wie Experimentelles/Abenteuerliches auftaucht, wunderbar schillernde glänzende Sounds neben dunklen bis schroffen/alarmistischen stehen, geradlinige Grooves neben gebrochenen (tendenziell langsamere), Synths in allen Klangfarben, 1x auch faszinierende düstere Hypnose. Einige reizvolle Motive! Später allerdings stehen dann doch wieder Gitarren (z.T. verzerrte/manipulierte) im Vordergrund, wird die Brücke geschlagen zu zeitgenössischem Indie Pop (sogar in einem Fall inkl. einer Prise apartester 60s-Psychedelia!), schließlich ist (sehr guter) melodisch feiner 90er Indie Rock und seine (poppige) Vergangenheit nicht weit weg (wiederum z.T. auch 60s-Spritzer, Psyche-Elemente). Eine gelungene Wanderung durch die Zeit!


 

 

 

Lee Fields & The Expressions – It Rains Love
It Rains Love

LP oder CD

2019er des Soulveterans, der konstant, in der gleichen Liga wie ein Charles Bradley, exquisite Alben abliefert – so auch hier! In besonderem Maße! Die Stimme: Großartig, im klassischen Soul-Stil alter Zeiten, reich phrasierend hoch emotional! Der Sound: Angenehm angerauht, relativ transparent, weit weg von jeglichem Hochglanz, ebenfalls aufs Schönste wie früher, E-Gitarre paart sich mit Orgel oder Piano, Bläsern und ab und zu Streichern – so musikdienlich wie erstklassig instrumentiert. Also: Classic Soul der frühen 70er oder späten 60er, jedoch überraschend und ungewöhnlich viel Abwechslung, 1,2 mal geradezu innovativ gestaltet, mit einigen Besonderheiten: Die Rhythmik aktualisiert er behutsam, sie enthält durchaus z.B. Hip Hop-Elemente, die Drums agieren differenzierter/agiler als gewohnt, manchmal auch bewusst total abgespeckt. Arrangements werden teilweise kurzzeitig verdichtet bzw. reduziert. Es gibt Bläser-Stakkatos, fast nackte Phasen, Dramatik. Die Balladen dagegen (ziemlich vollmundig, sehr schön!) wirken eher „konventionell“, bunt und vielschichtig instrumentiert (in einem Fall jedoch punktuell reizvoll psychedelisch gefärbt!). Ab und zu wird´s dezent funky, zwischendurch erinnert´s mich auch an Curtis Mayfield, oder es taucht kurz eine Spur Gospel auf. Sehr empfehlenswert! CD mit 1 Bonustrack. Auch in limitierten Editionen, rotes Vinyl bzw. mit Instrumental-Bonus-CD.

 

 

 

Steve Earle & The Dukes – Guy
Guy

LP oder CD

Ein Meisterwerk, allerdings keine neuen Songs von ihm, die stammen alle von Guy Clark (gleich 6 der 16 vom unsterblichen Alltime-Klassiker Old No. 1)! Und, gleich vorweg, ich finde das Album noch eine Ecke gelungener als sein Townes-van-Zandt-Tribut vor einigen Jahren! Über weite Strecken geradezu kongenial. Er fügt den meisten Songs nicht wirklich neue Facetten hinzu, fängt die Stimmungen der Originale oft 1:1 ein (verändert jedoch z.T. den Stil etwas, lenkt ihn z.B. mehrfach in rockigere Bahnen), aber das ist auch nicht nötig, wenn sie so großartig interpretiert werden wie hier. Die Stimme ist klasse, transportiert jede Menge Emotionen, gerne angerauht, manchmal ein kleines bischen brüchig (was gut kommt!); die Band klingt homogen und wie aus einem Guss ohne spektakulär solistisch glänzen zu wollen, Akustik-Gitarre und elektrische wechseln sich ab (oder agieren gemeinsam), verbinden sich bestens mit Pedal Steel und Geige (sporadisch ergänzt Mandoline, Harmonica). Bodenständigkeit regiert, Poesie paart sich mit (nie überbordender) rockiger Ader, nur ausnahmsweise arbeitet er gänzlich reduziert (doch so intensiv!). Häufig atmet die Musik den Geist der 70er, respektive „Songwriter-Outlaw-Country-Feeling“, zwischendurch gibt´s Talking Blues-Elemente (in Country verpackt), manchmal schon „schmissig“ zu nennenden Country Rock mit Traditionsbewußtsein (1x relativ harten, mehr im Stil der 90er – Replacements meets Son Volt, oder so), auf der anderen Seite auch 2 Dance-Stoff ganz alter Zeiten verpflichtete Stücke (den Appalachen z.B., gar irische Rest-Anklänge), teil-elektrifiziert freilich. Und einige charakteristische Storytelling-Balladen besitzen eine dezent bis stärker ausgeprägte melancholische Färbung. Es ist eigentlich sinnlos, hier Höhepunkte herauszustellen, dennoch möchte ich 2 Tracks besonders erwähnen, die tief ins Herz schneiden, regelrecht verzaubernd total in sich ruhen: That Old Time Feeling und Old Friends. Welch reiche Musik! Es gastieren übrigens Emmylou, Rodney Crowell, Terry Allen, Jerry Jeff Walker, Mickey Raphael, Verlon Thompson (wow!). GREAT.

 

 

 

Mekons – Deserted
Deserted

LP oder CD

Nach 8 Jahren endlich ein neues Studio-Werk (die 2016er LP wurde ja live eingespielt, bei der ´15er fehlten Bandmitglieder). Ein vielschichtiges ziemlich breites Spektrum! Emotionaler dichter intensiver Rock mit scharfkantigen bis mächtig verzerrten Gitarren, punktuell effektvoller Geige in Schräglage, lose harmonierenden Vocals. Lustvoll! Rootsig/folkig unterlegt in leicht und locker und transparent, rauhe Poesie und entzückende ganz altmodische Melodien paaren sich zur Schönheit von innen. Ein Pendeln zwischen geheimnisvoll-dunkler Faszination und kraftvoll lebenslustigem 70s-Rock (eine Spur Glam-artiger Einfluß) samt kurzer toller beinahe kakophonischer Phase. Kurzzeitig dezent zerschossener Indie Rock featuret schneidende/Distortion-Gitarren, ein intelligentes Piano grundiert, am Ende lose ausfransend. Bedächtiger (Pseudo-Ethno-) Space-Folk sehr eigener Art, der sich irgendwann bodenständig verdichtet. Alte Post Punk-Traditionen, die nicht unbedingt so klingen wie früher, in roher splitternder zugleich nuancierter und intensiver Spielweise, manchmal am Rande der Atonalität. Entspannter lockerer hochmelodischer einfach schöner teilakustischer Indie Folk Pop inklusive einer kleinen Prise Country, ein nicht so weit davon entferntes Stück glänzt mit feiner Säuregitarre (und endet in leiser schräger Klangmalerei). Rock-Feeling gekoppelt mit Desert Rock-Anklängen, schroff riffende Gitarren stehen neben im weiten Raum hallenden atmosphärischen in etwas verwinkelten Arrangements. Weit mehr elektrische als akustische Gitarren, Piano/Orgel und Synthie wechseln sich ab, die Geige fehlt manchmal (gefällt aber ansonsten sehr), er (Langford) singt mehr als sie (Timms), beide gern zusammen. Und diverse Soundeffekte werden hier und da ganz pointiert und effektiv/musikdienlich eingeschossen. Erstaunlich, wie frisch, immer wieder anders und gut sie nach so langer Zeit noch klingen! Vinyl 180g.

 

 

 

Bruce Hornsby – Absolute Zero
Absolute Zero

LP oder CD

Die lange Pause hat sich gelohnt – ein weitgehend ausgezeichnetes Werk! Von außerordentlicher Vielfalt. Im Grunde zeitlos, trotz ein paar zeitgenössischen Anklängen. Instrumental, reizvoll, recht oft ein Piano zentral, manchmal von feinst fluoreszierenden Keyboards nicht nur ergänzt, gern aber auch von best-arrangierten Streichern in der Führung abgelöst, ab und zu Bläser in größerer Rolle. Hochkarätige Gäste, auch vokal (Harmony Vocals, Duette), u.a. 2x Justin Vernon, Blake Mills, Rob Moose, yMusic, Staves. Das Songwriting variabel, teils enorm attraktiv, ausgereift, anspruchsvoll. 3x erinnert´s mich ein bischen an Peter Gabriel (trifft lebendig tanzend Spuren von Marvin Gaye in zeitgemäßer; oder differenziert/filigrane bis gravitätisch-vollmundig-balladeske 80er-Edel-Pop-Anleihen; oder in agil-getragener unterschwelliger Spannung). 1x redet Hornsby selbst ganz treffend von „Steve Reich meets Prince“ (extrem lebhaft, ja lustvoll, klasse wirbelnde Minimal Music-artige Sounds treffen groovenden R´n´B), der Begriff Edel-Pop paßt ebenfalls auf ein klangmalendes hochdifferenziertes etwas jazziges Stück (mit Jack DeJohnette!) und eine bunte vielschichtig-toll gestaltete Ballade unter 70s-Einfluß. 2x dachte ich an Ben Folds (extrem freudvoller groovender tricky Prog-Pop + ein Hauch Gentle Giant! Sowie absolut mitreißend in klasse Rhythmik, nochmal Prog- wie Minimal-Spuren). Ganz anders ein Saiten-dominierter akust. Track, multiple Roots, alte Zeiten freigeistig modifiziert. Schließlich Cinemascope-Pop mit Avant-nahen Anklängen (süffigst!). Je 1 Stück wurde co-komponiert von Robert Hunter (of Grateful Dead) und Justin Vernon. Mindestens 4,5 ganz tolle Songs, Empfehlung!

 

 

 

Jon Spencer – Spencer Sings The Hits
Spencer Sings The Hits!

LP oder CD

Erstmals ein Solo-Album des Pussy Galore/Boss Hog-Leaders, ohne seine Blues Explosion. Wenig überraschend hat sich dennoch nur  marginal etwas geändert. Extrem roher derber bis wüster z.T. massiv fuzzgeladener Garage-Underground-Stoff, mal ansteckend groovend, mal scharfkantig rhythmisch akzentuierend, mal leicht zerrissen wirkend, mal straight treibend. Es gibt bluesige Unterfütterungen wie natürlich reichlich 60s- oder 50s-Einflüsse in seiner typischen harschen Art, manchmal auch ganz kurze eher 70s-mäßige Gitarreneinwürfe, radikal reduzierte Phasen, gelegentliche dreckige Synth-Spritzer (die teilweise so was wie Fuzz-Bass-artig kommen), wenige/sehr punktuell untermalende Orgel-Töne, die Gitarre bevorzugt tiefe Lagen (no Bass!), ein paar Noises inklusive. Wahrer Punk im Gestus!

 

 

 

Angelique Kidjo – Remain In Light  
Remain in Light

LP oder CD

2018er des Afro-Stars aus dem Benin, mit etwas Verspätung auch hier erschienen. Ein sehr überraschendes, gewagtes, spektakuläres Werk – ein Remake eines großen Klassikers, der Talking Heads-LP von 1980! Keine komplette Neudeutung, aber eigen, sehr deutlich, signifikant anders (in der 2. ruhigeren Hälfte 2x auch ziemlich radikal: The Overload und Seen And Not Seen), sogar Textergänzungen (auch in afrikanischen Sprachen). Und in sich absolut schlüssig. Unterschiede liegen z.B. in der Stimme (massiv! Viel mehr Tiefe und Gefühl, mal ein souliger Touch…); natürlich im verstärkten Afrika-Einfluß/der Polyrhythmik (überhaupt erhalten Percussion, v.a. anfangs der Stücke, die Rhythmen mehrfach größeren Stellenwert – die Melodiebetonung aber auch!), die im Original schon vorhandenen Afrobeat-Einflüsse kommen klarer – schließlich ist hier Meisterdrummer Tony Allen beteiligt -, ergänzt von Highlife-Elementen; und die (damals nur minimalst vorhandenen) Bläser, z.T. etwas jazzy, spielen eine viel größere Rolle – Keyboards/Synths eine kleinere. Insgesamt wirkt das Album positiver, wenig dunkel. Quecksilbrige Gitarrenläufe, feinste Grooves (manchmal dezent funky, teils samt enormem Drive bzw. Rasanz), oft kraftvoll, Afro-R´n´B wie Afro Rock, sort of, gern unglaublich lebendig, quirlig, hier eine beträchtliche Schärfe (z.B. aggressives verzerrtes fast noisiges Gitarrenspiel), dort Stakkato-Riffs der Bläser, und vor allem, immer wieder, eine absolut tolle Verzahnung der Instrumente (und auch Stimme), vielschichtig, genial! Die letzten Stücke klingen erheblich sparsamer/zurückgenommen, begeistern dafür mit faszinierender Atmosphäre, verbinden Electronic Africa (super Synthie!) mit Pop oder lassen eine Art Abenteuer-Wave wie zur Zeit des Originals (aber anders als dieses) aufblitzen, stellen Sounds und Stimme über die Rhythmik. Ich bin extrem positiv überrascht, ein superbes Werk, ich finde sogar tatsächlich ein paar Stücke besser als im Original!

 

 

 

John Hiatt – The Eclipse Sessions
The Eclipse Sessions

LP oder CD

Für meinen Geschmack seine beste LP seit längerer Zeit. Rund und zugleich sehr angenehm abgespeckt instrumentiert (Saiten/Tasten), nie zu viel, nie zu wenig, edel, ohne jeden Ego-Trip, geschmackvoll im besten Sinne, die Soli (wenn überhaupt) knapp und songdienlich; relative Abwechslung in der Klangfärbung der Stimme. Völlig unspektakulär im Prinzip, die Songs eigentlich ziemlich einfach gehalten, konservativ strukturiert – doch so gut! Songwriter-Roots-Sound alter/zeitloser Machart (ein wenig The Band), so schlichter wie bestechender Folk (old-school, sachte, poetisch und relativ intim), lebhaft und bluesig eingefärbt (schleichend packend), ein Hauch J.J. Cale (nur eine Spur „wacher“), ein bischen an Little Village-Zeiten erinnernd (R´n´B´n´Rock), Americana (1x sogar gar nicht so weit weg von Guy Clark, wunderbar altersgegerbt), mächtig und stoisch rockend (sofort packend)/hochgepitcht mit Besinnungsmomenten, in sich ruhende pure Poesie (offen rootsig), traditionsgeschulter Blues in aller Ruhe (mit feinster akustischer Slide)… Eine klare Empfehlung!

 

 

 

Neneh Cherry – Broken Politics
Broken Politics

LP oder CD

Endlich Neues aus 2018 unter Beteiligung von Four Tet und Massive Attacks 3D im Studio der deutschen Jazzlegende Karl Berger (der mit ihrem Stiefvater-Don Cherry- spielte) aufgenommen. Inhaltlich intelligent-politisch geprägt, stimmlich klasse und auf der Höhe, musikalisch insgesamt ruhiger als erwartet – und ganz schön vielfältig: Viel R´n´B/Modern Soul, doch nie alleine für sich stehend, in wechselnder Form und Kombination, die Grooves/Beats manchmal etwas offensiver, öfter jedoch eher zurückhaltend bzw. effektvoll langsam, Club-Flair, mal ein Hauch Dub-Feeling, mal eine Art Breakbeat, mal intelligent federnd – aber es gibt auch nur sehr sachte rhythmisierte Stücke. Mehrfach erfreuen eine kleine Prise Afrika (und/) oder Jazz, wunderbar schlüssig integriert, genauso wie Pop-Elemente mit Anspruch, einen (behutsamen) Track könnte man annähernd als „Moderne trifft (afrikanische) Archaik“ bezeichnen (mit süßen becircenden Sounds), es tauchen kurz eine Trip Hop-Tendenz auf, Hip Hop-Spuren (samt Raps) oder repetitive Momente, im Grunde sind viele Songs stilistisch einfach nicht festzumachen, die Begriffe unzulänglich, ihre Vorgehensweise wirkt teilweise zeitlos und zeitgenössisch gleichzeitig. Atmosphärisch glänzend gestaltete Tracks wechseln mit bestechend reduzierten und federleichten, beinahe meditative mit lebhafteren oder relaxten, vielerlei Loops und Electronics bzw. Synths werden faszinierend mit „natürlichen“ Instrumenten (z.B. Kora, Harfe, Vibrafon, Marimba, Flöte) kombiniert, Samples inklusive (z.B. von Ornette Coleman!), immer wieder betören wirklich zauberhafte Klänge sowie ( z.T. repetitive) Loops/Figuren geradezu! Samt attraktiver zugehöriger Motive. Ein zumindest für mich unerwartet gelungener und berührender musikalischer Leckerbissen, eine weitere klare Empfehlung!

 

 

 

Julia Holter – Aviary
Aviary

LP oder CD

Kurz gesagt: Ein überwältigendes Wunderwerk. Wer Lust auf neue Musikerfahrungen ohne alles Genre- und Klang-Grenzen hat, auf totalen Freigeist und unerhörten Einfallsreichtum, liegt hier richtig. Das ist oft sehr schwer einzuordnen/beschreibbar, aber ich versuch´s mal: Eine Art offener leiser Folk Jazz (mit Momenten von Värttinä/Bulgarian Voices) in zart, inspiriert, filigran/feinziseliert, leicht schwebend. Sowas wie freihändiger Spiritual Avant-Free Rock (manche würden sagen Free Jazz) in ungeheuer dicht gepackt und intensiv, darüber thront in absolutem Kontrast fast majestätisch die Stimme (klasse!), am Ende orgiastisch. Ethno-Avantgarde in losgelösten rhythmusbefreiten Flächen. Buntest schillernder zeitgenössisch-psychedelischer von allen Konventionen entbundener (Indie) Rock Pop. Eine schwerelose und eine düster-bedrohliche apokalyptische Meditation in outer space (Letztere in „Post Psychedelia“ mündend). Jazz, „Post-Rock“, Avant-Symphonic und Modern Psyche in einem, hypnotisch von leisen zurückhaltenden Anfängen bis zur mehrschichtigen Verdichtung. Neo-Avantgarde-Klassik in fluoreszierende bestechende frei im Raum geisternde bis dezent pulsierende fantasievolle Klangbilder getaucht, später Erinnerungen an Laurie Anderson oder auch avancierte Björk. Wunderbar auch die diversen Balladen, z.B. zunächst sanfte ruhige eher orthodoxe dann immer stärker anschwellende in einem Fall fast kakophonische, woanders dezent schwelgerische kurzzeitig halluzinogene; oder zarter fast nackter sehr individueller „Songwriter-Pop“ mit Anspruch und von fremd/eigenartiger becircender Schönheit, im nächsten Track toller getragener Erhabenheit (mal Piano, mal Orgel im Zentrum). Ungewöhnlich ein ins Balladen-Umfeld eingebetteter hüpfender gutgelaunter 80s-Post Wave-artiger Mittelteil. Insgesamt höre ich ab und zu gewisse Robert Wyatt-Parallelen – ohne so zu klingen, einfach diese Art des Freidenkertums. Unglaublich vielschichtige Musik, die unerhört dicht gewobenen/arrangierten ideen- und klangfarbenreichen Soundlandschaften/Kaleidoskope (Orgel, Keyboards, Synths, Piano, Gitarre, Bläser, viele Streicher, Harfe, Dudelsack und mehr) faszinieren aufs Höchste, immer wieder, und immer wieder ganz anders. Auch der Gesang ist klasse, der „normale“ vielseitige wie die herrlichen klangmalerischen Aspekte. Dieses Jahr habe ich wohl noch kein so facettenreiches Werk gehört, um all das zu erfassen werde ich beinige Zeit brauchen. Atemberaubend, meint das Info zu Recht, ihr Opus Magnum in mehrfacher Beziehung (15 meist etwas längere Stücke in 90 Min.). Ich finde sie von Mal zu Mal besser.

 

 

 

Pixies – Come On Pilgrim/Surfer Rosa (30th Anniversary Edition)
Come on Pilgrim-It'S Surfer Rosa

3LP oder 3CD

2018er Reissue, CD im Hardbook, Vinyl in gold. Okay, über das 8-Track-EP-Debut und ihre eigentliche 1. LP (1987/88), die beiden Klassiker mit jeder Menge Schärfe und erheblichem Einfluß, teils noch punky, noisig, muß man keine großen Worte mehr verlieren. Inkl. dem himmlischen Where Is My Mind und klasse Songs wie Caribou, Nimrod´s Son, Levitate Me, Bone Machine, Gigantic. Aber es gibt ja noch die 3. LP/CD: Live From The Fallout Shelter, ein bislang offiziell nicht erhältliches Radiokonzert dessen  Sound hier okay ist von 1986 (also noch vorm Debut), bei dem die Trademarks der ersten Zeit schon da sind (insgesamt nur etwas schroffer). 15 Songs in angemessener Kürze (gerade 2, knapp, über der 3 Min.-Marke; plus auf CD ein Interview), fast alles von Pilgrim, 2 Tracks schon von Surfer Rosa, dazu die erst Jahre später rausgekommenen Subbacultcha (roh!) und Down To The Well (hier viel schneller) sowie die von „Demos“ bzw. 7“-B-Sides bekannten Build High (unter 50s-Einfluß), Rock A My Soul (feine Gitarren-Licks) und das nie offiziell erschienene Boom Chicka Boom – alles richtig gut! Als Letztes das Cover In Heaven (u.a. von David Lynch, Tuxedomoon bekannt), eigentlich ja eine Ballade, in einer sehr aggressiven Version.

 

 

 

Barbara Morgenstern – Unschuld und Verwüstung
Unschuld und Verwüstung

LP oder CD

Neues aus 2018,variabel und doch stimmig, Elektronik wie natürliche Klänge, gern beides parallel. Nicht nur das ergibt diverse reizvolle/interessante Kontraste. Z.B. auch, wie behutsam rhythmisierter „Electronica-Songwriter-Indie-Balladen-Pop“ (oder so) auf deutlich langsameren Gesang (der mich durchweg sehr anspricht) trifft; oder (in ähnlicher Stil-Kombination) die ganz unterschiedliche Melodik von Gesang und Synthie, woanders vom eher modernen Synth-Pop und den tendenziell zeitlosen Melodien traditioneller Lieder. Bei einer tropfenden bis dräuenden dunklen Ballade (überhaupt ist der balladeske Anteil sehr hoch!) dachte ich anfangs an Nico, bevor sie deutlich zeitgenössisch noisig-flächig (und faszinierend!) verdichtet wird. Ab und an fühlte ich mich an Robert Wyatt erinnert (mit dem sie ja arbeitete und der Fan von ihr ist), ob in der Art einer „gebrochenen Feierlichkeit“ oder im experimentelleren Modus. Zwischendurch wird´s etwas Chanson-haft, in reduzierter avancierter/unkonventioneller spannender Form, oder sie zelebriert so etwas wie Diskurs-Pop (balladesk doch rhythmisch attraktiv/beweglich, ein wenig in Fragmenten, mächtig kontrastreich, inkl. dramatischer Aufschwünge), gemahnt gar in einem düsteren Instrumental entfernt an die Berlin-Phase Bowies, wirkt „altmodisch“ und leicht folkig in einem schönen Piano-Song (dunkel und getragen unterlegt, schließlich in einen gut konsumierbaren Avant-Modus mutierend samt klasse integrierter Bläser). Sogar purer simpler Electro Pop und ein Hauch songhafter (Symphonic-) Prog ist dabei. Das alles basiert im Wechsel oder gemeinsam v.a. auf Synth, viel Harmonium und Piano, Orgel, Keyboards, hier und da Electronics oder Bläsern. Und sie singt trotz einiger englischer Songtitel wie gewohnt deutsch.

 

 

 

Brant Bjork – Mankind Woman
Mankind Woman

LP oder CD

Der ex Kyuss + Fu ManchuMusiker mit neuem Material. Mal in der Tradition Blues-beeinflußter Rock-Bands, wie Cream, oder ein paar Hendrix-Spuren – in kompakter, konzentrierter, songorientierter Form. Was auch auf heavy Stoner Rock zutrifft, zugleich wie früher und etwas aktueller. Anderswo knochentrockener nicht sonderlich harter bzw. federnd fließender „Desert Rock“ mit einer kleinen Prise Acid Psychedelia in den Gitarrenfeatures. Oder funky groovend, dunkel repetitiv mit zeitgemäßen Noten (und nochmal Hendrix-Anleihen, diesmal der rockigen non-tradierten Art); typischer Früh-70er Proto-Hard Rock; handfester zeitloser gemäßigt schwerer Psychedelic Rock; und schließlich ein bunter Zitate-Mix aus Hendrix, Cream, Led Zep, gar John McLaughlin (Devotion!), Classic meets Modern Psychedelia, inkl. komplexerer Momente. 1,2 Mal taucht kurz 60s-Pop-Einfluß auf. Die 5-Minuten-Marke überschreitet kein Song, selbst die 4 nicht oft!

 

 

 

Sophie Hunger – Molecules
Molecules

LP oder CD

Neues 2018ner Album...Oh, das ist doch schon ein ziemlicher Unterschied zu früher – wegen des massiven Elektronik-Einsatzes, außerdem singt sie jetzt komplett in Englisch. Okay, manchmal gesellt sich eine Akustikgitarre hinzu (und es paßt zusammen). Ihre Stimme jedoch hat nichts von ihrer phasenweise bestechend verführerischen Qualität eingebüßt! Und zu meiner eigenen Überraschung mag ich das Ergebnis trotzdem. Man könnte es z.B. elektronischen Songwriter-Pop mit Anspruch (und partiell Widerhaken, auch rhythmischen) nennen, oder einfach modernen Indie (Groove) Pop inkl. z.T. zeitgenössischen Beats, es gibt Einflüsse aus 80er Jahre-Synth Pop (teils wiederum samt Groove-Aspekt, oder deutlich aktualisiert), melodiebetonten Electro Pop mit Sequencer, oder eine Art betörenden elektro-akustischen Folk Pop (mehrfach). Egal, ob die Songs relaxt tuckern, eine gewisse Süße ausstrahlen, (ganz gern) dunkel bis düster (und sporadisch mysteriös) klingen, geradezu zart-minimalistisch ausfallen oder sanft und entspannt, fast allen gemeinsam ist sehr viel Atmosphäre und meist ein angenehm melancholischer Faktor.

 

 

 

Phillip Boa & The Voodoo Club – Earthly Powers
Earthly Powers (Deluxe Edition mit Bonusalbum) 2018 | Doppel-CD

LP oder CD

Ich muß gestehen, ich hab seine Karriere schon länger nicht mehr verfolgt. Er klingt hier zeitgenössisch, zeitlos und nach den 90ern zugleich, jede Menge „Indie Rock“-Input unterschiedlicher Art und Zeit. Strukturell/kompositorisch eigentlich konservativ. Mal etwas (Post) Punk-Ästhetik, mal eher Alt. Rock, mal sowas wie Modern-Rock oder -Power Pop, sehr schön ein funky 80s-Groove-Wave-Track in aktualisiert, und speziell in einigen Balladen eher Pop als Rock (in z.T. dunkler Atmosphäre). Fein auch eine Art Mix aus 90er Brit Pop und College Rock, einer von 2 ziemlich hymnischen Stücken – überhaupt wird sehr viel Wert auf substanzhaltige Melodien gelegt. Diverse stark beschleunigte Songs, kontrastiert von einigen tendenziell elegischen, ab und zu wird eine akustische Gitarre eingeflochten (gerade nicht in den Balladen). Rhythmisch oft variabel und interessant gestaltet, mit (im Gegensatz zur Musik) Rückgriffen auf alte Zeiten (60s z.B.).

 

 

 

The Coral – Move Through The Dawn
Move Through the Dawn

LP oder CD

Zurück zum prägnanten kompakten Pop (mit mal weniger, mal etwas mehr oder praktisch fehlendem Rock-Anteil), zurück zur melodieverliebten alten Schule mit manch catchy Song. Gleich die ersten 3 Stücke (viel Drive oder locker-flockig) besitzen große Klasse, beschwören noch mehr als die anderen die späten 60er/frühen 70er – retro pur! Okay, es gibt auch Tendenzen zu einer Art buntem zeitlosem freundlichem Indie Pop mit Retro-Momenten sowie relaxten Folk Pop, der auch aus dem letzten Jahrzehnt stammen könnte (1x zudem klassischen Songwriter-Folk, akustisch-abgespeckt), aber meist sind die Referenzen/Assoziationen Bands wie Badfinger, Traveling Wilburys, entfernter The Move oder Bee Gees in gut, und mehrfach ELO (quasi in die 60s versetzt und großvolumig oder etwas rockiger ohne Bombast). Zwischendurch kommt kurz ein dezenter Psyche-Einfluß zum Tragen.

 

 

 

Wolvespirit – Fire And Ice
Fire and Ice

LP oder CD

Die gewohnte eindrucksvolle rauhe weibliche Power-Stimme, die gewohnte markante Orgel (samt ein paar konzentrierter Solo-Features), der gewohnte in den 70ern (v.a. den frühen) wurzelnde Sound (der manchmal einfach ganz zeitlos wirkt). Harter kompakter dabei für das Genre ausgesprochen melodischer Rock (nicht weit unter der Grenze zum Hard Rock, teils auch darüber); Classic Rock, treibend und schnörkellos – mit sporadischen Prog-Spuren; die 1x auch etwas deutlicher ausfallen, in einem Kontext, der etwas an gemäßigt harte Deep Purple gemahnt; eine bodenständige schlanke Power-Ballade (kurz ein Hauch Klassik-Rock); regelrecht stürmischer trocken knallender Rock; und ein paar leicht hymnische Stücke: Bluesig-melodisch, differenziert samt Pop-Einfluß (und nicht unbedingt 70s-like) oder dezent an Scorpions erinnernd (plus Orgel halt, hier besonders prominent). Gelegentlich dachte ich auch an Bloodrock oder Uriah Heep. Die LP-Fassungen sind alle auf 500 limitiert, die DLP kommt als Crystal Clear-180g-Fassung auf 45 rpm inkl. Kunstdruck und 2 Gutscheinen für ein Konzert von ihnen im Herbst/Winter 2018! Die ltd. CD kommt im Digipak und ist auf 1000 begrenzt.

 

 

 

Kamasi Washington - Heaven and Earth
Heaven and Earth

4LP oder 2CD

(mit jeweils einer SECRET LP bzw. CD!)
Uff. Nach dem (selbst verkaufstechnisch) überall Furore machenden 3er-Set The Epic nun quasi die Fortsetzung, wieder so ein Monster (diesmal zweieinhalb Stunden, die meisten der 16 Stücke 8-10 Min.) mit Chor und Streicherphalanx (punktuell doch immer wieder eingesetzt, unglaublich wirkungsvoll), diversen Bläsern, extrem viel Melodie! Im Vergleich: Im Prinzip treibt er das Konzept auf die Spitze (mit im Einzelnen teilweise auch anderen musikalischen Mitteln bzw. anderer Schwerpunktsetzung), doch es wirkt insgesamt homogener trotz der enormen Vielfalt, etwas weniger Kontraste, noch vollmundiger, (noch) weniger „reine Lehre“. Es gibt mehr Fusion-Einfluß der 70er als bislang (was mich komischerweise hier gar nicht stört, wohl auch wegen dem anders gelagerten Gesamt-Kontext), zumindest in den non-orchestralen Phasen, Anklänge von Herbie Hancock bis (sehr begrenzt) Miles Davis. Jede Menge GROOVE, gern in Richtung (Afro-) Latin-Jazz (wiederum 70er), teils komplexerer/etwas vertrackterer (jedoch wunderbar flüssiger)/polyrhythmischer Art, teils funky, Soul-Jazz- wie sowas wie „Groove-Pop-Jazz“-Tendenzen. Aber natürlich auch gewohnte Hard Bop/Post Bop-Anleihen (z.B. in herrlich leichtfüßiger Form oder mit viel Drive), modales Spiel, gar ein Freddie Hubbard-Cover, mehrfach deutliche Coltrane-Parallelen (bis hin zum Pianospiel). In den Extremen zudem: Ein Soundtrack-artig bombastisch-umhüllendes Stück mit Pop-Touch alter Schule samt wogendem Klangfarben-Meer (erinnert mich leicht an gewisse Alice Coltrane-Sachen; kitschig? Ja klar, so what), ein sattes Free Jazz-Intro. Nur selten tauchen feinsinnige/feinziselierte/ziemlich poetische Momente auf, jedoch nicht in langsamen Tempi – die sind fast durchweg hoch bis wenigstens mittel! Soul-Inspiration kommt ab und zu vor, v.a. im Solo- (oder m/w-Duo-) Gesang (in 4 Stücken, z.B. der tolle Dwight Trible, u.a. bei Horace Tapscott beschäftigt). Die Chöre übrigens funktionieren (mit einer Ausnahme) wortlos. Und dann ist da noch dieser unnachahmliche allumfassende immens emotional aufgeladene orchestrale Überwältigungs-Jazz (inkl. Bop- und Groove-Anteil) von Stücken wie One Of One – fantastisch! Die beständig eingestreuten Soli von Kamasis Sax leben nicht gerade von viel Variation, aber dafür von seiner ungeheuer hohen Emotionalität, emphatisch, inbrünstig, beeinflußt u.a. von Pharoah Sanders (jedoch weniger frei/extrem) – ich finde sie klasse (auch Synthie, Trompete, Posaune, Piano, sporadisch Drums, Bass, Orgel bekommen Solo-Freiräume). Geschmeidige, flüssige, kathartische, hymnische, gefühlsbetonte, cinematische, romantische, dramatische, erhabene, bisweilen spirituell angehauchte Musik von höchstem Kaliber, auf CD 1 einfach großartig und wie aus einem Guß/super aufgebaut, total packend/sogartig, CD 2 wirkt auf mich etwas „zerrissener“ inkl. 2,3 nicht ganz so überzeugender Stücke, hat aber ebenfalls richtige Highlights.

 

 

 

Buddy Guy - the Blues is alive and well
The Blues Is Alive And Well

2LP oder CD

2018er des letzten (?) Überlebenden der großen alten Blues-Meister. Großteils neue Originale. Gäste wie Mick Jagger (feine Harmonica!), Keith Richards, Jeff Beck, James Bay, dennoch: Keine Kompromisse, (meist) purer Blues. Und zwar exzellenter! Schon durch seine generell erstklassige bis geradezu brillante Gitarre (punktuell und gern von enormer Schärfe) und verblüffend kraftvolle Vocals (das Alter hört man absolut nicht!) – was oft auch auf die Musik als solche zutrifft. Fleischig und vollsaftig, ziemlich häufig 50s/Chicago-nah und schleppend (bis extrem langsam), im zeitlosen unbeirrbaren deepen warmen satt orchestrierten Fluß (ein paar Mal teils bestens interpunktierende Bläser), mal auch ein (vokalbetonter) Slow Blues bzw. „Blues auf Samtpfoten“ in slow motion (und von hoher Ausdrucksstärke, superb!), zwischendurch etwas „modernerer“ R´n´B (funky klasse Groove) oder ein ansteckender treibender Boogie. Das Ganze schön Orgel- und/oder Piano-unterlegt (z.T. weit im Hintergrund). Absolut zu empfehlen, und die Gitarrenpower ist wirklich eine Wucht…

 

 

 

Charles Lloyd & The Marvels + Lucinda Williams - Vanished Gardens
Vanished Gardens

2LP oder CD

Neu auf Blue Note, u.a. von Don Was produziert. Na, das nenne ich eine überraschende Besetzung. Neben der hochkarätigen Rhythmusgruppe (E.Harland und Reuben Rogers) begleiten Greg Leisz (meist Pedal Steel) und Gitarren-As Bill Frisell (beide ja schon oft für Williams tätig) den bereits vor mehr als 50 Jahren überaus populären Jazz-Saxofonisten. Lucinda singt auf 5 (4 davon Eigenkompositionen) der 10 durchweg etwas längeren und variablen Stücke, alle Highlights dieses Werkes, die es zu einem besonderen machen: Vor allem 2 (im Prinzip!) Americana-Balladen, sehr deep und berührend, brillanter emotionaler Gesang, poetisches Sax, ob in absolut faszinierender Atmosphäre oder phasenweise doch ein wenig jazziger (v.a. durch das dort sehr aktive partiell dezent ausbrechende Sax). Sowie ein umfassend rootsiger Track inkl. deutlicher Blues-Verweise (aparter Groove, leicht funky, überwiegend Jam-Feeling, superbe Kommunikation der Musiker in meist zurückhaltender konzentrierter Form samt klangmalerischen Vocals von Lloyd, ebensolcher feinster Pedal Steel) und ein relativ Jazz-dominierter von weiteren Roots-Elementen (z.B. Blues) verstärkter zwischen entspannt und agil, ja quirlig (die Rhythmik; das tolle Sax!). Schließlich die Hendrix-Ballade Angel (nur von Guitar/Sax begleitet, wunderschön). Von gleicher überragender Qualität ist das instrumentale Titelstück, wagemutiger/experimenteller, großartiges verzwickt-dicht gewobenes Zusammenspiel, streift sowohl punktuell komplex-groovige Gefilde zwischen Rock und Jazz wie freiere Momente und hoch diffizile/filigrane – Jazz in innovativ, eigen und toll. Gut auch der Rest: Schönheit des Klanges in instrumentaler Melodiösität in Americana-Nähe (wenig Jazz), weich, warm, abgeklärt, fast in sich versunken. Eine leise zarte Jazz-Ballade mit Country-Untertönen, sehr leichtfüßig – wie auch ein Blues-Jazz-Hybrid mit Flöte/Gitarre im Zentrum. Und 1 ausdrucksstarkes Monk-Cover als Sax/Guitar-Duo. Eine lange ganz exquisite CD!

 

 

 

Milk Cartoon Kids -  All the things I did and all the things I didn't do
All the Things That I Did and All the Things That I Didn't Do

2LP oder CD

Neu,von Joe Henry produziert (was ja immer für hohe Qualität sorgt). Einiges klingt wie gewohnt, aber das Duo hat diesmal eine Band dabei – mit (neben der zurückhaltenden Rhythm Group) Pedal Steel (oder feinst klangmalerischer, manchmal auch „normaler“ dezenter E-Gitarre), ab und zu gestreichelter Orgel, Geige, Piano. Der Balladen-Anteil ist hoch, und ihre wunderschönen 2-stimmigen/Harmony Vocals begeistern mich stets aufs Neue! Bezaubernd! Viele Songs besitzen Tiefe, sie bewegen sich zwischen ganz sachtem feingeistigem/zart malendem Folk (partiell auch ebensolche Americana-Tendenzen), geben mehrfach eine Prise old-fashioned Pop dazu (oder 70s-Edel-Songwriter-Pop), ziehen mal das Tempo an (gemäßigt, relativ ruhig bleibt´s trotzdem, samt einer Simon & Garfunkel-Prise), gelegentlich tauchen Country-Einflüsse auf, ab und zu wird´s geradezu extrem intim/introspektiv (z.B. mit dezentem Nick Drake-Verweis, nochmal einem Hauch Simon & Garfunkel). Das Material ist durchweg exzellent, aber die himmlische „zeitlos-alte“ Slow-Motion-Ballade Blindness (irgendwann unterschwelliges Drama), ein fantastischer 10-Minüter in wunderbarer loser Jam-Atmosphäre mit langem großartigen mit ungeheuer viel Seele gespieltem noch dazu harmonisch reizvollem Feature der Akustikgitarren (eh omnipräsent, bestechen die immer wieder, fein gesponnen, grazil, filigran, äußerst delikat! Hier zum Schluß auch etwas extrovertierter) – die Musik ist anders, aber das Flair erinnert mich ein bischen an Pentangle -, sowie das etwas lebhaftere Big Time (Songwriter-Country/Americana trifft Mitt-70er Dylan?) ragen noch einmal heraus. Eine dicke Empfehlung!

 

 

 

Björk – Utopia
Utopia [Explicit]

2LP oder CD

2017er, mit leichter Verspätung besprochen – weil mein Interesse mäßig war, ich habe seit langer Zeit nichts mehr von ihr meiner Sammlung einverleibt. Aber das hier ist für mich nun nach „Vespertine“ ihr bestes (und zugleich längstes) Album überhaupt, zusammen mit „Homogenic“. Wichtigster Partner: Arca, Produzent, zuständig für Beats, Electronics. Die Instrumentierung ist gar herrlich bunt, elektronisch wie (erstaunlich oft!) akustisch, mehr hell als dunkel, vielfältig und/oder mehrschichtig, ganz einfach und sparsam wie komplex, mehr zart/fragil als vollmundig, doch manchmal auch ungemein dicht arrangiert. Ziemlich gern verblüffend friedlich, fast hippie-esk zeitweise. Hauptbestandteile: Flöten (natürlich und verfremdet, mal weniger mal sehr auffällig bis gar dominant, fast immer dabei, teils mehrere)! Einzelne bzw. mehrere Celli (Strings), farbenreiche Synths/Electronics, ein paar Harfen, Field Recordings (sehr schön, Vögel, auch Grillen, Wale). Mit und ohne Beats (wenn, dann meist ungewöhnlich/wagemutig, stolpernd, „fractured“, knisternd; ideenreich und lebendig), z.T. unabhängig vom inneren Rhythmus der Stücke – reizvoll, auch weil es dann doch irgendwie „paßt“. Die Leichtigkeit des Klanges. Ja, das ist Kunst. Eine wunderbar emotionale, zugleich experimentelle. Avantgarde UND (Future) Pop samt harmonischer Schönheit, Technik UND Natur, einiger Folkeinfluß, sporadisch sogar sowas wie liturgische/sakrale Klassik-Elemente. Und ganz exzellenter, ausdrucksstarker Gesang! Teils eher schmucklos (umso schöner), meist (zumindest punktuell) mehrstimmig (zusammenhängend wie unabhängig), ab und zu Chöre/Choräle. Herrlich produzierter und klingender Freigeist, freilich kein Fest der Melodien (die werden häufig wiederholt/wiederkehrende Motive, keine „konventionellen“ Songs). Große Empfehlung!

 

 

 

Park Jiha – Communion
Communion

LP oder CD

2018er, aus Korea. Was für tolle und innovative Musik! Ich liebe Entdeckungen komplett neu- und/oder andersartiger Klänge, vor allem, wenn sie so faszinierend daherkommen wie das hier. Jiha spielt Piri (eine Oboe-ähnliche Flöte) und Yanggeum (hammered Dulcimer, von der Santur abstammend), ihre Begleiter Vibraphon, Bassklarinette resp. Tenorsax und (farbige) Percussion (je bei ungefähr der Hälfte dabei). Koreanische Folk-Traditionen spielen eine größere Rolle, ok, aber nur als Ausgangsbasis (v.a. melodisch/soundmäßig), manchmal nicht mal das. Sie machen etwas völlig Originäres daraus („vergessen“ auch schon mal Korea), ungewohnt/seltsam, doch (zumindest des Öfteren) irgendwie harmonisch, ergänzen, kombinieren verschiedene weitere (manchmal auch dominierende) Stilmittel. Im Einzelnen: Klare, durchdringende, dennoch ruhige bis meditative Klänge, entfernt Ambient-verwandt, aber beweglich, Korea mächtig modifiziert – wie nichts anderes! 2x Korea meets Minimal Music und doch absolut unterschiedlich: Massive Kontraste zwischen zarten/poetischen Parts sowie stark anschwellendem dezent perkussivem hypnotischem Zug (das meint das Label wohl mit, Zitat, „dynamics of Post Rock“); oder leise Phasen treffen gemäßigt/in Wellenbewegungen anschwellende rhythmisierte, mit abermals hypnotischer (Sog-) Wirkung – total neuartig, experimentell, doch auf Anhieb packend (dabei organisch anmutend, keine Dissonanzen). Dann ein ganz ruhiges getragenes meditatives beinahe sakrales Wunderwerk von unglaublicher Schönheit (nur hier spielt sie eine Bambus-Mundorgel mit 17 Pfeifen, im Duo mit Vibrafon) – ein Traum! Korea Fehlanzeige. Die (z.T. noch bessere!) B-Seite dagegen verarbeitet auf bestechende Weise durchweg (teils starke!) Jazzeinflüsse, von wunderbar melodisch-lyrisch bis höchst intensiv (geradezu Free Jazz-artig kurzzeitig) und/oder höchst originell, koppelt sie mehrfach mit Minimal Music- bzw. einer Art Gamelan-Elementen, natürlich (nicht immer) etwas Korea-Folk-Tradition, verwendet einige stoische Rhythmen, generell immer wieder Kontraste differierender Art (Rhythmus, Poesie und Melodie, immens extrovertierte bis gar aggressive Phasen resp. extrem emotionale und leise, sanfte, für Momente tauchen gar Drone-Sounds oder Laurie Anderson-Flair auf). Das pure ungeheuer spannende ungeheuer wirkungsvolle und großartige Abenteuer! Dicke Empfehlung!

 

 

 

Fu Manchu - Clone Of The Universe
Clone of the Universe

LP oder CD

Neues Werk der Kalifornier, im bekannten Fahrwasser überwiegend. (Hard) Stoner Rock, teils rhythmisch intelligent, variabel und dynamisch, hart, kompakt und schnell, oder sehr rough und kantig samt rasender Einlage. Anderswo mächtig heavy, schleppend, dunkel, Sabbath-Spuren, in einem Fall mehr Kontraste und Breaks (auch leisere Passagen). Und ein Hochgeschwindigkeits-Track, straighter, etwas 70s-Flair. Zum (langen, 18-minütigen, phasenweise Jam-artigen) Schluß mit Gast Alex Lifeson (Rush-Gitarrist) jedoch verändern sie das Strickmuster: Epischer/monumentaler riffstarker abwechslungsreicher Stoner inklusive komplexeren Parts, Tempowechseln, auch Kyuss-Anleihen, zwischendurch ungewohnt klirrende Gitarren oder hochgepitchte, Soundeffekte, Space-Spuren, für Momente gar Hendrix- oder Prog-Feeling. Fuzz rules!

 

 

 

Sly & Robbie Meets Nils Petter Molvaer Feat. Eivind Aarset And Vladislav Delay – Nordub
Nordub

2LP oder CD

Das legendäre Reggae-Gespann und der kultige Trompeter – eine außergewöhnliche Kombination. Mit ebensolchem Ergebnis! Zumal Gitarre und Electronics/Keyboards ziemlich kongenial zum (gern relativ klangmalenden und/oder verwehten, melancholischen) Sound beitragen. Dub-artige wunderbar rollende, völlig zeitlose, sowie (Dub-) Reggae-Grooves auf der einen Seite, ruhige/relaxte bis meditative Stimmungen auf der anderen, eiskalte wie warme Klangflächen, mal unterschwellige Spannung (irgendwie Holger Czukay bzw. von ihm dominierten Can nicht unähnlich), mal eine Art Electronic-Ambient-Dub, woraus „Future-Groove-Kraut“ entsteht, mal Dub in outer (electronic) space. Und einige Stücke verarbeiten (eher dezent) Jazzeinflüsse (durch die Trompete, bis hin zu einer Spur Miles Davis), in Verbindung mit handfesteren Grooves/Klängen (z.T. gleichwohl ohne auf elegisches Flair zu verzichten), mit und ohne Dubeinfluß – z.B. als recht knackige teils noisig-aggressive Reggae-Funk-Jazz-Space-Mixtur, oder stoisch mit vielen dunkel-bunten Tupfern, gar unerbittlich treibend, fast gehetzt. Selbst Vocals werden 2x (sehr effektiv! Partiell verdubt) eingesetzt. Phasenweise absolut faszinierende Musik, auch und gerade, immer wieder, atmosphärisch wundervoll.

 

 

 

Ben Harper & Charlie Musselwhite – No Mercy In This Land
No Mercy In This Land (Deluxe Edition)

LP oder CD

2. gemeinsames Werk (das 1., 2013, bekam den Grammy). Einfache Musik ohne Schnörkel, echt und von Herzen, wenn auch unterschiedlich (entsprechend der stilistischen Ausrichtung) aber stets mit viel Gespür absolut klasse produziert, jeweils, hmm, „ganzheitlich“, alles, Bass/Drums, Harmonica und Gitarren (manchmal Piano, einfach kongeniale Backing Vocals) bilden eine untrennbare perfekte Einheit, die Vocals „passen“ wunderbar. Meist im 50s-Blues, teils noch früher wurzelnd (ohne unbedingt nach der Zeit zu klingen), rhythmisch ausgezeichnet/sehr variabel gestaltet, Drums ab und zu nur rudimentär (umso wirkungsvoller; 1x ganz ohne). Top gespielt, aber (ebenfalls passend) ökonomisch, keinerlei Pyrotechnics. Schwer, schleppend und deep mit viel, fast spiritueller Atmosphäre, stoisch treibend, tough und trocken, kraftvoll und ganz wunderbar groovend/fast swingend, packend abziehender R´n´B, 3x alter akust. Folk/Trad Blues (sparsam, gefühlvoll bzw. zurückhaltend, 1x Gospel-Elemente), 2 extrem einfühlsame reduzierte Balladen, rootsig-offener oder „soulig-ursprünglicher“ Art. Ganz feiner Stoff! LP 180g.

 

 

 

Poems For Laila – Dark Timber
Dark Timber

nur CD

Irgendwas hat mich in ihrer Musik schon immer berührt. Auch nach der Reunion im Duo (der alte Chef Tomas + Joanna Gemma Auguri). Hier agieren sie fast durchweg balladesk, gesanglich beide beeindruckend (im Wechsel oder Duett, inkl. Harmony-Stimmen punktuell, manchmal betörend: Sie), eh nie vollmundig, manchmal auch ganz sparsam instrumentiert: V.a. E-Gitarre (teils akustische zusätzlich) und Akkordeon (welches ab und zu etwas dronig wirkt, fast wie ein Harmonium), z.T. Orgel/Synthie und rudimentäre Drums, 1x gar Vibrafon. Folk/Folk Pop steht im Vordergrund, ergänzt von einer Art 70s-Songwriter-(Edel-)Pop, sporadisch eine Spur Blues, ein paar Mal „Walzer-Folk“ (oder Chanson-haft). Kurze Passagen (bis ganze Songs) erinnern mich an Cowboy Junkies, Bowie, teilakustische Walkabouts, „Summertime“, frühe Nico, irgendwie auch an Nick Cave-Balladen. Allgegenwärtige Melancholie, mehr oder weniger dunkel, einfach und schmucklos, bestechend traurig, einsame Herzen, etwas Drama, düster und spooky… Und häufig atmosphärisch stark!

 

 

 

Jimi Hendrix – Both Sides Of The Sky
Both Sides of the Sky [Vinyl LP]

LP oder CD

Neue! Veröffentlichung aus 2018, laut Eddie Kramer (der hier mixte/co-produzierte) das vermutlich letzte Album mit unveröffentlichten Studioaufnahmen – 10 sind´s hier, bei 13 Tracks (die anderen 3 gab´s nur auf längst gestrichenen CDs, einer Single, der Lifelines-Box, der Scorsese Presents The Blues). Inklusiv nie oder seltenst gehörter Songs: $20 Fine und Woodstock (von Joni Mitchell, damals brandneu), beide aber von Stephen Stills gesungen und mit dessen Orgel (jeweils lebendiger Rock); Jungle (ein eher ruhiger Instrumental-Jam, später funky); Things I Used To Do mit Johnny Winters feinster Slide (purer Blues, der Lifelines-Track); Send My Love To Linda (fast zärtliche Ballade wird rockig), Georgia Blues (auch purer Blues, ein Highlight, gerade der Gesang vom alten Kollegen Lonnie Youngblood). Die weiteren Höhepunkte sind unbekannte Fassungen von Hear My Train A Comin´ (langes brennendes scharfes Top-Solo in schwerem Blues), Mannish Boy (viel Feuer, rhythmisch toll), Cherokee Mist (7 Min.-Jam mit Gitarre/E-Sitar-Gespräch, viel klasse heulendes Feedback, dumpfe Trommeln, filigrane/leise Parts). Power Of Soul ist ebenfalls stark (ein Wah-Wah-Fest). Plus ungehörte Versionen von Lover Man (schnell!), Stepping Stone (rasend schnell!), Sweet Angel (Instrumental). Alles 1968-1970, vorwiegend mit Billy Cox/Buddy Miles, Sound okay, offiziell. Gut, 2,3 Stücke hätte es nicht gebraucht, insgesamt aber sehr willkommen!

 

 

 

Femi Kuti – One People One World
One People One World

nur CD

Fela Kutis Sohn überrascht mich immer wieder. Schon die gleichmäßig hohe Qualität! Hier ist der Titel z.T. auch als musikalisches Programm zu verstehen. Okay, Afro Beat (und zwar besonders fetter, schon durch die vielköpfige satt tönende motivstarke Bläserphalanx) macht klar den größten Teil aus/steht oft im Zentrum. Wird manchmal aber auch ergänzt oder gar fast ersetzt durch noch älteren Highlife – oder (z.B. rhythmisch) kombiniert mit Elementen aus Salsa, Afro-Kuba, R´n´B und etwas Soul (auch wenn der Sound ein anderer ist), ein wenig Reggae und Pop, sporadisch Calypso-Spuren, Afro Funk. Wie schon zuletzt verzichtet er weitgehend auf Modernismen, setzt auf melodische Stärke (manchmal schon fast catchy!), die Songs überwiegend relativ straff/kompakt gestaltet. Zudem gesanglich immer besser (samt Backing- und Call-Response-Vocals/Chören). Das alles kommt total ansteckend, verbreitet trotz diverser kritischer sozio-politischer Texte positives Feeling. Und groovet wie Hölle, funky, rasant, rollend, fett, beweglich, quirlig polyrhythmisch wirbelnd… Eine wunderbare einfach unwiderstehliche Rhythmusmaschine, melodisch fein grundiert. Dicker Tip!

 

 

 

John Mayall – Three For The Road
Three for the Road (A 2017 Live Recording)

nur CD

Neues Album aus 2018. Er macht ja immer noch regelmäßig Studio-Alben, hier aber 1 Stunde 2017 live (in Dresden und Stuttgart). Seine gereifte Stimme wirkt nach wie vor erstaunlich souverän, gleiches gilt fürs Piano (manchmal Hammond Orgel, 1x gar Vibrafon, oder?) – unspektakulär aber gut (auch in den Soli), und musikdienlich. Im Trio in sehr kompetenter Begleitung (Greg Rzab z.B. war lange Mitstreiter von Buddy Guy, und Mitglied bei den Black Crowes) – was sich u.a. in vielen satten Grooves (nach alter Art) äußert! Der Sound speist sich oft aus den 50ern (inkl. Chicago Blues; klingt jedoch z.T. auch eher wie 60s/70s), zwischen klassischem Blues und (teils solide rockendem teils elastischem) R´n´B, mal eine kleine oder (im berühmten und ausgedehnten tanzenden Congo Square, Trademark-Song von Sonny Landreth) größere Prise New Orleans. Mit Zug wie schleppend, 1x etwas dunkel und ungemein atmosphärisch, sehr apart! 2 eigene Tracks, Covers von u.a. Eddie Taylor, Lightnin Hopkins, Henry Townsend.

 

 

 

Dan Auerbach – Waiting On A Song
Waiting on a Song

LP oder CD

Nein, mit seinen Black Keys hat das hier gar nichts zu tun. Er überrascht

mächtig, greift tief auf die frühen 70er-Pop zurück. Dennoch wirkt das alles

so selbstverständlich, unbeschwert, oft fröhlich, ist dermaßen unverschämt

melodieselig, daß jede Menge Spaß eigentlich zwangsläufig ist (wenn man

seine Erwartungshaltung abschaltet). Dabei erinnert mich vieles an die „One

Hit Wonders“ der Jahre ´69-´71, garniert mit z.B. Spuren von oder deutlicheren

Anleihen bei Country Rock, Chris Spedding, George Harrison, Sweet, Rod

Stewart, Morricone, oder auch: T. Rex meets 70s-Songwriter Pop in catchy,

Pop der Zeit vermählt sich mit Soul, 2/3 Archies mit 1/3 Byrds, Travelling

Wilburys erfinden sich neu, Motown trifft End-60er-Edel-Pop mit einem

Spritzer Psyche… Es gibt Glam-Einfluß, ansteckende Grooves, mal ein

bischen Melancholie oder easy-going Folk, und Gäste wie Duane Eddy,

Mark Knopfler, Jerry Douglas veredeln zusätzlich (neben vielen Nashville-Cracks, John Prine kompositorisch).


 

 

 

Lydia Lunch & Cypress Grove
Under the Covers

LP oder CD

Zum 3. Mal trifft in 2017 die No Wave/Post Punk/was-auch-immer-

Institution Lydia Lunch den von u.a. Nick Cave, Mark Lanegan, Jeffrey

Lee Pierce (s. auch das Pierce Session Project) bekannten Gitarristen.

Fast nur Covers (u.a. von Tom Petty, David Lowerys Cracker, Allman

Brothers, Elvis Costello, Steely Dans Do It Again, Bon Jovi, Doors, der

Klassiker Ode To Billy Joe), die aber grundsätzlich völlig/radikal verändert.

Viel Blues-Einfluß, in der unheilvoll-düsteren beinahe schwebenden

Desert-Fassung, als Led Zep goes spooky Underground, enorm zerrend,

relativ schlicht /reduziert bis wild kakophonisch, Horror-Gothic-Blues in

klasse Atmosphäre… Oder eine Art „Voodoo-Roots-Underground“ in

hoher Dringlichkeit und Intensität mit z.T. gewisser Heaviness (super!),

2 Southern Gothic-Roots-Balladen, auch mal fast harmonisch teilweise

(sowas wie Pop, freilich dunkel verschüttet/manipuliert). Die Vocals gerne

(nicht immer) diabolisch, als verqueres Drama, total kaputt bzw. direkt aus

der Hölle, seltsam flüsternd. Klasse teils abgedrehte (Slide-) Gitarren-Sounds!


 

 

 

Algiers – The Underside Of Power
The Underside of Power

LP oder CD

Das Debut hatte mich total umgehauen, dieser Nachfolger nicht

minder. Mächtiger Stoff, inhaltlich engagiert, z.T. wütend, in Musik

verpackt, wie sie niemand sonst produziert. Noch moderner, zeit-

gemäßer als zuvor, und das im denkbar besten Sinne, ohne

schwarze Wurzeln verschiedener Art zu verleugnen.

Das Ergebnis könnte man, v.a. in der 1. Hälfte, als eine Art

futuristischen (Elektro-) R´n´B (resp. Soul) bezeichnen,

stimmgewaltig, teils enorm aggressiv resp. hart, roh, fast brutal,

teils (auch massiv) dunkel bis irgendwie spooky, bedrohlich

(und zugleich immens intensiv), teils mit rasant/unerbittlich

treibendem „weltlichem“ (Electro-) Gospel verknüpft, teils End-60er

Soul-inspiriert doch soundmäßig extrem (rhythmisch dezenter)

upgedatet (und, wie andere Tracks, grandios mitreißend) –

wobei sich die moderne Note aus Grooves wie der Instrumentierung

speist (die allerdings neben Synths/Electronics auch scharfe/manipu-

lierte Gitarren, oder gar eine ebensolche Geige beinhaltet); aber es

gibt ebenfalls smoothe/zurückgenommene/verhallte (doch explizit

spannungsreiche) Momente, gar eine teilweise relativ „normale“

gefühlvolle (partiell jedoch nachtschwarze) Soul-Ballade.

Das alles ist ungeheuer aufregend, zuweilen schon monumental bzw.

ein richtiges Naturereignis… Später wird´s noch abgefahrener/greller:

Reduzierter bis kakophonischer Modern Groove-R´n´B mutiert zum

„Alien-Gospel“ (uralte Roots in hypermodern), unheimlich-spaciger

Electro-Underground (am ehesten in den experimentellen 80ern zu

verorten) folgt auf hackenden brennenden brisanten schwarzen

Highspeed-Noise-Rock/R´n´B (überwältigend!), verlorener/einsamer

Minimal-Stoff wird zum magischen repetitiven Düster-Soundtrack der

kommenden 20er, aus der (getünchten) Vorhölle entsprungener

schwebend-dräuender Sakralsound, ein großartiger Jazz-Soul-

Underground-Gospel-Mix on Acid (hinreißend!)… Fast jedes Stück

ist anders, die Grooves kommen höchst effektiv (ungemein reizvoll

und abseits gängiger Moden), Dramatik wird groß geschrieben,

die Sounds sind vielfach verfremdet/bearbeitet, sporadisch/punktuell

strahlen Backing Vocals manipuliertes Gospel-Flair aus, und manchmal

erinnert mich der Sänger an Willis Earl Beal (nicht den aktuellen).

Innovationen! Emotionen! Sensationen! Portisheads Adrian Utley war

beteiligt.


 

 

 

Youn Sun Nah – She Moves On
She Moves On

LP oder CD

2017er Neuerscheinung. Eigentlich ist sie ja  als renommierte vielfach preisgekrönte
Spitzen-Jazz-Sängerin (manche sagen, sie sei die zur Zeit weltweit beste Sängerin)
bekannt, aber das hier ist eher ein meist Jazz-beinhaltendes bis -betontes umfassendes
Roots-Album mit Einflüssen aus Soul, Folk, R´n´B, Pop (zeitlos, aber auch mal
old-fashioned Pop-Jazz), wobei sich gerne gleich mehrere Stile vereinen. Abzulesen
ist das schon an den vielen Covers (nicht die berühmten Songs), von u.a. Joni Mitchell,
Paul Simon, Hendrix (Drifter, zurückhaltend bis enorm intensiviert, großartig!), Lou Reed,
Johnny Mercer, 2 Folk-Traditionals (ein langes, A Sailor´s Life, angelehnt an die Fairport
Convention-Version, schwerelos bis herrlich feinfühlig tänzelnder Folk-Jazz, superb!).
Selten gibt´s puren Jazz (eines der wenigen eigenen Stücke, diffizil-freigeistig-fließend
mit Romantik-Touch, klasse!). Sehr hoher Balladenanteil (von schön leichtfüßig über
sachte-gefühlvoll bis ganz zart oder faszinierend dunkel – das andere Traditional,
auch ein Highlight), zwischendurch mal satt groovend/funky bzw. bodenständig tough.
Zusammengehalten von ihrer wunderbar gefühlsstarken enorm variablen Top-Stimme,
die allem ihren eigenen tragenden Stempel aufdrückt, ebenso exzellent und kongenial
einfühlsam (ohne viel solistisch glänzen zu müssen) begleitet von u.a. Jamie Saft (Tasten),
Brad Jones (Ornette, Elvis Costello, John Zorn u.v.a.), zur Hälfte der feinen
(E-/Akkustic-) Gitarre von Koryphäe Marc Ribot (keine Bläser). KLASSE!!!

 

 

 

Hayseed Dixie – Free Your Mind And Your Grass Will Follow
Free Your Mind… And Your Grass Will Follow

LP oder CD

Kompetent gespielte meist schnelle (bis extrem rasante) Covers in Bluegrass-Form mit Gitarre, Mandoline, Banjo, Fiddle (manchmal so called „Rockgrass“ oder Hillbilly-Tendenz) – diesmal ist viel Soul dran, z.B. O´Jays, Marvin Gaye, Sam Cooke (Change is gonna come - halsbrecherisch), Michael Jackson, Temptations (Ball Of Confusion, kaum vorstellbar als Bluegrass, ist auch keiner mehr, sondern kaum zu klassifizieren, eher offen rootsig, sehr stark rhythmisch akzentuiert, und erstaunlich gut!). Zudem Elvis Costello, Gov´t Mule, Bob Marley, Lynyrd Skynyrd u.a., wobei die Stücke zwar oft komplett umgekrempelt werden, gesanglich ihre Emotionalität aber ganz gern behalten (sogar die Original-Stimmlage trifft´s schon mal, s. Costello), zudem werden hier und da Einflüsse aus Soul, Rap, sogar Americana (fast pur!) eingebaut. Und ihre 3 Originale (?) experimentieren mit Pop-Elementen bzw., weit weg von Bluegrass, einer Art Folk Rock, einer klingt gar, absolut freigeistig, nach rootsigem Robert Plant! Insgesamt deutlich besser als gedacht, teils exzellent.

 

 

 

(The) Fuzztones – Gonn Primitive!
Gonn Primitive! [Vinyl LP]

nur Doppel-LP

2017er Release, nur als LP, limitiert auf 600 Stück , 150g-Vinyl im Klappcover (Artwork von Protrudi selbst). Live Mitschnitt von der 2007er Tournee, bei der der Chef der 60s-Garage Punk-Semi-Legende Gonn (von denen der Klassiker Blackout Of Gretely stammt, den die Fuzztones in den 80ern schon coverten) eine große Rolle spielte: Craig Moore, der öfters singt (und wie, ein echter Schreihals und enthusiastischer Performer/Entertainer!). Der Sound ist wie üblich (typischer 1st class-60s-Garage-Punk, voller Saft und Kraft, markante Orgel, massig Fuzz, bisweilen mächtig wild/messerscharf, mal frenetisch, jedoch auch melodischer/catchy). Die Songliste aber ist ungewöhnlich, denn neben ein paar Fuzztones-Klassikern (z.B. She´s Wicked) und 60s-Garage-Standards wie I´m Not Your Stepping Stone, Action Woman (Litter), Be A Caveman (Avengers), Pushin Too Hard (und Hey Joe!) gibt es diverse Stücke von Gonn-Singles und Outtakes (eigene und Covers, von z.B. Standells). Darunter 3, die abweichen: A la ganz frühe Stones in noch roher/“Chicago Punk Blues“, balladesk und etwas ruhiger und fast sowas wie ein extra-rauher Mix aus  Bruce Springsteen und Tom Petty! 17 Tracks in 1 Stunde.

 

 

 

Bonnie Prince Billy – Best Troubador
Best Troubador

LP oder CD

Ein Merle Haggard-Tribute, ausschließlich (16) Covers. Aber nicht werkgetreu – was möglicherweise auch nicht zu seiner Stimme gepasst hätte (so schon!). Das wird bereits bei der ungewöhnlichen Instrumentierung deutlich: Neben Gitarre (überwiegend vorzügliche akustische) ab und zu Geige, sporadisch Pedal Steel oder Banjo, v.a. aber, permanent: Sax und/oder Flöte sowie sehr schöne weibliche Harmony Vocals, die sich z.T. zur Duett-Stimme auswachsen (die irische Singer-Songwriterin Nuala Kennedy, nehme ich an)! Auch die Musik geht über reinen Country hinaus (auch wenn der klar vorherrscht, ob stilecht und traditionell dem Original ähnlich, schon mal – neuartig und locker-beschwingt aufbereitet - bis in die 50er reichend, oder eher im Alt./Songwriter-Country-Fahrwasser), hier eine Einbeziehung von Tex Mex/einem Hauch Jimmy Buffett, dort eher Country Pop in ganz old-fashioned (z.B. gewissen Willie Nelson-Songs verwandt), (mehrfach) mehr Folk als Country, einmal gar sowas wie Country-Soul-Jazz mit einer Prise Grateful Dead! Die vorherrschenden (nicht ausschließlichen) Gangarten: Tastend, wunderbar einfühlsam, extrem delikat, souverän filigran, verweht und ganz leise, zerbrechlich und fast verschwindend, in sich versunken, oder zumindest relativ relaxt, sehr lose, in aller Ruhe erdverbunden. Überwiegend balladesk, klar. Persönliche Lieblingssongs, keine Greatest Hits-Auswahl, inkl. einer Reihe späterer Stücke. Beteiligte u.a., viele begleiteten ihn schon früher: Van Campbell (Black Diamond Heavies), Matt Sweeney (Johnny Cash, Cat Power, Tinariwen), Drew Miller, Cheyenne Mize, Chris Rodahoffer; Emmett Kelly (Cairo Gang-Leader), A.J. Roach. Ein sehr schönes Album!

 

 

 

Otis Taylor – Fantasizing About Being Black
Fantasizing About Being Black

LP oder CD

Der Mann ist einfach ein Phänomen, immer wieder aufs Neue, unvergleichlich (zumal im Blues-Genre). Und obwohl seine Art zu komponieren sich gleicht, kommt immer wieder Anderes, Neues heraus. Dieses Mal in weitgehend ziemlich reduzierter sowie leicht überwiegend akustischer Form, wie gewohnt alles andere als puristischer Blues, die Stil-Kombinationen reichen von R´n´B + Jazz (mächtig ansteckender Groove!), Blues oder R´n´B + Jazz + Folk (ganz dezent tanzend oder etwas atemlos mit Flamenco-Spuren), Country + Folk, Blues + Rock (fast heavy, unerbittlich treibend), R´n´B + Folk (minimalistisch) bis zu stark ummodulierten aber relativ genretreuen R´n´B/Blues-Stücken (gnadenlos aber höchst sparsam abziehend). Gemeinsames Merkmal, fast immer: Ein hohes Tempo. 2 Ausnahmen: Ein für seine Verhältnisse recht „konventioneller“/purer 50s-Chicago Blues-naher schleppend-rockender Track, ein (entgegen dem Text) völlig friedlicher in sich ruhender Folk-Blues-Mix (gleichfalls langsam). Das Personal ist großteils altbekannt, die stoisch-straighten Rhythmen von Larry Thompson und Todd Edmunds, das Kornett von Ron Miles (nur 3x dabei, angejazzt aber auch R´n´B- Einfluß, losgelöst, sehr melodisch oder rhythmisch erdend), ab und zu ergänzen die Geige von Anne Harris und (neu dabei) eine 2. Gitarre (Brandon Niederauer), seine eigene Gitarre kommt akustisch (v.a. rhythmisch oder kommentierend) wie elektrisch (quirlig, cremig, unerbittlich riffend, zurückhaltend bis dezent singend, 1x gar Fuzz) – und 2x gastiert Jerry Douglas! An einer sehr schön filigran verzierenden Koa Wood Lap Guitar (Slide). Großartiger „Trance Blues“ (oder so) mit bekannt repetitiver Neigung, wie immer: Eine dicke Empfehlung!

 

 

 

Yasmine Hamdan – Al Jamilat
Al Jamilat

LP oder CD

2017er Platte der Indie-Pionierin aus dem Libanon, schon 20 Jahre im Geschäft, lebt aber in Paris. Hat u.a. mit Coco Rosie gearbeitet, bei dieser 2. Solo-LP waren u.a. Sonic Youths Steve Shelley, Leo Abrahams (viel Brian Eno, Sam Lee, Paul Simon u.v.a.), Shazad Ismaily (Lou Reed, Laurie Anderson) beteiligt. Ungeheuer delikate Musik, tolle Atmosphären, enorme Eigenständigkeit, Originalität (wirklich! Kein Spruch!). Sie lässt, in wechselnder Kombination und Schwerpunktsetzung, Electronica, zeitgenössischen Art-Pop, Songwriter-Folk-Pop, ein wenig Trip Hop und Indie- Club-Pop, (dezente wie etwas stärkere, auch ganz langsame) westliche Beats +Grooves kongenial ineinanderfließen, in der 2 Hälfte, in außerordentlich reizvoller Weise, immer wieder zudem orientalische/arabische (bis nordwestafrikanische) Einflüsse – in Rhythmik, Melodik und Instrumentierung (= eine Art „Arab- Pop“). Verfremdete Klänge, Loops, Samples treffen auf kleines Streicherensemble, E- und Akustik-Gitarre, Oud etc., Keyboards, ergeben einen eigentlich unspektakulären aber mehrfach wundervollen Sound, rhythmisch betonte Phasen wechseln mit relaxten, herrlich lose und ungebunden im Raum schwebenden, vielschichtige Arrangements mit ganz einfachen, experimentelle oder ein bischen halluzinogene Parts mit hypnotischen Trance- Grooves. Das Ergebnis wirkt zugleich zeitgemäß wie zeitlos, mehrfach unglaublich faszinierend! Einmal dachte ich sogar irgendwie an Robert Plant´s (Led Zeppelin) Nordafrika-Exkursionen (in moderner). Eine dicke Empfehlung!

 

 

 

Alison Krauss – Windy City
Windy City

LP oder CD

Die neue 2017er LP / CD ist tatsächlich ihre erste Solo-LP nur unter ihrem Namen seit 18 Jahren. Von Veteran Buddy Cannon produziert, bezeichnenderweise. Ihr Gesang steht hier über allem, classic, ein Gedicht! Das stilistische Umfeld ist da schon fast völlig egal – es ist angesiedelt in den 50ern und 60ern (ein wenig 70s); subtiler relaxt fließender in sich ruhender Country (1x mit Ähnlichkeiten zu Emmylou in den 70s), betörende Balladen in alter/zeitloser American Songbook meets Country Pop-Tradition (von der Stimme erleuchtet), schmelzende 60er-Classic Country-Balladen a la Loretta Lynn & Co (oder das Ganze up-tempo), feinster Trad-Country im Stil der 60er (gemäßigt knackig), ein behutsames und fast swingendes Roots-Stück voller melodischer Grandezza, auch mal Folk, Country, Pop und Gospel vereint in einer ganz zartfühlenden berührenden Ballade. Dazu passen die Songs, Klassiker/alte aus derselben Zeit (auch Bluegrass-Ursprungs) von meist großer zeitübergreifender Klasse, u.a. von/für/verbunden mit Willie Nelson, Osborne Brothers (mehrfach), Brenda Lee (2x), Ray Charles, John Hartford/Glen Campbell. Sidemen: Vom Edelsten, von Union Station-Leuten bis zu altgedienten Country-(Rock-)Legenden, E-wie Ak.Gitarre, Pedal Steel, Piano, Streicher. Für manchen vielleicht zu nostalgisch, aber wie! Ich find´s klasse, schon wegen dieser wundervollen Stimme!

 

 

 

Atomic Rooster – Live In London 1972
Live In London 27th July 1972

nur CD

2016er Veröffentlichung, Sound überraschend gut und kräftig, in Mono, live 27.7.1972 London Paris Theatre (BBC in concert), Vocals: Der neu hinzugekommene (auffällige!) Chris Farlowe. 6 Stücke zwischen 4 und 7 Min., u.a. Breakthrough, Stand By Me, Devil´s Answer (einer der 2 längsten Tracks mit 2 kurzen Orgel-Soli über Powerhouse-Backing und inkl. Farlowe-typischer Scat-Einlage). Klassischer und kraftvoller Prog-Rock der Zeit, gern R´n´B-unterlegt, manchmal schon recht hart, 2x auch ziemlich wenig Prog-Anteil (bodenständig), A Spoonful of Bromide mit kurzen Flashes von Colosseum und ELP.

 

 

 

Charlie Haden Liberation Music Orchestra – Time/Life
Time / Life

nur CD

Neu aus 2016, 2x live (20 Min. 2011 in Belgien) noch mit Haden, 3x im Studio (34 Min.) ohne ihn, von Carla Bley arrangiert. Wohl lose basierend auf Ideen von ihm für ein neues Album (für das die Live-Stücke in Frage gekommen wären), posthum umgesetzt mit u.a. 8 Bläsern. 4 Tracks (3 von Bley + Blue In Green von Miles Davis) kommen in getragener/balladesker in Klang gegossener Schönheit voller melodischer Anmut und Klasse, mal ziemlich klassisch und gediegen, mal mit Verdichtungen samt gewisser dramatischer Zuspitzungen, mal ein wenig spannungsvoll/erwartungsvoll dräuend auf faszinierende fast hypnotisierende Art (im letzten Drittel Post Bop-artig beschleunigt), oder tief drinnen mit irgendwie folkiger Note (melodisch und musikalisch einfach hinreißend!). Grandioser Höhepunkt aber ist Hadens Song For The Whales (mit seiner Beteiligung). Allein die 3 Minuten zu Anfang und Ende, in denen sein gestrichener Bass Wal-Stimmen imitiert – so berührend, fabelhaft! Auch hier ist die pure (Ensemble-) Schönheit der Musik teilweise atemberaubend, aber in partiell dichterem/freierem Setting, inkl. grandiosem teils recht freiem Sax-Solo (Tony Malaby) über dicht gewobenen toll multiplen/parallelen Rhythmen (und phasenweise der Bläserphalanx), superb arrangiert. Dicke Empfehlung!

 

 

 

BaBa ZuLa – XX
XX [Explicit]

2LP oder 2CD

Karriereüberblick der Band aus Istanbul (die schon fast einen gewissen Kultstatus erreicht hat, bekannt geworden durch ein Feature in Fatih Akins The Sound Of Istanbul-Film), kein normaler Best of-Sampler, da hier unveröffentlichte Remixe, Remakes, Live-Tracks, auch 3 Kollaborationen verwendet wurden. Gäste sind u.a. Alex Hacke (Einstürzende Neubauten), Sly & Robbie. Definitiv: Anders als die anderen! East meets West mit einer großen Portion Psychedelia und viel Originalität. Das Ergebnis ist vielfältig, z.B. rauher kraftvoller Acid-Turk-Rock z.T. in Jam-Atmosphäre und Orient-Groove (10 Min. lang, klasse!), oder Letzteres in zwingend meets Psyche & Space mit Sogwirkung, dezent psychedelisch gefärbter Ethno-Dub, hypnotischer akust. sanft-filigraner Orient/Eastern-Psyche-Folk eigener Art (atmosphärisch stark!), Tribal/Ethno-Groove mit einem Hauch Jazz, ein kurzes funky Psyche Rock-Intermezzo, 2 Reggae-Stücke unter Dub- und Orient-Einfluß mit Klarinette und z.T. einem Hauch Psyche, wunderbare weiche spacy effektreiche Psychedelia mit leicht fremdartiger bzw. türkischer Note (auch hier fehlt die charakteristische türkisch/orientalisch geprägte Groove-Unterlegung nicht), eine Art Orient-Space, schließlich ein 19-minütiger hypnotischer Acid-Tribal-Psyche-(Eastern-)Groove-Jam mit ein paar Dubeffekten. Eine der Kollaborationen fällt aus dem Rahmen, melancholisch-romantischer Modern (Eastern) Dream Pop. All das wird mit E- (+ ein bischen akust.) Gitarre, elektr. und akust. Saz (resp. E-Oud), teils auch Synth/sparsamen aber wirkungsvollen Effekten, Orgel oder Theremin angerichtet, weiblichen wie männlichen Vocals, mehr Percussion als Drums. Das Material stammt von 1997-2016 und enthält auf 74 Minuten reichlich Höhepunkte! Was auch auf die Dub-CD (63 Min.) zutrifft, v.a. diverse ausgesprochen dunkle (bis fast spooky) und abenteuerliche Extrem/Psychedelic Dub-Stücke sind (selbst für das Genre) so ungewöhnlich wie großartig! Lichter Space Dub, Tribal Dub, zwingend groovender oder minimalistischer (Erotik-) Electro Dub kommen hinzu, experimenteller perkussiver, „klassischer“ Dub am ehesten noch in einem der 4 von Mad Professor verantworteten Tracks (je einer von Dirt Music, Dr. Das/Asian Dub Foundation). Der türkische Anteil ist hier jeweils deutlich verringert (oder gar eliminiert), es gibt aber auch ein paar (großteils akust. oder „nackte“) Ethno-Dub-Tracks. Ein auch ohne die Glitterbeat-Brille tolles Set! Angemessen aufgemacht im sehr schönen bunten Mehrfach-Klappdigipak, ebensolches bilderreiches 32-S.-Booklet, Vinyl mit 8-S.-Groß-Booklet und der Dub-CD.

 

 

 

Flaming Lips – Oczy Mlody
Oczy Mlody

LP oder CD

Endlich wieder ein „reguläres“ Werk – wie fast zu erwarten, ein recht überraschendes. Im Vordergrund steht sowas wie außerweltlicher teils hallreicher (die Vocals v.a.) mild (und z.T. irgendwie neuartig wirkend) psychedelischer dezent (oder stark) elektronisch aufgeladener/dunkel schillernder mehrfach in melodischer (und manchmal auch instrumentaler, grandios glitzernder) Schönheit erstrahlender, hmm, „Modern Futuristic Dream Pop“? In vielfältiger Ausführung. Daneben kommt´s mir ein paar Mal vor wie massiv aktualisierte Residents, freilich in der Avantgarde-Electro-POP-Version, reduziert wie volltönend, gern in reichlich düster. Zwischendurch tuckernder zeitgenössischer Electronic Pop mit hypermoderner psychedelischer wie experimenteller Note (gleichzeitig aber auch so toller wie seltsamer Melodie), oder minimalistische outer space-Psychedelia der zukünftigen un-er/gehörten Art. Über all das verstreut kann ich mir hier und da trotz der ganz und gar heutigen Oberfläche (viel Keyboards) durchaus einen Einfluß End-60er Psychedelic-Elektroniker vorstellen, sie selbst redeten von Syd Barrett, außerdem kommen schon mal Assoziationen zu Radiohead auf, gar Trip Hop-Grooves, Kraut-Elemente – und wenig Rock. Phasenweise hat das eine ganz schöne Faszinationskraft! Call it Future Pop. Vinyl hat 1 Track weniger.

 

 

 

Tinariwen – Elwan
Elwan

2LP oder CD

2017er der gloriosen Tuareg-Band, 8. LP, und eine ihrer besten! Keine Neuerfindung ihrer typischen Desert-Musik im Sahara-Groove, die Basis ist immer dieselbe, aber es gibt Unterschiede in Nuancen, und die Mischung der Stimmungen/Atmosphären ist perfekt. Satte und kraftvolle Stücke im schnellen polyrhythmischen Flow (aber auch langsamerer Gangart), die E-Gitarren z.T. wunderbar sonor und rund im Sound. Noch handfestere/kantigere leicht rockig wirkende Sachen (was am Bass und der Rhythmik liegt), teils dezent angestochen, mit beinahe fuzzigen oder (ungewöhnlich für sie!) stakkatohaften Gitarren. Im relaxten Fluß mit poetischer Ader, etwas in sich gekehrt und teilakustisch (generell unterstützt nur selten eine Akustische die obligatorischen E-Gitarren). Mehrfach und ganz wunderbar begeistern fast meditative dunkel-melancholische (balladeske) Songs (schon mal ganz nackt nur mit Gitarre und von Ferne Blueseinfluß) sowie ähnlich gelagerte Trance-artige, suggestiv und inkl. psychedelischer Momente (allein der längste herrlich weiche/organische Track! Großartig! Ist das Mark Lanegan, der hier kurz singt? Er gastiert neben War On Drugs´ Kurt Vile und Matt Sweeny). Es gibt eine ganze Reihe toller Highlights, insgesamt ein für mich unverzichtbares Werk! Aufgenommen im Joshua Tree-Park sowie in Marokko, schließt an das letzte Studioalbum und die Live-LP kürzlich an.

 

 

 

Mick Taylor – Stranger In This Town
Stranger in This Town

nur CD

16er limitierter Reissue der (langen) 2. Solo-LP (1992) des ex-Stones-Gitarristen, live. Etwas Southern-angehauchter bzw. geradliniger zeitloser jeweils klar traditionsbewußter Blues Rock (mal dezent heavy und entfernt entsprechenden Allman Brothers verwandt, mal im Stil archetypischen rockenden Brit Blues alter Zeiten). Stark an den 50ern orientierter Blues (die alten Klassiker Little Red Rooster und das auch von Sticky Fingers bekannte You Gotta Move, beide mit herrlicher Slide). Als weiterer Stones-Rückgriff eine fleischige/saftige satte Fassung von Jumpin´ Jack Flash. Tanzender/groovender R´n´B (ein Hauch Santana!). Und das tolle Medley Red House (Hendrix)/Goin´ Down Slow, klassischer Slow Blues mit wunderbarer gefühlvoller Gitarre. Durchweg längere Stücke mit ebensolchen glänzenden Soli.

 

 

 

Lee Hazlewood – Cowboy In Sweden
Cowboy in Sweden

CD oder LP

2016er Reissue der ´70er LP auf Light In The Attic, gewohnt vorbildlich remastered von den Mastertapes, 24-S.Booklet mit raren schönen Fotos, ausführlichen Linernotes, LP im Deluxe-Klappcover. Diente als Soundtrack für den gleichnamigen Film, für manche Fans sein bestes Album. Beteiligte u.a.: James Burton, Hal Blaine, Nicky Hopkins, Big Jim Sullivan, Shel Talmy (Producer), Craig Doerge, 3 Tracks wurden schon 1968/69 aufgenommen und auf früheren LPs veröffentlicht. Teils ein Mix aus Country- und Pop-Einflüssen, melodisch so simpel wie effektiv (wobei der Country-Anteil sich z.T. auf das Songwriting beschränkt, im Sound nur sehr begrenzt zu hören ist, oder sich in eine Art feingeistigen/sachten Folk Pop verwandelt). Diverse andere Tracks klingen nach old-fashioned/Classic Pop, aus der Zeit gefallen, durchaus schon mal mit Bacharach-Ähnlichkeiten, manchmal unterschwellig irgendwie (soft-)psychedelisch angehaucht – z.B. durch Produktion oder die oft präsenten aber partiell unkonventionell arrangierten Streicher (oder auch Flöte). 3x im Duett mit Nina Lizell, 1x singt Suzi Jane Hokom solo. Mit Vorliebe total relaxt oder balladesk, etwas Hall/Echo, punktuelle Assoziationen: Früher (Solo-) Scott Walker, Leonard Cohen, ein Hauch Barock Pop. Sehr fein!

 

 

 

Conor Oberst – Ruminations
Ruminations

CD oder LP 

Das neue Album gefällt mir besser als die meisten seiner diversen Sachen der letzten Jahre, inkl. Bright Eyes. Und ist gänzlich anders – ein wirkliches Solo-Album. Nur Akustikgitarre oder Piano, plus Harmonica, jeweils rein begleitend (oder kommentierend). Seine Stimme ist manchmal eine Winzigkeit vibrierend/gebrochen (was den Reiz und die Emotionalität noch erhöht), die Texte z.T. ungewöhnlich persönlich (passend zur intimen Ausstrahlung), die Songs wirken „einfach“ (wie die Begleitung), auf die „gute alte Art“, sind Folk-angelehnt, qualitativ fast durchweg richtig gut bis ganz exquisit (Tachycardia! Counting Sheep! Rain Follows The Plow! Next Of Kin! Till St. Dymphna!), tief berührend. Manchmal (nicht nur wegen der Harmonica) dachte ich unwillkürlich gar an (früheren) Dylan. Großteils balladesk, ab und zu melancholisch, mal etwas Drama, nur A Little Uncanny, der einzige politisch beeinflußte Song, klingt überraschend aufgekratzt, samt einem Hauch Blues.

 

 

 

Tim Buckley – Lady Give Me Your Key
Lady, Give Me Your Key: The Unissued 1967 Solo Acoustic Sessions

CD oder LP 

2016er auf Future Days Rec./Light In The Attic, komplett unveröffentlicht, remastered von den Originalbändern (bzw. einem Acetat), reizvolles Booklet mit Tiefen-Interviews mit seinem Texter/Freund Larry Beckett und Producer Jerry Yester. Dies sind 13 Solo-Akustik-Demos von 1967 für seine 2. LP Goodbye And Hello, von denen 6 Songs (üppiger instrumentiert mit z.T. anderem Charakter) auf der LP erschienen, 5 bis heute nie (einer ist auf der superben Folklore Center-LP (live 1967) enthalten, einer wurde später für eine 7“ aufgenommen, die nicht rauskam, beide 2009 erschienen). An die posthume ´67er Live-LP erinnert denn auch einiges, z.B. das kongenial begleitende die Stücke perfekt unterstützende gern rhythmisch starke/betonte Gitarrenspiel (6- und 12-string?), die ganze Art eines künstlerischen Folk inkl. Pop-Einfluß mit Anspruch. Der schon zu dieser Zeit grandiose und variable, ungeheuer ausdrucksstarke Gesang sowieso, enorm gefühlvoll oder extrovertiert, teils bis in höchste Höhen, der Charakteristik der Tracks (von lyrisch-sanft/poetisch bis sehr rhythmisch und kraftvoll) angepaßt. Die Klasse der nicht auf der LP gelandeten Songs ist teilweise genauso hoch (Sixface! Once upon A Time! I Can´t Leave You..!), manche sind relativ kurz, wohl noch nicht ganz ausgearbeitet, der Sound hat Demo-Qualität (okay für die Zeit), sehr direkt/kein Hall, keinerlei Effekte, ein leises nicht störendes Rauschen (4,5 mal ein deutlich stärkeres bzw. gewisse Störgeräusche – vom Acetat?). Dicke Empfehlung!

 

 

 

Monster Magnet – Cobras And Fire (The Mastermind Redux)
Cobras And Fire (The Mastermind Redux)

CD oder LP 

8 Stücke der Mastermind-LP in 2015 neu eingespielt, manchmal viel besser! Oft deutlich bis extrem anders, der Charakter teilweise völlig verändert, v.a. in Richtung Psychedelia, bis in halluzinogene Bereiche, fast im Cinemascope-Format, gleichzeitig klar weniger derb/hart/dreckig als die Originale (ohne auf handfeste Parts/Tracks zu verzichten), phasenweise ruhig, beinahe feinfühlig, leise, Stoner-Elemente oder Vocals schon mal ganz eliminiert, Orgel neu hinzugefügt, gar die Texte verändert. Hinzu kommt ein aus mehreren Stücken gebastelter langer feiner Remix, die pure Space-Psychedelia. Und ein Cover des Temptations-Hits Ball Of Confusion, als straighter treibender Hard Rock mit Heavy Psyche-Anleihen. 64 Min., gelungen!

 

 

 

Bohren Und Der Club Of Gore – Bohren For Beginners
Bohren for Beginners (2cd)

nur Doppel-CD

Eine „Best Of“ von dieser immer noch absolut einzigartigen Band zu kompilieren, ist eigentlich kaum möglich, aber dieser ellenlange Sampler (von allen LPs/1994-2014, teils neu gemixt, inkl. der raren „Single“ Mitleid Lady + einem neuen Stück) ist sehr gelungen, enthält tatsächlich viele ihrer reizvollsten/besten Stücke. Ihr luftiger/schwebender/meditativer/teils extrem minimalistischer/tropfender/ab und zu erhabener bis fast majestätischer, v.a. aber ausnahmslos langsamer (selten) bis ultra-langsamer (meist) Sound (bis hin beinahe zum Stillstand), manchmal melancholisch, oft dunkel, hat bis heute keinen ernst zu nehmenden Nachahmer gefunden. Früher gern als „Ambient Jazz“, „Doom Jazz“ oder „Horror Jazz“ tituliert (und sporadisch wirklich von Ferne z.B. an die ruhigsten Sachen eines Miles Davis um 1960 rum erinnernd, in der Zeitlupen-Lounge-Version), ist hier nachzuhören, daß der Jazzeinfluß zunehmend minimiert wurde (z.T. verschwand) – am Wirkungsvollsten im großartigen Geister/Düster-„Pop“ von Catch My Heart mit Sänger Mike Patton. Musik von ungeheurer Faszinationskraft mit hypnotischen Qualitäten, die Trance-Zustände verursachen kann und zugleich (von Tasten, Vibrafon, v.a. Sax getragene) aparte Melodien bereithält. Für alle, die sie nicht kennen, eine dicke preisgünstige Empfehlung!

 

 

 

Vibravoid – Wake Up Before You Die
Wake Up Before You Die

CD oder LP 

Neues Material, klassische Vibravoid: Wunderschöne halluzinogene songhafte Trip-Psychedelia reinsten Wassers zum Versinken (klasse: Shadows of Reflections), effektüberwucherter (eh ein Markenzeichen hier) schwerer hypnotischer Space Psyche, repetitiver Acid Psyche, Hawkwind in psychedelischer/abgedrehter, Psychedelic Raga Space Rock, ein ziemlich singulärer Mix aus Ultra-Psychedelia, handfestem Garage-Riff Rock der 60er (Nuggets-style) und Space und ein feines quietschbuntes Hippie-Eastern-Psyche-Pop-Cover von Traffics Hole In My Shoe mit Gastsängerin Viola Road (weitere Covers: Stepping Stone/Monkees und Just Let Go/Seeds). Neben den Trademark-Effektgitarren ein breites Tastenrepertoire, Orgel, Keyboards, Synth, Mellotron, Stylophone. Songorientiert (nur 1 Track über 5 Min.). CD mit 4 Live-Bonustracks (Mai 2016 in Emden), alle mit Orgel, großteils geradliniger Psyche Rock, der 25-minütige Live-Klassiker Ballspeaker zur Hälfte purer Space Psyche mit Anleihen bei 60er Pink Floyd-Impro-Trips, kurz ähnlich dem Nektar-Debut.

 

 

 

Yoko Ono – Plastic Ono Band
Plastic Ono Band

CD oder LP

2016er Reissue, remastered, seit Ewigkeiten wieder als Vinyl erhältlich. 1970 parallel zur gleichnamigen John Lennon-LP erschienen, mit Lennon (Guitar), Klaus Voormann, Ringo Starr. Waren ihre ersten 3 LPs mit John noch nahezu unhörbar, ist das hier zwar heftiger bis schwerer (schon durch die häufig aggressive lautmalerische Vocal-Tour De Force) oft sehr ungewöhnlicher aber Rock-basierter Stoff, manchmal ganz schön faszinierend – und nahm wohl Einfluß auf z.B. Diamanda Galas, Sonic Youth, New Yorker No Wave. An Letzteres erinnert v.a. der straighte treibende bis mächtig zerrende messerscharfe Rocker Why mit grellen noisigen/Splitter-Gitarren (z.T. toll angebluest) – für damals unerhört! Und heute noch frisch (und gut!). Sonst: Mehr davon in avantgardistischer. Fast wie experimenteller stoischer Kraut Rock. Minimalistischer Avant-Fake-Blues. Kammer-(Jazz-)Avantgarde (mit Ornette Coleman Quartet im Backing!). Schamanischer dunkler Voodoo-Psyche-Proto-Post Punk. Immer wieder verblüffend: Lennons wilde/grelle/schleifende Gitarre! 4 (CD-) Bonustracks, teils noch länger als die LP-Stücke, u.a. eine extended version von Why und Alternativfassung von Open Your Box (war B-Seite von Power To The People).

 

 

 

Popa Chubby – The Catfish
The Catfish

nur CD

2016er des New Yorkers Blues Rock Mannes. Ein Album von großer Vielfalt, in aller Souveränität und Kompetenz: Reiner fleischiger Modern Blues Rock (u.a. ein Wah-Wah-Fest), etwas härterer/kantiger funky R´n´B in Rock, straighter Rock´n´Roll, emotional packender Slow Blues, ein paar Instrumentals (jazzy, laid back und filigran, eine Umdeutung von Bye Bye Love der Everly Brothers mit R´n´B- und Reggae-Spuren…), schon fast purer Funk wie Anfang der 70er gekreuzt mit singendem Southern Rock derselben Zeit, Proto-Rock´n´Roll upgedated im Blues Rock-Terrain, der Titeltrack hätte auf Sticky Fingers gepaßt, zum Schluß ein Robert Johnson-Cover als klassischer/tief traditioneller akust. Blues mit feiner Slide, und Slow Down Sugar klingt zeitgenössischer als sonst, ein spannendes fließendes originäres Highlight ganz eigener Art!

 

 

 

Blues Pills – Lady In Gold
Lady In Gold [Vinyl LP]

CD oder CD/DVD oder LP (auch Gold-LP)

 Sie sorgen weiter für Furore, definitiv mehr 70s-Classic Rock-angelehnt als Blues Rock – natürlich ohne auf bluesige Unterfütterung zu verzichten, einige Songs kommen direkt im Fahrwasser eines mächtig rockenden R´n´B. Gern bereichert eine soulige Note, v.a. durch die nach wie vor unerhört starke, emotionale, extrovertierte Stimme von Sängerin Elin Larsson (sie ist ja nach eigenen Worten von Aretha Franklin, Etta James & Co beeinflußt), aber auch musikalisch geht´s schon mal in Richtung Muscle Shoals (in einer der wenigen balladesken Phasen). Mal differenzierter Stoff (atmosphärisch und energetisch zugleich), mal gnadenlos abziehend, mal dräuend und förmlich in die Musik einsaugend in sich langsam aber stetig steigernder Dramatik, eine fast durchweg hohe Dichte und Intensität! Hier und da begeistern zudem klasse Gitarrensounds (inkl. dezent psychedelisch wirkender Momente), eine Orgel unterstützt (z.T. markant). Die ruhigen Parts sind gegenüber dem Debut deutlich verringert, Highspeed aber auch, es klingt geschliffener und songdienlicher, Vergleiche mit Free, Led Zeppelin oder Fleetwood Mac fand ich damals schon daneben, jetzt erst recht, u.a. dachte ich kurz an Atlantis in härter/rockiger (oder Janis Joplin).


 

 

 

John Zorn – The Hermetic Organ-St Bart´s/Vol.4
The Hermetic Organ, Vol. 4

nur CD 

2016er. Etwas ganz Außergewöhnliches, sehr Besonderes! 2 ellenlange Stücke solo auf einer gewaltigen Spitzen-Kirchenorgel in New York (dort die größte). Sporadisch werden Kirchenglocken hinzugefügt. Track 1: Monumentale dramatische (rhythmuslose) Crescendi, leises etwas unheimliches wie dröhnendes düsteres Dräuen, ein zartes Säuseln, mächtige Fanfarenstöße, getragene Erhabenheit. Viel Kontrast! Weitgehender (nicht totaler) Verzicht auf Rhythmik, häufig auch auf Melodie, doch welch Sounds! Track 2: Wenige rhythmische doch etwas mehr melodische Elemente, der Klang ist auch hier zentral (und oft kolossal). Aufwühlende Klangtürme, noch mehr Dramatik als im 1. Stück, unheilvolle körperlich packende Aufwallungen, getragene dunkle spannungsvolle Filmmusik-artige Parts, ein grelles Gleißen, ein leises subtiles Klangmalen, langgezogene majestätische Drones, grollendes Meditieren… Musik in Avantgarde-Nähe von phasenweise faszinierender hypnotischer Kraft, für Liebhaber berauschender Kirchenorgeln (hier: V.a. tiefer Töne), die nicht nur Klassik hören wollen, ein Fest! Das kann ich nicht immer hören, aber in der richtigen Stimmung ist es überwältigend, lässt Zeit und Raum vergessen. Dicker Spezial- Tipp!

 

 

 

Van Der Graaf Generator – Do Not Disturb
Do Not Disturb

CD oder LP

13. Studio-LP, nach wie vor im Trio (Hammill/Evans/Banton). Ein über weite Strecken (sehr) gutes, aber nicht überragendes Album (also, gemessen an Genrekollegen heute, exzellent!) – wobei die ersten beiden tollen Songs (Aloft/Alfa Berlina), jeweils auffallend melodisch, und großteils auch Almost The Words herausragen, das leise geradezu andächtig im Raum schwebende Go (ohne Drums) mag ich ebenfalls sehr. Die meisten Stücke bewegen sich im Bereich 7/8 Minuten, + 2 etwas kürzere (darunter eins von 2 schwächeren), ein 2-minütiges Kammer-Avant-Instrumental ist überflüssig. Gitarren besitzen recht oft einen ziemlich hohen Stellenwert (3x fehlen sie, das Info vermeldet seltsamerweise „weitgehenden Verzicht“), die Orgel (ab und zu Keyboards) ist deutlich dominanter als Piano, manchmal ergänzt ein Akkordeon (!), Hammills Stimme ist top wie eh und je (und verzichtet auf exaltierte Phasen). Stilistisch fällt mir der überraschend häufige Rückgriff auf ihre glorreiche Zeit der 70er auf, z.B. (punktuell, kaum ganze Stücke) in Richtung Still Life oder Godbluff, kurz auch World Record und Vital bzw. Nadir´s…, auf Tracks wie W, Pioneers Over C oder gar Man Erg! Das Spektrum reicht von handfest-komplexem bis herrlich vertracktem Prog Rock (mal rhythmisch gut tricky), sanften/fast schwerelosen Passagen, ruhiger wunderschöner (balladesker) Poesie, filigranen feinen Avantgarde-Spritzern, abwechslungs/kontrastreichem Spiel bis zu geradlinigem (von straightem nur sehr dezent progigem Rock bis zu aggressivem „Neo-New Wave-Prog“) und gar einer Gitarren-Prog-Jazz-Sequenz (ein Hauch spätere King Crimson). Booklet mit Texten, Vinyl 180g minus 2 (nicht essentiellen!) Tracks.

 

 

 

Popa Chubby – The Catfish
The Catfish

nur CD 

2016er Werk des New Yorker Musikers. Ein Album von großer Vielfalt, in aller Souveränität und Kompetenz: Reiner fleischiger Modern Blues Rock (u.a. ein Wah-Wah-Fest), etwas härterer/kantiger funky R´n´B in Rock, straighter Rpck´n´Roll, emotional packender Slow Blues, ein paar Instrumentals (jazzy, laid back und filigran, eine Umdeutung von Bye Bye Love der Everly Brothers mit R´n´B- und Reggae-Spuren…), schon fast purer Funk wie Anfang der 70er gekreuzt mit singendem Southern Rock derselben Zeit, Proto-Rock´n´Roll upgedated im Blues Rock-Terrain, der Titeltrack hätte auf Sticky Fingers gepasst, zum Schluß ein Robert Johnson-Cover als klassischer/tief traditioneller Akustik Blues mit feiner Slide, und Slow Down Sugar klingt zeitgenössischer als sonst, ein spannendes fließendes originäres Highlight ganz eigener Art!

 

 

 

Jeff Beck – Loud Hailer
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CD oder LP

Ein neues Album Von Jeff Beck nach 6 Jahren Studiopause. So einige LPs von ihm finde ich schwach, dieses nicht!!! Erstaunlich viele überraschende Ideen! Und Mut! Zunächst alle Gitarren auf Attacke, teils herrlich wild, unfaßbar roh und schneidend, radikal fräsend und klirrend und splitternd, mehrfach Hendrix-Einfluß, verpackt in schweren Blues Rock bzw. R´n´B meets rockenden Blues – aber mit reichlich Kanten und v.a. knallenden Grooves (auch ganz langsamen), die einen so nicht erwarteten Schuß Moderne hinzufügen – und das paßt! Später wird´s ein paar Mal einfach schön/völlig unprätentiös balladesk, kongenial gefühlvoll und atmosphärisch, auch mal zwischen leiser filigraner und Power-Ballade/nicht ohne Schärfe, bluesig oder (60s-) Soul-Anleihen, die Gitarre teils wunderbar einfühlsam, filigran bis zart. Gegen Schluß zieht er auf zeitlose Art mächtig funky ab. Die Vocals von Rosie Bones, oft rauh, kraftvoll, offensiv, sind gleichberechtigt und tragen zur Güte bei. Eine explizit positive Überraschung!

 

 

 

Albert Castiglia – Big Dog
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nur CD

War 2014 mit dem „Blues Caravan“ unterwegs  (auch in Kassel im Theaterstübchen). Blues Rock bzw. Blues mit Traditionsbewußtsein, hart rockend gespielt (manchmal old-fashioned groovend), 2x eher rockiger R´n´B (Proto-Rock´n´Roll-Tendenz oder leicht funky), die Stimme rau und kräftig, Gitarren spielfreudig, zuweilen frenetisch, immer wieder erfrischend scharf (das tolle Get Your Ass mit geiler Slide), zerrend/verzerrt doch bodenständig ohne ausgiebige Pyrotechnics. Von muskulös, ziemlich spritzig und schneidend bis schleppend, satt und kraftvoll, mal etwas ruhiger/relaxter. Bei einem klassischen Chicago Blues (Song von einer Junior Wells-LP, mit dem Castiglia lange spielte) unterstützt Johnny Sansones klasse durchdringende Harmonica, ansonsten Mike Zitos 2. Gitarre, der zudem kongenial produzierte, 1 Stück schrieb, wie auch Cyril Neville (co-, Ballade mit sozialer Tiefe). Das alles wirkt jederzeit echt und authentisch!

 

 

 

Lightnin´ Slim – Rooster Blues
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nur CD

2016er Reissue, das wahrhaft legendäre Debut (damals auf Excello), ein echter Klassiker (seine beste LP). Eine große Figur des Blues, über die nicht oft gesprochen wird, herausragender, wichtigster Vertreter des Louisiana (Swamp) Blues mit einigen charakteristischen Eigenheiten: Ausnahmslos Songs ohne ein Gramm Fett, Drums (Percussion) wie Gitarre eher rudimentär, kein Bass, die (direkte, ungeschminkte, klassische und exzellente) Blues-Stimme beständig kommentiert von Harmonica (Lazy Lester, ab und zu Slim Harpo! Z.T. kurze Soli). Ein Nachhall des Country Blues ist zu hören, doch konsequent elektrifiziert im Stil der 50er, extrovertiert, tough, mal rockend, mal slow (bzw. ziemlich nackt), teils etwas Echo (noch ein Spezifikum). Songtitel wie Bad Luck & Trouble oder Bad Feeling charakterisieren seinen Stil. Remastered, 12 Bonustracks derselben Art und Zeit (späte 50er, um 1960 rum) von Excello. Essentiell!

 

 

 

Betty Davis – The Columbia Years 1968-1969
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CD oder LP

Ein unveröffentlichtes historisches musikalisch für damals z.T. frappierendes Dokument! Im Mai ´69 weit vor ihren legendären/kultigen Hard/Brutalo-Funk-LPs kurz nach ihrer Heirat mit Miles Davis aufgenommen, von Miles und Teo Macero produziert, auch arrangiert, die Band höchstkarätigst zusammengestellt – Mitch Mitchell/Billy Cox von Hendrix, alte (Herbie Hancock; W.Shorter höre ich nicht) und zukünftige (!) Miles-Musiker (John McLaughlin, der geniale Larry Young, Harvey Brooks), die ihre musikalischen Spuren hinterließen, manches wird gar verblüffend vorweggenommen. 5 Stücke (drei 5-6 minütig) plus ein abgebrochener Take: Soul+ abziehender klasse Groove + Ostinato + klasse Gitarrenfills und geile Orgel (wirkt fast wie New York der späten 70er!); Cream (ein Politician-Cover) trifft McLaughlins superbes Devotion, Erdigkeit laszives Flair, grandiose Guitar/Orgel-Kooperation; elegant-federndes funky Jam-Feeling; CCRs Born On The Bayou und ein (wie alles andere) eigener Song verschärft dreckig-scharf in rockigen R´n´B verpackt (entfernt Hendrix-Einfluß bzw. Tina Turner der Zeit). Als Bonus 3 Stücke einer ´68er Session mit Hugh Masekela und Crusaders-Leuten (eins damals als 7“ erschienen), vollmundig arrangiert, Soul der Zeit, ziemlich feurig bzw. stomping-packend sowie old-fashioned-balladesk. Remastered von Original-Masters, Demos eigentlich doch guter Sound, 36-S.-Booklet (v.a. erhellende Interviews mit ihr, Brooks, Masekela). Ziemlich kurz, aber außerordentlich lohnend (und: Schon damals eine gute Stimme)!

 

 

 

Colosseum – Live (remast. + expanded)
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nur CD

2016er auf Esoteric, remastered. Der große Klassiker von 1971. Und viel mehr! Für die, die wie ich damals den Kauf der (heute nur noch gebraucht sau-teuer erhältlichen) Morituri Te Salutant-Box verpaßt haben, ein Schatz (für alle, die aufregende zeittypische außerordentlich lebendige Rock-Prog-Blues/R´n´B-Jazz-Mixe mögen und die originale Doppel-LP, hier inkl. Bonustrack I Can´t Live Without You, nicht haben, sowieso)! Denn in dieser Fassung gibt es als 74-Minuten-Bonus die CD 3 der Box, sonst unveröffentlichtes Liveaufnahmen derselben Tour. Schon das eigentliche Album ist für mich ihr bestes, eine DER großen Live-LPs der 70er. Die Hälfte der 6 langen (alle exquisiten!) Songs gab´s nicht auf den Studioplatten, die anderen, nun klar länger, gänzlich anders, schon durch die Stimmgewalt vom kurz zuvor dazugekommenen Chris Farlowe (super, in Höchstform! Samt einiger lautmalerischer/Scat-Einlagen). Allein das fantastische auch melodisch schlicht tolle Lost Angeles lohnt schon den Kauf. Die Bonus-CD (manchmal im Sound nicht so ausgewogen, z.B. Sax zu leise, aber ok) enthält deutlich differierende Versionen von Rope Ladder… (länger, definitiv wilder), Skellington (verlangsamt, Soli verkürzt wie verlängert), Stormy Monday (stark verkürzt und verändert) sowie zwei 21-Minüter: Das Medley I Can´t Live Without You/Time Machine/The Machine Demands… (rasanter Prog-Jazz-Rock und ellenlanges Drum-Solo), v.a. aber DAS Großwerk von ihnen, über 4 Min. länger: Die komplexe kontrastreiche mit melodisch wundervollen Themen gespickte Valentyne Suite, in Teilen wesentlich modifiziert, zunächst stark beschleunigt, z.T. anders (weniger variabel) instrumentiert, weniger arrangiert/mehr Soli, zum Schluß noch ekstatischer (bis zum „Free Rock“). Der großartige 3. Teil (Grass Is Always Greener) dauert nun 10 Min. Für mich ein Muß.

 

 

 

Dinosaur Jr. - Give A Glimpse Of What Yer Not
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CD oder LP

4. LP nach der Reunion, in gewohnter Güte! Diverse harte fetzende/bratzende treibende Knaller (gar mal fast Pop Punk), selten signifikant ruhiger/ein wenig elegisch, beinahe träumerisch für ihre Verhältnisse (Be A Part – wunderbarer Song), ein paar Mal irgendwo dazwischen (gemäßigt harte Power), im längsten Track regelrecht heavy, doch genauso (hoch) melodisch wie alles hier, Pop-affine/catchy Songs auf ihre ganz spezielle Art, auch die 2 von Lou Barlow geschriebenen/gesungenen Titel, die deutlich transparenter, entspannter (einer geradezu erhebend), nicht so intensiv und fett wirken. Knocked Around kommt zur Hälfte ganz zurückgenommen, schon beinahe süß, poetisch, klassisch schön. Natürlich auch diesmal (mit 1 Ausnahme in jedem Stück!) 1 oder 2 bestechend melodische (Kurz-) Soli der Gitarre, manch super Riff oder zentrales Motiv. Ltd. LP: in lila-transparentem Vinyl, weltweit 9000 Exemplare

 

 

 

Ana Popovic – Trilogy
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nur 3CD-Set

2016er Veröffentlichung der Blues-Musikerin Ana Popovic- ihr ambitioniertestes Projekt – quasi ein Konzeptwerk, 3 Alben in einer Box : „Morning Funk & Soul… Mid-day Blues & Rock… Midnight Jazz…“ sagt sie selbst. Produziert von 2 Grammy-Gewinnern (Tom Hambridge, Warren Riker) und Branford/Wynton-Bruder Delfeayo Marsalis. Letzterer spielt auch, wie z.B. Legende George Porter Jr. (Meters-Co-Gründer), Bernard Purdie (Aretha Franklin etc.), Ivan Neville, Cody Dickinson (North Mississippi Allstars), als Gäste Joe Bonamassa, Robert Randolph. Den (hier massiven! Z.T. rockig interpretierten) Soul/Funk/R´n´B-Einfluß von CD 1 (Groove! U.a. Anklänge an Sly & Family, kurz auch Ike & Tina Turner, gar funky BS&T meets Chicago, inkl. Wah-Wah und Bläser) kennt man von ihr ja schon, punktuell, den zeitgenössischen Blues Rock von CD 2 sowieso (von krachend und hart bis einfühlsam bzw. balladesk-bluesig, noch mehr Wah-Wah), aber der heftige Jazz-Einschlag auf CD 3 ist mir neu! Und oft verblüffend pur, authentisch! Auch ihre Gitarre und Vocals. Viel Gebläse, swingender Bop bzw. bluesiger 50s-Jazz, Groove-Swing-Hybride, Balladen ganz old-fashioned mit 40s-Einfluß, hohe Qualität, u.a. Tom Waits-, Duke Ellington-Cover. Erstaunliches Werk!

 

 

 

Swans – The Glowing Man
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2CD / 3LP / 2CD/DVD

Seit ihrer Reunion in beständig bestechender Form, nach den triumphalen The Seer und To Be Kind nun nach eigener Aussage das letzte Swans-Album in dieser Besetzung. Wiederum ein grandioses Groß-Werk (5 der 8 Stücke sehr lang, 3 bringen es auf 20 bis 29 Min., insgesamt sind es 118)! Attribute und Ausrichtung ähneln The Seer. Die langen Tracks entwickeln immer wieder einen ungeheuren Sog, enorme hypnotische Qualitäten, entfachen mehrmals brennende/fiebrige Monumental-Wucht in den Crescendi bzw. davor eine unglaublich stoische Kraft, wahlweise unbeirrbar voranschreitend oder treibend inkl. repetitiver Grandezza, manchmal hämmernd bis fast gewalttätig-halluzinogen am Ende. Dazwischen ruhige psychedelische bis kontemplative oder geradezu sakral anmutende Breaks, unter Spannung stehende fließende oder düster-Post Punk-artige Parts, fortwährend gesteigerter/verdichteter atmosphärisch packender Post Rock, zweimal Assoziationen zu Pink Floyds Careful With That Axe (ruhig wie leichtfüßig, federnd und fast jazzy), durch Effekte Psychedelisiertes samt Minimal Music-Einfluß, diverse lange dräuende Intros (Free Form, leise bis mächtig zerrende Flächen), repetitive akkordisch gnadenlos hochgepeitschte Post Punk-Blöcke – und ein längerer toller Mix aus Can in Jam-Laune, heftig brodelndem Post Punk meets Dark Wave und PIL! 2 der 3 kürzeren Tracks sind dunkle songorientierte Balladen (in Richtung Nick Cave meets Bill Callahan bzw. unheilvoll und teilakust. mit Sängerin, im 2. Teil etwas Dark Wave-mäßig in vollmundig), der 3. ist ein friedliches sehr melodisches leicht hippie-eskes Pop-Mantra, schließlich hypnotisch-psychedelisch-außerweltlich verdichtet – sehr schön! Und immer wieder: Pathos in Härte, granitenen Furor, überwältigende Atmosphäre und atemberaubende Wucht gegossen. Ein erschöpfender Rausch in Musik. Ltd. Edition mit DVD (live 2015).

 

 

 

Radiohead – A Moon Shaped Pool
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CD / 2LP

16er, Ihr „musikalischstes“ Album seit langem, erfreulich songorientiert meist, viel Melodie, keine verstörenden Sachen, „zeitlose Moderne“, erstaunlich geschlossen (1, 2 Ausnahmen) und zugleich vielschichtig! Keine Frickelbeats, Melancholie, Sehnsüchte, Schönheit und viel Atmosphäre. In sich versunkene leicht unwirkliche bis schwebende bzw. zart getupfte Pop-Balladen (mit und ohne Intensitätsverdichtung), unterschwellig spannungsgeladene Modern-Day-Psyche-Trips mit halluzinogener Tendenz, ein erstklassiger straighter Pop-Song mit Zug und Drama, leicht elegischer wie introvertierter (Songwriter-) Pop, auch mal kleine Prisen spirituell angehauchter laidback fließender Folk Jazz (samt Assoziation zu Mitt-70er Joni Mitchell), und mehrfach schleicht sich ein gewisser Brit-Folk-Einfluß ein (nicht im Sound) von Psyche-Folk bis ins Heute gebeamter Nick Drake, akustisch-elektronisch. Neben den sehr aparten Keyboard-Sounds und strikt musikdienlichen Gitarren fein arrangierte Streicher. Für mich ihre beste LP seit vielen Jahren, die sich zudem kaum abnutzt!

 

 

 

Branford Marsalis Quartet  with Kurt Elling – Upward Spiral
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nur CD

Ein neues Album meines Lieblings-Saxofonisten. Auch hier (Sopran und Tenor), ohne lange Soli, absolut glänzend! Wie die meist herrlich subtile/sensible Band. Das Besondere: Natürlich Top-Sänger Kurt Elling, der komplett kongenial agiert, oft samten, einfühlend, warm, 1x auch leicht angespitzt, fast quirlig. Vieles kommt leise/balladesk, aber sowas von geschmackssicher, feingeistig! Von der sanften romantischen Jazzballade im Stil der 40er bis zu (mehreren) ungebundenen wundervollen „free wheelin“-Parts (nein, kein Free Jazz), und die beiden längsten Stücke (die meisten sind kürzer, prägnant songhaft) sind unfassbar zart, feinziseliert, grazil, ohne jedes falsche Sentiment, tief berührend, in sich ruhend, bestechend luftig! (1x inkl. grandioser freigeistiger Zuspitzung). Hinzu kommen eher klassischer satt swingender bis eleganter Bop, mal etwas Brasil-Feeling, sachter harmonischer Post Bop, zeitweise auch rasanter beinahe explosiver. Das alles brillant gespielt und ganz außerordentlich melodiös (viele Covers, u.a. von A.C. Jobim, Sting, Chris Whitley, Sonny Rollins, Sinatra)! Dicke Empfehlung.

 

 

 

Lightnin´ Slim – Rooster Blues
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nur CD

2016er Reissuen des wahrhaft legendäre Debut (damals auf Excello), ein echter Klassiker (seine beste LP). Eine große Figur des Blues, über die nicht oft gesprochen wird, herausragender, wichtigster Vertreter des Louisiana (Swamp) Blues mit einigen charakteristischen Eigenheiten: Ausnahmslos Songs ohne ein Gramm Fett, Drums (Percussion) wie Gitarre eher rudimentär, kein Bass, die (direkte, ungeschminkte, klassische und exzellente) Blues-Stimme beständig kommentiert von Harmonica (Lazy Lester, ab und zu Slim Harpo! Z.T. kurze Soli). Ein Nachhall des Country Blues ist zu hören, doch konsequent elektrifiziert im Stil der 50er, extrovertiert, tough, mal rockend, mal slow (bzw. ziemlich nackt), teils etwas Echo (noch ein Spezifikum). Songtitel wie Bad Luck & Trouble oder Bad Feeling charakterisieren seinen Stil. Remastered, 12 Bonustracks derselben Art und Zeit (späte 50er, um 1960 rum) von Excello. Essentiell!

 

 

 

Paul Simon – Stranger To Stranger
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CD / CD Deluxe / LP 

Der Mann hat auch 2016 immer noch was zu sagen, geht Risiken ein, sucht Neuland! Diverses lebt und basiert ganz von/auf der Rhythmik: Unterschiedlich gefärbte afrikanische Grooves v.a. (auch mit modernen/Club-Zusätzen), auch etwas Latin-Prägung, teils enorm ansteckend, nie irgendwie archaisch. Klasse! Die Stücke, die es auf über 4 Min. bringen (die Hälfte), kommen dagegen melodiebetont, „songhaft“ – wenngleich auch hier Rhythmen z.T. eine wichtige Rolle spielen (ein faszinierender von sachtem federndem unbestimmtem suggestivem Flow gespeister Song außerhalb gängiger Kategorien, dezent groovender zurückhaltender Roots Rock, oder, sachte und sehr apart, ein wenig an Graceland erinnernd). Die beiden brillanten Highlights aber klingen leise, atmosphärisch bestechend, geradezu verzaubernd (der geniale wunderschöne Titelsong, ein Kunstwerk!!) bzw. grazil, sanft und folkig, anrührend-betörend, voller farbiger Tupfer – ein Kleinod! Das Klangbild wirkt beständig sehr luftig, reduziert, mit äußerst effektiven Nadelstichen von Gitarre, Keyboards, Glockenspiel, Harmonium, Cello, Marimba, vielerlei Exotik und wirkungsvoller zarter Elektronik. Verblüffend und exzellent!

 

 

 

Luka Bloom – Frugalisto
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CD / LP

Ich mag ihn einfach, seine so angenehme eher sanftere/entspannte wie eindringliche Stimme, seine Songs, seine ganze Art. Charakteristisch sind hier die ständige Verknüpfung von akust. und sehr delikater/filigraner/melodischer/cremig singender/klangmalend verwehter E-Gitarre (wozu sich Geige bzw. Cello, mehrfach auch Flöte, Mandoline gesellen) sowie die Sorte zurückhaltender ziemlich edler Songwriter-betonter Folk (Pop), die seine irischen Wurzeln kaum einmal richtig offensiv betont, sie aber auch nicht verleugnet. Relaxt und locker fließend, zutiefst poetisch, wunderbar leichtfüßig, ganz sachte und wehmütig bzw. sanft-melancholisch, selten zudem erhebend, nur manchmal etwas extrovertierter, gar dezent tanzend. Die atmosphärisch wundervollen No Fear Here und das zarte Wave Up… sind großartig! Und sporadisch erinnert er mich auch an seinen Bruder Christy Moore (z.B. im tollen Titeltrack). Einfach schön!

 

 

 

                                Vibravoid – Psychedelic Blueprints                                                                                             

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nur CD

2016er, eine (eigentlich kaum mögliche) mit 75 Min. vollgestopfte Best of einer der weltbesten Psyche-Bands. 2 Songs der ersten beiden Alben (2000/2002), der Rest von den „regulären“ Studio-LPs 2008-13. 13 Tracks, v.a. ihre songorientierten kürzeren (trotzdem vor tollen Effekten strotzenden) mit einfachen Melodien gespickten Stücke, sporadisch Annäherungen an Psyche Pop, ein paar Mal Einfluß früher Pink Floyd-Singles. Straighte allerfeinste mächtig Space-durchwirkte Psychedelia, ab und zu ein natürlicher Rock-Groove mit Zug, punktuell eine Prise Eastern oder etwas spooky und becircend atmosphärisch. Dazwischen zwei 13-minütige Trips (ruhig, dunkel und auf faszinierende Art beinahe kontemplativ, im letzten härteren Drittel Spacemen 3-Anleihen; ein Mix aus kurzen experimentellen Parts, handfest sägendem Hawkwind-inspiriertem Space Rock und leicht hippie-eskem halluzinogenem Space-Psyche), ein längerer herrlicher z.T. träumerischer weicher harmonischer Wohlklang in Space. Natürlich stecken bei ihnen viele Elemente der späten 60er drin, aber ihr Stil besitzt deutliche Eigenheiten, ist klar wiedererkennbar (nicht oft in dem Genre!), regelrecht hyper-psychedelisch, voller einfach wundervoller bis berauschender Sounds (und organisch integrierter prächtiger Effekte). Songs wie Playing With Beuys, Politics Of Ecstasy, Empty Sky und das brillante Random Generated Future sind für mich bereits Klassiker, eine großartige Band!

 

 

 

Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble – Sing Me Home
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nur CD

.Ein Quasi-Konzeptalbum über Heimat. Eine unfaßbare Reichhaltigkeit, Substanz, Fülle an Klangfarben/Instrumenten verschiedenster Kulturen. Voller herrlicher (Ethno/Folk-) Melodien (und Rythmen), deren ganze Schönheit sich manchmal bei all der überbordenden Vielfalt erst nach und nach (und umso nachhaltiger) erschließt, gespeist aus dem mittleren Osten, Indien/Pakistan, den USA (Appalachen z.B.), Irland, Mazedonien, Mali, Galizien, Japan/China, dem Balkan, selbst der Klassik, dem Blues oder ganz altmodischem Pop (v.a. uralte Songs/Traditionals werden gespielt, aber auch ein paar Kompositionen der mitwirkenden Musiker – Hochkaräter allesamt, aus Folk wie Klassik stammend). Dabei vermischen sie die jeweiligen Traditionen/Stile immer wieder neu, innovativ, z.T. verblüffend und nie so gehört, jedes Stück ist anders. Und doch fügt sich organisch alles zusammen. In fantastischer Spiel- und Arrangeurs-Kunst, ungeheuer vielschichtig in jeder Beziehung, höchst kunstvoll und differenziert oder eher natürlich und etwas schlichter, angeführt vom Meister-Cellisten und Ikone Yo-Yo Ma himself in einem Rausch aus Farben von Saiten-, Blas-, Streich- und Schlag-Instrumenten (kaum Tasten) sowie (in den meisten Tracks) fabelhaftem, hinreißendem Gesang, teils wundervoll mehrstimmig bis hin zu Annäherungen an Bulgarian Voices oder Huun Huur Tu, u.a. sind als Gäste Sarah Jarosz, Abigail Washburn, Rhiannon Giddens, Gregory Porter, Lisa Fischer dabei (als Musiker z.B. Toumani Diabate, Martin Hayes von The Gloaming, Bill Frisell). Dramatisch, kontemplativ, tumultös, mitreißend, treibend, vollkommen friedlich, relaxt fließend, dynamisch, getragen, groovend, rasend, meditativ ist diese Musik, immer wieder auch von verzaubernder Spiritualität, das Ergebnis klingt in dieser Gesamtheit einzigartig. Berauschende 72 fast zu kurze Minuten.

 

 

 

                            Robin Trower – Where You Are Going To                                                                                   

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nur CD

Neue CD aus 2016, solide und ohne Überraschungen, er bleibt sich treu und sorgt mit seiner sublimen bedächtigen nicht auf schnellen Effekt sondern (selbst in den 2,3 eher ziemlich ausgiebigen Soli) auf Inhalt und Substanz ausgerichteten Gitarre für eine Menge Wohlfühl-Momente! Klar spielt der Blues eine große Rolle (als klassischer schleppender oder federnder, mal funkiger, oder natürlich Hendrix-verwandter Blues Rock/bluesiger Rock), fast immer, aber sporadisch/nur kurzzeitig kann die Musik sogar fast wie eine Art aparter Songwriter-Rock wirken. Der Hendrix-Einfluß wird besonders in einigen Wah-Wah-Passagen deutlich, 1,2 Mal erinnert mich die ganze Machart auch ein wenig an Mick Taylor. Die Songs sind weitgehend konzentriert/kompakt, oft zurückhaltend/laid back, selten balladesk (äußerst feinfühlige Gitarre).

 

 

 

The Rides – Pierced Arrow
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CD / LP / Deluxe CD

2016er Album  der „Supergroup“ um Stephen Stills, Kenny Wayne Shepherd und Barry Goldberg (+ u.a. Chris Layton aus Stevie Ray Vaughans Band). Nein, spektakulär klingt auch diesmal nichts. Aber die Musik entführt aufs Beste so ungefähr 45 Jahre +/- zurück, und die (angenehm kurzen/ökonomischen) Gitarrensoli von Stills (der auch oft singt) und Shepherd sind erste Sahne! Wunderbar scharf z.B. oder einfühlsam sanft stechend, gar schon mal herrlich filigran zart. Diverse klar 50s-beeinflußte Stücke, ob rockender Blues (bis hin zu einem Hauch Allman Brothers), kompakter klassischer schwerer (entfernt a la bluesigste Mountain) resp. treibender Blues Rock oder Rock´n´Roll-angelehnt (schlicht und unwiderstehlich abziehend bzw. R´n´B-Herkunft mit tollem Drive). Zum Schluß in einem Willie Dixon-Cover (und in 2 der 3 Bonustracks der Deluxe-Version) auch ganz purer 50s-Blues. Daneben 2 bluesige Balladen, tiefenentspannt, 1x bis in Hendrix-Slow Blues-Nähe; und ein toller ruhiger Song irgendwo zwischen CSN(&Y), Peter Green und Buffalo Springfield! Vinyl 180g.

 

 

 

                                   We Are Scientists – Helter Seltzer                                                                                        

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CD und LP

5. LP der US-Band, immer v.a. in England mächtig erfolgreich – kein Wunder bei dem Sound, gern mit Franz Ferdinand, Maximo Park, Bloc Party verglichen (beeinflußt sicher), Art Brut oder Weezer sind manchmal nicht weit weg. Der Sound mächtig rockig, ungeheuer durchschlagskräftig, gut scharf – die Melodien teils toll catchy, Brit Pop-angelehnt. Indie Rock, Synth Pop-Spuren, ab und zu überschwänglich schon in Power Pop-Nähe, mal ein Hauch Post Rock oder Beatles-Einfluß (im Songwriting), melodiebetont, typisch die harten markanten Gitarren-Riffs/Licks mit Synthie-Krönung, mehrfach sehr viel Drive. Aber auch süffiger Balladen-(Power-) Pop pur.

 

 

 

                                  Grateful Dead – Red Rocks 7/8/78                                                                                      

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nur als 3CD-Set

2016er Release von den Originalbändern aber alles andere als bloß „noch ein Dead-Konzert“. Von 1978, eines der bei Deadheads 3,4 legendärsten Auftritte überhaupt. Zu Recht!! Da bis vor kurzem die Masterbänder vermißt wurden, erst jetzt regulär veröffentlicht, in ziemlich exzeptionellem Sound! Nach noch etwas unrundem Opener in nicht ganz 3 Stunden ein einfach großartiges ganz ungemein präzises Set, z.T. grooviger als normal, oft ausgesprochen kraftvoll, relativ kompakt und enorm konzentriert, partiell kontrastreicher innerhalb der Tracks als sonst, zwischendurch mal leicht jazzig, Jerrys Gitarre äußerst inspiriert (gerade auch in den nicht so langen Stücken), teils von gestochener Schärfe. Und der Gesang… hab ich den jemals so gut vernommen?! Ob Weir wie Garcia, ob balladesk oder rockig, selbst Donnas Backing Vocals (fast immer dabei, manchmal beinahe perfekt!), häufig erstaunlich kräftig bis extrovertiert, manchmal auch geradezu anrührend… es paßt alles! So viele Highlights: Samson & Delilah (sehr schnell, fast wagemutig), Ship Of Fools (beste Version ever), Estimated Prophet (fantastisch, welch Soli von Jerry!), Dire Wolf, New Minglewood Blues, Other One, Terrapin Station (becircend poetisch, verzaubernder Jerry), Sugar Magnolia (Power-Klimax, lange Fassung), Wharf Rat (fast meditativ)… Als Sahnehäubchen das selten gespielte Zevon-Cover Werewolves Of London (ungewöhnliche sehr schöne bluesige Gitarre). Entweder war der Stoff besonders gut oder es gab „zu wenig“, oder es lag an der Örtlichkeit (quasi in der Natur mit toller Bergkulisse) – insgesamt für mich eins der besten Konzerte, die ich je von ihnen gehört habe (Cornell ´77 bleibt die Nr. 1, gibt´s hoffentlich auch irgendwann regulär). Für Fans ein unbedingtes, absolutes Muß. Sogar für Einsteiger bestens geeignet (auch ohne Dark Star bzw. extrem psychedelische Trips).

 

 

 

                                 Gregory Porter – Take Me To The Alley                                                                                           

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 CD / 2LP / CD/DVD

Neues Album des Shooting Star der Jazz-Sänger auf BLUE-NOTE Records, blitzartig zum erfolgreichsten überhaupt aufgestiegen – wobei Jazz zwar essentiell bleibt, v.a. in der Intonation seiner exquisiten ungemein warmen ausdrucksvollen Baritonstimme (nach wie vor ein Genuß!), die Musik aber, ganz ähnlich wie beim Vorgänger, eine Menge Soul-, R´n´B-Elemente bereithält, auch ab und zu eine Prise Pop schön altmodischer Art oder mal einen Spritzer Gospel. Alles völlig natürlich/organisch verbunden, mit Früh-70er-Referenzen, old-fashioned Grooves, seelenvoll geschmeidig, bodenständig-kraftvoll, Bill Withers-verwandt, behutsam einfühlsam balladesk (gern!). Durchweg höchst melodisch, er selbst spricht von „Singer-Songwriter-Jazz“ – er legt großen Wert auf gute aussagekräftige Texte (nur 1 Cover ist dabei). 2x fast purer (Classic) Jazz, swingend/in Bop-Nähe. Wie zuvor begleitet ein mit kurzen Sax/Trumpet-Soli ergänztes Piano-Trio, sehr fein, ab und zu Orgel. Deluxe-Version mit diversem Video-Material, z.T. live im Studio. Edel und richtig gut, ehrlich, emotional und inspiriert, keine Spur von Ausverkauf!

 

 

 

Irmin Schmidt & Bruno Spoerri – Toy Planet
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2016er Reissue des Albums von 1981, für mich die beste Solo-LP des Can-Keyboarders. Der Titeltrack, Rapido… und Springlight Rite bieten tolle fantasievolle elektronische Musik, mehrschichtig, dunkel zum Teil, spannend, ob entfernt Cosmic Music-verwandt, ein Hauch sakral, mit unterschwelligen bzw. in Wellen startenden/abebbenden Rhythmen, als partiell beinahe halluzinogene farbenfrohe Synth-Mini-Symphonie oder düster-bedrohlich anmutend (hätte gut in den „Interstellar“-Film gepaßt) – ganz exquisiter Stoff! Anderswo dominieren jiddische Einflüsse verschiedener Art zwischen getragen und angestochen (und melodiereich!) oder Electronic Grooves (fast hämmernd Disco-artig in Synergy-Nähe oder mit Zug und entfernt Steve Hillage-ähnlich). Mehrfach ganz leise/schwebende Anfänge, Atmosphäre aufbauend, langsam verdichtet/rhythmisiert. Neben Tasten aller Art sticht Spoerris Sax/Lyricon heraus, auch in längeren Soli. Und die vielen Melodien!

 

 

 

Eric Bibb & North Country Far With Danny Thompson – The Happiest Man In The World
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nur CD

Neues 2016er Material, diesmal mit einem unaufdringlichen wie feinem akustischem Saitengeflecht aus Guitar, Mandoline/Mandola und Dobro bzw. Weissenborn/Slide (selten auch Pedal Steel), geerdet von zurückhaltender aber kongenialer Rhythm Section inkl. Bass-Legende Danny Thompson (edel! Manchmal eine Spur jazziges Flair). Der Sound mutet wunderbar lose wie together an, hat Raum zum Atmen, viel Wärme, wirkt völlig natürlich und organisch – genauso wie die hier praktizierte ganz selbstverständlich wirkende Verbindung der Stile: Blues, Country, Folk, oft mit einem gewissen old-timey-Einfluß, ohne in der Umsetzung je pur so zu klingen wie damals – eher komplett zeitlos, mit 1,2 Abstechern zu mehr zeitgenössischem Americana. Die Atmosphäre ist zwanglos, heiter-gelassen, laid back, ab und zu feinsinnig-balladesk und fast swingend, sporadisch irgendwie tanzend. Und das Kinks-Cover You Really Got Me (!) kommt so ganz anders, atmosphärisch stark, besitzt unterschwellige Spannung.

 

 

 

                                                                                                                                                Eric Bibb & JJ Milteau – Lead Belly´s Gold      

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nur CD

11 Tracks live, 5 im Studio, uralte bekannte Klassiker, Leadbelly-Cover und 3 Originale, relativ puristisch und reduziert (akkustische Gitarre, glänzende ungemein volle und ausdrucksstarke Harmonica, minimalistische Drums). Entsprechend des Materials klingt Bibb sehr traditionsbewußt – auf seine spezifische Art – bis ziemlich old-timey, mischt, wie schon das Vorbild, die Stile: Blues, Folk, ein wenig Gospel oder old-fashioned Pop, sogar Spuren von Zydeco/Cajun/Jazz, agiert teils (in der Mehrzahl) rhythmisch, teils sanft bis poetisch, manchmal sogar etwas rockig (bzw. quasi als Rockabilly-Vorstufe), und fast durchgängig einfach, schmucklos – bis auf seine typische Stimme, die nach wie vor sehr zu berühren vermag. Erstklassig! Big Daddy Wilson steuert ein paar feine Harmony Vocals bei.

 

 

 

Steven Wilson – 4 ½
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LP oder CD oder CD/BluRay Audio

2016er Werk,zwischenprodukt auf 37 Minuten (4 Outtakes der letzten LP, 1 der davor, 1 Remake eines alten Porcupine-Songs). 2x Einflüsse von rockigen/härteren gitarrenbetonten Yes (1x komplex/scharf, King Crimson-Spots/elegische/sehr schöne ruhige Parts, 1x eher straight und melodiebetont). 2x ganz zurückhaltender melodischer klangmalerischer Schön-Klang mit einer Spur Romantik. 1 rockend-groovender Track mit Anleihen von Fusion und schroffen aktuelleren King Crimson. Und lyrischer gefühlsbetonter Rock zwischen Prog-Fusion, schwebend und leicht spacig. Blu Ray inkl. High Res Stereo 5.1. Mix von „Lazarus“, Vinyl 180g

 


 

 

John Cale – Music For A New Society/M.Fans
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2LP oder 2CD

Das CD-Set enthält den ´82er Klassiker remastered mit 3 unveröffentl. Outtakes und ein „complete new reworking“, „sampling the original, while creating brand new sounds“ (betitelt „M.Fans“, auch als DLP erhältlich) – also neu eingespielt unter Verwendung alter Samples - es wirkt völlig „neu“, anders! Deutlich elektronischer (ohne auf Piano, Gitarre zu verzichten, Keyboards omnipräsent), zeitgemäß in gut, (Electro) Grooves/programmierte Beats inklusive, meist dunkle Stimmung, und teilweise ganz schön faszinierend. Die Stimme klingt z.T. wie durch einen Vorhang (aber durchdringend bis fast gravitätisch, mit neu hinzugekommenen Backing Vocals). Mal pures packendes (Melo)Drama (auch in Zeitlupe), mal regelrecht erhaben, mal sägend, oft ungeheuer intensiv. (Nicht typische) Assoziationen reichen bis zu Cabaret Voltaire, Peter Hammill, Bowie (Let´s Dance-Phase/funky Groove Pop), kurz gar Sisters Of Mercy, von Post Wave-Dance Pop bis zu Noise/Industrial-Anleihen. 2 Songs des Originals fehlen, einen gibt es in 2 völlig verschiedenen Fassungen, dazu einer der Outtakes, und die abschließende getragene Einsamkeits-Ballade ist einfach wunderschön! Höchst lohnend!


 


 

 

                                                                                                                                                 Dave Gahan & Soulsavers – Angels & Ghosts          

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LP oder CD

Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Depeche Mode-Sänger mal besprechen würde, hab auch nur eher widerwillig reingehört, bin aber gleich hängen geblieben. Mit den Soulsavers (Mark Lanegan, Will Oldham etc.). Warm klingt das, Roots- bewußt, eine Art Edel-Pop mischt sich mit Blues-, Soul-, Gospel-, Americana- Einfluß, auch Nick Cave (der aktuelle) ist 1,2 x nicht so weit weg, und die Stimme paßt exakt dazu. Extrem hoher Balladenanteil, etwas Crooning, Gitarren (teils ganz exzellent!) und Orgel, meist im Verein mit Streichern, geben ganz old-fashioned den Ton an, dazu einiges Gebläse. Und leidende Melancholie. Zum guten Eindruck tragen das Songmaterial und die (für mich überraschende) Emotionalität bei.

 


 

 

                                                                                                                                      Neil Young - Blue Note Cafe        

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LP oder CD

Neues aus der Archives-Serie, live von der 87/88er-Tour vor und kurz nach der This Note´s For You-LP mit 11-köpiger Band (im Kern die 6 Bläser der LP und Crazy Horse), mit 7 Tracks des Albums, 4 unbekannten Songs (das Label spricht von 7, einige sind auch sehr rar, aber z.B. auf der Archive-Box Vol.1 – 2 uralte Stücke – oder auf Red Rocks sowie A Treasure enthalten, I´m Goin ist eine Single-B-Side der This Note´s-Zeit, 2 gibt´s auf dem Lucky 13-Sampler) und mehr, 21 Stücke, auf 148 Minuten. Musikalisch bei der Besetzung natürlich Neil-untypisch, auch die Gitarren (trotz vieler Soli, übrigens auch der Bläser, allerdings nie ausgedehnt), es geht in This Note´s-Richtung: R´n´B/Blues, z.T. in rockender Form, gar mal vollmundiger Blues Rock (´n´Roll), oder in eher klassischer, z.B. Spät-60er-Anlehnung, fett und satt groovend, bis hin in Booker T-Terrain, bzw. stoisch marschierender Blues. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, mir gefällt es sehr gut! Es gibt auch 2 leise, fast zarte Balladen, dezent bluesig. Oft in ziemlicher Schärfe mit fetzigen Bläser-Sätzen !Und die Vocals nicht gerade sehr weit nach vorne gemischt. Nur wenige Ausnahmen: Der legendäre Live-Klassiker der 80er, Ordinary People (erst auf Chrome Dreams 2 veröffentlicht) auf 13 Min., wenig Bluesanteil (aber Bläser), relativ Neil-typisch, klasse! Crime In The City, von Freedom vorweggenommen, harte treibende dreckige Crazy Horse in Richtung Ragged Glory (ohne Bläser und Orgel, die sonst fast immer dabei ist). Sowie, einziger alter Klassiker, eine epische kontrastreiche (von nackt pochend bis spannungsentladend voll bratzend) 19-Min.-Fassung von Tonight´s The Night. Für meine Begriffe ein Muß für Neil-Fans.

 


 

 

                                                                                                                                                Eva Cassidy – Nightbird             

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4LP+2CD+DVD  oder  2CD+DVD

15er Release. Live am 3.1. 1996, durch die „Live At Blues Alley“-LP (mit 12 Tracks) ziemlich berühmt, nun erstmals auf satten 140 Min. der komplette Auftritt, 32 Stücke (neu gemixt und remastered von den Mastertapes), davon eine Reihe nie von ihr veröffentlicht. Beide Formate limitiert, Vinyl 180g. Wenn es sowas wie das definitive Set von ihr gibt, dann das hier! Nur wenige haben die Fähigkeit, alten Klassikern (hier v.a. aus den 30ern bis 60ern, ganz wenige neuere) derart schlüssig und brillant neues Leben einzuhauchen – nur mittels ihrer so wundervollen in allen Schattierungen prächtig phrasierenden zu jeder Emotion fähigen Stimme. Ungeheuer einfühlsam, leise, zart, strahlend, kraftvoll, stimmgewaltig, unglaublich souverän. Was sie aus durchgenudelten Schlachtrössern wie People Get Ready, Stormy Monday, Autumn Leaves macht (nur 3 Beispiele von ganz vielen), ist beispiellos! Einfach großartig! Vom Quartett mit E-Gitarre (sie selbst spielt eine 2. oder akustische), Piano und Rhythm Section kongenial musikdienlich (ohne auf kurze gern filigrane Soli zu verzichten) begleitet (manchmal ohne Drums). Große häufig berühmte Songs aus Blues/R´n´B, Jazz, Pop, Soul, Folk, stilistisch ab und zu erweitert (multipel rootsig, sporadisch leicht angerockt, mal eine Prise Gospel) bzw. (z.B. in der Stimmung) verändert, zumeist eher genretreu, gern 50s/60s-orientiert (oder 40s), pendelnd von sanft/balladesk bis extrovertiert/quirlig/rasant. Die DVD (55 Min., 12 Tracks) vom selben Konzert, s/w, nur 1 Kamera, Bild aber recht ok (Ton sowieso). Eine dicke Empfehlung!

 

 

 

                                                                                                                                                               Dead Weather – Dodge And Burn                                          

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LP oder CD

3. LP der Band von Jack White ( WHITE STRIPES ) und Alison Mosshart (die KILLS-Sängerin) mit Dean Fertita (Queen Of The Stone-Age-Gitarrist), Jack Lawrence (Raconteurs). ROCK! In phasenweise richtig aufregend, verblüffend frisch, extrem lebendig (allein die harten beweglichen z.T. wilden Drums, der extraordinaire Gesang, aggressiv wie so vieles hier!). Keine Songwriting-Delikatessen, Haltung, Sound und enorme Schärfe zählen! Öfters eine Verbindung der Ideale und Strukturen der frühen 70er (inkl. Hard Rock) mit „modernen“ oder gar fast innovativ wirkenden Rock-Ideen, beides steht aber auch schon mal für sich – im Extrem: Eine begeisternde Led Zep-Reinkarnation (Immigrant Song läßt grüßen), ein Mix aus schleifendem Noise-Hip Hop und scharfkantigem Underground Rock. Zwischendurch ein feiner Groove, überschnappende Rasanz, einige durchdringende grandiose Gitarrenparts von heute, ein Kontrast zwischen lasziv und großartig rabiat/wütend, eine Prise messerscharfer Blues Rock (bluesige Untertöne gibt es mehrere). Nur die einzige Ballade war nicht nötig. Actionreiche aufreibende Musik.

 

 

 

  Kari Rueslatten – To The North  

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LP oder CD

2015er Veröffentlichung der norwegischen Singer-Songwriterin, von den Landschaften ihrer Heimat inspiriert. Vor allem ungeheuer atmosphärische doch nur bedingt folkige (elektrische) Balladen, stattdessen Tendenzen zum erwachsenen Edel-Pop, Zeit und Herkunft enthoben. Bestechend neben ihrer gefühlvollen emotionsgeladenen entzückenden Stimme immer wieder gleichfalls eminent atmosphärische edle herrliche die Stücke ausmalende Gitarrensounds (Keyboards sehr dezent, etwas Piano, sporadisch Flöte). Nur selten voller/kräftiger im Klang (und eher halb-balladesk). Melodisch stark (auch hier nur bis zu einem gewissen Grad Folk-basiert)! Leicht dunkel gefärbter Schönklang, live im Studio aufgenommen, ein imaginatives homogenes Album mit einigen echten Highlights (wozu der tolle schwerelose Titeltrack und eine komplett entschleunigte Version des einzigen Covers, Turn Turn Turn, gehören).

 

 

 

                                                                                                                                                                        Solveig Slettahjell - Knut Reiersrud  – Trail Of Souls                                                                                                                     

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LP oder CD

Extrem edel! Im Ganzen genossen hinterläßt das Album einen tiefen tiefen Eindruck, erzeugt eine sehr spezielle faszinierende Stimmung wie kaum ein anderes, z.B. durch die komplette Entschleunigung vieler Stücke (die Große Langsamkeit kennt man ja schon von ihr), eine geradezu suggestive Ruhe. Auch sonst: Durchweg balladesk. Manchmal nur zart getupft. Sehr sehr eigene Interpretationen von v.a. (z.T. uralten) Gospel- und Blues-Songs (Trads, Covers von z.B. Blind Willie Johnson, James Cleveland), die sich stilistisch nicht unbedingt an die Vorlagen halten, genausowenig wie Stücke von Peter Gabriel, Bill Withers, Leonard Cohen. Gospel (in meist minimaler Dosis), Blues, Songwriter-Balladen-Pop, etwas Folk, Jazz und Soul mischen sich immer wieder anders und äußerst delikat, teils wunderbar atmosphärisch aber eindringlich, zutiefst poetisch, selten handfester. Die Stimme herrlich phrasierend, ab und zu ein jazziges Flair, mal auch schlichter und dennoch ungemein gefühlvoll – genau wie die großartige gern filigrane Gitarre! Piano kommt hinzu, hier und da unterlegt ein ganz leiser verwehter bis sphärischer Synthie. Klare Empfehlung!

 

 

 

                                                                                                                                                                                            Värttinä – Viena                                                                                                                               

Viena

nur CD

2015er CD der so einzigartigen finnischen Gruppe. Die 3 Sängerinnen verzaubern mit ihren mehrstimmigen z.T. kunstvoll geschichteten warmen wundervollen Vokalarrangements wie eh und je, ein purer Genuß, doch die an die Bulgarian Voices erinnernden manchmal fast stählern wirkenden wagemutigen Ausflüge sind seltener geworden (wiewohl nicht eliminiert, v.a. in 2 grandiosen a capella-Stücken). Insgesamt überrascht die CD, denn sie gehen „back to their roots“, wurzeln weit stärker als gewohnt in finnischen Folk-Traditionen (bis hin zu fast klassischem „konventionellem“ Skandi-Folk), verzichten (beinahe) auf Rock- oder Jazz-Elemente, den „World Music“-Aspekt (und jegliche Percussion), agieren z.T. ganz pur – klingen zugleich irgendwie noch melodiereicher (phasenweise bestechend! Wunderschön!). Die Stimmungen sind vielfältig (von extrem langsam und zutiefst poetisch über getragen/melancholisch-feierlich bis sachte fließend, dezent bzw. fröhlich beschwingt oder lebensfroh quirlig, mehrfach in schneller Form rhythmisch massiv akzentuiert (1x beinahe manisch!), oder auch ein sehr angenehmer entspannter innerer Zug. Erstklassig die fein verzahnte Begleitung von verschiedenen Saiten- und Streich-Instrumenten sowie Akkordeon (selten Oberton-Flöte). Wenige Traditionals, meist Originale. Ich hab 2,3 Durchläufe gebraucht, um mich zu gewöhnen, nun bin ich nachhaltig ziemlich begeistert, einige Stücke strahlen eine total faszinierende suggestive Sogwirkung aus!

 

 

 

                                                                                                                                      Leslie West – Soundcheck                    

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LP oder CD

Leslie West ex-MountainMusiker ist hier bei seinem neuen Werk recht vielfältig, dass wird schon durch die Auswahl der Cover (nur 3 Originale) deutlich: Z.B. Going Down (krachender superfetter Rock´n´Roll), People Get Ready (der Soul entzogen, mir zu gefühlig), You Are My Sunshine (Folk-, Pop-Einfluß, ungewohnt ruhig/sparsam/sanft, wie auch Stand By Me, großteils akustisch, mit Bonnie Bramlett), Spoonful (einzig langes Stück, live, mit Jack Bruce ( Cream)-Vocals, heavy, derb, roh, auch im Sound,  fleischiger Blues Rock updated, straighter harter bluesiger Rock (fast Hard Rock), ein folkiges Akustikstück von Page bis Kottke (nachdenklich bis dicht und intensiv). Die Vocals rauh und immer noch extrem kraftvoll, Gitarre feist, singend, zerrend. Vinyl 180g.

 

 

 

                                                                                                                                         Bruce Springsteen – Agora Ballroom 1978

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3-CD Box

2014er, schon das 3. semi-offizielle Release der 78er Tour in kurzer Zeit, ebenso berühmt wie das Winterland-Konzert, legendär bei den Hardcore-Fans, es gibt so einige, die sagen: Sein bester Auftritt ever! Trägt zu Recht den Untertitel „The classic Cleveland Broadcast“. In für seine Verhältnisse relativ kleiner Halle, was zur enormen Spielfreude beigetragen haben mag. 23 Songs, 8 davon nicht auf Winterland (7 nicht auf Capitol Theater), eine Reihe stark ausgedehnte Versionen: Prove It All Night, Growin´ Up, Rosalita, Because The Night, Spirit In The Dark, Backstreets (episch, grandios!), Racing In The Street (ein Traum! Im Doppelpack mit, voller Power, Thunder Road) sowie Jungleland (majestätisch!). Auch 4th Of July kommt super. Fast alle bis dahin essentiellen Stücke sind enthalten (ok, 10th Avenue.., Streets Of Fire, vielleicht Candy´s Room hätte ich noch gerne gesehen). Plus Sherry Darling im Vorgriff auf The River und Covers: Gloria (Them), Raise Your Hand, Summertime Blues (Power-Speed-Fassung), Not Fade Away, Twist & Shout. Knapp 3 Std. Musik + 38 Min. Interview. Der Sound ist, der Quelle (Radiokonzert) entsprechend, ok. Auf Left Field Media. Für jeden Fan ein Muß. Einfach ganz groß.

 


 

 

                                                                                                                                                                 

Kante – In Der Zuckerfabrik

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nur CD

7 Jahre machten sie auf Einladung (kaum bemerkt)Theatermusik für Stücke von Goethe, Brecht, Dostojewski, Handke, Thomas Mann, Sophokles, Burroughs, Voltaire. Nun nahmen sie 2015 die Songs auf. Das Ergebnis ist  verblüffend! Und ausgesprochen reizvoll! Musikalische Wagnisse außerhalb ihres gewohnten Rahmens zuhauf. Oft ungewohnt dunkel, stilistisch von enormer Vielfalt, kommen mir nie für möglich gehaltene Assoziationen in den Sinn: Tinariwen! Wipers (Musik) goes Edel-Pop (Gesang)! Minimalistischer Avantgarde-Pop (entfernt Talk Talk meets Radiohead). Bluesig-multi-rootsig mit einer Prise Drama (und grandiosem Schluß!). Getragen-pochend entfernt a la Tom Waits. Pavement-Guitar-Sound. Experimenteller wie „klassischer“ Robert Wyatt. Lounge Lizards (Jazzeinfluß). Eine einsame faszinierend dräuende Ballade. Neuerer Scott Walker in zugänglicher. Anspruchsvoller Drama-Pop. Zerschossener Waits meets Egg und Brecht/Eisler… Zudem textlich z.T. außergewöhnlich! 15 Tracks, eine knappe ausgezeichnete Stunde!!!

 

 

 

Jeff Lynne´s ELO – Alone In The Universe

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LP oder CD

2015er Studio-„Comeback“, im Alleingang von Jeff Lynne (ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA) eingespielt. Wie schon die neue Live-DVD finde ich auch das hier klar gelungener als erwartet. Irgendwas „Neues“ probiert er nicht, er recyclet sich gewissermaßen selbst, badet in warmem Pop-Wohlklang alter Zeiten (z.B. der Beatles), klingt ab und zu altmodisch-sentimental, ganz gern getragen und sehnsüchtig, teils auch ein wenig rockiger (gar relativ gitarrenbetont, etwas Druck), erinnert schon mal an Traveling Wilburys, George Harrison, Nilsson, Roy Orbison, kurz gar ruhigen Tom Petty… Keine Streicher-Overkills. Aber es gibt gute Songs, sogar exzellente, zuvorderst "When I Was A Boy" (super melodisch) oder das groovende "One Step At A Time!"  Empfehlung: Die Deluxe-Version, hier sind die (2) Bonustracks es wirklich wert, erstaunlich reduziert für ihn, 50er Jahre inspiriert, sogar eine Spur Rockabilly.

 

 

 

Tom Liwa mit Flowerpornoes – Umsonst & Draussen

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Do-LP oder CD

Tom Liwas Comeback nach Rückzug, es hat sich einiges aufgestaut (20 Tracks in 73 Min.). Die Qualität seiner Songs ist dieselbe, die Stimme hat nichts von ihrem Charme verloren, die Musik basiert meist auf E-Gitarre – mehrfach mit traumhaften kaum identifizierbaren Sounds einer Glissando-Gitarre wunderbar veredelt! Er bewegt sich zwischen sachtem poetischem Songwriter-Pop (hinreißend schön v.a. das leicht elegische "Kuya" (samt zweier Variationen) mit z.T. Verweisen zum ruhigen Neil Young oder dem angerockten Dylan, melancholischen Balladen, 60s-/zeitlosem Gitarren-Pop, reduziertem federndem Indie Pop, Classic Rock-Guitar- dezent psychedelischem „Dream Rock“ und einem 12-minütigem (auf Vinyl gar 20) sanft-balladesk bis gewagt frei (zwischen Crescendi und Kammermusik, kurz fast a la experimentelle leise Grateful Dead) agierendem Monster. Und dann sind da noch 5 sanfte/sachte Folk-Stücke (mal ein Hauch Appalachen) nur mit Ak.Gitarre und Banjo, z.T. sehr fein!

 

 

 

Joni Mitchell with Herbie Hancock – Bread & Roses Festival 1978

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nur CD

Bisher unveröffentlichte Radiomitschnitte 2er sehr besonderer Konzerte im Sept. 1978 nach 2 Jahren Live-Pause. Sound stereo, bis auf (bei einigen Tracks deutliches) Hintergrundrauschen ok. 7 Stücke, bis auf eines von Hejira und ein getragenes wunderschönes The Circle Game (mit Gesangsunterstützung von Odetta, Persuasions, Tom Paxton, Tim Hardin) alle von „Mingus“ (weit vor der LP!), solo akust. bzw. mit Herbie Hancock am Piano (The Dry Cleaner in 2 klar differierenden Fassungen a capella). Gesanglich oft enorm fordernd, anspruchsvoll (wie die Songs selbst) und z.T. brillant, bis in höchste Höhen, musikalisch meist ziemlich jazzig (mit und ohne Swing), teils komplex, ihre Gitarre schon mal fast experimentell, Hancock kongenial, keine simple Begleitung, sondern in Kommunikation mit der Stimme. Oft klingen die Versionen hier ganz anders als später auf der LP, schon im Charakter, teils mehr Bewegung und Kontraste, mindestens A Chair In The Sky und Goodbye Pork Pie Hat finde ich sogar definitiv besser! 38 Min., + 2 Bonustracks von ´87 mit Wayne Shorter und Hancock (kleine Band), u.a. ein schnelles tanzendes Hejira. Eins der semi-offiziellen Alben mit echtem Mehrwert!

 
  

 

 

Sonny Sharrock – Ask The Ages

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nur CD

Remastered Reissue - ein Klassiker! von 1991. Die letzte und tatsächlich beste LP des innovativen Gitarristen, der u.a. mit Miles Davis (Jack Johnson), Wayne Shorter, Don Cherry und schon 1967 mit Pharoah Sanders spielte – mit dem er hier wiedervereint ist,plus Charnett Moffett und ein großartiger Elvin Jones (der Coltrane-Drummer). Coltrane-Einfluß ist denn hier auch mehrfach, mehr oder weniger stark, zu hören (ca. 1964/65), ganz kurz auch der von Ornette. Fast alle der 6 Stücke bestechen durch herrliche zentrale Themen, beseelte Melodien, in 2,3 Fällen tief bewegend, Pharoah Sanders Sax schwingt sich manchmal zu glühenden explosiven Ausbrüchen/grandiosen Soli auf, die Gitarre deckt alles von feinst melodisch singend bis zu ekstatischen/noisigen Crescendi ab, klingt manchmal gar ein wenig nach freierem Santana, die Musik pendelt, neben einer wunderwunderschönen Ballade, zwischen fließend-swingenden bzw. nervös pulsierenden Mixes aus Avantgarde und avancierter Tradition, Free und Post Bop, letzterem in swingender Eleganz und 2x geradezu ergreifendem/erhabenem spirituellem Jazz. Ich mag nicht viele Gitarren-Jazz-Alben, das hier gehört unbedingt dazu. Ganz dicke Empfehlung!

 

 

 

John Mayall – Find A Way To Care

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nur CD

John Mayall 2015 - keine Experimente, die Stimme in Würde gealtert, sein Piano- und Orgel-Spiel hat Raum (und ist ausgezeichnet, auch die Soli, wohl strukturiert, kein Ton zu viel), ein paar Mal ergänzen Harmonica seinen Sound, die Bläser sind eher begleitender Natur. Groovend-rockender Modern Blues/R´n´B (als Basis/im Songwriting 50s-beeinflußt, im Sound auch schon mal eher ähnlich späten 60ern bzw. 70s, mal völlig zeitlos wirkend) sowie (teils fast purer) 50s/Chicago Blues, zwischendurch eine Prise Boogie/New Orleans und Brit- Blues der späten 60er. 5  Stücke sind Originale,7 Songs sind  Coverversionen  von u.a. Percy Mayfield und Lightnin Hopkins (gute Songs!), Muddy Waters + unbekannten Musikern.

 

 

 

Holly Golightly – Slowtown Now!

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LP oder CD

Holly Golightly wirft fröhlich und durchschlagskräftig alle möglichen Einflüsse durcheinander, effektiv und attraktiv, führt zusammen, was zusammen gehört (oder eigentlich auch nicht), z.B. dezenten Fuzz-Rock mit 60s Pop und ganz wenig Motown (klasse Song!), Folk mit Swing und R´n´B, alten Jazz mit altem Pop, ein wenig Morricone mit 50s/60s-R´n´B, veredelten Garage Rock mit einem Schuss altmodischen Pop-Appeal (ebenfalls exzellent!), kleine Prisen Chris Isaak und J.J. Cale, sie elektrifiziert Folk und reichert ihn über den Umweg 60s-Pop mit einem Hauch Rockabilly an,  sehr schön auch ansteckender R´n´B in eher entspannten Pre/Proto-Rock´n´Roll-Zustand und das melodische sachte vor sich hin tuckernde Forevermore, 2x erinnert mich ihre zeitlose groovende R´n´B-Verarbeitung an den Alex Chilton der 80er. Die Band mit 2 Gitarren wirkt gänzlich entschlackt, tendenziell ziemlich entschleunigt (ab und zu etwas beschwingt). Klar Retro, aber ohne, dass es unbedingt nach einer bestimmten Zeit klingt. So souverän!

 

 

 

Wilco – Star Wars

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LP oder CD

2015er,Wilco`s  bislang kürzestes Album, 11 (mit 1 Ausnahme) recht kompakte, konzentrierte, präzise Stücke. Sie wirken spontaner, rauher als zuletzt, Nels Clines Gitarre leistet glänzende Arbeit (bis hin zu ein paar kurzen ziemlich grellen bis beinahe noisigen Verdichtungen). Das Spektrum reicht von Neo- Glam gepaart mit Gitarren-Pop-Rock, einer Prise Lou Reed (Velvet Underground), radikal reduzierten oder mit David Bowie derselben Zeit gekreuzten Big Star, einer Art Post- Grunge, gewissen Iggy Pop-(Solo-)Ähnlichkeiten mit T. Rex- Einflüssen, zeitlosem recht sonnigem Gitarren-Pop, (Indie) Rock zwischen Melodie und Gitarren-Schärfe bis zur zeitgenössisch eingekleideten leicht psychedelisierten Beatles-Tradition (sehr sehr schön!) und dem schroffen Intro in Nähe früher Pere Ubu oder Captain Beefheart Sounds . Erfreulich, erfrischend song-orientiert!

 

 

 

Krokodil – Sweat And Swim

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nur 2LP

140g-Vinyl-Reissue im Klappcover.Original von 1973, damals in der „Sounds“ hoch gelobt, sind die Schweizer heutzutage ziemlich vergessen. Im Zentrum steht das 18-minütige Linger, das ganz zart beginnet, sich immer mehr hypnotisch verdichtet, die Gitarren werden teilweise von Flöten-Dominanz und sanftem Gesang abgelöst – ob man das jetzt Psyche, Prog-Rock oder Kraut nennt, ist egal. Später wird daraus ein Boogie-Guitar-Jam ähnlich Man (an die auch der leise Beginn erinnert). Ansonsten: Neben dem wunderbaren poetischen Kris Kristofferson- Cover-Song  Baby Dee (purer Songwriter-Country!) und einem langen Roots-Rocker viel Blues/R´n´B-Einfluß, gern in rockender/abziehender Form, mal lakonisch in Lou Reed-Nähe, auch kleinere  Psyche/Prog-Spritzerchen, Wah-Wah. Oft unterstützt eine Harmonica die Gitarren.

 

 

 

Delta Saints – Bones

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nur CD

Bluesig- (bzw. rootsig-) rockige Musik aus Nashville , so frisch, originell, eigen (zugleich zeitgenössisch klingend und der Wurzeln bewußt), wie es heute sehr selten geworden ist, manchmal eher guter intelligenter befreiter Indie Rock. Mehrfach in faszinierender dunkler, sinisterer Atmosphäre (fast spooky ), mit z.B. supergeiler Reverb- Gitarre. Man kann  das schon irgendwo Blues Rock nennen – aber abseits aller Klischees, mal in Richtung Jack White (Producer/ Mixer hier: Ed Spear) oder mal wie bluesige schwere  Led Zeppelin / Robert Plant- Stücke (Strange Sensation..). Anderswo  ein Hauch Black Keys respective  Afro-Blues und New Orleans mit old-time-Feeling. Rhythmisch fein zum Teil mit etwas komplexeren Grooves. Stücke wie Sometimes I worry, Butte La Rose, Dust sind einfach klasse!

 

 

 

Miles Davis – At Newport 1955-1975/Bootleg Series Vol. 4

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4CD-Box

5 Stunden, großteils unveröffentlichtes Material (außer den Stücken von  1958, die 3 Tracks von ´69, einer von ´55). 1955: Nur 3 Stücke, mit Thelonious Monk und Gerry Mulligan, „konventioneller“ als später, aber reizvoll. 1958: In der „Kind Of Blue“-Besetzung (1 knappes Jahr davor, stilistisch (nicht immer) ähnlich, rasend bis mid-tempo swingend, komplett andere Stücke), ein großartiger Coltrane in Highspeed und  exquisit! 1966 und 1967: Deshalb lohnt sich alleine schon die ganze Box! Im klassischen Quintet mit Shorter, Hancock & Co, oft sehr schnell/gehetzt, manchmal fast so etwas wie allen Konventionen enthobener/befreiter BeBop. Enormes Feuer! Der (teils nervöse) Swing streift gar schon mal freies Puls-Spiel. Balladen voller Autorität, Substanz und Klasse. Klassiker wie Stella By Starlight, Round Midnight und (von Kind Of Blue) All Blues. So What klingen massiv verändert, verschärft, weit „offener“. Wow! 1969: Ein elektrisierendes Pre-Bitches Brew-Power-(Groove-)Paket. 1971: 80 Min. lang, non-stop. Mit Keith Jarrett (great!!), Gary Bartz. Deutlich anders als die vielen ´70er Aufnahmen, gern fantasievoll verspielt/differenziert, der Groove z.T. langsam/kontrolliert (oder komplexer), einige Ruhephasen, aber auch gnadenlos abziehend (oder wunderschön, beinahe spirituell). Cellar Door-Sessions ähnlich. Grandios! 1973: Mit Dave Liebman. Ein oft unglaublich intensives, messerscharfes, (über)kochendes, partiell wildes/brennendes bis kurz ziemlich freies (funky) Groove-Fest mit leiseren/atmosphärischen Einsprengseln. Überwältigend! 1975: Nur 1 kürzeres buntes/perkussives Stück. Insgesamt: Ein wahrer Schatz, ein Muß in meinen Ohren! Mit 34-Seiten- Booklet plus Poster.

 

 

 

Beach House – Depression Cherry    

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LP oder CD

2015er Album des US-Acts. Wie  zuvor ein den Hörer umhüllender Wohlklang, eine modernere Form von Dream Pop. Wobei die Sängerin (genretypisch hallverstärkt)und deren Melodien im Zentrum stehen. Kraftvoll begleitet mal die Orgel/Keyboards (z.T. kalt und glitzernd), mal die Gitarre (seltener, bzw. nur phasenweise, dafür mit so einigen tollen gleißenden/ slidenden Sounds ) im Vordergrund; oder gleichgewichtet. Ab und zu leicht oder etwas stärker dunkel gefärbt, oft relativ getragen, sporadisch eine kleine Prise Shoegazer-, Psychedelic- Einfluß, einige etwas längere Stücke. Und wie schon früher hatte ich 1,2 Mal die Assoziation „Cocteau Twins in upgedatet“.

 

 

 

Jimi Hendrix – Freedom: Atlanta Pop Festival

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2 LP oder 2CD

Offizielles 15er Release von Sony Legacy, also best-möglicher Sound.Live vom Mega-Festival am 4.7.70, die „Cry Of Love“-Band (Billy Cox, Mitch Mitchell). Einen Teil gab´s, ewig nicht mehr erhältlich, auf der raren Stages-Box und dem Atlanta-Video. Teils ganz schön wüst/wild (Spanish Castle Magic, v.a. das Solo, Fire, Purple Haze), teils sehr konzentriert (Red House, Hey Joe, top!), mal viel Zug drin (All Along The Watchtower, das scharfkantige damals neue Straight Ahead) bzw. gar mächtig abziehend (Stone Free, beschleunigt, klasse sehr lineares längeres trocken-straightes Solo; ein Highlight!). Superb das 9-minütige Hear My Train A Comin´, 2 lange immens inspirierte, ungewöhnlich „weiche“ fließende Soli, Lover Man kommt extrem agil, fast brennend, Room Full Of Mirrors irgendwie mit kleinem Country-Touch (!), Star Spangled Banner noch greller, abgefahrener als sonst, kurz explodierend. Plus Message To Love, Foxy Lady, Freedom, ein ausnehmend kraftvolles relativ kompaktes Voodoo Chile. Lang und lohnend!